Das Nordeuropa-Institut in Berlin
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Hier finden Sie die aktuelle Informationsbroschüre für das Nordeuropa-Institut im PDF-Format. Das Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin ging 1994 aus der Fusion der beiden Skandinavistiken von Humboldt-Universität und Freier Universität hervor. Mit etwa 600 Studierenden, sechs Professuren und einem breiten Lehr- und Forschungsprofil ist es das größte Skandinavistik-Institut außerhalb Nordeuropas. Innerhalb des deutschen Sprachraums ist das Nordeuropa-Institut das einzige, in dem der Fachteil Kulturwissenschaft vertreten ist. Das Nordeuropa-Institut (NI) wurde 1994 als selbständige wissenschaftliche Einrichtung an der Philosophischen Fakultät II der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) gegründet; noch im gleichen Jahr wurde das Fach Skandinavistik der Freien Universität und seine mehr als 30.000 Bände umfassende Bibliothek an die HU verlagert. Die „Linden-Universität“ beherbergt seitdem das größte skandinavistische Institut Deutsch-lands, wohl ist es auch das größte außerhalb Skandinaviens. Im östlichen Deutschland gibt es nur noch das Greifswalder Institut. Die nächste; die nächsten Fachnachbarn des NI sind Göttingen und Poznań. Mit der Fusion war auch die über zwanzigjährige Forderung der bundesdeutschen Skandinavistik nach Institutionalisierung aller vier Fachteile geglückt: Lehre und Forschung umfassen die skandinavistische Mediävistik, die neueren skandinavischen Literaturen, die Sprachwissenschaft und – erstmalig in Deutschland – die skandinavistische Kulturwissenschaft; unter dem Dach des NI sind die Sprachen Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Isländisch und Finnisch repräsentiert (auch Saamisch und Litauisch werden gelegentlich angeboten). Die internationale Vernetzung des NI dürfte in Deutschland einzigartig sein; Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland werden hierher gezogen, die Zahl der wissenschaftlichen Gäste und Anfragen steigt beständig. Das Drittmittelaufkommen liegt weit über dem Durchschnitt vergleichbarer geisteswissenschaftlicher Fächer. Personell ergänzt wird das fachliche Profil derzeit durch aus Norwegen und aus Schweden gestiftete Professuren, die „Henrik-Steffens-Professur“ und die „Dag-Hammarskjöld-Professur“. Mit ihnen wird das interdisziplinäre Profil des Institutes ergänzt, bisher kamen die Stiftungsprofessorinnen und -professoren aus der Geschichtswissenschaft, der Literaturwissenschaft, der Kunstgeschichte/Architektur, der Ethnologie, der Philosophie und der Politikwissenschaft. Das finnische und das isländische Lektorat werden zur Hälfte von den jeweiligen Regierungen finanziert. Mit der Gründung des Instituts war ein institutioneller und fachlicher Neubeginn verbunden. Auch auf die regionale Neustrukturierung Europas nach 1989 konnte reagiert werden: Nordeuropa kann seit dem Fall der Berliner Mauer nicht mehr nur die skandinavischen Kernländer Dänemark, Norwegen und Schweden meinen – seither reicht der „Norden“ von Grönland bis in die nördlichen Regionen Russlands, umfasst aus politischen, kulturellen und strukturellen Gründen auch die südlichen Ostsee-Anrainer und das Baltikum. Dieser regionalen Neuausrichtung, der man in Skandinavien den Begriff „Der Große Norden“ gegeben hat, ist das NI verpflichtet, im Wissen darum, dass nicht alle Sprachen der Region abgedeckt werden können (und müssen), sondern dass im Zeitalter der globalen Wissensgesellschaft die kulturellen Interdependenzen im Mittelpunkt stehen müssen. Am Institut wurden Professuren für Neuere skandinavische Literaturen, für Skandinavistik/Kulturwissenschaft, für Skandinavistik/Sprachwissenschaft und für skandinavistische Mediävistik eingerichtet. Außerdem konnte sichergestellt werden, dass Lehre und Forschung zur nordischen Geschichte und Landeskunde vertreten sind; für die Sprachen Dänemarks, Norwegens, Schwedens, Islands und Finnlands gibt es Lektorate. – Zusätzlich hat das Institut ein „Informationskontor“ als Serviceeinrichtung für Studierende und Wissenschaftler eingerichtet. Am NI können „Skandinavistik / Nordeuropa-Studien“ im Rahmen verschiedener Bachelorstudiengänge (Kombinations- und Monobachelor) sowie eines Masterstudienganges studiert werden; der Magisterstudiengang „Skandinavistik“ im Haupt- und Nebenfach läuft aus. Im Mittelpunkt des Studiums stehen die intensive Sprachausbildung sowie die Einführung in die verschiedenen Fachteile der Skandinavistik. Auslandsaufenthalte werden durch das Institut nachdrücklich empfohlen und gefördert. Das Nordeuropa-Institut ist kulturwissenschaftlich ausgerichtet, d.h., es ist der Interdisziplinarität unter Ausnutzung der disziplinären Ressourcen verpflichtet – in Lehre und Forschung: Aktuelle Forschung richtet sich so z. B. auf die Kultur- und Identitätsgeschichten der nordischen Länder sowie der Ostseeregion seit dem Mittelalter, auf Gender- und Intermedialitätsaspekte bei der kulturellen Bedeutungsproduktion in und über Skandinavien in verschiedenen Diskursen, auf in Literatur vermittelte Identitäts- und Alteritätsaspekte, der Fachgeschichte der Skandinavistik, auf areallinguistische Aspekte, bezogen auf den skandinavischen Sprachraum, sowie auf pragmatisch-linguistische Perspektiven, auf den Zusammenhang von Sprache, Kultur und Kognition (u. a. interkulturelle Kommunikation). Sowohl diesem Profil als auch der Hauptstadtlage ist es zu danken, dass sich das Institut zu einer Schnittstelle zwischen Deutschland und Nordeuropa, zwischen Universität und Diplomatie, zwischen Politik, Wirtschaft und Kultur erfolgreich etablieren konnte. Absolventinnen und Absolventen sind in leitenden Positionen in Wirtschaft, Politik und Kultur untergekommen. Publikationen, Öffentlichkeitsarbeit: Vermittlung Neben der Vermittlung akademischen Wissens legt das NI großen Wert auf die Präsentation und Vermittlung der Forschungsergebnisse gegenüber einer breiteren Öffentlichkeit, dies sowohl durch Publikationen als auch durch Ausstellungen und Symposien, die oft gemeinsam mit Partnern aus den nordeuropäischen Ländern durchgeführt werden. Das NI bietet ein Forum für Diskussionen mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Kunst und Politik Nordeuropas. Denn die Produktivkraft Kommunikation verlangt auch von den Universitäten die intellektuelle und die praktische Vernetzung mit der fachlichen Umwelt. Hierbei ist das NI für Studierende wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von besonderem Interesse. Am Institut werden mehrere Buchreihen herausgegeben, eine online erscheinende Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur der nordischen Länder: NORDEUROPAforum, die Kleinen Schriften des Nordeuropa-Instituts, in denen neben wissenschaftlichen Arbeiten die Jahresberichte und Vorlesungsverzeichnisse erscheinen. Auch die studentische Zeitschrift norrøna hat am Institut eine eigene Redaktion. Neben diesen klassischen Formen der Außenwirkung organisieren die Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Studierenden des Institutes kleinere und größere an die Öffentlichkeit gerichtete Aktivitäten: regelmäßige Literaturlesungen, Ausstellungen von Seminarergebnissen in den Institutsräumen, konzeptionelle und materielle Mitarbeit an Tagungen und Ausstellungen, Vorträge zu allgemein interessierenden nordeuropäischen Themen, so z. B. die Vorlesungsreihe Forum Nordeuropa. Zwei große Ausstellungen gehen maßgeblich auf das Institut zurück: Wahlverwandtschaft. Skandinavien und Deutschland 1800-1914, die große kulturhistorische Ausstellung zur skandinavisch-deutschen Begegnungsgeschichte (1997 im Deutschen Historischen Museum, Berlin, 1998 im Nationalmuseum, Stockholm und im Folkemuseum, Oslo) und Nicht nur Lachs und Würstchen. Hundert Jahre deutsch-norwegische Begegnungen anlässlich der vor einhundert Jahren erfolgten friedlichen Unionsauflösung Schweden-Norwegen (2005 in Oslo, 2006 in Bergen, Trondheim und Berlin, 2007 in Leipzig und Essen). Das Institut fördert Freiräume, in denen sich schon die Studierenden künstlerisch und medial präsentieren können; Ehemalige, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen zur „Vermittlung“ wissenschaftlicher Ergebnisse und Prozesse in die Öffentlichkeit bei – etwa durch Ausstellungen, durch die Organisation von kulturellen Veranstaltungen und Lesungen. Forschung, Lehre und Vermittlung gehören für das Institut ganz in das Zentrum des Profils. Im Rahmen des Informationskontors bietet das NI einen breiten Informationsservice zu den nordeuropäischen Staaten und zunehmend zur gesamten Ostseeregion. Dies geschieht vornehmlich über verschiedene WWW-Seiten, die auf Deutsch, Englisch und in den skandinavischen Sprachen zugänglich sind. Abrufbar sind dort beispielsweise das komplette kommentierte Fachvorlesungsverzeichnis, die Studien- und Prüfungsordnungen, Kurzbiographien und Bibliographien der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine Besonderheit des Internetangebotes ist das Nordeuropa-Portal, dessen Funktion es beispielsweise ist, mit Hilfe einer benutzerfreundlich aufbereiteten Linksammlung zielgerichtete Recherchen möglich zu machen. Über die schon vorhandene, sich kontinuierlich im Ausbau befindliche und gepflegte WWW-Linksammlung sind viele nordeuropäische Quellen, Archive, Bibliotheken, Sammlungen und relevante Institutionen direkt erreichbar und gezielte Literaturrecherchen möglich. Die Links sind – ebenso wie die herkömmlichen Bestände – einer einheitlichen Systematik zugeordnet. Der zunehmenden Bedeutung des elektronischen Informationsaustausches wird durch die Schaffung entsprechender Diskussionsforen Rechnung getragen, die in Form von Mailinglisten gepflegt werden. Daneben bietet das Informationskontor verschiedene Serviceleistungen für einzelne Lehrveranstaltungen am Institut an, z. B. Literatur-Onlinerecherchen mit Auswertung, Erstellung von Mailing-Listen, Aufbereitung der in den Lehrveranstaltungen verwendeten Materialien im HTML-Format mit anschließender Präsentation im Internet. Auch gibt es bereits Beispiele für Veranstaltungen, die direkt für das Netz konzipiert worden sind. Das Schnittarchiv ist Teil des Informationskontors. Hier ist eine Auswahl von Aufsätzen und Beiträgen aus nordeuropäischen Zeitungen des Zeitraums 1993–2000 verfügbar. Diese Sammlung wird nicht mehr erweitert. – Darüber hinaus werden diverse Materialien zu Fragestellungen und Entwicklungen in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kul-tur der nordeuropäischen Länder und Regionen gesammelt. Die skandinavistische Fachbibliothek hat ihren Schwerpunkt in der Erwerbung, Erschließung und Aufbewahrung von Literatur zur skandinavistischen Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft, Altskandinavistik, skandinavischer (originalsprachlicher) Belletristik sowie Fennistik. Sie zählt mit über 53.000 Bänden und 130 laufenden Zeitschriften zu den größten Bibliotheken ihrer Art in Deutschland und ist in Berlin und Brandenburg die einzige Bibliothek mit diesem Sammelschwerpunkt. Mithilfe von Mitteln der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung, die der Bibliothek seit vielen Jahren neben dem normalen Erwerbungsetat zur Verfügung stehen, konnte der Monographienbestand in den letzten Jahren stark erweitert werden. Außer Büchern und Zeitschriften gibt es eine Sammlung skandinavischer Filme auf Video und DVD. Alle Medien sind im online-Katalog nachgewiesen und unter der URL http://opac.hu-berlin.de/ recherchierbar. Der Gesamtbestand ist systematisch nach Regensburger Verbundklassifikation in Freihand aufgestellt und damit während der Öffnungszeiten frei zugänglich. Mit der guten Rechnerausstattung in den Räumen der Dorotheenstraße 24 bieten sich beste Möglichkeiten zur Recherche, sowohl in den eigenen Katalogen als auch in den Datenbanken in Skandinavien und weltweit. Um diese entsprechend nutzen zu können, werden in jedem Semester Rechercheschulungen für Studierende durchgeführt. Eine Sammlung von Links zur Literaturrecherche findet sich unter Das Institut pflegt eine enge Kooperation mit dänischen, finnischen, norwegischen und schwedischen Universitäten u. a. im Rahmen des Erasmus-Programms. Darüber hinaus be-standen und bestehen intensive Lehr- und Forschungskontakte zu anderen Partnern in Skandinavien und in der Ostseeregion, teilweise gegründet auf Universitätsabkommen. Ermöglicht wurde dieses durch die Förderung des DAAD und der Europäischen Kommission. Eine langfristig angelegte Forschungs- und Lehrkooperation wird insbesondere mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Dänemark und Schweden betrieben. Doch auch vermittels der norwegischen und schwedischen Stiftungsprofessuren hat sich die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit vertieft und erweitert. Des Weiteren pflegt das NI Kontakte zu vielen osteuropäischen Skandinavistik-Instituten und hat in den letzten Jahren die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre insbesondere mit Polen und den baltischen Staaten ausdehnt; mit Gdańsk, Budapest, Vilnius, Kaunas, Riga, Tartu und St. Petersburg beispielsweise wurden gemeinsame Tagungen veranstaltet und der Personenaustausch gefördert. Perspektiven Seit seiner Gründung 1994 hat sich das NI rasch profiliert. In Zeiten knapper werdender Haushaltsmittel wird es in naher Zukunft vor allem darum gehen, das gewonnene Forschungsprofil zu behaupten, verlorene Ressourcen wiederzugewinnen, die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten zu festigen und den Studierenden einen attraktiven, berufsqualifizierenden Abschluss zu gewährleisten. Zu letzterem wurden neue Studiengänge konzipiert und sind in der Erprobung: Die Sprachzertifikate wurden objektiviert, die Leistungen evaluiert; ein Studiengang Baltic Sea Area Studies mit Universitäten rund um die Ostsee wurde erprobt, er bleibt in der Planung. Mittelfristiges Ziel ist es, die nordeuropäischen Länder noch mehr von der Bedeutung Berlins als Wissenschaftsstandort zu überzeugen. |