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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Berlin med norske øyne/Berlin mit norwegischen Augen

 
 
Projektbeschreibung

 

Edvard Grieg, Henrik Ibsen und Edvard Munch waren drei Norweger, die eines verband: Sie alle haben Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland gelebt und gewirkt - teilweise auch in Berlin. Die kulturellen Beziehungen Norwegens und Deutschlands waren äußerst intensiv - doch sie zerbrachen im Zweiten Weltkrieg. Deutschland wurde für Norweger ein Land von Zwischenaufenthalten auf Flugplätzen oder Bahnhöfen, war kein eigentliches Reiseziel. „Ich dachte einfach nicht daran, in Deutschland zu bleiben, nicht einmal für kürzere Zeit“, so der Schriftsteller Dag Solstad.

Seit dem Fall der Mauer hat sich die Situation grundlegend verändert. Gerade Berlin ist ein Anziehungspunkt für vor allem Künstler und Studierende aus Skandinavien geworden. Dag Solstad lebt mittlerweile seit vier Jahren in Berlin und hat in seinem in Norwegen viel gerühmten Buch „16.07.41“ seiner neuen Wahlheimat viel Platz eingeräumt.

"Berlin med norske øyne / Berlin mit norwegischen Augen"; - so lautet der Titel eines studentischen Projektes am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität, an dem 23 Studierende der Skandinavistik beteiligt sind unter der Leitung der Norwegisch-Lektorin Laila Thuestad. Sie wollen versuchen, das norwegische Milieu in Berlin einzufangen und damit eine Seite der norwegisch-deutschen Beziehung zu dokumentieren.
Damit wollen sie nicht nur Berliner auf ihre norwegischen Nachbarn aufmerksam machen, sondern auch in Norwegen das Interesse für Berlin und Deutschland stärken und den Skandinaviern die deutsche Hauptstadt näher bringen.

Über 25 in Berlin lebende Norweger und Norwegerinnen haben sich bereit erklärt, in Interviews ihr Leben in Berlin und ihre Sicht auf die Wahlheimat zu erläutern. Diese norwegischen Berliner und Berlinerinnen, haben ganz unterschiedliche Berufshintergründe: Sie sind Bildende Künstler und Fotografen, Schriftsteller und Universitätsprofessoren, Diplomaten und Studenten, Musiker, Geschäftsleute, Gastronome, Pastoren, Journalisten und Architekten. Sie sind mehr oder weniger bekannt, jünger und älter, seit kurzem oder langem in Berlin. Für sie alle ist Berlin mehr als nur eine Arbeitsstätte: Sie haben sich bewusst für die pulsierende deutsche Hauptstadt entschieden, zu deren multikultureller Vielfalt sie beitragen.

Doch was hat die Norweger und Norwegerinnen bewogen, nach Berlin zu kommen? Was fasziniert sie an dieser Stadt? Was sind ihre Lieblingsplätze, was macht Berlin zu ihrem Berlin? Welche Geheimtipps haben sie für Besucher aus dem Norden?

So empfing beispielsweise Bjørn Tore Godal die Studenten in der norwegischen Botschaft und Per Boye Hansen in seiner Komischen Oper, während Gunn Rogge - seit über 20 Jahren in Berlin – einen Rundgang durch ihr Kiez schildert, den Rüdesheimer Platz. Lars Ramberg erläutert uns seine Vorliebe für monumentale Gebäude und das Projekt „Zweifel“ auf dem Palast der Republik und Jan Brockmann spricht offen über seine enge Bindung zu der Stadt, in der er geboren wurde und die für ihn so viele Wunden trägt.

Auf der Basis dieser von 2004-2005 durchgeführten Interviews plant die Leiterin des Projektes die Herausgabe eines Buches - eine Alternative zu den üblichen, konventionellen Reiseführern und zugleich eine Dokumentation norwegischen Lebens in Berlin. Dieses Buch wird vorraussichtlich im Herbst 2006 beim akademischen Verlag Alvheim & Eide in Norwegen erscheinen. Eine Übersetzung der norwegischen Texte und eine Veröffentlichung in Deutschland sind noch nicht geplant, da dies stark von der Popularität des Buches in Skandinavien abhängt.

Die Texte - zumeist in direkter Rede gehalten - zeichnen ganz verschiedene Bilder der deutschen Hauptstadt und sind zugleich Lebensgeschichten mit anekdotenhaften Zügen. Sie dokumentieren aber auch etwas anderes: das Treffen zwischen Deutschen und Norwegern in einem entspannten, mit gegenseitigem Interesse geführten Gespräch. So ist das Buch selbst die Geschichte einer Annäherung. Die Studenten fühlten sich nach den Interviews ihrem norwegischen Gesprächspartner verbunden - oft wurde der Kontakt aufrechterhalten.

Dieser norwegisch-deutsche Austausch kommt auch durch die Mitarbeit des norwegischen Fotografen Espen Eichhöfer zum Ausdruck, der die norwegischen Berlinerinnen und Berliner porträtiert, an Orten, die eine besondere Rolle für sie spielen. Die Bilder zeigen beides - die Menschen und ihre Orte, die Orte und ihre Menschen. Die Bilder werden das Buch bereichern und wurden auch schon zusammen mit kurzen Zitaten in Oslo auf der Austellung „Nicht nur Lachs und Würstchen“ gezeigt.

Gerade durch die Konzentration auf die norwegischen Bewohner der Stadt können das Buch und die Austellung ein persönliches, sympathisches Bild von der deutschen Metropole zeichnen, damit für eine Reise nach Berlin werben und zum norwegisch-deutschen Austausch beitragen. Dass sich unter den Interviewten eine Reihe von in Skandinavien sehr bekannten Namen finden, kann dieses Ziel nur unterstützen: Berlin ist einer Reise wert - und Deutschland zum Durchfahren viel zu schade!

 

Folgende Interviews wurden schon durchgeführt:
   
Therese Bjørneboe Theaterkritikerin
Peter Brandt Historiker
Jan Brockmann Kunshistoriker, Heinrich-Steffens-Gastprofessor an der Humboldt-Universität 2000-2004
Bjørn Tore Godal Botschafter
Per Boye Hansen Direktor/Komische Oper
Helge Høibraaten Philsosoph, Heinrich-Steffens- Gastprofessor ab 2004
Sivert Høyem Musiker / Madrugada
Sverre Jervell Diplomat
Aage Langhelle Künstler
Johan Meyer Botschaftsrat für Presse, Kultur und Information
Tone Myklebost Literaturwissenschaftlerin, Journalistin, Übersetzerin
Kjell Nylund Architekt
Lars Ramberg Künstler
Gunn Rogge Arbeitsvermittlerin von Deutschland nach Norwegen
Dag Solstad Schriftsteller
Morten Stene Violinist/Berliner Ensemble
Lene Stenersen Studentin, Leiterin von Ansa in Berlin
Bente Stokke Künstlerin
Karl Richard Thuve Pastor/Den norske Kirke
Dag Yngland Journalist
   
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