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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut


 
 

Hendriette Kliemann:
Koordinaten des Nordens: wissenschaftliche Konstruktionen einer europäischen Region 1770–1850

Die Vorstellungen vom Norden sind bis Ende des 18. Jahrhunderts von einem durch das antike Weltbild geprägten Nord-Süd-Dualismus bestimmt, wobei der Norden vom Atlantik bis hinein nach Asien reichen kann. Um 1800 lässt sich jedoch eine zunehmende Verengung seiner geographischen Reichweite beobachten: Der Norden wird als skandinavisch germanischer Norden konstruiert und mit neuen, kulturellen Inhalten versehen. In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich diesen Wandel anhand von Definitionen, Vorstellungen und Konzepten des Nordens in deutsch- und skandinavischsprachigen Quellen aus der Zeit zwischen 1770 und 1850. Der Focus liegt hierbei auf dem wissenschaftlichen Milieu und der Definition des Nordens als Forschungsgegenstand. Nach einer zunächst aufklärerischen, kosmopolitischen und globalen Beschäftigung mit dem Norden kommt es im Zuge einer wachsenden Konzentration der Wissenschaften auf Europa und einer immer stärkeren Spezialisierung zu einer Verengung des Forschungsgebietes und vor dem Hintergrund von Nationenbildung und der Suche nach nationalen Identitäten zu einer zunehmenden Ideologisierung der Wissenschaften, die ihren Begriff den Bedürfnissen des Nationalstaates entsprechend anpasst und für dessen Zwecke nutzt.

 

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