Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 
 

Liebe Leserinnen und Leser!
Liebe Skandinavistik-Studierende!

Lastwagenfahrer haben's gut. Ein paar Tage Streik auf französischen Fernstraßen, und prompt führt der Verkehrsinfarkt zu einem Versorgungs und Industrie-Infarkt, der die Arbeitgeber und den Staat in die Knie zwingt. Wochenlange Streiks oder Demonstrationen an den Universitäten hingegen wie z. B im letzten Sommersemester lassen die öffentliche Meinung unbeeindruckt, von Solidarisierungsbekundungen ganz zu schweigen. Die Universitäten mit ihren Lehrenden und Studierenden haben keine Lobby. Das muß man beklagen, dagegen muß man protestieren, aber es darf auch unseren Ausbildungsalltag nicht unbeeinflußt lassen.

Schätzt man die Lage realistisch ein, werden wir mit akademischen Not und Mangelsituationen leben müssen. Im Verhältnis zum Sommersemester 1996 werden dieses Sommersemester am Nordeuropa-Institut 17 Wochenstunden weniger unterrichtet, weil seit dem Sommersemester 1996 vier Lehrende des Institutes ausgeschieden sind, ohne ersetzt zu werden (lediglich für die Professur zur Neuskandinavistik kann überhaupt mit einer Wiederbesetzung gerechnet werden). Die Anzahl der Studierenden hingegen hat im gleichen Zeitraum um ein gutes Viertel, d. h. um knapp einhundert, zugenommen.

Diese Situation bedingt Verpflichtungen für die Studierenden wie für die Lehrenden. Wenn die Unterrichtskapazitäten eng werden, kommt dem Selbststudium eine größere Bedeutung zu, und da mag es eine Erleichterung sein, die bisher erstaunlich wenig frequentierte Fachbibliothek wieder im Hause zu haben. Praktika und ohnehin unabdingbare Auslandsaufenthalte sind weitere Möglichkeiten, sich Bildungsangebote außerhalb des heimischen Unterrichtsangebotes zu verschaffen.

Und die Lehrenden? Der Unterricht mag mitunter verbessert, intensiviert werden. Daß in diesem Semester mehr Lehrveranstaltungen als sonst auf Skandinavisch angeboten werden, dient ebenfalls einer Verbesserung des Ausbildungsangebotes. Das Einwerben von sog. Drittmitteln ist ein weiterer Schritt, die Finanzlöcher, die die Sparpolitik des Senates auch am Nordeuropa-Institut gerissen hat, zu stopfen. Verschiedene Fachteile waren hier recht erfolgreich in den letzten beiden Jahren, und so werden z. Z. vier Hilfskräfte, eine Mitarbeiterin, drei Doktorandinnen, ein bis zwei Lehraufträge, Gastvorträge sowie nicht wenige Sachanschaffungen aus eingeworbenen Drittmitteln finanziert.

Wir werden allerdings die Folgen der Kürzungspolitik durch eigene Anstrengungen nicht völlig ausgleichen können, und man sollte die Politik auch nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Immerhin können wir immer noch das umfassendste und breiteste Lehrveranstaltungsangebot im deutschsprachigen Raum vorweisen. Daraus müssen wir, Lehrende wie Studierende, etwas machen - und damit wünsche ich Ihnen und uns gemeinsam ein arbeits wie erfolgreiches Sommersemester 1997!


Stephan Michael Schröder
Berlin, im Dezember 1996

 

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