Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 
 

Liebe Leserinnen und Leser!
Liebe Skandinavistik-Studierende!

"Der Spätherbst in Berlin hat gewöhnlich noch einige schöne Tage ..." - so beginnt eine Erzählung von E. T. A. Hoffmann, und mit diesen Worten möchte ich Sie trösten, sollte der Semesteranfang schon einen Hauch der bevorstehenden Wintertage spüren lassen. Aber gerade ein Semesteranfang hat ja immer etwas Aufregendes, etwas Erwartungsvolles in sich (nicht nur seitens der Studierenden!); man hofft (noch), all das verwirklichen zu können, was man sich vorgenommen hat, und man freut sich auf den Lehrbetrieb, auf erneute Gemeinschaft.

Wie sieht es nun im Nordeuropa-Institut aus? Das Sommersemester verlief nach dem hektischen Wintersemester zuvor "geregelt", wie es damals im Vorwort gewünscht wurde: Die Schwedisch-Lektorin Ida Zelic nahm ihre Arbeit energisch und mit großem Elan auf, die neue Mitarbeiterin in der Sprachwissenschaft, Kristina Kotcheva, ebenso. Ein Curriculum über baltische Studien, eine wichtige und sehr aktuelle Erweiterung des Profils des Nordeuropa-Instituts, ist in Vorbereitung. Auch die Besetzung der dringend benötigten Mitarbeiterstelle in der Literaturwissenschaft scheint realistisch. Hingegen ist zur Zeit leider nur die Hoffnung, nicht aber die Gewißheit stark, daß die Professur für Literaturwissenschaft endlich wieder besetzt wird. In der Mediävistik können wir momentan nur hoffen, daß sich die personelle Situation in der Zukunft bessert.

Die internationale Reichweite des Instituts erweitert sich von Jahr zu Jahr: Das zeigt sich nicht nur in dem geplanten Studienangebot des neuen Semesters und in der großen Zahl der Besuchenden und Gastvortragenden. So kommt mit Thorsten Nybom für längere Zeit ein schwedischer Gastprofessor, die deutsch-schwedischen Forschungsprojekte zeigen interessante internationale Perspektiven, und nicht zuletzt bietet die Zusammenarbeit mit Södertörns högskola in Stockholm immer mehr Möglichkeiten für Skandinavist/innen, sich an internationaler und interdisziplinärer Forschung zu beteiligen.

Internationale Atmosphäre zeigt sich auch in der Herkunft des Personals: Im Sommersemester hatten wir - über die fünf skandinavischen Lektorate hinaus - Mitarbeitende aus Bulgarien, Finnland, Polen, Rußland und Ungarn. Dies entspricht der internationalen Zusammensetzung der Fachschaft, im letzten Semester beispielsweise mit Studierenden u. a. aus Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland, Litauen, Lettland, Norwegen, Polen, Rußland, Schweden.

Weltoffen und den neuen Herausforderungen gewachsen, zeigt sich für mich die Berliner Skandinavistik. Mit diesem Eindruck nehme ich Abschied von Berlin und dem Nordeuropa-Institut. Nach vier Semestern nicht ohne Wehmut und nicht ohne die Hoffnung, daß sich die fachlichen und freundschaftlichen Beziehungen, die ich mit Kolleg/innen und Studierenden hatte, auch zukünftig als langfristig bewähren werden.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Semesteranfang, denken Sie an Hoffmann, der in den erwähnten Herbsttagen in Berlin Ritter Gluck, Künstler und Kunst getroffen hat! Vielleicht erleben auch Sie ähnliche Begegnungen.

 


András Masát
Berlin, im Juni 1998

 

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