Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

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Mit dem Umzug von Parlament, Regierung und Diplomatie nach Berlin hat sich - so bereits die Folgerung aus den Erfahrungen seit 1994 - die Nachfrage nach den am NI vorhandenen Kompetenzen verstärkt. Um diesem manifesten Bedürfnis aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft und Kultur nachzukommen, muss die Finanz- und Personalsituation stabilisiert werden. Die Wiederbesetzung der Professur für neuere skandinavische Literaturen (einschließlich der entsprechenden personellen und sächlichen Ausstattung) war vor diesem Hintergrund ein wichtiger Schritt. Allerdings ist die derzeitige Ausstattung des Mediävistik-Fachteils nicht hinnehmbar - auf Dauer wird das Fehlen einer Mittelbaustelle die Ausdünnung des Gesamtfaches bedeuten. Zur weiteren Entwicklung des Faches und des Instituts muss an dieser Stelle auch darauf hingewiesen werden, dass die langfristige Konzeption des NI seit Berufung des Gründungsprofessors die Einrichtung einer Fennistik und einer Baltistik vorsieht.

Andererseits muss man sich im Klaren darüber sein, dass Ausweitung und Arrondierung von Wissenschaft und Forschung angesichts der derzeitigen Haushaltssituation der öffentlichen Hand nur noch durch die Einwerbung von Drittmitteln möglich sein kann. Der Erfolg in der Einwerbung zweier Stiftungsprofessuren belegt dies ebenso wie die Haushaltsentwicklung am NI: Der hohe Drittmittelanteil hat die drastischen Einsparungen in den letzten Jahren ausgeglichen, da der Anteil der universitären, nach dem Bonussystem vergebenen Forschungsmittel gewachsen ist. Dies gilt zumindest für den Personalsektor und die sächlichen Mittel, nicht hingegen für den Buchetat, dessen Rückgang als dramatisch zu werten ist. Sollte sich in der Zukunft der Trend fortsetzen, dass der fallende Haushalt durch Dritt- und Bonusmittel ausgeglichen wird (werden muss), ist das Fundraising-System grundsätzlich infragegestellt: Drittmittel sollten nicht Haushaltslöcher stopfen, sondern der Entwicklung und Profilbildung dienen. (Zum Etat des Nordeuropa-Institutes s. Anlage 11.)

Es ist aber auch festzuhalten, dass die Berliner Lage im Vergleich zur Ausstattung der Institute in den westlichen Teilen der Republik immer noch als gut bezeichnet werden muss. Verglichen etwa mit der Situation in den Geistes- und Sozialwissenschaften in Hamburg oder Marburg stehen in Berlin (mindestens aber an der HU) erheblich mehr Sachmittel pro Hochschullehrerin/Hochschullehrer zur Verfügung. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am NI mit ihren Erfahrungen in den nordeuropäischen Ländern steckt in dieser relativ positiven Bewertung der Arbeitssituation die Paradoxie des deutschen höheren Ausbildungswesens, sind doch die Arbeitsbedingungen dort von einer ganz anderen, auch materiell höherwertigen Qualität (das bezieht sich auf Arbeits- und Reisemittel, die technische Ausstattung und die "sozialen" Einrichtungen wie Verfügungsräume und Teeküchen, auch Aufenthaltsräume für Studierende).

Hinsichtlich der Ausbildung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat sich die Situation in den letzten Jahren dahingehend verändert, dass solche jetzt bereit stehen und ihre Qualifikation anbieten können: Am Institut hat sich eine Gruppe junger Absolventinnen, Absolventen und Promovierter zu einer Initiative zusammengeschlossen, die Forschung zur nordeuropäischen Region betreiben sowie für die Durchführung von Projekten Ideen und Initiativen entwickeln. Mit dieser Forschungsgruppe wurde im Herbst 1999 die akademische Veranstaltung zur Einweihung der Berliner nordischen Botschaften geplant und durchgeführt.

In seiner "Stellungnahme zur Strukturentwicklung der Hochschulen in Berlin" (Mai 2000) hat der Wissenschaftsrat (WR) das NI relativ positiv beurteilt und einen Kriterienkatalog für die Regionalinstitute entwickelt, dem aus der Sicht des NI nur zuzustimmen ist - auch wenn die Skepsis des WR gegenüber einer Strukturierung von institutionalisierter Wissenschaft nach dem geographischen Prinzip so strikt nicht geteilt wird. Diese Skepsis scheint der Tradition der westdeutschen departementalen Instituts- und Fächerorganisation geschuldet, wogegen etwa angelsächsische oder nordeuropäische Erfahrungen bzw. die gegenwärtigen Regionalisierungstendenzen innerhalb nationaler Großräume und transnationaler Kooperationen (mit ihren Chancen für kompetente Absolventen in der Weise strukturierter Fächer) kaum berücksichtigt werden.

Schließlich hat das inzwischen anerkannte Profil des NI nicht nur mit seiner geographischen Strukturierung zu tun, sondern ist in hohem Maße der damit notwendigerweise ein-hergehenden Interdisziplinarität verbunden - ohne die Aufnahme von Geschichte, Politikwissenschaft und Linguistik in den klassischen Kanon der Skandinavistik stünde das Berliner Fach vor ähnlichen (Begründungs- und Struktur-)Problemen, wie es an anderen Orten der Republik der Fall ist. Der seit 1992 unternommene Versuch einer kulturwissenschaftlichen Ausrichtung des Faches ist aus heutiger Sicht ein viel wesentlicherer Grund für die Attraktivität der Berliner Skandinavistik: Nicht umsonst wurden die beiden Stiftungsprofessuren im ersten Durchgang mit Historikern besetzt, und nicht umsonst konnte es gelingen, eine Hochschulassistenz für Gender Studies an das NI zu binden. So lässt sich unschwer bilanzieren, dass die Hinzufügung weiterer "harter" Fächer in die Skandinavistik sich als ausgesprochen positiv erwiesen hat (und von den Studierenden auch angenommen wird).

Die beschriebene positive fünfjährige Instituts-Bilanz hat ihre Gründe in der Berücksichtigung der (auf der Hand liegenden) WR-Kriterien. Wir meinen hinlänglich begründet zu haben, dass das NI

  • eine schlüssige Konzeption für Forschung und Lehre vorlegen konnte;
  • sehr gute Leistungen in der Forschung präsentierte, die in nationaler und kultureller Vielfalt sowie in wissenschaftlicher Interdisziplinarität gründen; durch die Wiederbesetzung der Professur Neuere Literaturen im Sommersemester 2000 steht eine Weiterentwicklung dieses Ansatzes bevor;
  • sich in seinem Studienangebot am Bedarf des Arbeitsmarktes und den Chancen für die Studierenden bzw. Absolventinnen und Absolventen erfolgreich orientiert hat;
  • ein hohes Ansehen in den skandinavischen Wissenschaftsgemeinschaften besitzt (nicht zuletzt gehen der hohe Drittmitteletat und die eingeworbenen Stiftungsprofessuren aus Nordeuropa auf dieses Ansehen zurück); aber auch die Reputation des Institutes innerhalb der bundesdeutschen/deutschsprachigen Skandinavistik ist eine sehr gute.
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