Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

1.7.3.1 Allgemeiner Teil

Index

Die Teilbibliothek Skandinavistik ist innerhalb der HU-Universitätsbibliothek Bestandteil der Zweigbibliothek Germanistik. Sie entstand aus der Zusammenführung von drei Bestandsgruppen: der Skandinavistik-Bibliothek der Freien Universität, der alten Nordistik-Bibliothek der Humboldt-Universität sowie Neuerwerbungen des NI bis 1994. Sie ist eine Präsenzbibliothek mit beschränkter Ausleihe. In Berlin und Brandenburg ist sie die einzige Bibliothek mit diesem Sammelschwerpunkt und zählt zu den größten Skandinavistik-Bibliotheken in Deutschland.

Bis Ende des Jahres 2000 läuft ein HSP III-Projekt zur Aufstellung der ursprünglich drei Teilbestände nach Regensburger Verbundklassifikation bei gleichzeitiger Online-Erfassung aller Bestände. Damit wird die Bibliothek des Institutes die erste skandinavistische Bibliothek in Deutschland sein, die vollständig über das Datennetz erschlossen ist.

Zum Stichtag 1. 1. 2000 hatte die Bibliothek einen Gesamtbestand von 44.224 Bänden und 130 laufenden Zeitschriften. Im Laufe des Jahres 1999 wurden 1.500 Titel neu erworben, 2.700 Bände wurden systematisiert und katalogisiert. Damit konnten die Rückstände der vergangenen Jahre vollständig aufgearbeitet werden. Der Katalog der Bibliothek ist über WWW zugänglich und enthält zz. ca. 39.000 Titel.

Etatentwicklung der TB Skandinavistik 1995-1999

Jahr regulärer Etat davon Fusionsmittel Drittmittel Gesamt
*1995 79.065 DM 30.000 DM   79.065 DM
*1996 51.378 DM 7.500 DM   51.378 DM
1997 41.500 DM     41.500 DM
1998 42.430 DM 16.000 DM   42.430 DM
1999 42.966 DM 14.500 DM 10.523 DM 53.489 DM
2000 32.819 DM 7.300 DM ca. 10.000 DM 42.819 DM

*Für die Jahre 1995 und 1996 war der Etat der Skandinavistik im Etat der Germanistik noch nicht extra ausgewiesen.

Tatsächliche Ausgaben nach Herkunft der Mittel:

Ausgaben Etat Berufungsmittel Drittmittel  Gesamt Zugang in Bänden*
1995 79.065 DM 29.528 DM   108.593 DM 2746
1996 51.378 DM 7.430 DM   58.808 DM 1368
1997 **61.001 DM 1.020 DM   62.021 DM 1223
1998 **62.894 DM     62.894 DM 1534
1999 38.804 DM   10.523 DM 49.327 DM 1505

*Einschl. Geschenken.
**Die Differenz aus Etat und tatsächlichen Etatsummen ergibt sich aus der Bereitstellung zentraler UB-Mittel am Ende des jeweiligen Kalenderjahres.

Verteilung der Ausgaben auf Monographien, Zeitschriften und Bindekosten:

Ausgaben Monographien Zeitschriften Buchbinder Gesamt
1995 89.505 DM 11.544 DM 7.544 DM 108.593 DM
1996 42.697 DM 14.938 DM 1.173 DM 58.808 DM
1997 46.742 DM 13.181 DM 2.098 DM 62.021 DM
1998 49.264 DM 9.117 DM *4.513 DM 62.894 DM
1999 38.988 DM 7.864 DM 2.475 DM 49.327 DM

*Hier 1800 DM zusätzlich für Buchbinder.

Durchschnittliche Verteilung der Mittel für Monographien auf die Fachteile (1999):

Mediävistik 10%
Kulturwissenschaft 30%
Sprachwissenschaft 15%
Neuere Literaturen 27%
Fennistik  6%
Allgemein  12%
Gesamt 100%

http://www.ub.hu-berlin.de/bibliothek/zweigbibliotheken/german/skandi_html

Öffnungszeiten: Montag-Freitag 9.30-19 Uhr (Semesterferien 10-16.30 Uhr). Ab Wintersemester 2000/2001 gelten die Öffnungszeiten 9.30-19 Uhr auch in den Semesterferien.

1.7.3.2 Spezifischer Teil

Was die Nachschlagewerke, die bibliographischen Hilfsmittel und die Zeitschriften betrifft, so ist der Bestand insgesamt als gut bis sehr gut zu bezeichnen; es ist dies eine Folge auch der Beschaffungspolitik an der FU, die diese Bereiche so komplett wie irgend finanzierbar ausgestattet hat. Allerdings gibt es auch hier einen gewissen Ergänzungsbedarf für die erst seit einigen Jahren bestehenden Fachteile Sprach- und Kulturwissenschaft.

Die Bestände der Mediävistik sind als sehr gut zu bezeichnen; bereits der 1994 übernommene FU-Bestand war im Bereich kontinuierlich getätigter Neuanschaffungen und antiquarischer Rückergänzungen recht umfangreich, allerdings mit eindeutigem Schwerpunkt auf der westnordischen ("norrönen") Literatur. Durch die Fusion mit der Nordistik-Bibliothek der HU, deren Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, ergaben sich erwünschte Komplettierungen und Ergänzungen. Bei der dänischen und schwedischen Mittelalterliteratur gibt es allerdings noch Lücken, v. a. bei der Sekundärliteratur.

Da bereits an der FU landeskundliche Werke angeschafft worden sind und seit der Einrichtung der Professur für Kulturwissenschaft 1992 recht umfangreiche finanzielle Mittel aus Berufungszusagen, dem regulären Etat sowie eingeworbenen Drittmitteln zur Verfügung standen, ist die Ausstattung der Fachbibliothek aus kulturwissenschaftlicher Perspektive insgesamt zufriedenstellend. Wichtige Nachschlagewerke und Handbücher sind durchweg vorhanden, auch die für Lehrveranstaltungen und spezifische Forschung benötigten Bücher konnten bisher angeschafft werden. Eine thematische "Flächendeckung" in bezug auf Skandinavien ist angesichts der Begrenzungen des Etats einerseits und des enormen Themenumfangs von interdisziplinär arbeitender Kulturwissenschaft/Geschichte andererseits nicht möglich und wird dies auch niemals sein. Schon für manche Fachzeitschrift ist man auf andere Bibliotheken in Berlin, wenn nicht im skandinavischen Ausland angewiesen; gleiches gilt für wichtige Fachliteratur. Aus der Perspektive des NI ist diese wohl unabänderliche Situation nicht nur ärgerlich angesichts langer Wege in Berlin sowie immer noch fehlender Online-Bestellmöglichkeiten der anderen Bibliotheken in Berlin, sondern zu-nehmend auch problematisch angesichts der Kürzungszwänge dieser Bibliotheken, auf die skandinavistische Nutzer keinen Einfluss haben.

Der sprachwissenschaftliche Buchbestand der Bibliothek besteht aus den einschlägigen Teilen der früheren FU- und HU-Bibliothek und den neuen seit April 1994 für die Professur "Skandinavistische Linguistik" angeschafften Titeln (Berufungsmittel und anteilige jährliche Etatmittel). Obwohl die Grundliteratur aus dem Bestand der FU und HU vorhanden ist, wirkt das Fehlen des Fachteils Sprachwissenschaft an der FU und der ehemals ein-geschränkte Umfang des Fachteils an der HU nach. Trotz der Neuerwerbungen gibt es immer noch spürbare Lücken sowohl im Zeitschriftenbestand (z. B. "Danske Folkemaal", "Journal of Nordic Linguistics" oder die finnlandschwedischen "Folkmaalstudier") als auch im Monographienbestand. Am besten sind die sprachwissenschaftlichen Disziplinen ausgestattet, die mit altnordischer Philologie zu tun haben (wie z. B. zum Altisländischen oder zur Sprachgeschichte). Monographien, Sammelbände, Kongressberichte und auch einige sprachwissenschaftliche Zeitschriften aus dem Zeitraum 1950-1990 sind sehr schlecht repräsentiert.

Für den Fachteil Neuere skandinavische Literaturen gibt es einen Grundstock aus der FU-Bibliothek, der allerdings - weil das Sammelgebiet sehr viel umfangreicher ist und mit seinem Aufbau in nennenswertem Umfang erst seit etwa 1970 begonnen wurde - nicht so gut ausgebaut ist wie der mediävistische Bestand. Durch die Fusion ergaben sich hier Ergänzungen im wesentlichen im Bereich von in der DDR erschienener Literatur (v. a. Übersetzungen). Die wesentlichen Werkausgaben und ein beachtlicher Teil der Forschungsliteratur sind vorhanden; allerdings gibt es Lücken v. a. außerhalb des klassischen Kanons und im Bereich älterer Forschungsliteratur. Der Bestand ist seit 1995 nach Maßgabe verfügbarer Mittel kontinuierlich ergänzt worden. Die Berufungsmittel im Zusammenhang mit der Wiederbesetzung der Professur ab Sommersemester 2000 sollten hier vor allem zur Schließung solcher Lücken eingesetzt werden.

Das skandinavistische Profil der Bibliothek wird durch einen Buchbestand zur Fennistik und Kulturwissenschaft Finnlands stark erweitert. Darüber hinaus werden mehrere finnische Zeitungen, Zeitschriften und wissenschaftliche Periodika fortlaufend bezogen.

Bleibt es für mehrere Jahre - oder gar auf Dauer - bei einer sich abzeichnenden deutlichen Absenkung der Bibliotheksmittel, wird die Bibliothek ihre Funktion als Forschungsbibliothek verlieren. Es wiegt dies umso schwerer, als sie die einzige Bibliothek im Raum Berlin/Brandenburg ist, die Scandinavica systematisch und einigermaßen repräsentativ sammelt.

Das Fach hält es für ausgesprochen dysfunktional, an einem Institut dieser Größe mit erheblichen Personalmitteln eine beachtliche Lehr- und Forschungskapazität zu finanzieren, diesem Personal aber die notwendige Sachausstattung - die in einem geisteswissenschaftlichen Fach im wesentlichen aus Büchermitteln besteht -, entscheidend zu beschneiden. Nach den Erfahrungen der letzten fünf Jahre ließe sich mit einem Aufwand von ca. 50.000-60.000 DM jährlich der Bestand auf einem Niveau halten, der die Fachbibliothek für Personal, Studierende und externe Nutzer aus dem Raum Berlin-Brandenburg als angemessen ausgestattetes Arbeitsinstrument auch in Zukunft erhält. Eine Summe dieser Größenordnung muss im Vergleich zu den aufgewendeten Personalmitteln als ausgesprochen gering bezeichnet werden (ca. 2/3 BAT II-Stelle).

zurück weiter