Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 
 

Liebe Studierende,

tschüss und willkommen – ha det og velkommen!

Mit dem auslaufenden Sommersemester 2007 können/werden wir unsere ersten Bachelorstudierenden verabschieden. Der Bologna-Prozess, der eine Effektivierung und eine Homogenisierung der Hochschulausbildung in Europa bringen soll, hat für uns alle eine erhebliche Umstellung bedeutet. Das klassische deutsche Hochschulstudium gehört seither der Vergangenheit an (Residuen wird es sicher hier und da weiterhin geben). Bologna bedeutet, dass die Studiengänge internationaler, europäischer werden (sollen), dass die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen über Landesgrenzen einfacher wird, dass eine Vergleichbarkeit der erworbenen Ab-schlüsse garantiert ist. Nicht umsonst sprechen Politik und Wissenschaftsorganisationen von einem „Prozess“: Die Umstellung wird nicht von heute auf morgen funktionieren, es wird Versuchsgenerationen geben. Das muss nicht schlecht sein.

Für die Studierenden bedeutet Bologna, wie es im Jargon heißt, eine stärkere Verschulung des Studiums. Wenn Leistungen vergleichbar, Module austauschbar, Abschlüsse kompatibel werden, dann wird dies ein Raster über das Studium werfen, wie wir es aus der Schule kennen. Die Universitäten beklagen dies, sehen aber nur zu gern darüber hinweg, dass es diese Verschulung bereits im alten System gegeben hat: in den stärker berufsbezoge-nen Studiengängen, aber auch in vielen geisteswissenschaftlichen, die – wie die Skandinavistik – kein identifizierbares Berufsbild haben. Die über Jahre immer gleichen Seminarthemen und Reader legen dafür beredtes Zeugnis ab.

Für uns Lehrende – das haben wir in diesen Semestern des ersten Jahrganges deutlich feststellen können – hat Bologna vollere Seminare (Anwesenheitspflicht!) und ein größeres, merkbareres Zeitbewusstsein der Studierenden zur Folge. Das muss nicht von Nachteil sein. Dass die Studierenden nach wie vor ihre liebe Not mit Kontinuität und Anwesenheit wegen des lebensnotwendigen Zwangs zum Nebenerwerb (manchmal auch zum Haupterwerb) haben, sollte Diskussionspriorität für die Hochschulpolitik haben. Die Finanzierung der Universitäten ist eine Sache, das deutsche Stipendienwesen eine andere.

Die ersten Bologna-Studierenden verabschieden wir mit herzlichem Dank für ihr Engagement für Studium und Institut und mit den besten Wünschen für ihren weiteren Werdegang – sei es im Beruf oder für das Weiterstudium.

Das Willkommen gilt den ersten Masterstudierenden! Diese Zeilen werden zu einem Zeitpunkt geschrieben, an dem noch nicht klar ist, wie viele „unserer“ Bachelors weitermachen werden und wie viele „Neue“ von draußen reinkommen. Die Zusammensetzung der ersten Kohorte ist für uns eine genauso spannende Frage wie die des neuen Zusammengehörigkeitsgefühls dieses Jahrgangs 2009 (mit dem Sommersemester 2009 sollen sie ihr Studium abgeschlossen haben). Ich hoffe, sie werden sich bei uns wohlfühlen, ih-re Erwartung erfüllt bekommen und ein erfolgreiches Studium bei uns ab-solvieren. Die Studienordnung schreibt einen relativ rigiden Rahmen vor – mit der Betonung auf relativ, wir setzen auf Erfahrung und auf Feedback. Damit der Versuchsgenerationen nicht zu viele werden.

Gutes Gelingen!

Ihr Bernd Henningsen, Institutsdirektor

Berlin, im Juni 2006

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