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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 

Juden in Skandinavien

Projektzeitraum: 2009–2010

Der Arbeitskreis, an dem Lehrende und Promovierende des Nordeuropa-Instituts und des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität beteiligt sind (Stefanie von Schnurbein, Florian Brandenburg, Clemens Räthel, Izabela Dahl, Thorsten Wagner, Christoph Buller), untersucht aus literatur- und geschichts­wissenschaftlicher Perspektive Verflechtungen von gesellschaftlichen und literarischen Dimensionen skandinavisch-jüdischen Lebens im 19. Jahrhundert. Er stellt einerseits die Frage, ob und wie Literatur und Theater als gesellschaftliche Deutungssysteme vom historischen Wandel der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden beeinflusst werden. Andererseits erforscht er, welche Beiträge Literatur und Theater zu diesen Prozessen des Wandels leisten. Im Zentrum steht die Phase der Herausbildung bürgerlich geprägter Nationalkulturen, wobei es um die Frage geht, in welchem Maß und in welcher Weise gesellschaftliche und politische Verhandlungen des Jüdischen sowie Literatur von und über Juden zur Etablierung bürgerlicher Gesellschaften beitrugen und deren Integrationspotenziale und –widerstände sichtbar machten. Ziel ist nicht zuletzt die Korrektur eines immer noch gängigen Geschichtsbildes, demzufolge ›Skandinavien‹ im europäischen Vergleich als Ausnahme konstruiert wird, etwa im Hinblick auf einen nahezu fehlenden oder weniger virulenten Antijudaismus und Antisemitismus.

Die Arbeit 2009 war vorwiegend ausgerichtet auf die Ausarbeitung eines Projektantrags, der Anfang 2010 bei der DFG eingereicht wurde. Der Arbeitskreis hat 2009 intensive Kontakte zu einem Kreis an der Universität Zürich (Klaus Müller-Wille und Corinne Susanek) sowie dem Projekt Der Jude als kulturelle Konstruktion in der norwegischen Öffentlichkeit am Zentrum für Holocauststudien und religiöse Minderheiten in Oslo (Einhart Lorenz, Christhard Hoffmann) aufgenommen. Am 25. Juni fand ein gemeinsames Treffen mit Beteiligten dieser Projekte am Nordeuropa-Institut statt. Am 26. November nahm Stefanie von Schnurbein an einem internationalen Workshop des Osloer Projektes als Kommentatorin teil.