Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 
 

An alle unerschrockenen Leserinnen und Leser!

 

 

 

 

 

Zur Jahrtausendwende ist Island nun vollständig in die internationale Völkergemeinschaft einbezogen worden: Im Zeichen globalisierter Transaktionen hat am 12. Mai dieses Jahres ein organisierter Ring von "Ausländern" versucht, illegale Banküberweisungen von über 1,6 Mio. DM zu veranlassen. Eigentlich war alles genau geplant. Unmittelbar vor den Bankferien trafen gleichzeitig perfekt gefälschte Faxe mit allen notwendigen Unterschriften ein, und im mondänen Hotel Holt wurden höchst bedeutsame Verhandlungen vorgetäuscht. Um den Druck auf die gestressten isländischen Banker noch zu erhöhen, rief einer der angeblichen Geschäftsführer ("Árni Magnússon") bei seiner Bank an und unterstrich, dass die Auslandsüberweisung unbedingt noch am selben Tag über die Bühne zu gehen habe. Und dies war der einzige, jedoch fatale Fehler: Er sprach Englisch.

Was lernen wir daraus? Auch die weniger verbreiteten und unterrichteten Sprachen (im EU-Jargon: LCTL = Less commonly taught languages), zu denen übrigens alle Sprachen im Norden zählen, können unverhofft von zentraler Bedeutung für das Berufsleben werden. Sie werden am Nordeuropa-Institut in großer Breite angeboten, was durchaus wörtlich zu nehmen ist: Von Island bis Finnland sind es immerhin über 1.800 km, und der Sprachkurs Litauisch ist mehr als ein kleiner Schnörkel, er verweist auf die Perspektive(n) des Ostseeraumes. Der qualifizierte Spracherwerb ist integraler Bestandteil des Studiums der Skandinavistik und als solcher eine Schlüsselqualifikation für ein erfolgreiches Studium und auch für das Leben "danach".

Zum Studium gehören auch die Studienbedingungen. Es ist zwar nach außen ruhiger geworden um die Hochschulen in Deutschland, aber diese Ruhe ist trügerisch. In absehbarer Zeit werden Stichworte wie Konkurrenz der Hochschulen, Kurzstudiengänge, Evaluation und Studiengebühren das Klima verändern. Nicht immer zum Schlechteren, aber immer ... Hier ist große Wachsamkeit und leider auch Engagement geboten, damit es zu einem fairen Interessenausgleich kommt. Unter dem Deckmantel von Innovation, Flexibilisierung und Globalisierung vollzieht sich so mancher Etikettenschwindel, und wer will schon alten Wein aus neuen Tetrapacks trinken?

Angesichts der universitätsweiten Sparmaßnahmen dürfen wir nicht übersehen, dass es dem Nordeuropa-Institut noch so relativ gut geht, weil es an vielen Punkten von den reichen skandinavischen Ländern unterstützt wird, die mit ihren Botschaften pünktlich zu Beginn unseres Wintersemesters nach Berlin umziehen. So können wir nach der schwedischen nun auch eine norwegische Stiftungsprofessur beherbergen, die seit dem Sommersemester von Einhart Lorenz wahrgenommen wird. Andererseits gibt es Probleme, die schon eine jahrelange Geschichte haben wie die Besetzung der Professur für die Neueren Literaturen (dies ist jetzt zum Wintersemester hoffentlich ausgestanden), die Mitarbeiterstelle der Mediävistik fehlt, und auch das Isländisch-Lektorat existiert nur auf Abruf.

Zum Auftakt des neuen "Milleniums" (eigentlich bricht es ja erst 2001 an) gönnt Europa sich das Feuerwerk von nicht weniger als 9 Kulturhauptstädten auf einmal. Unter ihnen befinden sich Bergen, Helsinki und Reykjavík, während Stockholm und Kopenhagen noch in frischer Erinnerung sind. Dies sollte auch hier vor Ort ein willkommener Anlaß für vielfältige Aktivitäten sein, an denen sich jede und jeder beteiligen kann.

Besonders die Studienanfängerinnen und -anfänger möchten wir ermutigen, von Anfang an wild entschlossen zu sein und keine Gelegenheit zur (mentalen) Bereicherung auszulassen. Auch einen geradezu unerlaubt erfolgreichen Spracherwerb wünschen im Namen der Lektorate

 


Andreas Vollmer und Soffía Gunnarsdóttir
Berlin, Juni 1999

 


PS: Sachdienliche Hinweise zu einem sträflich vernachlässigten Studienangebot finden sich unter der Rubrik PS. - Die Lektorate

 

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