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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Wissenschaftliche Projekte

 
 
 

Baltic Odyssey – Das Meer in Europas Mitte.
Studierende forschen für den Film

Im Sommersemester 2007 und im Wintersemester 2007/08 erarbeiteten 14 Studierende des Nordeuropa-Instituts in Kooperation mit der Medienproduktion Flying Cranes Konzepte drei für historische Dokumentarfilme, die als Fernsehproduktionen realisiert und über die öffentlich-rechtlichen Sender gezeigt werden sollen. Den Rahmen für dieses durch den Innovationsfonds Lehre geförderten Projektes bot im Sommersemester 2007 die Übung Erinnerungskultur und Erinnerungsorte im Norden, die im Wintersemester 2007/08 unter dem Titel Baltic Odyssey – 1000 Years of Desire fortgeführt wurde. Geleitet wurde dieses Projekt von Dr. Hendriette Kliemann-Geisinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nordeuropa-Institut. Regelmäßig und intensiv betreut wurden die Studierenden darüber hinaus von Robert Thayenthal, künstlerischer Leiter von Flying Cranes.

Das Besondere dieses Projektes lag in der Verbindung von Wissenschaft und Film. Die Studierenden lernten und erprobten neben verschiedenen wissenschaftlichen Recherchemethoden die ›Sprache des Films‹ und setzen sich damit auseinander, wie wissenschaftliche Inhalte in Bildern erzählt und für ein großes öffentliches Publikum umgesetzt werden können. Die Themen der mit dem Ende des Wintersemesters 2007/08 vorliegenden Exposés lauten:

  • Tycho Brahe (1546–1601): Lehrer von Johannes Kepler, streitbarer und in Folge eines Duells nasenloser dänischer Astronom, Student der Universität Rostock, Wissenschaftler in Kopen-hagen und Prag, katalogisierte auf der Öresundinsel Ven den Himmel der Neuzeit. Brahes akribische Berechnungen und Beobachtungen (Teleskope gab es noch nicht) führten zum endgültigen Umsturz des alten, geozentrischen Weltbildes. Von Kaiser Rudolf II. nach Prag berufen, beendete ein, durch allzu rigide Einhaltung der Hofetikette verursachter Blasenriss, seine glanzvolle Karriere und sein Leben.
  • Kristina von Schweden (1626–1689): einziges Kind Gustav II. Adolf, burschikose Königin mit unkonventionellem Lebensstil und großen wissenschaftlichen Ambitionen, half den Dreißigjährigen Krieg zu beenden und machte das verschlafene Stockholm zu einer europäischen Geistesmetropole, sie berief Descartes, der 1650 in Stockholm an einer Lungenentzündung starb, der Naturrechtsgelehrte Hugo Grotius stand in ihrem Dienst. In einer Zeit, in der man um die Königswürde Kriege führte, verzichtete sie auf die Krone. Zum Katholizismus konvertiert, zog sie nach Rom und verschrieb sich und ihr Vermögen der Kunst. Kristina wurde – als (bisher) einzige Frau – im Petersdom beigesetzt.
  • Firma Schimmelmann und Sohn (18. Jahrhundert): 1793 wird in Dänemark ein revolutionäres Dokument unterzeichnet – die Urkunde zur Beendigung des dänischen Sklavenhandels mit den Westindischen Inseln, ausgestellt durch Ernst Schimmelmann, seines Zeichens dänischer Schatzmeister und Staatsminister. Dänemark gelingt somit etwas, was in England gerade am Veto des Oberhauses gescheitert war. Mit dem von den Ideen der Aufklärung geprägten Ernst als Staatsmann geht Dänemark einen neuen Weg. Umstritten sind jedoch seine Beweggründe: War es wirklich reine Menschlichkeit, die Schimmelmann bewegte oder versuchte er sich eher gegen das übermächtige Erbe seines Vaters aufzulehnen?

Mit der Erstellung der Exposés ist die Arbeit der Studierenden zunächst einmal abgeschlossen. Bei Flying Cranes bemüht man sich derzeit, die Stoffe zu verkaufen. Die drei von den Studierenden entwickelten Filmkonzepte sind Teil eines groß angelegten internationalen Medienprojektes, dessen wissenschaftlicher Kooperationspartner das Nordeuropa-Institut ist: Unter dem Titel Baltic Odyssey – 1000 Years of Desire und der Federführung von Flying Cranes arbeiten Autoren, Filmemacher und Historiker aus den Ostseeanrainerstaaten gemeinsam über die Grenzen von neun Ländern und ebenso viele Sprachen hinweg an Dokumentarfilmen, Ausstellungen, DVDs und Buchpublikationen sowie einem neunteiligen Spielfilmzyklus, in dem die tausendjährige Geschichte der Ostseeregion erzählt wird.

Der Öffentlichkeit präsentierten die Studierenden das Projekt Studierende forschen für den Film auf der Langen Nacht der Wissenschaften am 14. Juni 2008. Im Rahmen des Themenschwerpunktes Wissensinsel der Sinne, bei dem es um populäre Umsetzungen geisteswissenschaftlicher Themen ging, war das Projekt mit einem Hörspielkino und einer Ausstellung im Foyer des Universitätsgebäudes am Hegelplatz vertreten und stieß bei den Besuchern auf reges Interesse.

    • Informationen zum Projekt Baltic Odyssey – 1000 years of desire finden sich unter:
    http://www.flying-cranes.eu
    • sowie mit einer eigenen Seite auf der Homepage des Nordeuropa-Instituts unter:
    http://www2.hu-berlin.de/ni/projekte/balticodyssey/ostsee/debatte/uebung.html