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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut


 
 

Marion Lerner:

Landnahme-Mythos, kulturelles Gedächtnis und nationale Identität. Deutungen im Kontext der Gründung von Reisevereinen in Island im frühen 20. Jahrhundert (Bernd Henningsen, Ástráður Eysteinsson/Universität Islands, Reykjavík)

Als sich Island zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Dänemark löste und sich gleichzeitig tief greifende Modernisierungsprozesse vollzogen, intensivierte sich der Diskurs über eine isländische nationale Identität. In der Dissertation wurde die Gründung von drei Reisevereinen (Touristikverein, Bergsteigerverein, Wandervögel) in Island in den 20er bis 40er Jahren des 20. Jh. untersucht und festgestellt, dass auch deren Tätigkeit damals im nationalen Kontext gedeutet wurde. So nahmen die Akteure den Gründungsmythos der isländischen Nation für sich in Anspruch und imaginierten sich als »neue Landnehmer«. Sie füllten den Mythos aber mit unterschiedlichen Inhalten. Während die Vätergeneration ihre Landnahme noch buchstäblich im Landesinneren und auf den Gletschern Islands vollzog, diese Landesteile praktisch und wissensmäßig erschloss und der Nation zur Verfügung stellte, wandte die jüngere Generation den Blick zurück. Sie wollte das Land in Besitz nehmen, indem sie nach nationaler Geschichte und kollektiven Erinnerungen suchte und diese symbolisch in die scheinbar leere Landschaft einschrieb.

In dieser interdisziplinär angelegten Arbeit wurde Fragen zur Ausbildung des kulturellen Gedächtnisses nachgegangen und diese mit der Reisekulturforschung verbunden. Das je unterschiedliche Verhältnis zur äußeren Natur, das sich in den Zeugnissen der Vereine niedergeschlagen hat, wurde rekonstruiert und so auch ein Bild von der zeitgenössischen isländischen Gesellschaft gezeichnet.

 

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