Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

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Eine wesentliche Maßgabe bei der Neuerarbeitung der Studienordnung war die Berücksichtigung der durch die Fusion neuentstandenen Fachteilvielfalt am Institut. Eine frühzeitige Spezialisierung auf nur einen Fachteil sollte vermieden werden; statt dessen galt es - die Definition der Skandinavistik als regionalwissenschaftliche Disziplin (so § 4 (1) der Studienordnung) ernst nehmend -, den Studierenden vor allem im Grundstudium einen möglichst breiten Einblick in die verschiedenen Fachteile zu gewähren. Zur Verwirklichung dieses Zieles beginnt das Studium gleich im ersten Semester mit einem zweisemesterwochenstündlichen Pflichtkurs, der in Fachverständnis und Arbeitsweisen des Faches einführt und von den Lehrenden des Institutes gemeinsam unterrichtet wird. Des weiteren sind Hauptfachstudierende verpflichtet, während des Grundstudiums aus sämtlichen Fachteilen Grundkurse zu belegen (Nebenfachstudierende dürfen sich auf zwei Fachteile beschränken). Auch im Hauptstudium müssen Hauptfachstudierende ihre Hauptseminare aus zwei verschiedenen Fachteilen wählen und zudem eine Übung zur nordischen Geschichte (oder alternativ ein weiteres Hauptseminar) besuchen.

In der Kommission hatte man sich seinerzeit frühzeitig dagegen entschieden, von der in § 3 (3) erwähnten Möglichkeit Gebrauch zu machen, bis zu zwei Semester für Propädeutika, in casu Fremdsprachenausbildung, dem Regelstudium vorzuschalten. Man befürchtete eine Verlängerung der Studienzeit sowie eine implizite Bestätigung der falschen Erwartung großer Teile der Studienanfänger, dass es sich bei der Skandinavistik um ein Sprachstudium handle. Da aber skandinavische Sprachkompetenzen für ein Studium der Skandinavistik im Haupt- wie Nebenfach unerlässliche Voraussetzung sind, stellt die Sprachausbildung den größten Block der Wahlpflichtstunden im Grundstudium dar (18 SWS von 40 SWS im Hauptfach, 14 SWS von 20 SWS im Nebenfach). Im Hauptstudium folgt lediglich noch eine Übung zur interskandinavischen Kommunikation als Ergänzung zur "nationalsprachlichen" Ausbildung im Grundstudium. Eine intensivere Sprachausbildung wäre sicherlich wünschenswert, doch verhindern die Prämissen der MAPO HUB, die begrenzten Unterrichtsressourcen am NI sowie die Notwendigkeit, die Studierenden frühzeitig auch an fachwissenschaftliche Fragestellungen heranzuführen, eine Ausweitung der SWS für die Sprachausbildung.

Dieses Ausbildungsprofil, das deutlich stärkere Akzente in der fachwissenschaftlichen als in der Sprachausbildung setzt, entspricht andererseits den vorhandenen Lehrkapazitäten. Mit diesen wäre eher eine weitere Verschiebung zugunsten der Fachwissenschaften als zugunsten der Sprachpraxis möglich. Für dieses Lehrprofil am NI spricht nicht zuletzt die relativ hohe Zahl von Studienortswechslern, die gerade aus diesem Grunde die Berliner Skandinavistik wählen. Ein deutlich stärker sprachpraxisbezogenes Profil bietet beispielsweise das Nordische Institut in Greifswald. Solche verschiedenartigen Akzentsetzungen scheinen angesichts der geringen Größe des Gesamtfachs in Deutschland angebracht und wünschenswert.

Nach der Studienordnung § 1 (3) sind die Lehrenden gehalten, den Praxisbezug ihrer Lehrveranstaltungen erkennen zu lassen; zwischen den Semestern werden berufsorientierte Praktika empfohlen. Hauptfachstudierende müssen zudem im Laufe ihres Hauptstudiums an einer Exkursion teilnehmen, bei der "ein enger Kontakt zu Forschungs-, Berufs- und Arbeitsfeldern angestrebt wird" (§ 5 (1)).

Im Großen und Ganzen hat sich die Studienordnung seit 1997 bewährt - so das Ergebnis einer vom Institutsrat eingesetzten, paritätisch besetzten Studienordnungskommission im Januar 2000. Seit ihrem Inkrafttreten ist die Studienordnung daher nur durch Ausführungsbestimmungen und -empfehlungen modifiziert bzw. ergänzt worden. Eine grundlegende Überarbeitung würde ohnehin voraussetzen, dass zunächst das Korsett der MAPO HUB modifiziert werden würde (s. u.). Um den Studierenden eine bessere Orientierung über die einzelnen Fachteile zu ermöglichen, werden die Grundkurse ab dem Wintersemester 2000/2001 ausnahmslos als übersichtsartige Einführungen in den spezifischen Fachteil unterrichtet, während sie zuvor - so die Formulierung in § 5 (1) - "fachwissenschaftliche Grundkenntnisse und -fähigkeiten am Beispiel ausgewählter Gegenstände vermitteln", also mehr exemplarisch verfahren sollten. Als besonders diskutabel haben sich die Festlegungen zu den Modalitäten der Sprachausbildung erwiesen, die einer fortwährenden fachinternen Kritik unterliegen. Besonders umstritten ist die Gestaltung der Übung zur interskandinavischen Kommunikation, nicht aber deren Notwendigkeit. Allgemein als wünschenswert angesehen wird auch eine Aufwertung des finnischen Lehrangebotes zu einer 'regulären' Sprache (wegen der begrenzten Unterrichtsressourcen ist das Finnisch-Lehrangebot zur Zeit supplementär und daher in § 12 der Studienordnung ausgegliedert) sowie eine Differenzierung der Sprachausbildungskurse nach dem durchaus verschiedenen Niveau der Anfänger. Entsprechende Änderungen in der Studienordnung setzen jedoch zunächst eine Erweiterung der personellen Ressourcen voraus.

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