Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 

 

Marie-Theres Fojuth
Nationsbildung auf Schienen. Die Debatte über den Bau der »Bergensbane« im norwegischen »Storting« 1871–1909/Nasjonsbygging på skinner. Stortingsdebatten om byggingen av »Bergensbanen« 1871–1909

Die Untersuchung der norwegischen Eisenbahnpolitik zwischen 1871 und 1909 zeigt, dass staatlicher Infrastrukturausbau als Nationsbildung verstanden wurde und sich dabei Nations- und Regionsbildung gegenseitig fördern konnten. Der Bergensbane wurde von ihren Befürwortern eine große Bedeutung für die norwegische Nation zugesprochen. Die Bahnstrecke sollte das „isolierte“ Westnorwegen in die nationale Gemeinschaft integrieren, den nationalen Zusammenhalt fördern, die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung anregen, die militärische Verteidigungskraft erhöhen und Norwegen zu internationaler Anerkennung verhelfen. Im Rahmen der Parlamentsdebatte wurde das Landesinnere als nationale Landschaft und attraktives Reiseziel entdeckt. Dabei prägte der Unionskonflikt mit Schweden und ein starker Fortschrittsglaube die Debatte, die zugleich auf ein spannungsreiches Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie und zwischen Nation und Region als Bezugsgrößen politischen Handelns schließen lässt.

 

"" Magisterarbeiten im Fachteil Kulturwissenschaft 2008