Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Wissenschaftliche Projekte

Bernd Henningsen/Bo Stråth u. a.: Den kulturella konstruktionen av gemenskaper i moderniseringsprocessen: Sverige och Tyskland i jämförelse – Die kulturelle Konstruktion von Gemeinschaften im Modernisierungsprozeß: Schweden und Deutschland

Die Fragestellung des Projektes beschäftigt sich mit der identitätsstiftenden Funktion von Sprache und Symbolen im interkulturellen Vergleich. Die Erklärbarkeit sozialer Modernisierung wird als abhängig von der Durchbrechung begrifflicher Dichotomien betrachtet, die die klassischen heuristischen Modelle system(at)ischen Zuschnitts prägen. Ausgehend von der Thematisierung von Krisenerfahrungen werden komparativ soziale Veränderungen in Schweden und Deutschland untersucht, wobei der Untersuchungsraum sich von der Romantik als Mythos der Moderne bis zur Problematisierung des wohlfahrtsstaatlichen Modells erstreckt. Wie reagieren nationale Gemeinschaften auf der Grundlage ihrer kulturellen Konstruktion auf die krisenhaften Herausforderungen der sogenannten "Moderne"? Die Abkehr von begriffsanalytischer Heuristik und dem Versuch der naturwissenschaftlichen Anverwandlung begünstigt eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ungewöhnlicheren Zuschnitts: Es sind nicht nur Soziologen, Historiker und Politologen, die mit Literaturwissenschaftlern kooperieren – auch Ökonomen nehmen teil.

Das vom Jubiläumsfonds der Schwedischen Reichsbank finanzierte Forschungsprojekt läuft planmäßig Ende 1999 aus. In der Öffentlichkeit werden unterdessen das Ende des Projektes und die Forschungsergebnisse durch die Publikation eines Abschlussbandes (voraussichtlich Juni 2000) und eine in Berlin stattfindende Abschlusskonferenz (April 2000) markiert werden. Im Jahr 1999 gelang eine weitere inhaltliche Profilierung durch die beiden internationalen Konferenzen und Workshops in Berlin

  • Internationale Konferenz Religion und Politik. die kulturelle Konstruktion von Sinn, 9.–12. September 1999
  • Deutsch-schwedischer Workshop zum deutschen und schwedischen Wohlfahrtsstaat mit Historikern der Universität Stockholm um Professor Klas Åmark, 20.–21. Mai 1999

sowie die Fortführung der Publikationsreihen – bis hin zur Veröffentlichung erster Ergebnisse in Form von Dissertationsschriften. Über die Planung für das Jahr 2000 geben Projektleiter oder Projektkoordinator gern Auskunft.

Auf personeller Ebene haben sich im vergangenen Jahr folgende Veränderungen ergeben: Henry Werner verließ zum 1. September 1999 das Forschungsprojekt, er wird seine Promotion jedoch in engem Dialog mit dem Projekt zu Ende führen. Kazimierz Musia¢ reichte seine Arbeit im letzten Quartal 1999 ein und verließ hiermit nominell das Projekt; doch auch er wird an der Erstellung des Abschlussbandes und der Vorbereitung und Durchführung der Abschlusskonferenz mitwirken. Claudia Beindorf verteidigte ihre Doktorarbeit im Juli 1999 erfolgreich, die Projekte von Ursula Geisler und Alexandra Bänsch standen bei Redaktionsschluss kurz vor der Fertigstellung. Patrick Vonderau und Stephan Muschick werden ihre Arbeiten voraussichtlich Mitte 2000 einreichen.

Im Jahr 1999 sind folgende Beiträge in der Schriftenreihe des Projekts erschienen:

  • Bd. 19: Valeska Henze: Das schwedische Volksheim. Zur Struktur und Funktion eines politischen Ordnungsmodells (Januar 1999, ISBN 3-932406-20-6)
  • Bd. 20: Charlotta Thornbjer: Den goda modern. Nationell gemenskap i texter kring Mors dag i Sverige 1919–1950 (Januar 1999, ISBN 3-932406-21-4)
  • Bd. 21: Patrick Vonderau (Hg.): Film as History/History as Film (Dezember 1999, ISBN 3-932406-22-2)

Alle Hefte sind direkt über das Nordeuropa-Institut (Stephan Muschick) zu beziehen. Den Zugang zu einer WWW-Version finden Sie im Internet unter:

https://www.ni.hu-berlin.de/de/publ/publikationsreihen/arbeitspapiere_gemeinschaften/arbeitsp_html

Nach den ersten umfangreicheren Publikationen des Projektes

  • Bernd Henningsen/Stephan M. Schröder (Hrsg.): Vom Ende der Humboldt-Kosmen. Konturen einer Kulturwissenschaft. Baden-Baden: Nomos, 1997. ISBN 3-7890-4803-8
  • Øystein Sørensen/Bo Stråth (Hrsg.): The Cultural Construction of Norden. Oslo: Scandinavian University Press, 1997. ISBN 82-00-37672-9

wurden 1999 die Bände

  • Bernd Henningsen/Claudia Beindorf (Hg.): Gemeinschaft. Eine zivile Imagination. Baden-Baden: Nomos, 1999. ISBN 3-7890-6127-1
  • Bo Stråth/Nina Witoszek (Hg.): The Postmodern Challenge. Perspectives East and West. Amsterdam; Atlanta: Rodopi, 1999. ISBN 90-420-0755-9

veröffentlicht. Darüber hinaus befindet sich der Band zur Konferenz Religion und Politik. Die kulturelle Konstruktion von Sinn in Vorbereitung.

Über weitere Publikationsvorhaben des Florenzer Projektteils erhalten Sie Auskunft über www.iue.it/RSC/Concom/Welcome.html. Für den Berliner Teil gibt der Projektkoordinator, Stephan Muschick, gern Auskunft, per E-mail erreichbar unter:
Stephan.Muschick@rz.hu-berlin.de

 

Menschen, Medien, Metropolen. Die kulturelle Konstruktion von Fremd- und Selbstbildern in der Ostsee-Region

Von der Hochschule in Södertörn erging an Bernd Henningsen die Einladung, mit einem eigenen Forschungsprojekt am Aufbau des dortigen Forschungs- und Lehrmilieus teilzunehmen. Seit 1997/1998 sind in diesem Rahmen fünf Kolleginnen und Kollegen an der Hochschule beschäftigt: von der MPG für Geschichte in Göttingen Dr. Christoph Anz, vom Nordeuropa-Institut der HU: Dr. Heike Graf, Politik- und Medienwissenschaftlerin, und Dr. Claudia Beindorf, Skandinavistin und Medienwissenschaftlerin, von der Universität Frankfurt die Skandinavistin Dr. des. Frauke Hillebrecht, M.A., von der Universität Kiel die Skandinavistin Dr. Antje Wischmann. Sie stehen ein Viertel ihrer Arbeitszeit für Lehraufgaben an der Hochschule zur Verfügung, bearbeiten ansonsten ein eigenes postgraduales Projekt. Das Gesamtprojekt ist auf vier Jahre angelegt. Es soll der Konstruktionsprozess der Imagination vom jeweils anderen entschlüsselt werden; die Genese von nationalen und regionalen Fremd- und Selbstbildern soll aufgedeckt und ihre Funktion im jeweils nationalen politischen Selbstverständnis analysiert werden. Methodisch, theoretisch und inhaltlich ist das Projekt im Kontext der aktuellen Identitäts- und Mentalitätsforschung zu sehen, die insbesondere in den skandinavischen Ländern seit einigen Jahren betrieben wird. Im Focus des Projektes stehen die (Groß-)Stadt und das (groß)städtische Leben: Welche Vorstellungen sind – medial vermittelt – in der Ostsee-Region von der Stadt im 20. Jahrhundert entschlüsselbar? Was hat sich durch 1989 verändert? Die Rückkehr der Stadt in Osteuropa als Aktions- und Attraktionsraum für Politik und für die Menschen soll analysiert werden, eine (selbstverständliche) Größe dabei spielt Berlin.

Intensive Forschungskontakte wurden im Frühjahr 1999 mit der Vorbereitungsgruppe des SFB „Die europäische Stadt“ geknüpft. Auf Einladung der Projektgruppe kamen dazu Prof. Dr. R. Lindner, Prof. Dr. W. Kaschuba, Prof. Dr. P. Niedermüller, Prof. Dr. J. Schläger und Prof. Dr. W. Lenz zu einem „Wochenend-workshop“ nach Södertörn. Einige der Eingeladenen hielten auch Vorträge auf der vom Projekt veranstalteten Konferenz Die Stadt im Norden, die den Höhepunkt der Arbeit des Jahres 1999 bildete. Mit den zahlreich teilnehmenden Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland wurde dabei das Thema „Stadt“ unter sehr unterschiedlichen Aspekten diskutiert, methodische und theoretische Fragen standen dabei jedoch im Vordergrund. Die Publikation der Beiträge ist für das Frühjahr 2000 geplant. Im Weiteren wurde eine enge Zusammenarbeit mit dem Projekt Media Societies around the Baltic Sea eingeleitet. Für das nächste Jahr sind Workshops und Seminare zusammen mit Wissenschaftlern aus St. Petersburg und Helsinki geplant.

Das Projekt stellt seine Arbeitsergebnisse innerhalb der Schriftenreihen von Södertörns högskola vor (zu beziehen über: Södertörns högskola, Box 4101, S-14101 Huddinge). Bisher sind erschienen:

  • Människor, medier, metropoler. Kulturellt konstruerade främlings- och självbilder i Östersjöregionen. 1998, 31 S. (= Projektbeskrivning 2/1998)
  • Antje Wischmann: Das rechte Maß an Stadt oder Warum Per Anders Fogel­ström der Literatur mißtraute. 1999, 46 S. (= Research report no 2/1999)
  • Menschen, Medien, Metropolen. Arbeitsbegriffe. 68 S. (= Working paper no 1)

In Vorbereitung:

  • Frauke Hillebrecht: Der diskrete Charme des Mare Balticum. Das Baltikum in der Stockholmer Öffentlichkeit ab 1944 (Working paper; Frühjahr 2000)

 

Deutsch-lettisches sozialwissenschaftliches Zentrum in Riga

Das Zentrum in Riga ist inzwischen voll funktionstüchtig (Beschreibung im Jahres­bericht 1997), es wurden eine politikwissenschaftliche Basisbibliothek aufgebaut, Datenbanken angeschafft, ein Lehr- und Leseraum zur Verfügung gestellt und der Unterricht aufgenommen. Berliner Politikwissenschaftler unterrichten zu Themen der internationalen Politik (insbesondere der Ostsee-Region) und zur aktuellen deut­schen Politik; im Gegenzug organisiert und finanziert das Zentrum Lehr- und For­schungsreisen lettischer Wissenschaftler und Studierender nach Berlin – hier wurden Themen zur baltisch/lettischen Geschichte und Politik von lettischen Wissenschaft­lern angeboten.

 

BRAGI

Einer der Asen heißt Bragi. Er ist sehr klug, vor allem aber ist er ein Sprachkünstler und wortgewandt.
(Snorra-Edda)

Unter der Schirmherrschaft des wortgewaltigen Gottes Bragi und in Kooperation mit Námsflokkar Reykjavíkur (VHS Reykjavík) entwickelt das Isländisch-Lektorat ein neuartiges Lehrwerk zum Isländischen, das international einsetzbar sein wird. Es soll lernerzentriert sein, kommunikativ orientiert und modular aufgebaut. Das einsprachige Kurs„buch“ ist gegliedert in acht landeskundlich orientierte Themenkomplexe (Leute, Land, Natur, Geschichte, Wirtschaft, Kultur, Reykjavík, Gesellschaft), die in jeweils sieben elementaren Lernbereichen (Lesen, Hören, Schreiben, Sprechen; Wortschatz, Grammatik; Lerntechniken) auf zwei Niveaus (Grund- und Aufbaustufe) ausgestaltet werden. Innerhalb des jeweiligen Vermittlungsschwerpunktes der Lernbereiche können beliebige Textsorten (im weitesten Sinne: Schrift, Bild, Audio; vorzugsweise authentisches Material) vielfältig eingesetzt werden. BRAGI setzt sich zusammen aus einsprachigem isländischem Grundmaterial (Kursbuch, Arbeitsbuch, Lehrerhandbuch) sowie zweisprachigen Begleitmaterialien (Basiswortschatz, Basisgrammatik u. a.), die für mehrere Sprachen erstellt werden. BRAGI wird als Loseblattsammlung auf einer Website (vefsetur) entwickelt, wo die Materialien dann zugänglich sein werden; vorläufig handelt es sich noch um eine große Baustelle (http://www2.hu-berlin.de/bragi). Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und soll in späteren Ausbaustufen auch für Selbststudium und Fernlehre eingerichtet werden. Durch die offene Anlage und die Verfügbarkeit über das Netz kann es laufend aktualisiert und ergänzt werden. Die Entwicklung von BRAGI wird von der Europäischen Union (Lingua D) und der Stadt Reykjavík (Menningarborg 2000) gefördert.

 

Berliner Interuniversitäre Arbeitsgruppe Baltische Staaten (BIAB)

In BIAB arbeiten seit dem Frühjahr 1995 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität und der Humboldt-Universität zusammen. Die Gruppe koordiniert Vorhaben in Lehre und Forschung zu den baltischen Ländern und tauscht regelmäßig Erfahrungen aus. Interessierte sind zu den Treffen herzlich eingeladen.

Die Hauptarbeit der Gruppe lag in den letzten beiden Jahren beim Aufbau des Sozialwissenschaftlichen Zentrums an der Universität Lettlands in Riga. Das hoch bewertete Projekt geht inzwischen ins dritte Jahr. – Zwei neue Projekte wurden vorbereitet: Die inneren Bestimmungsfaktoren der Außenpolitik der baltischen Staaten sowie Die lettische Waffen-SS. Nach Abschluss der Aufbauphase werden ab Sommersemester 2000 die Treffen in Berlin wieder regelmäßiger stattfinden und durch Vorträge der anwesenden lettischen Gäste ergänzt werden. Interessierte sind auch hierzu herzlich eingeladen.

Über abgeschlossene Projekte wird in der Reihe BIAB-Berichte, herausgegeben von Manfred Kerner und Heike Graf, berichtet. Bei einigen Studien handelt es sich um universitäre Qualifizierungsarbeiten, die meist Resultat umfangreicher empirischer Vorarbeiten sind. Die BIAB-Berichte stehen auch Kolleginnen und Kollegen außerhalb der Berliner Universitäten für die Veröffentlichung thematisch einschlägiger Texte zur Verfügung. Kontakt über:

Humboldt-Universität, Nordeuropa-Institut/Manfred Kerner
Unter den Linden 6, D-10099 Berlin (Tel. +49-30-7792231)

Im Jahr 1999 erschienen folgende BIAB-Berichte (ISSN 1431-0368):

  • Artis Pabriks: From Nationalism to Ethnic Policy: The Latvian Nation in the Present and in the Past. 1999, 178 S. (= BIAB-Bericht; 17)
  • Undine Bollow: Die Haltung der Bundesrepublik Deutschland zu den Unabhängigkeitsbestrebungen der baltischen Staaten. 100 S. (= BIAB-Bericht; 16)
  • Frank Wurft: "Erzähl mir: Wer bracht schon die 'Gesellschaft'?" – Zivilgesellschaften in Transformationsgesellschaften - am Beispiel der Grünen Bewegung Litauens. 1999 (= BIAB-Bericht; 18)

 

Forschungsgruppe Nordeuropäische Politik (FOR:N)

Die Forschungsgruppe Nordeuropäische Politik (FOR:N) ist ein interuniversitärer Diskussionskreis und Dienstleistungspool junger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von Humboldt-Universität und Freier Universität. Die Mitglieder untersuchen aktuelle Fragen und langfristige Entwicklungen der Region aus unterschiedlichen thematischen und fachlichen Blickwinkeln. Ziel von FOR:N ist es, das Fachwissen über Politik in Nordeuropa zu erweitern, zu bündeln und einem breiten Interessentenkreis zugänglich zu machen. Schwerpunktthemen sind die skandinavischen Wohlfahrtsstaaten, die inneren Entwicklungen in den EU-Beitrittsländern des Ostseeraums sowie die internationalen Beziehungen im Ostseeraum. Die Forschungsgruppe stellt ihre Kompetenz unter anderem im Rahmen von Vorträgen, Auftragsstudien und Tagungsorganisation zur Verfügung. Sie richtet sich an Bildungseinrichtungen, politische Institutionen, Unternehmen und Medien.

Der Expertenpool von FOR:N wird erweitert. Interessierte und Gäste sind herzlich willkommen, an unserem monatlichen Jour fixe teilzunehmen.

http://www.for-n.de/