Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 
 

Liebe Studierende,

Wenn Sie diese Zeilen erst zu Semesterbeginn lesen, ist das Nordeuropa-Institut (NI) bereits in die neuen Räume am Hegelplatz eingezogen. Die vorlesungsfreie Zeit des Sommers war dem Umzug, der Einrichtung der Büros und Seminarräume gewidmet; die Bibliothek folgt bis zum Beginn des Semesters. Wir haben die ers-ten Tees und Kaffees getrunken und werden uns wohl bereits ganz gut im neuen Haus zurechtfinden. Ich hoffe, dass Sie sich in diesem viel großzügigeren und auch komplexeren Ambiente schnell einleben und die neuen Arbeitsmöglichkeiten nutzen werden. Vor allem denke ich, werden wir alle von der Nähe zum Hauptge-bäude mit der Unileitung und den Fächern der Philosophischen Fakultät I, zu den großen Bibliotheken, zu den Kultur- und Sozialwissenschaften der Philosophi-schen Fakultät III und den fremdsprachlichen Fächer unserer eigenen Fakultät, zu U- und S-Bahn profitieren. Allein von der neuen Lage her gesehen, wird man sa-gen können, dass wir ein Stück (haupt-)städtischer geworden sind, es kann am neuen Standort spannender werden (um nicht schon wieder die viel zitierten Syn-ergieeffekte zu bemühen) – die HU ist eine städtische Universität mit allen Kon-sequenzen, keine Campus-Universität, in ihrem Leitbild hat sie das festgehalten.

Für einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war dies der fünfte Umzug seit der Wende. Als mit der Berufung des Autors dieser Zeilen Ende 1992 das Fach Skandinavistik eine institutionelle Selbständigkeit im Rahmen des damaligen Fach¬bereichs Germanistik erhielt, verfügten wir über keine eigenen Räume – abgese-hen von einem kleinen Unterrichtsraum mit Bücherregalen und einer Vor-Kammer in der Mittelstraße (mit Telefonanschluss!). Das Haus hatte vor der Nutzung durch die Humboldt-Universität Zwecken gedient, die als anstößig gelten; es ist mittler-weile abgerissen, nur die Fassade blieb erhalten und dient der Aufhübschung des Dussmann-Komplexes. Die Amtsgeschäfte wurden von einem Schreibtisch an der FU, vom Gästehaus der HU und ab Februar 1993 vom Dekanat des Fachbereichs in der Dorotheenstraße 1 aus, damals Clara-Zetkin-Straße 1, betrieben.

Von den dortigen Anfängen sind nur einige Bücher – und Erinnerungen –geblie¬ben. Mit dem langsamen Aufbau und dem personellen Aufwuchs zu einem eigen-ständigen Institut (ab 1994) wurde der Raumbedarf in einem mittlerweile ebenfalls modernisierten Gebäude (was sehr notwendig war, wie zahlreiche Anekdoten be-legen!) in der Schumannstraße 5, unweit von Charité und Deutschem Theater ge-deckt. In diesen Räumen fanden dann auch Verhandlungen mit FU-Vertretern statt, die schließlich zur Fusion der Berliner Skandinavistik an der HU führten.

Zugleich waren dies die Jahre der institutionellen (und personellen) Umstrukturierung der HU, an deren Ende auch eine neue Fakultätsstruktur stand: Die germa-nistischen und die fremdsprachlichen Institute sowie das NI bilden seither die Phi-losophische Fakultät II. Für NI und die beiden germanistischen Institute wurde die Glinkastraße 18 ab 1994 die nächste Bleibe. Hier standen uns erstmalig an einer Adresse Büro- und Seminarräume zur Verfügung, auch konnte hier die Bibliothek untergebracht werden.

Hartnäckig steht die Behauptung im Raum, dass wir dort durch unsere Nach-barn (ein Bundesministerium) und ihre Verbündeten „entmietet“ wurden: Das Haus entsprach nicht den Sicherheitsanforderungen für eine öffentliche Nutzung (es fehlte der zweite Fluchtweg, den wir über die ministeriellen Flure nicht her-stellen durften – entschied das BKA). Wir hatten zu räumen, ohne dass ein zurei-chendes Ausweichquartier zur Verfügung stand und erlebten eine bürokratische Posse, die uns ein ums andere Mal erfahren ließ, wie ernst man es hierzulande mit Universitäten meint, wie wichtig Lehre, Wissenschaft und Forschung genommen werden … Gelehrt wurde ein Semester lang in einem ehemaligen Gewerkschafts-komplex in der Torstraße 1, das für universitäre Zwecke so geeignet war, wie das zuvor genutzte ehemalige Bordell. Die alten Büroräume durften nur unter strengen Sicherheitsmaßnahmen und unter Einschränkungen weiter genutzt werden.

Die Anmietung des Mosse-Zentrums in der Schützenstraße 21 im Jahr 1996 durch die HU – von uns allen aufgrund der Notlage dankbar begrüßt – war von Anfang an als Übergangslösung gedacht. Das Provisorium hielt ganz gut, wir wa-ren gerngesehene Mieter, viel konnten wir bewegen. Mit dem Anwachsen des NI durch die Besetzung der literaturwissenschaftlichen Professur und durch die er-folgreiche Einwerbung von Projekten platzten wir bald aus unseren Nähten, muss-ten in anderen Gebäuden zusätzlich Quartier machen; es wurde aber auch die Dis-funktionalität des Gebäudes immer bemerkbar (wer hat sich im MOS nicht alles verlaufen!). Eine Neuplanung war nötig und dringlich. Sie bot sich an in unmittel-barer Nähe des rückwärtigen Hauptgebäudes der HU, an dem durch Kriegseinwir-kung leeren Platz zwischen Dorotheen- und Georgenstraße, der seinen Namen nach Hegel erhielt, aber auf keinem offiziellen Stadtplan verzeichnet ist. Die Ar-rondierung seiner westlichen Seite unter Einbeziehung des ehemaligen Seminar-gebäudes auf der Ecke zur Universitätsstraße (von seinen früheren Nutzer in un-dankbarer Erinnerung) und des Reuter-Hauses (mit den Musikwissenschaftlern) hat nicht nur eine überzeugende städtebauliche Lösung gebracht, sondern befrie-digt auch den Raumbedarf der germanistischen Institute und des NI.

Ich hoffe, dass Sie diesen neuen Komplex als den Ihren annehmen können, als Behausung für fruchtbare wissenschaftliche Belehrung und Forschung. Die Ver-antwortlichen in der Universitätsverwaltung haben sich zusammen mit uns für die zukünftige Nutzung viele Gedanken gemacht. Helfen Sie uns, da, wo wir falsch gedacht haben, Fehler zu beseitigen – und da, wo es richtig war und ist, indem Sie gut darüber reden.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Wintersemester 2006/07!


Ihr


Bernd Henningsen, Institutsdirektor
Berlin, im Juni 2006

 

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