Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 
 

Liebe Leserinnen und Leser!
Liebe Skandinavistik-Studierende!

Vor einem Jahr stellte der Institutsdirektor an dieser Stelle fest, daß wir aufgrund der ökonomischen Situation in Berlin auf absehbare Zeit keine "normalen" Verhältnisse mehr haben werden. Nun haben wir sie doch, aber mit umgekehrtem Vorzeichen: Normal ist, daß der Fakultätshaushalt erst im Frühsommer vorliegt; normal ist, daß wenige Wochen danach eine Haushaltsperre ausgesprochen wird; normal ist, daß um jede zu besetzende Stelle gekämpft werden muß; normal scheint auch zu werden, daß sich positive Ereignisse in ihr Gegenteil verkehren. Stephan Michael Schröder z. B. wurde aufgrund seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen ein zweijähriges Stipendium der DFG verliehen, er nutzt diese Zeit, um in Kopenhagen intensiv an seiner Habilitation zu arbeiten. Die dadurch am Institut freiwerdende Stelle jedoch ging zu 50 % verloren ...

Gewisse Lichtblicke bietet das Hochschulsonderprogramm III. Neben einem Tutorium und einer Hilfskraftstelle wird es für drei Jahre voraussichtlich wieder ein Isländisch-Lektorat am Nordeuropa-Institut geben. Zugleich aber bleiben Stellen, die Eckpfeiler der Ausbildung sind, unbesetzt. Bei Redaktionsschluß war nicht sicher, ob zu Semesterbeginn das Schwedisch-Lektorat wieder besetzt wird, ob ersatzweise Lehrauftragsmittel bereitgestellt werden oder aber überhaupt kein Anfängersprachkurs angeboten werden kann. Unklar war wiederum auch, ob die Literaturprofessur zumindest per Vertretung besetzt sein würde, von der Mitarbeiterstelle ganz zu schweigen. Und eine neue Leer-Stelle zeichnet sich bereits ab - die Mitarbeiterstelle für Mediävistik läuft im Wintersemester aus, es droht das Normale: Die Stelle wird auf unabsehbare Zeit verloren sein.

Zur erfreulichen Normalität gehört mittlerweile, daß Studierende vom ersten Semester an mitziehen. Wie vor einem Jahr wurde berechtigten Forderungen ideenreich und medienwirksam auf der Straße Nachdruck verliehen; konkreter Anlaß war die drohende Nicht-Besetzung des Schwedisch-Lektorates. Dabei konnte auf den Erfahrungsschatz der letzten Jahre (Norwegisch-Lektorat) zurückgegriffen werden. Nachdem dieses nun nach viereinhalb (!) Jahren endlich wieder besetzt ist, darf es beim Schwedisch-Lektorat nicht ähnlich lange dauern. Wir hoffen dies auch im Interesse der werdenden Hauptstadt Berlin - möge ihr die Blamage erspart bleiben, daß zum Zeitpunkt des Umzuges der schwedischen Botschaft keine universitäre Sprachausbildung mehr möglich ist.

Mittlerweile normal am Institut ist aber auch dies: Im Sommersemester waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus nicht weniger als zehn Staaten angestellt - neben allen skandinavischen Ländern waren auch Bulgarien, Polen, Rußland und Ungarn vertreten. Die seit Institutsgründung propagierte Mittlerrolle zwischen Nord und Ost wird im wahrsten Sinne des Wortes mit Leben erfüllt.

Ich wünsche Euch, den Studierenden, und uns, den Lehrenden, gemeinsam ein möglichst normales (sprich: erfolgreiches) Semester.


Tomas Milosch
Berlin, im Mai 1997

 

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