Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Index

2.3.3.1 Grundkurskonzept

Hauptfachstudierende sind verpflichtet, während des Grundstudiums aus Grundkursen aller vier Fachteile je einen Leistungsnachweis zu erbringen, Nebenfachstudierende können sich auf zwei der vier Fachteile beschränken.

Um den Studierenden in der Eingangsphase ihres Studiums einen möglichst breiten Ein- und Überblick über die verschiedenen Fachteile geben zu können, sind die Grundkurse der vier Fachteile seit dem Sommersemester 2000 einheitlich so konzipiert, dass sie - aufbauend auf die erste inhaltliche Einführung im Propädeutikum - möglichst breite Einführungen in Fachgegenstand und Methodik des jeweiligen Fachteils liefern. Dadurch besitzen alle Studierenden am Ende ihres Grundstudiums Kenntnisse aus allen vier Disziplinen zur nordeuropäischen Region. Zugunsten eines fundierten Grundwissens über die Skandinavistik in ihrer disziplinären Bandbreite hinweg wird damit eine frühzeitige Spezialisierung im Grundstudium auf nur einen Fachteil aufgegeben. Während die Grundkurse früher - so die Formulierung in § 5 (1) der fachspezifischen Studienordnung - "fachwissenschaftliche Grundkenntnisse und -fähigkeiten am Beispiel ausgewählter Gegenstände vermitteln", also mehr exemplarisch verfuhren, kommt diese Rolle nun verstärkt den Übungen im Grundstudium zu, die somit eine neue und zentralere Rolle gewinnen. Sie dienen nun der exemplarischen disziplinären oder interdisziplinären Beleuchtung und Umsetzung der in den Grundkursen erworbenen Grundkenntnisse auf spezifische fachliche Inhalte. Zusätzlich dienen sie nun verstärkt der konkreten Themenfindung für Zwischenprüfungen und bekommen dadurch innerhalb des Studienplans eine größere Relevanz, wo diese Aufgabe bisher zu einem großen Teil ebenfalls von den Grundkursen übernommen worden ist.

2.3.3.2 Vorlesungen

Die überblicksartige Anlage der Grundkurse wird zusätzlich durch spezifisch auf Grund-studiumsstudierende zugeschnittene Vorlesungen unterstützt, die in regelmäßigem Turnus disziplinenspezifische skandinavistische Grundkenntnisse vermitteln. Diese Vorlesungen setzen keine Vorkenntnisse voraus und sind deshalb auch besonders für interessierte Hörerinnen und Hörer aller Fakultäten geeignet.

In allen Fachteilen werden zudem neben den allgemein einführenden Vorlesungen auch solche angeboten, die in direktem Zusammenhang mit aktuellen Forschungsprojekten, kulturellen Ereignissen oder historischen Begebenheiten stehen. Das Vorlesungsangebot wird zudem durch eine große Zahl von Gastvorlesungen und -veranstaltungen (im Rahmen der ERASMUS-Kooperationen bzw. initiiert durch die Gastprofessuren am Institut) mit Persönlichkeiten des skandinavischen wissenschaftlichen und öffentlichen Lebens, die in der Regel in ihren skandinavischen Muttersprachen vortragen, ergänzt.

2.3.3.3 Sprachausbildung

2.3.3.3.1 Allgemeiner Aufbau

Das reguläre Angebot umfasst die Sprachen und Kulturen Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens. Auf der Basis von Lehraufträgen finden darüber hinaus seit dem Sommersemester 1999 Litauischkurse statt. Die Sprachausbildung im engeren Sinne ist auf das Grundstudium konzentriert. Dänisch, Isländisch, Norwegisch und Schwedisch werden in drei aufeinander aufbauenden Sprachkursen gelehrt (je 4 SWS), die wegen der beschränkten Personalkapazitäten nur im Wintersemester beginnen können. Sprachkursbegleitend wird im Dänischen, Norwegischen und Schwedischen im ersten Semester eine Übung zur Phonologie und im zweiten Semester eine Übung zur Grammatik der jeweiligen Sprache angeboten (je 2 SWS, damit je 1 SWS mehr als lt. StO vorgesehen). Die Inhalte dieser Übungen sind im Finnischen wie im Isländischen in die Grundausbildung integriert. Da für das Finnische nur das Lehrdeputat einer halben Stelle zur Verfügung steht, ist die Ausbildung in vier aufeinander aufbauenden Kursen mit reduzierter Stundenzahl organisiert (insgesamt 12 SWS). Vorwiegend im Sommersemester werden zusätzlich Übungen im Grund- und Hauptstudium zu literarischen, linguistischen und landeskundlichen Themen in den jeweiligen Sprachen angeboten.

Im Rahmen der skandinavistischen Ausbildung werden - wie oben bereits erwähnt - von den Studierenden die aktive Beherrschung einer der drei "großen" Sprachen sowie passive Fertigkeiten in den beiden anderen Sprachen erwartet. Isländisch ist diesen Sprachen prinzipiell gleichgestellt, d. h. es könnte als Hauptsprache in die Gesamtstudienleistung eingebracht werden, aber es wird von der Konzentration allein auf das Isländische wegen der synchron gesehen relativ isolierten Stellung gegenüber den anderen skandinavischen Sprachen abgeraten. Ähnliches gilt für das Finnische, das nicht einen Sprachkurs in einer modernen skandinavischen Sprache ersetzen kann. Die hier erbrachten Leistungen können lediglich als Wahlpflichtstunden innerhalb der Gesamtstundenzahl des Skandinavistikstudiums eingesetzt werden.

2.3.3.3.2 Probleme und Perspektiven

Die grundlegenden Probleme teilen die Lektorate in zwei Gruppen: Die der "großen" Sprachen Dänisch, Norwegisch und Schwedisch und die der beiden "kleinen", Finnisch und Isländisch.

Das Hauptproblem der drei "großen" Sprachen ist alt, hat sich aber dennoch in den letzten Jahren zunehmend verschärft: Die Eingangskurse sind notorisch überlastet, 30 bis 40 Studierende sind hier die Regel. Schwedisch wird wegen einer konstant etwa doppelt so großen Nachfrage in zwei Parallelkursen angeboten, was durch eine erhöhte Lehrkapazität möglich ist. Maßnahmen wie die vorübergehende Einführung eines NC blieben wirkungslos; auch die gegenwärtige Praxis eines groben Auswahlverfahrens kann nur sicherstellen, dass Fach- und andere Studierende mit einem nachweisbaren Studieninteresse Plätze erhalten. Die maximale Gruppengröße orientiert sich dabei - nicht zuletzt aus juristischen Erwägungen - an der Kapazität des Sprachlabors, nicht an didaktischen Erfordernissen. Zur Entlastung können seit 1999 zusätzlich stundenreduzierte Kurse für Nicht-Fachstudierende in den Sprachen Norwegisch und Schwedisch aus Sondermitteln der beiden Staaten auf der Basis von Lehraufträgen veranstaltet werden.

Für die Lektorate Finnisch und Isländisch erweist sich als strukturelles Problem, innerhalb des Studienganges gegenüber den Grundkompetenzen in den "großen" Sprachen nur als "Zusatzangebot" zu erscheinen. Dies betrifft nicht nur die Sprachkurse, sondern in der Folge das weitere Spektrum des Kursangebotes, da schon allein aus Mangel an Übersetzungen mit originalsprachlichem Material gearbeitet werden muss. Trotz des in der Regel über-durchschnittlichen Engagements der Studierenden erweisen sich Zeiten erhöhten Arbeitsaufkommens in anderen Fächern (Referate, Klausuren, Prüfungen oder Praktika) immer wieder als destabilisierend für die Arbeitsgruppe und gefährden die Kontinuität der Kurse.

Für den Spracherwerb im Grundstudium kann nur ein semesterübergreifender Leistungsnachweis (benoteter Schein) ausgestellt werden, die erfolgreiche Teilnahme an anderen Veranstaltungen der Lektorate wird "nur" mit Teilnahmenachweisen bescheinigt (Prüfungsordnung § 4 (2)). Dies liegt an den Rahmenbedingungen der geltenden Magister-Prüfungsordnung, die vorsieht, dass für die Anmeldung zur Zwischenprüfung nicht mehr als vier bewertete Leistungsnachweise (im Hauptfach, im Nebenfach zwei) aus dem gesamten Studiengang gefordert werden können (Prüfungsordnung § 5 (1)). Besonders für die Sprachausbildung ergab sich daraus das Problem, dass erst mit dem dritten Sprachkurs, also dem Ende der Grundausbildung, der Kursstandard verbindlich durchsetzbar war, was ab dem zweiten Semester insbesondere in den "großen" Sprachen immer wieder zu großer Heterogenität der Kurse in Bezug auf die erworbenen Kompetenzen und den weiteren Lernfortschritt führte. Daraufhin beschloss der Prüfungsausschuss Germanistik/Skandinavistik auf Antrag des Institutsrates des NI im Mai 1998 die jetzt praktizierte Regelung für die "großen" Sprachen. Demnach ist das Bestehen der Abschlusstests in den jeweils vorausgehenden Sprachkursen (einschl. Phonologie und Grammatik) unabdingbare Voraussetzung für das Fortsetzen der Sprachausbildung. Dies ist auch der Maßstab für Studierende mit Sprachvorkenntnissen, die in höhere Kurse einsteigen wollen. Auch für Muttersprachler sind die Tests in Phonologie, Grammatik und der Sprachkurs 3 verbindlich vor-geschrieben.

Für eine intensivere und effektivere Sprachausbildung wären Einstufungstests vor Studienbeginn unbedingt wünschenswert, die sowohl Fremdsprachen- als auch grammatische Vorkenntnisse der Bewerberinnen und Bewerber ermitteln. Der Lernfortschritt der Studierenden sollte kontinuierlich überprüft und bewertet werden. Ebenso sollte der Sprachunterricht selbst in geeigneter Form regelmäßig evaluiert werden.

2.3.3.3.3 Ausbildungsziele

Ziel der Sprachausbildung in den drei "Hauptsprachen" ist die Vermittlung einer sprachlichen Kompetenz, die die Studierenden in die Lage versetzt, Studienaufenthalte im Land der gewählten Sprache (beispielsweise im Rahmen von ERASMUS) sprachlich zu bewältigen.

  • Sprachkurs 1: Der Kurs führt in die jeweilige Sprache ein: Aussprache, Grundwortschatz, Morphologie und Syntax. Im Vordergrund steht die Entwicklung einer kommunikativen Kompetenz in alltäglichen Situationen. Das Verstehen geschriebener und gesprochener Texte wird gleich hoch bewertet, und die Kenntnis der elementaren phonologischen, morphologischen und syntaktischen Regeln wird durch verschiedene (simulierte) situationsgebundene Übungen aktiviert.

  • Phonologie: Die Übung zur Phonologie ist deskriptiv und kontrastiv aufgebaut, da über 90 Prozent der Studierenden als erste Sprache Deutsch haben. Sprechübungen im Sprachlabor in Verbindung mit theoretischen Überlegungen sollen den Lernenden zu einer Verbesserung des Hörverständnisses sowie zu einer sicheren phonemtreuen Aussprache verhelfen. Deshalb nehmen Übungen zum Verhältnis Graphem-Phonem (Allograph-Allophon) einen großen Teil der Zeit in Anspruch. Diese Übungen beinhalten im wesentlichen das Schreiben gesprochener Texte und das Vorlesen geschriebener Texte. Behandelt werden die jeweiligen Besonderheiten der vermittelten Sprachen im segmentalen und suprasegmentalen Bereich.

  • Sprachkurs 2: Wie im SP 1 ist die Entwicklung einer kommunikativen Kompetenz das primäre Lernziel. Die Regelsysteme und die hochsprachlichen Normen werden umfassender und systematischer vermittelt als im SP 1. Ab SP 2 verlagern sich die eingesetzten Methoden etwas in Richtung deskriptiv, analytisch und kontrastiv, ohne dass die sozialen Komponenten des Sprachnutzens vernachlässigt werden.

  • Grammatik: Die Übung zur Grammatik ist ebenso wie die Phonologieübung deskriptiv und kontrastiv im methodischen Ansatz. Der Kurs vermittelt systematisch die wichtigsten Bereiche der Morphologie und Syntax der jeweiligen Sprache; vor allem werden Wortschatz und Satzstrukturen des im SP 2 verwendeten Materials behandelt.

  • Sprachkurs 3: Im Kurs 3 werden gezielt Leseverständnis und basale Übersetzungskompetenzen zusätzlich zu den übrigen Inhalten und den davon mehr oder weniger abhängigen Methoden eingesetzt. In diesem Kurs werden sowohl moderne Lehrbuchtexte mit Übungen als auch ältere literarische und philosophische sowie moderne fachspezifische Texte - sprachwissenschaftliche und literaturwissenschaftliche - gelesen. Darüber hinaus sind Hör- und Leseverständnisübungen, Übersetzungen aus dem Deutschen in die Zielsprache und umgekehrt, Bildgeschichten, Synonym? und Antonymübungen und unvollständige Texte, die vom Teilnehmer zu ergänzen sind, wichtige Bestandteile der Arbeit im Kurs.

  • Sprachtutorien: Auf Initiative des Fachschaftsrates finden seit dem Sommersemester 1998 zusätzlich Sprachkurse statt, die allen Studierenden offen stehen. Diese Tutorien werden in der Regel durch muttersprachliche Kommilitoninnen und Kommilitonen durchgeführt. Dieses Angebot stellt den Versuch dar, das aus Sicht vieler Studierender nicht ausreichende Angebot an sprachpraktischen Übungen im Grundstudium auszuweiten. Ab dem Sommersemester 1999 konnte eine Finanzierung für die Tutorien realisiert werden (über Haushaltsmittel, Drittmittel, HSP III-Mittel).

  • Ältere Sprachstufen: Die Entwicklungsstufen der drei "großen" nordischen Sprachen nach der Reformation und vor ca. 1945 sind nicht nur für sprachgeschichtlich interessierte Studierende relevant: Auf den Gebieten der Orthographie, Morphologie und Lexik sind die Veränderungen innerhalb der einzelnen Sprachen so groß, dass auch native speakers der betreffenden Sprache ohne sprachgeschichtliche Kenntnisse nicht in der Lage sind, einen Text aus der Zeit um 1740 adäquat zu verstehen. Da ein sinnvolles Studium der Skandinavistik die Lektüre von Texten aus den letzten vier Jahrhunderten impliziert, wird in dieser Lehrveranstaltung anhand einer repräsentativen Textauswahl eine Einführung in die vorhandenen Hilfsmittel (sprachgeschichtliche Darstellungen, Wörterbücher) angeboten.

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