Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Wissenschaftliche Projekte

 
 
 

Juden in Skandinavien

Der Arbeitskreis, an dem Lehrende und Promovierende des Nordeuropa-Instituts und des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität beteiligt sind (Stefanie von Schnurbein, Florian Brandenburg, Clemens Räthel, Izabela Dahl, Thorsten Wagner, Christoph Buller), untersucht aus literatur- und geschichtswissenschaftlicher Perspektive Verflechtungen von gesellschaftlichen und literarischen Dimensionen skandinavisch-jüdischen Lebens im 19. Jahrhundert. Er stellt einerseits die Frage, ob und wie Literatur und Theater als gesellschaftliche Deutungssysteme vom historischen Wandel der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden beeinflusst werden. Andererseits erforscht er, welche Beiträge Literatur und Theater zu diesen Prozessen des Wandels leisten. Im Zentrum steht die Phase der Herausbildung bürgerlich geprägter Nationalkulturen, wobei es um die Frage geht, in welchem Maß und in welcher Weise gesellschaftliche und politische Verhandlungen des Jüdischen sowie Literatur von und über Juden zur Etablierung bürgerlicher Gesellschaften beitrugen und deren Integrationspotenziale und –widerstände sichtbar machten. Ziel ist nicht zuletzt die Korrektur eines immer noch gängigen Geschichtsbildes, demzufolge ›Skandinavien‹ im europäischen Vergleich als Ausnahme konstruiert wird, etwa im Hinblick auf einen nahezu fehlenden oder weniger virulenten Antijudaismus und Antisemitismus.