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Was einst\ndie Petroleumlampe war, die die Familie um den Tisch versammelte, sollte nun das\nFernsehger\u00e4t werden.</p>\n<h3 align=\"center\">Einleitung</h3>\n<p>30 Jahre nach der Einf\u00fchrung des TV<font size=\"-2\"><a href=\"#N_1_\"><sup>(1)</sup></a></font>\nin die schwedische Gesellschaft ist das Fernsehger\u00e4t in den Rang einer\nLebensnotwendigkeit aufger\u00fcckt und darf im Falle der Zahlungsunf\u00e4higkeit nicht\ngepf\u00e4ndet werden. TV hat wie kaum ein anderes Kommunikationsmedium zuvor die\nWahrnehmungswelt, den Alltag und die gesellschaftliche Kommunikation ver\u00e4ndert. Es soll\nhier nicht als neutrales Medium verstanden werden, das lediglich Informationen\n\u00fcbertr\u00e4gt, verbreitet und verteilt, sondern als Sozial- und Zeichensystem, das nach\nseinen internen Strukturen Wirklichkeitsentw\u00fcrfe anbietet und zum Nutzen auffordert. Da\u00df\nes \u00fcber Jahrzehnte oft im Hintergrund bleiben konnte, zeigt seine enorme\nStrukturierungsleistung. Oft f\u00e4llt die Unterscheidung schwer, ob Erfahrungen via TV oder\nim \"wirklichen\" Leben gemacht wurden. Denn Fernsehberichte vermitteln das\nGef\u00fchl, in Echtzeit dabei zu sein, Ereignisse mit eigenen Augen zu sehen. Nicht ohne\nGrund war das Motto der Internationalen Funkausstellung 1953: \"Die Welt in Deinem\nHeim\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_2_\"><sup>(2)</sup></a></font>. Damit wurde\nversprochen, da\u00df das Fernsehger\u00e4t das mediale Dabei-Sein organisiere und als eine Art\n\"Fenster zur Welt\" fungiere. Mediales Dabei-Sein gewann schlie\u00dflich denselben\nStatus wie k\u00f6rperliche Partizipation. Die Hauptfragen des Projektes, dessen erste\nErgebnisse hier vorgestellt werden, lauten: Wie wurde mit welchen Akteuren der Fernsehfunk\nin Schweden in den f\u00fcnfziger Jahren eingef\u00fchrt, und welchen Beitrag leistete und leistet\ner als Sozial- und Zeichensystem im Modernisierungsproze\u00df der schwedischen Gesellschaft?\nEine Antwort auf letztere Frage wird wenig mit der traditionellen \"harten\"\nTV-Forschung gemein haben, da diese auf eine handfeste Qualit\u00e4t anhand empirisch\nausgekl\u00fcgelter Untersuchungen setzt, sondern wird sich vielmehr im Pr\u00e4limin\u00e4ren und\nmanchmal vielleicht auch im Spekulativen bewegen m\u00fcssen. Die Untersuchungen konzentrieren\nsich auf die f\u00fcnfziger und sechziger Jahre, weil gerade eine historische Beschreibung der\nGenese neuer Kommunikationsformen die Umbr\u00fcche in der Alltagskultur konturieren kann.</p>\n<h3 align=\"center\">Zu einigen theoretischen Ans\u00e4tzen</h3>\n<p>Im Rahmen der Kommunikations- und Medientheorie gibt es eine F\u00fclle von Theorien, die\nden elektronischen Medien verschiedene Rollen zuweisen. Insbesondere mit den Wirkungs- und\nRezeptionsanalysen wurde den Medieninhalten konkrete Auswirkungen auf das Handeln der\nMenschen nachgesagt (z.B. Noelle-Neumann mit der Theorie der Schweigespirale). Hinter den\nErgebnissen der amerikanischen Kommunikationsforschung um Harold Lasswell (1948):\n\"Wer sagt was, in welchem Kanal, zu wem, mit welcher Wirkung?\" steht die These,\nda\u00df die modernen Kommunikationsmittel Werkzeuge sind, die von bestimmten Personen oder\nAgenturen f\u00fcr bestimmte Ziele eingesetzt werden, und deshalb wird als \"Moral von der\nGeschichte\" vor den \"Konsequenzen von falschem Gebrauch von\nMassenkommunikationsmitteln\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_3_\"><sup>(3)</sup></a></font>\ngewarnt. Jedoch wurden dabei oft die komplexen Handlungszusammenh\u00e4nge vernachl\u00e4ssigt. </p>\n<p>Einen Versuch, Medien in das komplexe System der Gesellschaft einzubinden, stellt die\nSystemtheorie dar. Danach haben die im Laufe des 20. Jahrhunderts technisch enorm\nausdifferenzierten und ausgebreiteten Medien ein komplexes Mediensystem als soziales\nSystem mit zahlreichen Subsystemen (wie Buch, Presse, Film, Rundfunk<font size=\"-2\"><a href=\"#N_4_\"><sup>(4)</sup></a></font>, Video etc.) entwickelt. Dieses System ist durch\neine Vielzahl von internen Interaktionen und solchen mit anderen sozialen Systemen\n(Politik, Wirtschaft, Recht etc.) gekennzeichnet. Die systemtheoretischen Medientheorien\nbehandeln die Stellung der Medien im System der Gesellschaftsorganisation sowie deren\nInteraktion miteinander auf vielf\u00e4ltige Weise. Der \"Ich-Welt-Gegensatz\" wird\nhier aufgel\u00f6st und durch die \"System-Umwelt-Differenz\" ersetzt. Ein System sind\nElemente oder Objekte, die in Beziehung zueinander und in Interaktion miteinander treten\nund damit in einem Sinnzusammenhang stehen. Au\u00dferhalb des Systems liegt die Umwelt, die\nwiederum aus Systemen bestehen kann. Indem der Mensch selbst bestimmte Funktionen\n\u00fcbernimmt, wird er zum Systemelement. Wo ein System aufh\u00f6rt und das andere anf\u00e4ngt\nsowie worin die Funktion des Systemelements Mensch im komplizierten Geflecht von\nInteraktionsbeziehungen besteht, ist mehr oder weniger erfolgreich Gegenstand der\nunterschiedlichen Varianten systemtheoretischer Medientheorien.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_5_\"><sup>(5)</sup></a></font> W\u00e4hrend Talcott Parsons die Medien als\nSteuerungssysteme f\u00fcr die Interaktion von sozialen Systemen sieht, nehmen sie bei Niklas\nLuhmann eher die Rolle von Codes f\u00fcr die Kommunikation von sozialen Systemen,\ninsbesondere von personalen Systemen, ein. Zus\u00e4tzlich zum systhemtheoretischen Begriff\nder Selbstorganisation der Systeme hat er mit dem Konstruktivismus die Selbstreferenz\n(Autopoiesis) eingef\u00fchrt und damit die \"System-Umwelt-Differenz\" abgeschw\u00e4cht.\nAnthony Giddens stellt der statischen Auffassung der Systemtheorie entgegen, da\u00df es ohne\nmenschliches Handeln \u00fcberhaupt keine menschlichen Gesellschaften oder sozialen Systeme\ng\u00e4be.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_6_\"><sup>(6)</sup></a></font> Er geht in seiner Theorie\nvon der Strukturierung davon aus, da\u00df soziale Systeme innerhalb der Gesellschaften\nhierarchisch und horizontal organisiert sind.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_7_\"><sup>(7)</sup></a></font>\nSoziale Systeme, die in Zeit und Raum eingebettet sind, werden durch menschliches Handeln\nst\u00e4ndig reproduziert, ver\u00e4ndert und damit immer wieder neu geschaffen. Je gr\u00f6\u00dfer ihre\nRaum-Zeit-Ausdehnung, desto gr\u00f6\u00dfer ist auch ihre Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber\nVer\u00e4nderungen seitens individueller Akteure.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_8_\"><sup>(8)</sup></a></font>\n</p>\n<p>Die Analyse des Mediensystems ist nur sinnvoll, wenn auch die technischen Mittel zur\nHerstellung und Verbreitung von Medienangeboten ber\u00fccksichtigt werden. Auf die relativ\neigenst\u00e4ndige Rolle des Systems Technik hat Marshall McLuhan schon in den sechziger\nJahren hingewiesen. Er schockierte die Fachkollegen mit der These: \"The medium is the\nmessage\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_9_\"><sup>(9)</sup></a></font>. Nicht die Inhalte\nder Medienprodukte w\u00fcrden also die Erfahrungen der Menschen pr\u00e4gen, sondern das Medium\nselbst. Er entwickelte die These, da\u00df die Medien eine technische Erweiterung unseres\nK\u00f6rpers und unserer Sinne seien, also das Fernsehen eine Erweiterung unseres Auges sowie\nOhres. McLuhan wandte den Medienbegriff nicht nur auf Kommunikationsmedien an, sondern auf\nTechnik schlechthin. Die Botschaft, die von der Technik \u00fcberbracht wird, hei\u00dft \"die\nVer\u00e4nderung des Ma\u00dfstabs, Tempos oder Schemas, die es der Situation des Menschen\nbringt\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_10_\"><sup>(10)</sup></a></font>. Die neuen Medien\npr\u00e4gen Kultur und Pers\u00f6nlichkeit nicht kausal und vollst\u00e4ndig, denn um diese Pr\u00e4gung\nanalysieren zu wollen ist ein kompliziertes Geflecht von sozialen, kulturellen,\npsychologischen Komponenten zu ber\u00fccksichtigen. Paul F. Lazarsfeld hat in den vierziger\nJahren - in Auseinandersetzung mit Harold Lasswell - darauf hingewiesen, da\u00df </p>\n<blockquote>\n<p><small>moderne Kommunikationsmedien [.\u00a0.\u00a0.] derart komplexe Instrumente\n geworden [sind], da\u00df sie, wo immer sie eingesetzt werden, viel mehr als nur den von ihren\n Verwaltern beabsichtigten Einflu\u00df auf die Menschen haben, und da\u00df sie eine\n Eigengesetzlichkeit [entwickelt] haben [.\u00a0.\u00a0.].</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_11_\"><sup>(11)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Dieser Eigengesetzlichkeit ist Joshua Meyrowitz in seiner Studie \"No sense of\nPlace\" (1985) nachgegangen und hat herausgefunden, da\u00df allein schon Ver\u00e4nderungen\nin der Kommunikationsstruktur sozialen Wandel herbeif\u00fchren w\u00fcrden. Er geht davon aus,\nda\u00df sich infolge der neuen Informationsumwelt, d.h. insbesondere durch die Dauerrezeption\nvon Fernsehprogrammen, die Erfahrungswelt der Menschen ver\u00e4ndert habe. Der Fernseh-Code\nsei verglichen mit dem Schrift-Code ungleich schneller zu beherrschen. Infolgedessen\nverbreite sich die Akzeptanz des Mediums rasant, und bereits im fr\u00fchen Kleinkindalter\nz\u00e4hle man zum Publikum. Das Fernsehen wirke \"wirklicher\" als Buchstaben und\nZeilen in einem Text. Es biete eine ungew\u00f6hnliche Perspektive auf Orte, in denen\ntraditionellerweise keine fremden Zuschauer zugelassen seien. Dadurch habe es vorher\ngetrennte soziale R\u00e4ume, die einst durch die Buchkultur etabliert wurden,<font size=\"-2\"><a href=\"#N_12_\"><sup>(12)</sup></a></font> aufgehoben, indem es die Beziehungen zwischen\nsozialen Situationen und physischen Orten schw\u00e4che, meint Meyrowitz. Die gr\u00f6\u00dften\nAuswirkungen h\u00e4tte es auf solche gesellschaftlichen Gruppen, die physisch an bestimmte\nOrte gebunden seien, wie an den Herd, die Spielpl\u00e4tze usw. Die Menschen bek\u00e4men\nInformationen geliefert, die ihnen fr\u00fcher nicht zug\u00e4nglich waren. \u00c4hnlich wie bei der\nEinf\u00fchrung des Buchdrucks, der Wissen einem breiteren Publikum zur Verf\u00fcgung stellte,\nerweitere das Fernsehen den Zugang zu Informationen. Nach seiner Meinung habe das\nFernsehen einen bedeutenden Anteil am Enstehen eines \u00f6ffentlichen Bewu\u00dftseins f\u00fcr\nMinderheiten und benachteiligte soziale Gruppen, indem </p>\n<blockquote>\n<p><small>es uns in Themen einbezieht, von denen wir fr\u00fcher dachten, da\u00df sie uns nichts\n angehen [.\u00a0.\u00a0.]. Das Fernsehen hat Autorit\u00e4ten geschw\u00e4cht, indem es die\n Distanz und das Geheimnis zerst\u00f6rt hat, die fr\u00fcher deren Aura und Prestige gef\u00f6rdert\n hatten [.\u00a0.\u00a0.]. Viele vorher private und isolierte Verhaltensweisen wurden auf\n die gro\u00dfe \u00f6ffentliche B\u00fchne gebracht.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_13_\"><sup>(13)</sup></a></font><small>\n</small></p>\n</blockquote>\n<p>Meyrowitz behandelt die Dimensionen des kulturellen Wandels am Beispiel der Kategorien\nM\u00e4nnlichkeit und Weiblichkeit, Kindheit und Erwachsensein sowie politische F\u00fchrer und\nGefolgschaft und kommt zu dem Ergebnis, \"da\u00df die elektronischen Medien vorher strikt\ngetrennte Rollen ineinander \u00fcbergehen lassen\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_14_\"><sup>(14)</sup></a></font>.\nDas Aufkommen neuer sozialer Bewegungen wie die Frauenbewegung oder auch das \u00f6ffentliche\nAuftreten von Minderheiten, die fr\u00fchzeitigere Erlangung der Geschlechtsreife bei den\nM\u00e4dchen zeigen nach Meyrowitz exemplarische Ver\u00e4nderungen. Das Fernsehen sieht er als\nTriebkraft, - im Gegensatz zu vielen Feministinnen - das geschlechtstypische Verhalten\nabzulegen, da die Frauen Zugang zu Welten erhielten, die ihnen fr\u00fcher verschlossen waren.\nDie Programminhalte m\u00f6gen zwar kurzfristig alte Stereotype best\u00e4rken, aber langfristig\nk\u00f6nnte die Tatsache, da\u00df beide Geschlechter beiden Rollenmodellen ausgesetzt sind,\nbewirken, da\u00df sich die traditionellen Unterschiede verringern.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_15_\"><sup>(15)</sup></a></font> Der soziokulturelle Wandel hat wiederum einen\nrelativen Verlust an Macht und Einflu\u00df f\u00fcr vorhandene Institutionen der Gesellschaft zur\nFolge. Meyrowitz hat nachgewiesen - wie Siegfried\u00a0J. Schmidt es formuliert -, da\u00df\ndie modernen Massenmedien \"die Thematisierung gesellschaftlich relevanter Dichotomien\nver\u00e4ndert haben\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_16_\"><sup>(16)</sup></a></font>.</p>\n<p>Der radikale Konstruktivismus von Siegfried J. Schmidt versucht, die Medien in den\nkomplexen kognitiven Wirkungskreis zu bringen. Er denkt die Menschen als autopoietische\nSysteme, d.h. als organisationell geschlossen, die durch vielf\u00e4ltige T\u00e4tigkeiten\n(Wahrnehmen, Denken, Handeln, Kommunizieren) Erfahrungswirklichkeiten konstruieren. Da\nheute fast alle T\u00e4tigkeiten infolge der Omnipr\u00e4senz der Medien - allen voran das\nFlaggschiff Fernsehen - medienvermittelt sind, l\u00e4\u00dft sich die von den Menschen\nkonstruierte und sie umgebene Kultur vorrangig als Medienkultur verstehen: </p>\n<blockquote>\n<p><small>Wenn Mediensysteme die Aufgabe haben, kognitive Systeme und soziale Systeme zu\n koppeln, d.h. Interaktionen trotz der operationalen Geschlossenheit dieser Systeme zu\n erm\u00f6glichen, dann kann Kultur [.\u00a0.\u00a0.] in Gesellschaften, die \u00fcber\n Mediensysteme verf\u00fcgen, nur als Medienkultur<em> </em>verstanden werden\n [.\u00a0.\u00a0.].</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_17_\"><sup>(17)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Die Medien entwickelten sich zu Instrumenten der Konstruktion von Wirklichkeit, und es\nwird heute kaum noch davon ausgegangen, da\u00df das Fernsehen die Wirklichkeit abbildet.\n\"[.\u00a0.\u00a0.] der \u00dcbergang vom Bild der Wirklichkeit zur Wirklichkeit der\nBilder scheint unaufhaltsam\", ahnt Schmidt.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_18_\"><sup>(18)</sup></a></font>\nAn anderer Stelle hei\u00dft es bei ihm prononciert: \"Mit dem Fernsehen \u00f6ffnet sich kein\nFenster zur Welt, sondern ein Fenster zu unserer Kultur und Gesellschaft\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_19_\"><sup>(19)</sup></a></font> Die Wirklichkeitsmodelle von\nGesellschaften und Gemeinschaften entstehen also unter den Bedingungen allgegenw\u00e4rtiger\nMedien aus der Interaktion und Kommunikation. \"Je bedeutsamer medienvermittelte\nKommunikation in einer Gesellschaft wird\", akzentuiert Schmidt, \"desto gr\u00f6\u00dfer\nwird der Einflu\u00df von Medien und Kommunikation auf die Anwendung und Interpretation des\nProgramms Kultur [.\u00a0.\u00a0.]\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_20_\"><sup>(20)</sup></a></font>\nDiese Erfahrungswirklichkeit kann nach Schmidt nur auf ihre Gangbarkeit hin \u00fcberpr\u00fcft\nwerden, nicht aber auf ihre \u00dcbereinstimmung mit einer wahrnehmungsunabh\u00e4ngigen\nRealit\u00e4t.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_21_\"><sup>(21)</sup></a></font> Insofern lassen sich\nMedienangebote nicht </p>\n<blockquote>\n<p><small>als Abbilder von Wirklichkeit bestimmen, sondern als Angebote an kognitive und\n kommunikative Systeme, unter ihren jeweiligen Systembedingungen\n Wirklichkeitskonstruktionen in Gang zu setzen. Werden diese Angebote nicht genutzt,\n 'transportieren' Medienangebote gar nichts. Werden sie genutzt, geschieht dies je\n systemspezifisch.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_22_\"><sup>(22)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Aus diesem Grund riet James Halloran bereits: 1975 \"We must get away from the\nhabit of thinking in terms of what the media do to the people and substitute for it the\nidea of what people do with the media\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_23_\"><sup>(23)</sup></a></font></p>\n<p>Diese Aufforderung verl\u00e4\u00dft die These von einer willenlosen Masse atomisierter\nIndividuen, die vor dem Fernsehger\u00e4t implodiert. Sie setzt dagegen ein Publikum, das aus\nsozial eingebetteten Mitgliedern besteht und je nach vorstrukturierter kultureller\n\"Formatierung\" Medienbotschaften decodiert. Die Zuschauer reagieren also auf die\nMedienbotschaften, indem sie auf ihre jeweilige kulturelle Pr\u00e4gung oder die der Gruppe,\nder sie angeh\u00f6ren, zur\u00fcckgreifen. David Morley weist darauf hin, da\u00df TV vor allem ein\nprivates Medium ist (mit Ausnahme der Anfangsjahre, wo Fernsehen oft in \u00f6ffentlichen\nR\u00e4umen stattfand) und vorwiegend in der Familie rezipiert wird. Insofern ist Fernsehen\nals sozialer Akt zu verstehen, der im famili\u00e4ren Kontext, verstanden \"als ein Muster\nsozialer Relationen\", stattfindet.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_24_\"><sup>(24)</sup></a></font></p>\n<p>Das Fernsehsystem selbst ist in den gesellschaftlichen Kontext eingebunden und hat\nseine Funktion im Laufe seiner kurzen Geschichte gefestigt. Die Arbeit von Ien Ang (1992)\nbeweist, da\u00df Medienunternehmen das \"Publikum\" als ein Konzept verstehen, um\nMacht und Kontrolle aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. Die enge Anbindung des \u00f6ffentlich-rechtlichen\nFernsehfunks beispielsweise an die regierenden Parteien sowie an den Staat in den meisten\nL\u00e4ndern Westeuropas ist ein Indiz daf\u00fcr, da\u00df Rundfunk schlechthin nicht dem Selbstlauf\n\u00fcberlassen werden sollte, sondern von Anfang an konkrete Rollen f\u00fcr das neue Medium -\nmit unterschiedlichem Erfolg - reklamiert wurden. Um diese Zusammenh\u00e4nge erfolgreich\nanalysieren zu k\u00f6nnen, empfiehlt Schmidt von Was- auf Wie-Fragen umzustellen und\n\"die konkreten Prozesse von Kognition und Kommunikation, ihre Bedingungen, Regeln und\nKriterien in den Vordergrund des Interesses\" zu r\u00fccken.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_25_\"><sup>(25)</sup></a></font> Denn wichtig f\u00fcr die Produktion und Annahme von\nMedienangeboten ist die Analyse solcher </p>\n<blockquote>\n<p><small>kommunikationsrelevanten Faktoren [.\u00a0.\u00a0.], die man unter Konzepte wie\n Rolle, Institution und Organisation fassen kann. Diese Konzepte enstehen im Diskurs. Wenn\n Kommunikation Aktanten als Handlung zugeschrieben wird, dann ist es bedeutsam, in welcher\n Rolle ein Kommunikator handelt, welcher Institution oder Organisation er angeh\u00f6rt und\n welchen sozialen oder politischen Einflu\u00df er besitzt [.\u00a0.\u00a0.].</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_26_\"><sup>(26)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Schmidt fordert dabei die Ber\u00fccksichtigung der wichtigen und vielf\u00e4ltigen Aspekte von\nMacht und Herrschaft ein. Da der Diskurs nicht von selbst entsteht, sondern von\nKommunikatoren (Aktanten oder Institutionen) organisiert wird, sind deren Motive,\nInteressen, Bewertungen, Einstellungen etc. zu ber\u00fccksichtigen. Diese wiederum spiegeln\ndie sozio-politische Situation der Gesellschaft wider, denn \"Television is a human\nconstruct, and the job that it does is the result of human choice, cultural decisions and\nsocial pressures\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_27_\"><sup>(27)</sup></a></font></p>\n<h3 align=\"center\">Die Genese des Fernsehsystems in Schweden</h3>\n<h4 align=\"center\">Die fernsehpolitische Situation in den vierziger und f\u00fcnfziger Jahren</h4>\n<p>Der Einzug des Fernsehapparates in die schwedischen Haushalte verz\u00f6gerte sich im\nVergleich zur europ\u00e4ischen Norm<font size=\"-2\"><a href=\"#N_28_\"><sup>(28)</sup></a> </font>um\neinige Jahre. Erst am 4. September 1956 begann die nationale Rundfunkanstalt <em>Radiotj\u00e4nst\n</em>offiziell mit dem Abstrahlen ihres regul\u00e4ren Programmes. Dabei steht die Wiege des\nFernsehens eigentlich in Schweden, denn der Chemiker J\u00f6ns Jakob von Berzelius (1779-1848)\nentdeckte 1817 den Grundstoff f\u00fcr die sp\u00e4tere Entwicklung, das Selen. Auch datiert das\nerste schwedische Fernsehpatent immerhin aus dem Jahr 1894, dessen Inhaber, R. Berglund,\nden \"elektrischen Fernsehapparat\" namens \"Telephotograph\" entwickelte.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_29_\"><sup>(29)</sup></a></font> Aber das moderne Schweden der\nNachkriegszeit begegneten dem neuen elektronischen Medium zun\u00e4chst mit Zur\u00fcckhaltung.\nTechnische Gr\u00fcnde wurden f\u00fcr die sp\u00e4te Einf\u00fchrung des Fernsehens angef\u00fchrt, immerhin\nsollte eine Fl\u00e4che von 449.200 km<font size=\"-2\">2</font> in einem d\u00fcnnbesiedelten Land\nmit knapp sieben Millionen Einwohnern erfa\u00dft werden. Im damaligen September waren\nlediglich die Stockholmer mit t\u00e4glichen Fernsehsendungen versorgt, und ein Jahr sp\u00e4ter\nwar G\u00f6teborg angeschlossen. Auch begann der l\u00e4ngst errichtete neue Sendemast in\nNacka/Stockholm verz\u00f6gert seinen Sendebetrieb. Der Startschu\u00df f\u00fcr die Aufnahme des\nSendebetriebes kam zu sp\u00e4t, um noch p\u00fcnktlich beginnen zu k\u00f6nnen, hie\u00df eine oft\nge\u00e4u\u00dferte Kritik. Vorl\u00e4ufig mu\u00dfte noch \u00fcber die Versuchseinrichtung der\nK\u00f6niglich-Technischen Hochschule in Stockholm ausgestrahlt werden. Eine im folgenden zu\nuntersuchende Frage soll sich damit besch\u00e4ftigen, warum Fernsehen relativ sp\u00e4t - trotz\nfr\u00fchzeitiger regelm\u00e4\u00dfiger Versuche - zugelassen wurde.</p>\n<p>Erste offizielle \u00c4u\u00dferungen zur m\u00f6glichen Einf\u00fchrung des Fernsehfunks in Schweden\ndatieren aus dem Jahre 1946, als das Kommunikationsministerium seinen Untersuchungsbericht\nzum Radio, zu dessen aktuellen Anforderungen und zuk\u00fcnftigen Entwicklungen\nver\u00f6ffentlichte.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_30_\"><sup>(30)</sup></a></font> Nur ein\nkurzer Abschnitt galt dem Fernsehen. Darin hie\u00df es, da\u00df infolge technischer\nSchwierigkeiten, die mit der geografischen Weite des Landes und der niedrigen\nBev\u00f6lkerungsdichte korrelieren, nicht mit dem h\u00e4uslichen Fernseher in naher Zukunft zu\nrechnen sei. Lediglich gemeinsames Fernsehschauen in Kinos oder in anderen gr\u00f6\u00dferen\nVorf\u00fchrr\u00e4umen w\u00e4re denkbar.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_31_\"><sup>(31)</sup></a></font>\nDie Stockholmer hatten das schon erleben d\u00fcrfen, als zum ersten Mal im Dezember 1935 die\nschwedische Radiofirma <em>Svenska Radioaktiebolag</em> in Zusammenarbeit mit den\nHauptstadtzeitungen einige Fernsehger\u00e4te in Lokalen der Stadt aufstellte und gegen ein\nkleines Entgeld dem staunenden Filmpublikum Beitr\u00e4ge vorf\u00fchrte. Im staatlichen Bericht\nwurde streng darauf verwiesen, da\u00df keine Gelder f\u00fcr teure Experimente auszugeben,\nsondern lediglich die Entwicklungen im Ausland aufmerksam zu verfolgen seien. Jedoch\nwurden dem staatlichen Telegrafenamt und der Radiogesellschaft erlaubt, \"sich durch\ndas Studium der einschl\u00e4gigen Literatur zum Thema und der ausl\u00e4ndischen Entwicklung eine\nklare Auffassung dar\u00fcber zu verschaffen, wann der Zeitpunkt f\u00fcr Versuchsprogramme\nherangereift ist\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_32_\"><sup>(32)</sup></a></font></p>\n<p>Der Verdienst der ersten Fernsehversuche geb\u00fchrt mithin weniger staatlicher\nF\u00f6rderungspolitik, sondern den zahlreichen privaten Fernsehenthusiasten, die \u00f6ffentliche\nVorf\u00fchrungen veranstalteten und f\u00fcr die Akzeptanz des neuen Mediums warben. Die erste\n\"Pressuregroup\" f\u00fcr die Einf\u00fchrung des TV in Schweden wurde mit dem \"Amt\nf\u00fcr Fernsehforschung\" (<em>N\u00e4mnden f\u00f6r televisionsforskning)</em> im Oktober 1947\nals eine technologisch-industrielle Interessengemeinschaft gebildet. Es hatte insbesondere\nden Kontakt zu den unmittelbar beteiligten Forschergruppen und Interessenten (u.a. zur\nRadioindustrie) herzustellen sowie die laufenden Arbeiten zu organisieren. Beteiligt waren\ndie K\u00f6niglich-Technische Hochschule (<em>KTH</em>) in Stockholm, das staatliche\nTelegrafenamt (<em>Telestyrelse</em>), die Forschungsanstalt der nationalen Verteidigung (<em>F\u00f6rsvarets\nForskningsanstalt</em>) sowie <em>LM Ericsson</em>. Das Projekt wurde gemeinsam, d.h. von\nstaatlicher sowie privater Seite getragen; die gr\u00f6\u00dfte finanzielle Unterst\u00fctzung kam von\nder Telefonaktiengesellschaft <em>LM Ericsson</em>, die die erforderliche Ausr\u00fcstung in\neinem Wert von 250.000 SEK zur Verf\u00fcgung stellte.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_33_\"><sup>(33)</sup></a></font>\nIm Fr\u00fchjahr 1949 gesellte sich auch die staatliche Radiogesellschaft (<em>Radiotj\u00e4nst</em>)\ndazu, die sich wegen der rasant voranschreitenden technischen Entwicklung gezwungen sah,\nebenfalls den neuen Entwicklungen Aufmerksamkeit zu schenken und sich f\u00fcr die\nprogrammlichen Fragen zu interessieren. Auch komplettierten weitere Firmen, <em>Svenska\nAktiebolaget Gasaccumulator</em>, <em>Aktiebolaget Gylling &amp; Co</em>., <em>Luxor Radio\nAktiebolag</em>, <em>Svenska Aktiebolaget Philips</em> sowie <em>Svenska Radioaktiebolaget\n</em>das Amt, bef\u00fcrchteten sie doch, potentielle bahnbrechende Entwicklungen zu\nverpassen. Die erste Pr\u00e4sentation der \"Arbeitsergebnisse\" des Amtes fand am 2.\nJuni 1949 mit einem von <em>Radio</em>-<em>tj\u00e4nst</em> zusammengestellten einfachen\nProgramm statt, das in erster Linie die inhaltlichen M\u00f6glichkeiten der\nFernseh\u00fcbertragung veranschaulichen sollte. Mehrere Versuchssendungen folgten, u.a. ein\nVersuchsprogramm f\u00fcr die Regierung im Dezember 1950 (Vgl. Tab. 1) sowie Programme mit\nSchulfernsehen ein Jahr sp\u00e4ter.</p>\n<div align=\"center\"><center>\n<table border=\"1\" cellpadding=\"0\" width=\"80%\">\n<tr>\n<td width=\"100%\">Tab.1: Programm der Fernsehvorf\u00fchrung am 11.12.1950, 15 Uhr speziell\n f\u00fcr die Regierung und h\u00f6here Milit\u00e4rs<font size=\"-2\"><a href=\"#N_34_\"><sup>(34)</sup></a></font><p>Moderator:\n Lennart Hyland.<br/>\n 1. Babypflege: Anziehen und Baden eines viermonatigen M\u00e4dchens mit Frau Britta Frostenson\n und Tochter Cecilia.<br/>\n 2. Musikunterricht: Quitt Holmgren gibt eine Lektion im Erlernen von Gitarrengriffen.<br/>\n 3. Milit\u00e4r: Kapit\u00e4n Sill\u00e9n demonstriert eine Panzerb\u00fcchse (granatgev\u00e4r).<br/>\n 4. Wettervorhersage mit Wetterkarte.<br/>\n 5. Torbj\u00f6rn St\u00e5hl, 15 Jahre, zeigt ein Modell der Erde und die Bewegung des Mondes um\n die Sonne.<br/>\n 6. Frau Ingrid Br\u00e5land und Folke Olhagen am Herd: Wie backe ich einen Rosinenkuchen?<br/>\n 7. Museumsdirektor Torsten Althin vom Technischen Museum beim H\u00e4ndewaschen: Er f\u00fchrt\n eine Anlage aus dem 18. Jahrhundert vor, die einer Warmluftmaschine gleicht.<br/>\n 8. G\u00f6sta Bernhard als Mrs Roosevelt.<br/>\n Abmoderation von Lennart Hyland.</p></td>\n</tr>\n</table>\n</center></div>\n<p>Der H\u00f6hepunkt der Probesendungen war die sog. Sandrew-Woche, als vom 17.-23. Mai 1954\nin den Ateliers der Aktiengesellschaft <em>Sandrew-Atelj\u00e9erna </em>in Stockholm\nproduzierte Programme mit einem Gesamtumfang von 25 Stunden ausgestrahlt wurden. Die\nSandrew-Woche zeigte ein weiteres Novum in der schwedischen Mediengeschichte: Zum ersten\nMal erhielt eine private Firma, n\u00e4mlich die <em>Sandrew-Atelj\u00e9erna,</em> die Erlaubnis\nzum Abstrahlen von Fernsehprogrammen, allerdings begrenzt auf eine Woche. Weitere\nVersuchsprogramme folgten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden (2-5 Stunden pro Woche), f\u00fcr die\njedoch nur <em>Radiotj\u00e4nst</em> die Lizenz sowie Geld aus dem Staatshaushalt erhielt.</p>\n<p>Aber es sollten noch zwei Jahre ins Land gehen bis der offizielle Startschu\u00df f\u00fcr\neinen regul\u00e4ren Fernsehbetrieb gegeben wurde. Neben der technischen Reifung sollte auch\neine kulturpolitische erfolgen. Erst 1951 gab das Kommunikationsministerium eine\numfassende Untersuchung zur Einf\u00fchrung des TV in Auftrag. Nach schwedischer Tradition,\ndie auf einer gr\u00fcndlichen Befragung potentieller Interessenten beruht und auf eine\nkonsensuale Politik orientiert, dauerte diese Arbeit drei Jahre, weitere zwei brauchte\nsie, um im Reichstag behandelt zu werden. Tage Erlander schrieb 1956 in einem Aufsatz der\nRadioprogrammzeitschrift \"R\u00f6ster i Radio\": </p>\n<blockquote>\n<p><small>Es reicht nicht, w\u00fcnschenswerte Ziele f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung\n aufzustellen. Das Wesentliche bleibt trotz alledem, durch eine sachliche Aufkl\u00e4rung eine\n Vorstellung davon zu gewinnen, welche Wege man zum Ziel gehen mu\u00df und durch eine\n geduldige Arbeit die Wirklichkeit in die Richtung, in die man strebt, zu ver\u00e4ndern.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_35_\"><sup>(35)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Nach der Billigung des Untersuchungsberichtes mit nur geringf\u00fcgigen Ver\u00e4nderungen\ndurch den Reichstag im Jahr 1956 stand dem Fernseher in schwedischen Haushalten nun nichts\nmehr im Wege.</p>\n<h3 align=\"center\">Die gesellschaftlichen Diskurse</h3>\n<p>Unterschiedliche Akteure schalteten sich in die Diskussion ein, zum Teil aufgefordert\ndurch die staatliche Untersuchungst\u00e4tigkeit, und konstruierten schlie\u00dflich ein Produkt,\ndessen Inhalt und Aufgabe sich in jahrelangen Debatten unter dem Einflu\u00df der\ninternationalen Entwicklung herauskristallisierte. Ausgehend vom Diskursbegriff Michel\nFoucaults, den ich mit dem Begriff vom Akteur verkn\u00fcpfe, lassen sich in der schwedischen\ndiskursiven Praxis zur Einf\u00fchrung des neuen Mediums Vereinnahmungs- und\nVermachtungstendenzen feststellen, die Foucault als </p>\n<blockquote>\n<p><small>eine Gesamtheit von anonymen, historischen, stets in Raum und in der Zeit\n determinierten Regeln, die in einer gegebenen Epoche und f\u00fcr eine gegebene soziale,\n \u00f6konomische, geographische oder sprachliche Umgebung die Wirkungsbedingungen der\n Aussagefunktion definiert haben,</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_36_\"><sup>(36)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>bezeichnet. Hier wird \"die Produktion des Diskurses zugleich kontrolliert,\nselektiert, organisiert und kanalisiert\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_37_\"><sup>(37)</sup></a></font>\nZu den Prozeduren der Einschr\u00e4nkung und Kontrolle des Diskurses geh\u00f6ren \u00e4u\u00dfere und\ninnere Ausschlie\u00dfungssysteme. Ein zentrales Ausschlie\u00dfungsmoment im schwedischen\nFernseh-Diskurs ist die \"Verknappung der sprechenden Subjekte\", um mit Foucault\nzu sprechen.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_38_\"><sup>(38)</sup></a></font> Das bedeutet, da\u00df\nnur bestimmte Subjekte am Diskurs teilnehmen konnten. Einige waren stark abgeschirmt,\ninsbesondere was die Arbeit des Amtes f\u00fcr Fernsehforschung anbetraf, denn erst auf\nDr\u00e4ngen von <em>Radiotj\u00e4nst</em> wurden der \u00d6ffentlichkeit sukzessive Einblicke in die\nArbeit erlaubt. \u00d6ffentlichkeitsarbeit fand in diesem Sinne nicht statt, ja die\n\u00d6ffentlichkeit, um die es eigentlich ging, blieb im Gro\u00dfen und Ganzen ausgeschlossen und\nwar am Diskurs nicht beteiligt. Ein halbherziger Versuch, die Meinungen der\n\"Betroffenen\" einzuholen, wurde mit dem an sp\u00e4terer Stelle beschriebenen\n\"Organisations-Gallup\" unternommen, der letztlich zur Best\u00e4tigung herrschender\nKulturpolitik mutierte. Andererseits vermochten auch die Organisationen nicht, sich auf\ndem aktuellen Stand der Dinge zu halten und sich aktiv in die Diskussion einzuschalten.\nDie Akteure k\u00f6nnen in folgende vier Gruppen eingeteilt werden:</p>\n<p>1. <strong>Technologische Lobby/Wirtschaft</strong>: Sie war an einer m\u00f6glichst\nfr\u00fchen Einf\u00fchrung des TV aus entwicklungstechnologischen Gr\u00fcnden interessiert. Zu den\nTriebkr\u00e4ften geh\u00f6rte <em>LM Ericsson</em>, dessen Tochtergesellschaft <em>Svenska\nRadioaktiebolaget</em> sowie das Telegrafenamt. Als es um die zuk\u00fcnftige\nOrganisationsform des TV ging, bildete sich die \"kom-merzielle Allianz\" mit\nihrer \"Pressuregroup\", dem \"Televisionskomitee der Wirtschaft\" (<em>N\u00e4ringslivets\ntelevisionskommitt</em>\u00e9). Dazu geh\u00f6rten neben o.g. Firmen die Banken, die\nWerbewirtschaftsvereinigung, Radiofirmen wie <em>Philips</em> und <em>AGA</em>, die\nArbeitgebervereinigung. Die Vereinigung der Zeitungsverleger (<em>Tidningsutgivaref\u00f6rening</em>)\nverlie\u00df sp\u00e4ter die Allianz der Wirtschaft, da sie auf der Seite der Regierung und von\nRadiotj\u00e4nst gegen die Werbung im Fernsehangebot war. </p>\n<p>2. <strong>Politiker/Staat:</strong> Tonangebend war sozialdemokratische Kulturpolitik,\ndie sich erst sp\u00e4t mit der Fernsehfrage besch\u00e4ftigte und das Medium f\u00fcr sich zu\nbeanspruchen gedachte. Gleichzeitig verbot aber die tief in der schwedischen Gesellschaft\nverwurzelte Druckfreiheit eine einseitige Vereinnahmung des Fernsehfunks. Die\nAuseinandersetzung konzentrierte sich - nachdem die Einf\u00fchrung nicht mehr zu verhindern\nwar - auf die Struktur einer zuk\u00fcnftigen Fernsehanstalt, entweder die \u00dcbernahme einer\npublic-service Struktur (Stiftung oder Gesellschaft) von <em>Radiotj\u00e4nst </em>oder ein\nprivat-kommerzielles Modell. Bef\u00fcrworter letzterer Variante kamen insbesondere aus der\nkonservativen sowie auch liberalen Partei. Jedoch war deren Stimme relativ schwach und\nerreichte keinen breiten gesellschaftlichen Konsens. Von staatlicher Seite beteiligten\nsich haupts\u00e4chlich die Radioanstalt (<em>Radiotj\u00e4nst</em>) und das\nKommunikationsministerium.</p>\n<p>3. <strong>Gesellschaftliche Organisationen</strong> (wie Gewerkschaften,\nBildungsvereine): Diese Gruppe schaltete sich erst ein, als sie offiziell dazu\naufgefordert wurde. Im Zusammenhang mit den staatlichen Untersuchungen zur TV-Frage\nerhielten gesellschaftliche Organisationen in Form eines \"Organisations-Gallups\"\n- anstelle einer bis dato \u00fcblichen Befragung der Bev\u00f6lkerung - die Aufforderung, ihre\nMeinung \u00fcber allgemeine Richtlinien f\u00fcr ein zuk\u00fcnftiges Programm zu \u00e4u\u00dfern. Zu dieser\nZeit waren die Diskussionen \u00fcber Werbung im Programm (ja oder nein) festgefahren. Die\nOrganisationen \u00e4u\u00dferten sich \u00fcberwiegend positiv zum neuen Medium, insbesondere wurden\ndessen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kultur und Bildung hervorgehoben. Sie waren jedoch auch zum\nTeil \u00fcberfordert, da bislang interne Diskussionen dazu nicht stattgefunden hatten.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_39_\"><sup>(39)</sup></a></font></p>\n<p>4. <strong>Au\u00dferhalb des TV stehende Publizisten, Schriftsteller, Wissenschaftler:</strong>\nDie Beteiligung dieser Gruppe am Diskurs war gering und die anf\u00e4ngliche Skepsis\ngegen\u00fcber dem Fernsehen gro\u00df. Lediglich Vilhelm Moberg stellte auf einer vom\nJugendverband der liberalen <em>Folkpartiet</em> organisierten Konferenz im Jahr 1957 zum\nThema \"Freiheit im \u00c4ther\" die provozierende Frage: \"Wer gab dem Staat das\nRecht, das \u00c4thermonopol zu beanspruchen? Gott selbst?\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_40_\"><sup>(40)</sup></a></font> Nach Moberg stecke dahinter die Gefahr, da\u00df der\nStaat die Mitb\u00fcrger manipulieren k\u00f6nne. Dieser Vortrag l\u00f6ste eine Diskussion aus, die\nbislang in dieser Breite nicht stattgefunden hatte und in dieser Form auch zu sp\u00e4t kam.\nDie Weichen waren bereits gestellt. In den Tageszeitungen, in der Fachpresse, auf\nKonferenzen wurde das Verh\u00e4ltnis von Fernsehmonopol und Meinungsfreiheit diskutiert. Die\nkontr\u00e4re Auffassung zu Moberg, die sich letztlich auch durchsetzte, sah gerade das\nStaatsmonopol als Grundlage, um echte Meinungsfreiheit gew\u00e4hren zu k\u00f6nnen. In dieser\nPosition kommt die in Schweden g\u00e4ngige Verkn\u00fcpfung von Staat und Gesellschaft zum\nAusdruck.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_41_\"><sup>(41)</sup></a></font> Diese Auffassung\nvertraten insbesondere Sozialdemokraten bzw. den Sozialdemokraten nahestehende\nPublizisten. </p>\n<h4 align=\"center\">Kulturkritischer Diskurs</h4>\n<p>Der kulturkritische Diskurs, gef\u00fchrt von Akteuren aus allen o.g. Gruppen mit Ausnahme\nder Technologen, \u00fcber die Einf\u00fchrung des Fernsehens war dadurch gekennzeichnet, da\u00df\nsich viele zun\u00e4chst abwartend verhielten und nur z\u00f6gerlich zum neuen Medium \u00e4u\u00dferten.\nTV galt als noch zu unbekannt, als da\u00df sich gesicherte \u00c4u\u00dferungen \u00fcber m\u00f6gliche\nImplikationen h\u00e4tten ergeben k\u00f6nnen. Insofern waren die Debatten disparat und flackerten\nin unterschiedlicher Intensit\u00e4t erneut auf. </p>\n<p>Dominiert wurden sie von einer Amerikanisierungsdebatte, die in Schweden eine lange\nTradition hat. Schon zu Beginn des Jahrhunderts, als \u00fcber die kulturellen Ver\u00e4nderungen\nder Gesellschaft geklagt wurde, die in der Modernisierung und Urbanisierung der\nGesellschaft wurzeln, war nicht selten ein neues Medium, damals haupts\u00e4chlich der Film,\nder S\u00fcndenbock. Erste Reichstagsdebatten \u00fcber die Verfallstendenzen in der schwedischen\nKultur fanden 1918 statt, als die Unterhaltungsaktivit\u00e4ten der Jugendlichen untersucht\nwurden. Das vermehrte Praktizieren sog. schlechter Unterhaltung (\"Kartenspielen,\nLesen von Groschenromanen, Anschauen von sensationsorientierten Kinofilmen\"), sei\nalarmierend, w\u00fcrde zur Banalisierung und Verflachung f\u00fchren und letztlich die Wurzeln\nschwedischer Nationalkultur verdorren lassen, lauteten einige der damals h\u00e4ufig\nge\u00e4u\u00dferten Bef\u00fcrchtungen.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_42_\"><sup>(42)</sup></a></font>\nDie rasch anwachsende Popularit\u00e4t von Kinofilmen war den H\u00fctern der schwedischen\nNationalkultur ein Dorn im Auge. Staatliche bzw. kommunale Kontrolle \u00fcber den Filmverleih\nsowie die Filmzensur schienen zun\u00e4chst die einzige Antwort zu sein. 19 Jahre sp\u00e4ter\nstand das Thema insbesondere im Zusammenhang mit zunehmender Jugendkriminalit\u00e4t erneut\nauf der parlamentarischen Tagesordnung. Das Grund\u00fcbel liege allerdings nicht im Film\nschlechthin, sondern in der Unterhaltungsindustrie, die durch die Gesetze des Marktes\nnicht nach Werten, sondern nach Profit frage, hie\u00df es mittlerweile 1939 differenzierter.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_43_\"><sup>(43)</sup></a></font> Bereits drei Jahre sp\u00e4ter wurde die\nProblematik wieder im Reichstag debattiert und keinerlei Besserung trotz aktualisierter\nRestriktionen (Filmzensur, erschwerter Zugang f\u00fcr Kinder) festgestellt. Die Qualit\u00e4t\njugendlicher Freizeitgestaltung habe sich nicht erh\u00f6ht, sondern verringert. Insbesondere\nsei der Filmkonsum angestiegen, und in einem Zeitraum zwischen 1943 und 1944 k\u00e4me 85\nProzent der Filme haupts\u00e4chlich aus amerikanischer Produktion. Amerikanische Filme galten\nin der Regel bei den Kulturh\u00fctern als wirklichkeitsfern; sie produzierten Traumwelten und\nKlischees, die letztlich wenig mit dem schwedischen Alltag gemein h\u00e4tten. Die\nhereinstr\u00f6menden Werte aus dem Hollywood-Studio erzeugten schlie\u00dflich ein schizophrenes\nVerhalten: Man lebe zum einen in einer Traumwelt und zum anderen warte nach der\nVorstellung der harte schwedische Alltag. Auf die Dauer k\u00f6nne das nicht gut gehen,\nlauteten die Bef\u00fcrchtungen.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_44_\"><sup>(44)</sup></a></font></p>\n<p>Als ein weites Feld f\u00fcr skeptische \u00c4u\u00dferungen erwies sich die psychische und\nphysiologische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es ist schon vorher kritisch\nbeobachtet worden, da\u00df Kinder an warmen und sonnigen Sonntagen in langen Schlangen vor\nden Kinotheatern warteten, um anschlie\u00dfend regungslos vor der Leinwand zu verharren.\nBewegungsarmut, st\u00e4ndig neue wechselnde Eindr\u00fccke, die nur halb verarbeitet werden,\nw\u00fcrden in psychische und physische St\u00f6rungen resultieren. Man berief sich auf\nUntersuchungen in den USA, wo statistisch nachgewiesen schien, da\u00df ein aufregender und\nh\u00e4ufiger Kinobesuch bei Kindern und Jugendlichen die K\u00f6rpertemperatur um 0,5\u00b0C erh\u00f6he\nsowie zu Muskel-spannungen, Schlafst\u00f6rungen sowie erh\u00f6hter Nervosit\u00e4t f\u00fchre. Viele\nKinder f\u00fchlten sich nach aufw\u00fchlenden Filmerlebnissen geistig und k\u00f6rperlich matt.\nAllerdings sei der Film nicht v\u00f6llig zu verdammen, konstatierte der staatliche Bericht\n\u00fcber \"Kinder und Film\" schlie\u00dflich, da ein angemessener Inhalt durchaus\npositive Wirkungen provozieren k\u00f6nne.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_45_\"><sup>(45)</sup></a></font>\n</p>\n<p>Vor dem Hintergrund dieser jahrzehntelangen Diskussionen \u00fcber den\nkulturzerst\u00f6rerischen Einflu\u00df des neuen Mediums Film vermutete man eher eine\nVersch\u00e4rfung des Problems, wenn noch das Fernsehen dazu kommt. 1952 war in der\nZeitschrift \"Idun\" von der Besorgnis zu lesen, da\u00df auch die Schweden \u00e4hnlich\nden Chicagoer Kindern \"wie Seegras im Wind vor dem Fernsehapparat 23 1/5 Stunden in\nder Woche wehen werden\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_46_\"><sup>(46)</sup></a></font>\nDer Schriftsteller Harry Martinson sprach gar vom \"Teufel - d.h. in Gestalt eines\nFernsehers - im Boot\" und \"wir m\u00fcssen zusehen, da\u00df wir ihn auch an Land\nbekommen\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_47_\"><sup>(47)</sup></a></font> Lange Zeit\nhatte man noch versucht, dem Teufel den Zutritt zum Volksheim zu verwehren, denn es wurde\nnichts Gutes f\u00fcr die nationale Kultur erwartet. Auch die Kirche hatte f\u00fcr das neue\nMedium TV nicht viel \u00fcbrig. Der Bischof Manfred Bj\u00f6rkquist prophezeite eine sich\nverst\u00e4rkende Unruhe in Familien mit angeschalteten Fernsehern. \"Gerade in der\nheutigen Zeit brauchen wir mehr Ruhe von den einstr\u00f6menden Eindr\u00fccken\", mahnte er\n1955.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_48_\"><sup>(48)</sup></a></font> In diese Kerbe schlug\nauch der 19. Parteitag der SAP: </p>\n<blockquote>\n<p><small>Die Ereignisse von einer breiteren Umwelt st\u00fcrmen mit immer gr\u00f6\u00dferer\n Geschwindigkeit auf uns ein, beunruhigen, bet\u00f6ren und irritieren uns [.\u00a0.\u00a0.]\n Wir schalten blo\u00df das Radio ein und befinden uns mitten im Weltget\u00f6se und sind\n disparaten Eindr\u00fccken ausgesetzt. Haben wir es satt, setzen wir uns ins Kino, um uns\n davon zu erholen, ohne selbst etwas zu unternehmen.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_49_\"><sup>(49)</sup></a></font><small>\n</small></p>\n</blockquote>\n<p>Die neuen Medien provozierten sowohl Unt\u00e4tigkeit als auch Unf\u00e4higkeit, sich in einer\nkomplex werdenden Umwelt zurechtfinden zu k\u00f6nnen.</p>\n<p>Die zuvorderst kulturkritische Behandlung eines neuen Mediums ist nicht neu, und es ist\ndeshalb auch nicht verwunderlich, da\u00df staatliche, d.h. insbesondere sozialdemokratische\nKulturpolitik dem Fernsehen eher skeptisch und abwartend gegen\u00fcber stand. Hatten sie sich\ndoch gerade erst mit der Existenz des Radios abfinden und ihm einen Platz im\nGesellschaftsgef\u00fcge zuteilen m\u00fcssen. Immerhin hatte sich das Radio als Kultur-instanz\ndurchgesetzt und seine Meriten in der F\u00f6rderung qualit\u00e4tsvoller Unterhaltung verdient.\nOrvar L\u00f6fgren beurteilt es so: </p>\n<blockquote>\n<p><small>Das Radio entwickelte sich zu einem sehr kultivierten Medium. Es rekrutierte\n meist Akademiker und schuf eine spezielle Tonlage, nicht zuletzt durch die neuen\n Zentralfiguren: Die Moderatoren. Sie entwickelten eine spezielle Diktion, n\u00e4mlich das\n gebildete Hochschwedisch - ein neues sprachliches Normalma\u00df. Ihr Schwedisch sollte nicht\n nur kultiviert, sondern auch eine nat\u00fcrliche Sonorit\u00e4t ausstrahlen.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_50_\"><sup>(50)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Man sprach von \"den Radioherren aus Stockholm\", und in Leserbriefen wurde\nnicht selten die geringe Volksn\u00e4he beklagt.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_51_\"><sup>(51)</sup></a></font>\nNichtsdestoweniger erreichte das Radio eine hohe Akzeptanz, und bestimmte Sendungen fegten\ndie Stra\u00dfen menschenleer. Das Radio band die Nation zusammen, schuf einen gemeinsamen\nReferenzrahmen. Dem Radio wurde auf dem 19. Parteitag der SAP von 1952 die gleiche\nherausragende Rolle bei der Meinungsbildung zuteil wie einst der Presse: \"Alles, was\ndas Radio ausstrahlt, erlangt gr\u00f6\u00dfte Bedeutung: Es ist unser gr\u00f6\u00dftes Theater, unser\ngr\u00f6\u00dftes Kabarett, unsere gr\u00f6\u00dfte Kirche unser gr\u00f6\u00dftes \u00f6ffentliche Forum f\u00fcr\nVorlesungen und Diskussionen\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_52_\"><sup>(52)</sup></a></font>\nDas Radio hatte seinen Platz in der Gesellschaft erlangt, und beim Fernsehen wurde eher\ndie Umw\u00e4lzung des gesamten kulturellen Systems mit nicht kalkulierbarem Ausgang\nbef\u00fcrchtet. </p>\n<p>Im Vordergrund der kulturkritischen Auffassung zum Fernsehen standen die negativen\nFilm-Erfahrungen gepaart mit einer \"Hollywoodisierung\", insbesondere bei\nKindern. Das Eindringen amerikanischer Kulturmuster w\u00fcrde noch verst\u00e4rkt, denn Schweden\nverf\u00fcge als kleines Land \u00fcber ein geringes Programmpotential. Konkrete negative\nAuwirkungen bezogen sich in der Diskussion auch auf die Medienlandschaft selbst. TV wurde\nf\u00fcr die Literatur- und Zeitungslandschaft als m\u00f6gliche Konkurrenz vermutet. Die Menschen\nw\u00fcrden weniger lesen, und die Literatur m\u00fc\u00dfte sich ver\u00e4ndern. \"Die Anpassung, die\nvon den K\u00fcnstlern verlangt wird, ist jedoch nicht undurchf\u00fchrbar\", bemerkte Harry\nMartinson.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_53_\"><sup>(53)</sup></a></font> Die Bef\u00fcrchtungen\nradikaler kultureller Umw\u00e4lzungen durch das Fernsehen waren also gro\u00df, und die\nherrschende Politik konzentrierte sich - nachdem sie das neue Medium nicht mehr verhindern\nkonnte - auf die Z\u00e4hmung des \"Teufels\". </p>\n<div align=\"center\"><center>\n<table border=\"1\" cellpadding=\"0\" width=\"80%\">\n<tr>\n<td width=\"100%\"><p align=\"CENTER\">Aus einem Revyprogramm von 1960: Papa und Ann-Charlott\n sehen fern<font size=\"-2\"><a href=\"#N_54_\"><sup>(54)</sup></a></font></p>\n<p>-- Papa, warum bist Du nicht so ein Sheriff? Du hast doch auch so ein langes Kinn.<br/>\n -- \u00c4hm.<br/>\n -- Papa, was haben die Leute gemacht, als es noch kein Fernsehen gab?<br/>\n -- \u00c4hm.<br/>\n -- Papa, ist ein Fernseher genauso toll wie ein Auto?<br/>\n -- \u00c4hm.<br/>\n -- Papa, warum sind die Programme der Gro\u00dfen kindlicher als Kinderprogramme?<br/>\n -- \u00c4hm.<br/>\n -- Papa, ich habe geh\u00f6rt, da\u00df sie jetzt auch einen Fernseher im Gef\u00e4ngnis haben. Ist\n das eine Extrastrafe?<br/>\n -- \u00c4hm.<br/>\n -- Papa, warum gibt es Donnerstage - da ist ja nichts im Fernseher?<br/>\n -- \u00c4hm.<br/>\n -- Papa, wer hat eigentlich den Fernseher erfunden?<br/>\n -- Das wei\u00df ich nicht, mein Kind. Ich w\u00fcnsche mir nur, da\u00df es niemand getan h\u00e4tte.</p></td>\n</tr>\n</table>\n</center></div>\n<h4 align=\"center\">Technischer Diskurs</h4>\n<p>Da die technische Entwicklung eine herausragende Rolle in den Diskursen spielte,\nm\u00fc\u00dfte man annehmen, da\u00df ebenfalls der technische Diskurs, getragen vom \"Amt f\u00fcr\nFernsehforschung\", diese Position einnahm. Er war jedoch stark abgeschirmt und fand\nwenig Eingang in die anderen Diskurse. Zun\u00e4chst ging es um die technische\nWeiterentwicklung des Fernsehbildes, um den Ausbau der \u00dcbertragungstechniken. Da die\nVersorgung des gesamten schwedischen Territoriums anvisiert worden war, stand die\nTechnikentwicklung vor einer enormen Herausforderung. Die beteiligte Industrie war bei\nentsprechender Ger\u00e4teentwicklung an einem schnellen Fernsehstart interessiert. Durch\n\"die Verknappung der sprechenden Subjekte\" sollte verhindert werden, da\u00df zum\neinen Betriebsgeheimnisse preisgegeben und zum anderen damalige ung\u00fcnstige Entwicklungen\nf\u00fcr den Radioger\u00e4teabsatz bef\u00f6rdert werden. Die Kauflust stagnierte, und das lie\u00df\nahnen, da\u00df sich diese Entwicklung in Erwartung eines neuen Mediums weiter fortsetzen\nw\u00fcrde. Auch sollten keine \u00fcberh\u00f6hten Erwartungen geweckt werden f\u00fcr ein Medium, das\nnoch in den Kinderschuhen steckte. Erst der Verteter von <em>Radiotj\u00e4nst </em>kritisierte\ndie mangelnde Offenheit des Amtes. Er pl\u00e4dierte f\u00fcr \u00f6ffentliche Auff\u00fchrungen, um das\nInteresse des potentiellen Publikums f\u00fcr das neue Medium zu entfachen.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_55_\"><sup>(55)</sup></a></font> \u00d6ffentliches Interesse zeigten zun\u00e4chst die\nzahlreichen unterschiedlichen technischen Vereinigungen des Landes, die Vertreter des\nAmtes und der Industrie zu Vortr\u00e4gen einladen wollten. Auch das Ansinnen der\n\"Kommission f\u00fcr Verkehrssicherheit\", Fernsehsendungen zur Verbesserung der\nSicherheit im Verkehr im Rahmen einer Ausstellung zeigen zu d\u00fcrfen, wurde vom Amt Ende\n1951 ausgeschlagen.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_56_\"><sup>(56)</sup></a></font> Die\nRadioindustrie sowie das Telegrafenamt waren f\u00fcr eine schnelle Ger\u00e4teentwicklung,\nversprachen doch internationale Daten einen gro\u00dfen Zuwachs in dieser Branche. Jedoch\nvollzog sich der technische Diskurs anf\u00e4nglich hinter verschlossenen T\u00fcren, um\n\"unvorhergesehene Dinge\" zu b\u00e4ndigen, d.h. nach Foucault den Zufall\nauszuschalten, der wom\u00f6glich durch eine \u00d6ffentlichkeit hineingetragen werden und\nMarkt-Strategien gef\u00e4hrden k\u00f6nnte. Im Zuge der technischen Ausreifung des neuen\nProduktes gewann das \"Amt f\u00fcr Fernsehforschung\" an Zuversicht und beugte sich\ndem Druck der interessierten \u00d6ffentlichkeit nach Transparenz.</p>\n<h4 align=\"center\">Politischer Diskurs</h4>\n<p>Der politische Diskurs wurde von der herrschenden sozialdemokratischen Partei (SAP)\ndominiert, die wie schon oben bemerkt die Entscheidung \u00fcber die Einf\u00fchrung des TV auf\ndie lange Bank zu schieben versuchte. Auf dem bereits erw\u00e4hnten 19. Parteitag der SAP im\nJahre 1952, als schon erste Fernsehversuche die Aufmerksamkeit der Bev\u00f6lkerung erregten,\nfand die TV-Frage auch in \"der Erkl\u00e4rung zur Kultur des Landes\" keine relevante\nErw\u00e4hnung (nur in einem Nebensatz zum Radio), ebenso wenig auf dem 20. Parteitag 1956,\nals das Fernsehen offiziell eingef\u00fchrt wurde. Sollte hier etwas ausgesessen werden, was\nnicht mehr zu verhindern war?</p>\n<p>Die SAP hatte offenbar mehrere Gr\u00fcnde, den TV-Start zu verz\u00f6gern. Neben der sehr\nkulturkritischen Einstellung spielte auch die damalige Pressesituation eine Rolle. Die\nPresse galt als ein wesentliches Instrument f\u00fcr die Verbreitung der Ideologie vom\nschwedischen Volksheim. Das neue Medium hingegen betrachtete man als eine akute Gefahr\nf\u00fcr die breite Presselandschaft, da die Menschen nur noch vor dem Fernseher hocken und\nweniger Zeitung lesen w\u00fcrden. Die ohnehin schwache sozialdemokratische Presse drohte\ndamit g\u00e4nzlich vom Markt zu verschwinden. Hinzu kamen noch \u00f6konomische Gr\u00fcnde. F\u00fcr den\nTV-Aufbau wurden hohe finanzielle Ausgaben vermutet und die Einnahmen bei\nnicht-werbefinanzierten Programmen f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit als nicht-kostendeckend erachtet.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_57_\"><sup>(57)</sup></a></font> Alles sprach daf\u00fcr, das neue Medium\nnicht zuzulassen, jedoch erboten sich bei positiver Besch\u00e4ftigung mit dem Fernsehfunk\nneue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Instrumentalisierung im Volksheim. Oppositionelle\nAuffassungen zur Sozialdemokratie sind zu Beginn der f\u00fcnfziger Jahre noch schwach,\nverst\u00e4rken sich aber zum Ende der sechziger Jahre, als es um die Einf\u00fchrung des 2.\nProgramms ging. </p>\n<p>Die bislang disparat voneinander gef\u00fchrten Diskursen fanden ihren Zusammenschlu\u00df in\nder Auseinandersetzung um die zuk\u00fcnftige TV-Struktur, d.h. um eine kommerzielle oder\nnicht-kommerzielle Organisationsform des Fernsehfunks. Hier traten auch neue Akteure auf,\ndie sich bislang zu den Fernsehfragen nicht ge\u00e4u\u00dfert hatten. Wie bereits erw\u00e4hnt,\nwurden die gesellschaftlichen Organisationen im Rahmen der seit 1951 einsetzenden\nstaatlichen Untersuchungst\u00e4tigkeit befragt, wie sie zur Werbung im Fernsehen stehen. Da\ndazu in der Regel kaum eine breite Diskussion in den Organisationen stattfand und vorher\nnicht stattgefunden hatte, war die Relevanz einzelner Meinungen, meist von f\u00fchrenden\nFunktion\u00e4ren, hoch. Einig war man sich jedoch dar\u00fcber, da\u00df TV wegen seiner kulturellen\nAufgabe, in den H\u00e4nden einer gesellschaftlich und kulturell verantwortungsvollen F\u00fchrung\nzu liegen habe und damit Werbefinanzierung als m\u00f6gliche Finanzierungsquelle\nausgeschlossen sei. Diese Position nahm auch die Radioanstalt <em>Radiotj\u00e4nst</em> ein,\ndie fr\u00fchzeitig um die Fernsehdienste warb. <em>Radiotj\u00e4nst </em>f\u00fchrte einen\nerbitterten Kampf gegen die Reklame-Pl\u00e4ne der Wirtschaft und sandte bereits 1949 ein\nSchreiben an den K\u00f6nig, in dem sie ihn um einen Beschlu\u00df - mit Hinweis auf die\nerforderliche lange Vorbereitungszeit - zur \u00dcbernahme der Fernsehprogramme durch <em>Radiotj\u00e4nst</em>\nbat und damit das alleinige Monopol f\u00fcr die Ausstrahlung von Fernsehprogrammen\neinforderte.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_58_\"><sup>(58)</sup></a></font> Unterst\u00fctzung\nbekam <em>Radiotj\u00e4nst</em> sofort von den Zeitungsverlegern, die das Werbemonopol nicht\nabzugeben gedachten und deshalb werbungsfreies Fernsehen priorisierten. Die\nAuseinandersetzungen zwischen der vom Staat getragenen Anti-Kommerz-Lobby und der von der\nWirtschaft gef\u00f6rderten Kommerz-Lobby kulminierten, als im Oktober 1953 vier private\nIndustriebetriebe aus der Telebranche (<em>Luxor Radio Aktiebolag</em>, <em>Svenska\nAktiebolaget Gasaccumulator</em>, <em>Svenska Aktiebolaget</em> <em>Philips</em> und <em>Svenska\nRadioaktiebolaget</em>) sowie einige Verb\u00e4nde (<em>Kooperativa f\u00f6rbundet</em>, <em>Sveriges\nk\u00f6pmannaf\u00f6rbund</em> und <em>Sveriges lantbruksf\u00f6rbund</em>) - der ewigen Debatten leid\n- die Konzession f\u00fcr Fernsehsendungen im Stockholmer Raum beantragten. Die durch Werbung\nfinanzierten Programme sollten als Versuch, bis sich der Staat zu einem permanenten\nFernsehbetrieb entschlossen hat, jedoch mindestens bis zum Jahr 1957, laufen. Die\nWerbeindustrie zeigte sich begeistert. Das staatliche Telegrafenamt war f\u00fcr jede\nfr\u00fchzeitige Fernseht\u00e4tigkeit und notfalls auch f\u00fcr Werbung. <em>Radiotj\u00e4nst </em>reagierte\ndarauf emp\u00f6rt, bef\u00fcrchtete man doch das Statuieren eines Exempels. Ebenso wurde die\nWerbefinanzierung mit Hinweisen auf die dadurch verminderte Programmqualit\u00e4t verworfen. </p>\n<p>Die Werbe-Lobby verlor schlie\u00dflich diesen Kampf, und der Fernsehfunk wurde <em>Radiotj\u00e4nst</em>\nzugeordnet, und die gemeinsame Radio- und Fernsehinstitution nannte sich fortan <em>Sveriges\nRadio</em>. Die Stellung der Kommerz-Anh\u00e4nger war im Diskurs schw\u00e4cher als die der\nstaatlichen respektive der sozialdemokratischen Akteure. \"Die Regierung hatte den\nTaktstock in der Hand und konnte die Frage durch den Beschlu\u00dfproze\u00df, d.h. durch die\nUntersuchungst\u00e4tigkeit dirigieren\", konstatiert der Fernsehforscher Karl-Hugo\nWir\u00e9n.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_59_\"><sup>(59)</sup></a></font> Sie kontrollierte und\nbeherrschte den Diskurs - flankiert von \u00e4hnlichen Entwicklungen in Westeuropa - und\nberief sich auf das konsensf\u00e4hige Argument, da\u00df nur ein geb\u00fchrenfinanziertes Programm\nhohe Programmqualit\u00e4t garantieren k\u00f6nne. \"Die Dominanz der Sozialdemokratie in der\nschwedischen Politik ist total und die b\u00fcrgerlichen Parteien k\u00f6nnen nur konkurrieren,\nindem sie die gleiche Politik st\u00e4rker verfolgen\", begr\u00fcnden die Autoren in der\nUntersuchung <em>Modernisering och v\u00e4lf\u00e4rd</em> das Erfolgsrezept sozialdemokratischer\nWertauffassungen.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_60_\"><sup>(60)</sup></a></font> Schlie\u00dflich\nwar es nur \"nat\u00fcrlich\" oder wie Schmidt es formuliert \"kult\u00fcrlich\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_61_\"><sup>(61)</sup></a></font>, da\u00df der Fernsehfunk in die\nRadio-Struktur integriert wurde und damit nationale Monopolstellung errang. Die Versuche\nder \u00d6ffnung f\u00fcr den Markt waren an sozialdemokratischer Politik sowie am\ngesellschaftlichen Konsens mit dieser Politik gescheitert. Fernsehen wurde als ein zu\nwichtiger Kultur- und Machtfaktor betrachtet, als da\u00df man ihn dem Markt h\u00e4tte\n\u00fcberlassen wollen.</p>\n<h3 align=\"center\">Die Ver\u00e4nderung der Wahrnehmung - Auswirkungen auf die Kultur </h3>\n<p>Der wohl am kompliziertesten auszulotende Fragenkomplex konzentriert sich auf die\nWahrnehmungsebene und definiert hier das Fernsehen in seiner Einheit als Sozial- und\nZeichensystem. Fernsehen hat die Grundbedingungen des menschlichen Wahrnehmens und\nHandelns ver\u00e4ndert.</p>\n<blockquote>\n<p><small>Die Kopplung zwischen Mensch und Fernsehen wird offensichtlich nicht mehr als\n Dissonanz zwischen 'nat\u00fcrlicher' und technisierter, verfremdeter Wahrnehmung empfunden,\n im Gegenteil: Eine bereits perfekt funktionierende Konsonanz des menschlichen Bewu\u00dftseins\n mit dem Fernsehen verhindert die Erfahrbarkeit des Ph\u00e4nomens, da\u00df Kopplung \u00fcberhaupt\n stattgefunden hat.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_62_\"><sup>(62)</sup></a></font><small>\n</small></p>\n</blockquote>\n<p>Die Metapher vom \"angewachsenen Fernsehers\" soll die \"harmonische\"\nKopplung symbolisieren. Der mentale Schock, mit Hilfe des Fernsehers r\u00e4umliche Grenzen zu\n\u00fcberspringen und in Echtzeit dabei zu sein, spiegelt sich in vielen \u00c4u\u00dferungen \u00fcber\ndie erste Begegnung mit dem Fernseher wider. Hier einige Beispiele aus der Befragung des <em>Nordiska\nMuseet</em> \u00fcber \"Die erste Zeit mit dem TV\" von 1989:</p>\n<blockquote>\n<p><small>An eine Episode kann ich mich noch erinneren: Ein Mann sah zum ersten Mal einen\n Fernseher bei meiner Freundin, und er fragte: K\u00f6nnen sie uns wirklich nicht sehen? Oder\n mein Vater winkte am Anfang immer der Ansagerin bei der Begr\u00fc\u00dfung zu. 'Diese\n prachtvollen M\u00e4del kommen direkt in die Stube'<strong>,</strong> sagte er freudig erregt.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_63_\"><sup>(63)</sup></a></font><small> Ich erinnere mich an eine\n \u00e4ltere Dame hier in Vinsl\u00f6v. Sie war auf dem Weg zu ihren Nachbarn, um im Fernseher eine\n k\u00f6nigliche Hochzeit anzuschauen. Sie hatte ihr langes Abendkleid angezogen und ihren\n teuren Schmuck angelegt wie zu einer Hochzeit.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_64_\"><sup>(64)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Im Unterschied zum Kino galt das Fernsehen als ein Medium, das\n\"unverf\u00e4lschte\" Wirklichkeit wiedergab. Die Kamera war das Auge, das die\nWirklichkeit einfing und die Differenz zwischen sehen und fernsehen verwischte.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_65_\"><sup>(65)</sup></a></font> Das Fernsehen hatte es geschafft,\ndie Illusion zu verbreiten, selbst dabei zu sein und es als eine akzeptable Form der\nPartizipation zu empfinden. </p>\n<p>Oder anders ausgedr\u00fcckt: Das Fernsehen kam mit dem Apparat - sozusagen von au\u00dfen - in\ndie Gesellschaft und in die Familie. Er galt unter Kulturkritikern als Eindringling oder\nauch \"Teufel\" und entwickelte sich mit den Jahren zum akzeptierten Bestandteil\nder institutionellen Struktur der Gesellschaft sowie auch der Familie. Heute ist der\nFernseher gepaart mit den Informationstechnologien der allgemeine Ausweis f\u00fcr moderne\nGesellschaften. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der wissenschaftlichen Literatur\nwider.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_66_\"><sup>(66)</sup></a></font> Mit Ausnahme von\nMarshall McLuhan war die anf\u00e4ngliche Bewertung des neuen Mediums und dessen Auswirkung\nauf die Kultur in der wissenschaftlichen Literatur von \"moralischer Panik\"\ndurchsetzt. (Ganz anders war dagegen die Reaktion der potentiellen Zuschauer, die das neue\nMedium schnell als neues Familienmitglied aufnahmen, aber dazu sp\u00e4ter.) Die Arbeiten\ndar\u00fcber, die fast ausschlie\u00dflich anglo-amerikanischer Herkunft sind, sprechen vom\nEindringen eines Mediums in eine geordnete Gemeinschaft, vom Verdr\u00e4ngen von gewohnten\nT\u00e4tigkeiten (z.B. Hilde T. Himmelweit 1958, Charles A. Siepman 1950, Wilbur Schramm u.a.\n1961). Bei Schramm hei\u00dft es zum Beispiel: </p>\n<blockquote>\n<p><small>If any of us were now compelled to find two or three hours every day for a new\n activity, we should probably resent that requirement as an intolerable intrusion on our\n scheduled lives. It would require us to make profound and far-reaching changes. And this\n is precisely what television has done. It has come as an interloper into lives which\n already seemed full.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_67_\"><sup>(67)</sup></a></font><small>\n</small></p>\n</blockquote>\n<p>Sp\u00e4tere Untersuchungen verlassen diese Position, und behandeln das neue Medium als\nakzeptierten Bestandteil des sozialen Lebens in einer industrialisierten Welt. Neben\nkritischen \u00c4u\u00dferungen (z.B. Neil Postman 1985, Marie Winn 1977) sind zunehmend\nTitulierungen wie der Fernseher als \"a valued companion\" (Grand Noble 1975, Jib\nFowles 1992) zu finden. Grant Noble vertritt das Konzept \"of para-social\ninteraction\" und spricht von einem kathartischen Effekt des Fernsehens.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_68_\"><sup>(68)</sup></a></font> Karl-Erik Rosengren und Sven Windahl\ngehen sogar soweit, da\u00df \"TV seems to encourage interaction with parent and\npeers\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_69_\"><sup>(69)</sup></a></font></p>\n<h3 align=\"center\">Der Fernseher im Volksheim</h3>\n<p>Die schwedische Bev\u00f6lkerung schien auf das neue Medium gewartet zu haben, denn die\nAnmeldung von Fernsehapparaten nahm schneller zu als erwartet, und die Kurve angemeldeter\nFernsehger\u00e4te suchte ihresgleichen in Europa.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_70_\"><sup>(70)</sup></a></font>\n</p>\n<p>Schon 1951 wurde in einem Leserbrief der Zeitschrift \"Popul\u00e4r Radio\"\nnachdr\u00fccklich gefragt, \"wann sich endlich etwas in der Bildr\u00f6hre bewege und der\nKommunikationsminister aufwache\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_71_\"><sup>(71)</sup></a></font>\nDer schnelle Durchbruch des Fernsehens (er kam endg\u00fcltig mit der Fernseh\u00fcbertragung der\nFu\u00dfballweltmeisterschaften in Schweden 1958) hatte auch zur Folge, da\u00df der Fernsehfunk\nfr\u00fcher als geplant finanziell auf eigenen Beinen stand. Werbung wurde damit als\nschwelende potentielle Finanzierungsgrundlage in den Hintergrund gedr\u00e4ngt. In den\nsechziger Jahren hat sich das Fernsehen im Alltag voll etabliert. Bis Ende der sechziger\nJahre sendete die nationale Fernsehanstalt, <em>Sveriges Radio</em>, nur ein Programm, ein\nzweites folgte 1969. Zu den ersten Fernsehbesitzern geh\u00f6rten haupts\u00e4chlich Vertreter der\nMittelklasse und Familien mit Kindern.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_72_\"><sup>(72)</sup></a></font></p>\n<p>Die offiziell unerwartete, schnelle Akzeptanz des Mediums hing scherlich nicht\nunwesentlich mit der damaligen sozialen und Alltagssituation zusammen. Die f\u00fcnfziger und\nsechziger Jahre waren von einer ausgepr\u00e4gten Hochkonjunktur mit sukzessive ansteigendem\nBruttonationalprodukt gekennzeichnet. Das einstige Armenhaus Europas entwickelte sich\nbinnen kurzer Zeit zum reichsten europ\u00e4ischen Land. Das Bruttoinlands-produkt war 1950\nschon doppelt so hoch wie der europ\u00e4ische Durchschnitt und 25 Prozent h\u00f6her als in der\nSchweiz.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_73_\"><sup>(73)</sup></a></font> Es erh\u00f6hte sich der\nindividuelle Lebensstandard durch verbesserten Reallohn, insbesondere bei den Arbeitern in\nder Industrie. Die Arbeitszeit verk\u00fcrzte sich in der Regel auf 45 Stunden die Woche,\nk\u00fcrzere Arbeitszeit hatten die Angestellten mit 42 und Teile der Bergarbeiterschaft schon\nmit 40 Stunden. Die F\u00fcnf-Tage-Arbeitswoche setzte sich durch. 1951 wurde der gesetzliche\nUrlaub von drei Wochen eingef\u00fchrt, und die Freizeit nahm zu. Gleichzeitig hatten die\nSchweden unter einer Wohnungsnot zu leiden, die durch das sog. Millionenprogramm, d.h.\nrationell, billig und schnell Wohnungen zu bauen, bek\u00e4mpft wurde. Es entstanden die\n\"Sechziger-Jahre-Vororte\", die sp\u00e4ter wiederum wegen ihrer fehlenden sozialen\nInfrastruktur zum Problemfall generierten, da das soziale Netzwerk und\nNachbarschaftsgef\u00fchl geringer ausgepr\u00e4gt waren als in den historisch gewachsenen\nIndustrieorten. </p>\n<p>Jedoch befand sich die Familie durch den allgemeinen Trend der Modernisierung und\nUrbanisierung in der Krise. Mit zunehmendem Wohlstand setzte sich die\nDeinstitutionalisierung der Kleinfamilie fort: h\u00f6here Scheidungsraten, Zunahme von\nau\u00dferehelich geborenen Kindern sowie Anstieg von Suiziden. Der Ruf nach staatlicher\nUnterst\u00fctzung f\u00fcr die \"sterbende\" Familie blieb nicht aus, und ehemals\ntraditionelle Familienaufgaben wurden an den Staat abgetreten. Der Staat als Rettungsanker\nsollte die Familie vor dem Zerfall retten und bot als Kompensation Geld an, denn ein\nGro\u00dfteil der schwedischen Wohlfahrtsgesellschaft basierte auf der \u00dcberf\u00fchrung von Geld\nan Familien mit Kindern in der Hoffnung auf Stabilisierung der famili\u00e4ren Gemeinschaft.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_74_\"><sup>(74)</sup></a></font> </p>\n<blockquote>\n<p><small>Das Volksheim sollte eine neue Ordnung in der modernen Unordnung, die\n Gemeinschaft in Zeiten schneller sozialer Ver\u00e4nderungen, ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl\n im Proze\u00df aufl\u00f6sender alter Banden und Solidarit\u00e4t wiedererschaffen. Das Volksheim\n erbot eine Schwedisierung der wilden Kr\u00e4fte der Moderne und eine Modernisierung des\n Schwedischen.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_75_\"><sup>(75)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Bei der \"Modernisierung des Schwedischen\" handelte es sich vor allem um\n\"eine Nation, die gemeinsam in die Zukunft geht [.\u00a0.\u00a0.]. Nur ein moderner\nSchwede war ein guter Schwede, einer, der eher vorw\u00e4rts als r\u00fcckw\u00e4rts blickt\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_76_\"><sup>(76)</sup></a></font> Zu den modernen Schweden geh\u00f6rt\nauch, da\u00df sie sich mit neuen Ger\u00e4ten und Gegenst\u00e4nden umgeben, d.h. mit modernen\nHaushaltger\u00e4ten, die Freizeit, Komfort und ein bi\u00dfchen Fortschritt anbieten. Der Ausweis\nf\u00fcr einen modernen Haushalt jener Zeit waren ein Sommerhaus, Auto und auch ein Fernseher.\nMit einem Fernsehger\u00e4t im Wohnzimmer geh\u00f6rte man zu den weltoffenen, informierten\nMenschen, die mitreden k\u00f6nnen. Allein die Anwesenheit dieses technischen Ger\u00e4tes\nverbreite das Gef\u00fchl, auf der Modernisierungswelle mitzuschwimmen; wenn man von den\nKulturskeptikern absieht. Es verbreite eine F\u00fclle von Anregungen und vermittle Wissen\nschlechthin, hie\u00df es. In der Tat intensivierten und vergr\u00f6\u00dferten sich mit dem neuen\nMedium die M\u00f6glichkeiten der Beobachtung. Hier liegt nach Meyrowitz der entscheidende\nPunkt f\u00fcr kulturelle Ver\u00e4nderung, egal, ob es ich - wie oft beschrieben - um eine Art\nSchein-Wissen, Schein-Informiertheit handelt, mit der die Kinder beispielsweise ihre\nEltern \u00fcberraschen. In der 1989 durchgef\u00fchrten Befrgung des <em>Nordiska Museet</em>\nschreibt ein Taxifahrer \u00fcber das TV gepr\u00e4gte Allgemeinwissen seiner Kinder bewundernd:</p>\n<blockquote>\n<p><small>Meine Kinder wurden 1963 und 1966 geboren und haben viel ferngesehen\n [.\u00a0.\u00a0.]. Ich glaube, sie haben eine gr\u00f6\u00dfere Allgemeinbildung. Ich bin oft\n verwundert, wieviel sie von der Welt und Politik wissen. Sie erkennen viele\n Ber\u00fchmtheiten. Selbst wu\u00dfte ich nicht viel von der Welt da drau\u00dfen, als ich Kind war\n [.\u00a0.\u00a0.]. Ich war 7 als der Krieg ausbrach, aber ich wu\u00dfte nicht viel davon.\n H\u00e4tte es damals TV gegeben, w\u00fcrden wir mehr vom Elend gewu\u00dft haben [.\u00a0.\u00a0.].\n Wir diskutierten oft die<strong> </strong>Fernsehprogramme und f\u00fchlten uns fast\n ungebildet, wenn man gewisse Programme nicht kannte.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_77_\"><sup>(77)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Im Fokus der Vision des von den Sozialdemokraten propagierten modernen Menschen stand\ndas <em>gemeinsame </em>Handeln als Abgrenzung zu den sich verst\u00e4rkenden\nIndividualisierungstendenzen. In dieses Konzept sollte der Fernseher eingepa\u00dft werden. Da\nFernsehen eine private T\u00e4tigkeit ist und haupts\u00e4chlich im Kreis der Familie stattfindet,\nwar die Ankunft des Apparates in den schwedischen Wohnstuben mit einer stark\nfamilienideologischen Komponente, d.h. mit einer R\u00fcckbindung in die Intimit\u00e4t der\nfamili\u00e4ren sozialen Beziehungen, versehen. Der Fernsehfunk als Kulturtr\u00e4ger \"im\nDienste der Gesellschaft sowie der Haushalte\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_78_\"><sup>(78)</sup></a></font>\nsollte die Integration der Familienmitglieder untereinander und der Familie in die\nGesellschaft st\u00e4rken und damit sowohl als eine Art Kitt den Aufl\u00f6sungstendenzen\nentgegenwirken und als auch eine Renaissance des Familienlebens einleiten. Neue positive\nWerte, die im Dienst der famili\u00e4ren Gemeinschaft stehen, sollten vermittelt werden, indem\n\"gemeinsame Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr die Interessen der Familienmitglieder\"\nausgestrahlt werden. Denn \"gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen sind eine wichtige\nBasis f\u00fcr die St\u00e4rkung der Familienbande\", konstatiert der staatliche\nUntersuchungsbericht \"Television in Schweden\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_79_\"><sup>(79)</sup></a></font>\nEin positiver Effekt w\u00e4re schon damit erreicht, wenn die Familienmitglieder gemeinsam\nfernsehen, sie sich also um den Apparat herum versammelten und damit beispielsweise\nasozialem Verhalten und Alkoholmi\u00dfbrauch ihrer jugendlichen Angeh\u00f6rigen vorbeugen\nk\u00f6nnen, hie\u00df es darin.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_80_\"><sup>(80)</sup></a></font> Ein\nangeschalteter Fernseher sollte sich zu einer Art Refugium f\u00fcr die gesamte Familie\nentwickeln. Was einst die Petroleumlampe war, die die Familie um den Tisch herum\nversammelte, sollte nun das Fernsehger\u00e4t werden, ein Ort der \"inneren Sammlung\"\nalso.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_81_\"><sup>(81)</sup></a></font> Historisch gesehen mag\ndiese Familienorientierung merkw\u00fcrdig anmuten, da sich bereits das Radio und auch die\nSchallplatte in den f\u00fcnfziger Jahren zu Individualmedien entwickelt hatten. Aber der\nFernseher war zu Beginn, wie auch damals das Radio, ein Kollektivmedium. Der Fernseher\nerklomm den Rang eines neuen Familienmitgliedes. Sein Platz war und ist das gemeinsame\nZimmer der Familienmitglieder: das Wohnzimmer. Nicht selten wurden bei seiner Ankunft die\nM\u00f6bel umgestellt, um den empfohlenen Idealabstand zum Bildschirm von zwei bis vier Metern\nbeim Fernsehschauen einzuhalten sowie die optimale Bildqualit\u00e4t durch Lichteinfl\u00fcsse zu\ngew\u00e4hrleisten. Dem neuen Familienmitglied gefiel besonders ein Standort zwischen zwei\nFenstern, da eine Hintergrundbeleuchtung praktischerweise durch die Gardinen reguliert\nwerden kann, eingebunden in eine Sitzgruppe mit einer Couch, einem Couchtisch und Sesseln.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_82_\"><sup>(82)</sup></a></font> Aufgenommen als Familienmitglied\nschreibt Lynn Spigel in ihrer Untersuchung \u00fcber die Anfangsjahre des amerikanischen\nFernsehens: \"Television was the great family minstrel that promised to bring Mom,\nDad, and the kids together\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_83_\"><sup>(83)</sup></a></font>\nOder wie es Cecelia Tichi formuliert, da\u00df \"the new cathode tube hearth brings the\nfamily together in a scene of harmony and affection\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_84_\"><sup>(84)</sup></a></font></p>\n<p>Dabei ging es sozialdemokratischer Medienpolitik nicht um ein wom\u00f6glich\n\"gemeinsames Zeittotschlagen\", sondern geeignete Programme sollten das\nZusammenleben im Volksheim stimulieren helfen und neben der \"n\u00f6je\"\n[Unterhaltung] auch \"nytta\" [Nutzen] schenken. Als eine Art\n\"Volksuniversit\u00e4t\" stand die Fernseh-Institution im Dienst der Gesellschaft,\ndenn als \"Fenster zur Welt\" w\u00fcrde sie hinter den </p>\n<blockquote>\n<p><small>Horizont schauen; dorthin, wo unser Gesichtskreis endet [.\u00a0.\u00a0.] Eine\n wichtige Aufgabe ist, da\u00df der Apparat als Instrument die unterschiedlichen Milieus und\n Berufsgruppen zusammenf\u00fchrt. 'Das Fernsehen' - die [.\u00a0.\u00a0.] \u00dcbersetzung des\n Wortes 'Television' - soll den schwedischen Familien einen breiteren Gesichtskreis\n erm\u00f6glichen und damit mehr an Mitgef\u00fchl und Toleranz hervorbringen.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_85_\"><sup>(85)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Eine Absage wurde dem sogenannten passiven Zuschauen erteilt; was aber nur erreicht\nwerden kann, wenn die Programminhalte Debatten und selbst\u00e4ndiges Handeln f\u00f6rdern\nw\u00fcrden. Hier seien die Organisationen und Vereine (<em>folkr\u00f6relser</em>) gefragt, die\nin Zirkeln im Vornherein die Programme diskutierten und die \"besonders\nwertvollen\" markieren sowie im Nachhinein den Erfolg der Programme beurteilen sollen,\nfordern die Autoren des 1955 erschienenen Grundsatzbuches \"Svensk Television\".\nUnter der \u00c4gide der <em>folkr\u00f6relser </em>w\u00fcrde das Publikum zu einer gesunden\nEinstellung gegen\u00fcber dem Fernsehschauen erzogen werden, so da\u00df die Zuschauer den\nApparat nicht als \"Herren\", sondern als \"Diener\" betrachteten.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_86_\"><sup>(86)</sup></a></font> Als eine zentrale Kompente in der\nProgrammpolitik entwickelte sich der Bildungsauftrag der schwedischen \u00c4thermedien. So wie\neinst das Radio<font size=\"-2\"><a href=\"#N_87_\"><sup>(87)</sup></a></font>, ist auch der\nFernsehfunk der \"Volksbildung und Volksaufkl\u00e4rung\" verpflichtet. Dabei ging es\nnicht in erster Linie um eine Verst\u00e4rkung der Fachausbildung, sondern um die Verbreitung\nallgemeiner ethischer Normen wie Gemeinschaftssinn, Selbst\u00e4ndigkeit und der Abwehr eines\npolitischen sowie religi\u00f6sen Fanatismus.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_88_\"><sup>(88)</sup></a></font>\nDieser Auftrag wurde noch durch die Tatsache verst\u00e4rkt, da\u00df die <em>folkr\u00f6relser</em>,\ndie traditionell eng mit der Volksbildung verkn\u00fcpft sind, Miteigent\u00fcmer von <em>Sveriges\nRadio </em>wurden. Damit sollte eine eventuelle Konkurrenzsituation gemildert sowie durch\ngeeignete Programme das Bildungsinteresse stimuliert werden, um \"wichtige Impulse\nf\u00fcr die T\u00e4tigkeit der Volksbildungs- und Jugendorganisationen\" zu liefern.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_89_\"><sup>(89)</sup></a></font> Diese Zielstellung sah man aber nur\ndann als erf\u00fcllbar an, wenn die Qualit\u00e4t der Programme entsprechend hoch ist. </p>\n<blockquote>\n<p><small>Wenn die Programmqualit\u00e4t niedrig ist, f\u00fchrt es zur Abstumpfung, Nivellierung\n und Geschmacksverirrung [.\u00a0.\u00a0.] So kann ein gutes Programm eine ausgezeichnete\n Gegenwartsorientierung vermitteln, direkt aufkl\u00e4rend wirken, die Neugierde und den\n Wissensdurst der Zuschauer stimulieren sowie das Gef\u00fchl f\u00fcr Werte und das Interesse f\u00fcr\n z.B. Theater, Kunst und Musik wecken.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_90_\"><sup>(90)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Jedoch k\u00f6nnen die Anforderungen an das Programm nur dann erf\u00fcllt werden, wenn\n\"die Massenmedien in verantwortungsvollen und qualifizierten H\u00e4nden liegen\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_91_\"><sup>(91)</sup></a></font>, erkl\u00e4rte die sozialdemokratische\nMedienpolitik ihre letztliche Vereinnahmungsstrategie. Prononciert hei\u00dft es weiter, da\u00df\nnur der Staat die Kontrolle \u00fcbernehmen k\u00f6nne, da sonst zu bef\u00fcrchten w\u00e4re, da\u00df TV in\nden \"falschen H\u00e4nden\" f\u00fcr Interessen, die nicht im Sinne der Gesellschaft und\ndes Staates stehen, mi\u00dfbraucht werden w\u00fcrde.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_92_\"><sup>(92)</sup></a></font>\nGerade das Staatsmonopol sei der Garant f\u00fcr die Ber\u00fccksichtigung der Interessen der\ngesamten Bev\u00f6lkerung, fa\u00dfte der erste Intendant, Olof Rydbeck, die damalige TV-Politik\nzusammen.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_93_\"><sup>(93)</sup></a></font> Diese \u00c4u\u00dferung ist\nein Indiz f\u00fcr die mit der Volksheim-Ideologie - seit der schlie\u00dflichen Macht\u00fcbernahme\nder Sozialdemokraten im Jahre 1932 - praktizierten Politik der Einheit von Staat und\nGesellschaft, einer neuartigen Bindung zwischen Staat und B\u00fcrger, die eine neue Form\nkollektiven Handelns, kollektiver Beteiligung schuf. Das Volksheim in diesem Sinne\nentwickelte sich zu einer neuen Staatsform, in der der Staat mit der Gesellschaft\nverschmilzt - im Unterschied zur in Deutschland gebr\u00e4uchlichen Unterscheidung von\n\"Staat\" und \"Gesellschaft\" (u.a. T\u00f6nnies 1887). Ein Proze\u00df der\nVergemeinschaftung wurde eingeleitet, dessen Grundlage </p>\n<blockquote>\n<p><small>Gemeinsamkeit und Mitgef\u00fchl [sind]. Das gute Heim kennt keine privilegierten\n und benachteiligten, keine Lieblings- und Stiefkinder [.\u00a0.\u00a0.]. Im guten Heim\n herrscht Gleichheit, F\u00fcrsorge, Zusammenarbeit und Liebensw\u00fcrdigkeit</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_94_\"><sup>(94)</sup></a></font><small>,</small></p>\n</blockquote>\n<p>um an die klassischen S\u00e4tze von Per Albin Hansson im Jahre 1928 zu erinnern.\nCharakteristisch f\u00fcr die politische schwedische Struktur entwickelte sich im Laufe der\nJahre das Zusammenflie\u00dfen von Staat und Gesellschaft zu einem Netzwerk von lokalen\nBeh\u00f6rden bis zum Reichstag und K\u00f6nig. Dieses Netzwerk bildet das R\u00fcckgrat f\u00fcr\nInstitutionen, die zentrale Aspekte des sozialen Lebens wie Bildung und Kultur\nbeaufsichtigen. Es schuf neue Abh\u00e4ngigkeiten und lie\u00df neue Formen der Loyalit\u00e4t, der\nVerbundenheit zwischen B\u00fcrger und Staat sowie neuen Nationalstolz entstehen.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_95_\"><sup>(95)</sup></a></font> Die von Tage Erlander in den\nf\u00fcnfziger Jahren eingef\u00fchrte Politik der \"starken Gesellschaft\" (<em>det\nstarka samh\u00e4llet),</em> was immer einen \"starken Staat\" meint<font size=\"-2\"><a href=\"#N_96_\"><sup>(96)</sup></a></font>, und auf die Integration von Markt und\nWohlfahrtspolitik zielt, erstreckt sich auch auf den Fernsehfunk. Damit diese Integration\nauch funktioniert, ist nach sozialdemokratischer Politik die \"starke Hand\" des\nStaates in allen Bereichen der Gesellschaft gefordert.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_97_\"><sup>(97)</sup></a></font>\nIn diesem Sinne steht der Rundfunk im Dienst der Untermauerung und Bef\u00f6rderung einer\nerfolgreichen Wohlfahrtspolitik. Die Integration aller Bewohner im Volksheim war nach\ng\u00e4ngiger Auffassung nur \u00fcber die kulturelle Homogenisierung zu erreichen. Ein zentral\nund staatlich geleiteter Rundfunk galt daf\u00fcr als eine fundamentale Voraussetzung. Die\nGesellschaftsmitglieder wurden nicht selten als eine \"ungebildete Masse\"\nverstanden, die noch zu bilden, aufzukl\u00e4ren und zu erziehen sei. John Reith, der erste\nIntendant der Vorbildeinrichtung f\u00fcr <em>Sveriges Radio</em>, die BBC, beschreibt\nunverbl\u00fcmt die allgemeinen Programmrichtlinien einer public-service Einrichtung: </p>\n<blockquote>\n<p><small>It is occasionally indicated to us that we are apparently setting out to give\n the public what we think they need - and not what they want, but few know what they want\n and very few what they need.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_98_\"><sup>(98)</sup></a></font><small>\n</small></p>\n</blockquote>\n<p>Ebenso wurde in Schweden verfahren. Allerdings konnte nicht gekl\u00e4rt werden, wie gute\nProgramme auszusehen haben, denn eine Diskussion dar\u00fcber fand nicht statt. Am Anfang\n\u00fcbernahmen die Fernsehredakteure die bew\u00e4hrten Programmformen aus dem Radio, lie\u00dfen\nl\u00e4ngere Vorlesungen vom Katheder ausstrahlen und hatten den Anspruch, immer eine Stufe\nh\u00f6her als das allgemeine Niveau zu sein. Der enorme Wirtschaftsaufschwung in den\nf\u00fcnfziger und sechziger Jahren und der damit verkn\u00fcpfte Massenwohlstand erleichterte\nsicherlich die Akzeptanz und weitere Auspr\u00e4gung paternalistischer Strukturen auch im\nTV-Bereich.</p>\n<h4 align=\"center\">Der Fernseher im Wohnzimmer</h4>\n<p>Der Fernsehfunk wurde schlie\u00dflich im Volksheim domestiziert und f\u00fcr dessen Zwecke\ninstrumentalisiert. Wieweit die anvisierte Rolle aufging, soll - gem\u00e4\u00df James Halloran -\ndas Augenmerk auf die Zuschauer, auf die \"Konsumenten\" gerichtet werden: Wie\ngingen sie mit dem neuen Medium um? Inwieweit hat das Fernsehen eine vereinende und\nzugleich auch eine entzweiende Rolle in der Gemeinschaft gespielt? Wie hat es den Alltag\nver\u00e4ndert? Hat das Fernsehen dazu beigetragen, Rollen in der Familie aufzubrechen?<font size=\"-2\"><a href=\"#N_99_\"><sup>(99)</sup></a></font> Diese Fragen k\u00f6nnen in meinem\nAufsatz nicht hinreichend beantwortet werden, erfordern sie doch weitere Forschungsarbeit.\nDie nachfolgenden \u00dcberlegungen st\u00fctzen sich vorrangig auf die oben genannte Befragung\ndes <em>Nordiska Museet</em>. </p>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00fcssen die unterschiedlichen Zeitabschnitte der Bekanntschaft mit dem neuen\nMedium ber\u00fccksichtigt werden: Bis ca 1958 galt der Fernseher in der Regel als\nLuxusgegenstand, zum einen aus pekuni\u00e4ren Gr\u00fcnden und zum anderen gab es noch nicht\nlange ein eigenes schwedisches Fernsehprogramm. In den Grenzgebieten sah man d\u00e4nisches\nProgramm. Erst mit der Fu\u00dfballweltmeisterschaft 1958 und dem damit verbundenen Endspiel\nSchweden gegen Brasilien stieg das Interesse am Fernseher sprunghaft an und verlor\nzunehmend seine Rolle als Luxus- und Statussymbol. Mitte der sechziger Jahre war er in den\neinzelnen Haushalten etabliert und als Informations- und Unterhaltungsmedium nicht mehr\nwegzudenken. Allein in dieser kurzen Zeit lassen sich sehr unterschiedliche\nNutzungsgewohnheiten feststellen. </p>\n<p>Das erste Fernsehger\u00e4t sahen die Schweden in der Regel in einem Radiogesch\u00e4ft, in dem\nder Inhaber die neuen Ger\u00e4te vorf\u00fchrte und in die Schaufenster stellte. Oft bildete sich\nvor ihnen eine Menschentraube, die staunend \"das Wunderwerk der Technik\"\nbegutachtete. Ernsthaft Interessierte bekamen auch ein Ger\u00e4t zur Probe mit nach Hause,\nwas sich als kluge Verkaufsstrategie erwies, denn bei guten Empfang stand dem Kauf nichts\nmehr im Wege, der dann bar oder auf Raten get\u00e4tigt wurde. Wer reiste, brachte die\nNeuerung auch aus dem Ausland - zumindest verbal - mit. Eine Landwirtin h\u00f6rte vom\nFernseher zum ersten Mal auf einer Feier:</p>\n<blockquote>\n<p><small>1953 bei der Hochzeit meiner Schwester traf ich einen \u00e4lteren Verwandten, der\n der Clou des Abends war. Er war von einer Reise aus den USA zur\u00fcckgekehrt, von der er\n viel zu erz\u00e4hlen hatte. Auf die Frage, was ihm am meisten in den USA imponierte,\n antwortete er: \"TV. Und stellt euch vor, mein Sohn stellte noch einen Apparat in mein\n Zimmer, so da\u00df ich meinen eigenen hatte!\"</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_100_\"><sup>(100)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>F\u00fcr einen anderen Schweden wurde der Fernseher gar zur neuen Einnahmequelle. Er\nverwandelte ihn in ein Heimkino und popularisierte auf diesem Wege das neue Medium. Eine\nBesucherin berichtet:</p>\n<blockquote>\n<p><small>Meine erste Begegnung war am 21. Juli 1953. Ein Radioh\u00e4ndler in B\u00e5stad hatte\n ein Wohnhaus ganz oben auf dem Hallands\u00e5sen gemietet. Auf den Hof setzte er einen TV-Mast\n so hoch wie eine Fahnenstange. Er richtete den Dachboden mit B\u00e4nken ein und montierte auf\n zwei B\u00f6cken einen TV-Apparat. Davon h\u00f6rten wir und wurden neugierig. Wir luden Nachbarn\n ein und fuhren hin. Er nahm eine Krone Eintritt pro Person. Wir kletterten auf den Boden\n und nahmen auf einer Bank hinter einem Schornstein Platz und mu\u00dften dadurch st\u00e4ndig den\n K\u00f6rper drehen. Das Programm kam aus D\u00e4nemark, und wenn ich mich recht erinnere, begann\n es 20 Uhr. Pl\u00f6tzlich rauschte und knallte es im Apparat, und dann erschien das Bild. Das\n Publikum begann zu klatschen. Es war ein Programm \u00fcber Afrika mit tanzenden und\n kettengeschm\u00fcckten Schwarzen. Alle waren sehr begeistert, und es war noch lange\n Gespr\u00e4chsstoff.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_101_\"><sup>(101)</sup></a></font><small>\n</small></p>\n</blockquote>\n<p>Die am meisten gebr\u00e4uchliche Art, das neue Medium in seiner \"nat\u00fcrlichen\"\nUmgebung kennenzulernen, war bei Nachbarn, Verwandten oder/und Freunden eingeladen zu\nwerden. Die Besitzer f\u00fchrten stolz ihre neue Errungenschaft den G\u00e4sten vor. Die\nabendlichen Besuche bei Fernsehbesitzern entwickelten sich in den Anfangsjahren fast zur\nRoutine.</p>\n<blockquote>\n<p><small>Wir schauten zum ersten Mal bei meinem Bruder fern. Seine Frau hatte das Ding\n irgendwo gewonnen [.\u00a0.\u00a0.] Und damals, als wir so bei ihm zu Hause sa\u00dfen, fanden\n wir es schon merkw\u00fcrdig: Kino zu Hause! [.\u00a0.\u00a0.] Die erste Zeit (ja die ersten\n Jahre) war der Fernseher immer an, wenn wir bei ihm waren. Es war immer so gedeckt, da\u00df\n wir alle beim Kaffeetrinken oder Essen den Bildschirm sehen konnten.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_102_\"><sup>(102)</sup></a></font><small> </small></p>\n</blockquote>\n<p>Auch in der Presse jener Zeit war von der Begeisterung f\u00fcr das neue Medium,\ninsbesondere ob seiner gemeinschaftsstiftenden Funktion, zu lesen. Es werden Bilder von\neintr\u00e4chtig beieinander sitzenden Mittelklasse-Familien - in der Regel mit mehreren\nKindern - ver\u00f6ffentlicht, die sich am Fernsehen erfreuen. Der Fernseher, aufgestellt im\ngemeinsamen Raum der Familienmitglieder, im Wohnzimmer, gleicht einem Altar geschm\u00fcckt\nmit einem Deckchen, auf dem eine Blumenvase mit stets frischen Blumen (was sich nach\neinschl\u00e4gigen Erfahrungen jedoch als gef\u00e4hrlich erwies und sp\u00e4ter unterblieb) oder auch\nNippes stehen. Eine im Hintergrund leuchtende Lampe verbessert das Fernsehbild und\nverst\u00e4rkt zugleich dessen \"heilige\" Rolle. Oft versammelt sich nicht nur die\nFamilie andachtsvoll vor dem Fernseher, sondern es finden sich Verwandte, Nachbarn und\nBekannte ein. Es entstand eine Art Ritual: Die Gastgeberin br\u00fcht den Kaffee, den sie in\neiner eigens daf\u00fcr entwickelten \"TV-Kanne\" (Thermoskanne) serviert. \"Nun\ngeh\u00f6rt es zu Frau Margits t\u00e4glicher Routine, da\u00df sie jeden Abend eine Kanne Kaffee\nkocht, Saft und Kekse dem wechselnden Publikum zur Verf\u00fcgung stellt\", stellt\neuphorisch die Rundfunkzeitschrift \"R\u00f6ster i Radio\" fest.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_103_\"><sup>(103)</sup></a></font> Der Abendkaffee wird nun vor dem Fernseher\neingenommen. Es wurden neue Kontakte geschlossen, denn die Fernsehbesitzer wollen zum\neinen ihre neue Errungenschaft vorf\u00fchren, zum anderen auch andere daran teilhaben lassen.\nEs entwickelte sich eine Art karitatives Verhalten, insbesondere bei anstehenden\ngr\u00f6\u00dferen Sportereignissen verwandelt sich ein Wohnzimmer flugs in ein kleines Kino.</p>\n<blockquote>\n<p><small>Im Fr\u00fchjahr hatten wir unseren eigenen Fernseher wegen der\n Fu\u00dfballweltmeisterschaft gekauft. Bei jedem Spiel hatten wir 15-20 G\u00e4ste, die auf\n St\u00fchlen oder auf dem Fu\u00dfboden sa\u00dfen.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_104_\"><sup>(104)</sup></a></font><small>\n Das gr\u00f6\u00dfte Problem war, da\u00df alle Bekannte und Verwandte kamen, um fernzusehen und ich\n selbst nur einen Stehplatz hatte</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_105_\"><sup>(105)</sup></a></font><small>\n An die erste TV-Zeit erinnere ich mich gern, weil der Umgang mit anderen freundlich war\n und wir, die Kinder und auch die Erwachsenen, zusammenkamen. Oft wurde daraus eine Art\n Fest [.\u00a0.\u00a0.] Der Platz, wo der Apparat stand, wurde zum automatischen\n Sammlungspunkt, egal ob der Fernseher an war oder nicht.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_106_\"><sup>(106)</sup></a></font><small> </small></p>\n</blockquote>\n<p>Der Fernseher konnte ebenfalls die kultureigene Scheu der Schweden<font size=\"-2\"><a href=\"#N_107_\"><sup>(107)</sup></a></font> und die daraus resultierende Kontaktarmut\neind\u00e4mmen helfen. Denn Einladungen zu einem Fernsehabend waren in der damaligen Zeit sehr\npopul\u00e4r und stie\u00dfen gew\u00f6hnlich auf Gegenliebe. Zudem stellte ein solcher Abend keine\ngro\u00dfen Anspr\u00fcche an die Interaktion der Zuschauer untereinander. Man konnte sich v\u00f6llig\ndem Fernsehprogramm anvertrauen und trotz Beieinandersitzens jeder f\u00fcr sich bleiben. Der\nempfundene soziale Druck, zu sprechen und sich anpassen zu m\u00fcssen, von dem \u00c5ke Daun in\nseinem Buch \u00fcber die schwedische Mentalit\u00e4t schreibt, bleibt vergleichsweise gering,\n\u00fcbernimmt doch der Fernseher die Funktion des Aktiven. Weder die Gastgeber noch die\nG\u00e4ste m\u00fcssen sich gen\u00f6tigt f\u00fchlen, aufeinander einzugehen. Sie befinden sich beide in\nder gleichen Position, lediglich Zuschauer sein zu d\u00fcrfen. Die prononcierte\n\"Gleichheit\" in der schwedischen Kultur kann somit ohne gr\u00f6\u00dfere\nSchwierigkeiten ausgelebt werden. Folgende Erinnerung eines Landwirtes sei an dieser\nStelle eingef\u00fcgt:</p>\n<blockquote>\n<p><small>Ein Statussymbol war TV bei uns im Dorf nicht. Der erste, der einen hatte,\n wohnte in einem verfallenen Haus, dessen Zustand auch innen bez\u00fcglich der Sauberkeit sehr\n zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lie\u00df. Aber bei ihm versammelten sich die Leute aus allen\n gesellschaftlichen Schichten und guckten. Dort gab es keine Sitzpl\u00e4tze, und der\n Eigent\u00fcmer verteilte Zeitungen als Unterlage.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_108_\"><sup>(108)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Die Besuche bleiben unverbindlich und gleichzeitig verbreitet sich das Gef\u00fchl bei den\nEinladenden, sehr sozial und aufmerksam zu sein:</p>\n<blockquote>\n<p><small>Ich erinnere mich an ein Ereignis im Jahre 1963. Ein Fernsehprogramm handelte\n von einer Zigeunerfamilie, die es im Wohlfahrtsstaat Schweden nicht so gut hatte.\n [.\u00a0.\u00a0.] Ich lud eine Zigeunerfamilie, die wir hier in Nybro hatten, zum\n Fernsehabend ein. Sie selbst hatten ja nicht die M\u00f6glichkeit, einen Fernseher zu besitzen\n bzw. fern zu schauen. Sie hatten ja keine feste Wohnung. Diese Einladung war damals eine\n gro\u00dfe Sensation in der Stadt.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_109_\"><sup>(109)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Oberfl\u00e4chlich gesehen schaut ein trautes Beieinandersitzen vor dem Fernseher nach\ngegenseitigem Verstehen, nach Einstimmigkeit, Konsensus und Freundschaftlichkeit aus -\nnach Daun vier wichtige Komponenten f\u00fcr ein Treffen unter Schweden<font size=\"-2\"><a href=\"#N_110_\"><sup>(110)</sup></a></font> -, denn man braucht das Zusammensein nicht\naktiv zu strukturieren, und der Erfolg ist so gut wie garantiert. Es gibt ein gemeinsames\nInteresse, n\u00e4mlich das Fernsehprogramm zu sehen, und nach einigen \"Proben\" sind\ndie Regeln daf\u00fcr bekannt. Zu den Regeln geh\u00f6rt ja gerade, keine Kommunikation\nuntereinander zu pflegen, sonst bliebe vom Fernsehgenu\u00df nicht viel \u00fcbrig. Zudem wurde in\nden Anfangsjahren noch der Raum abgedunkelt, so da\u00df die Zuschauer dem Apparat die\nungeteilte Aufmerksamkeit entgegenbrachten und seine Autorit\u00e4t nicht durch Handarbeiten\noder \u00e4hnliches untergraben werden konnte. An solchen Abenden wurde das Gef\u00fchl der\nGemeinschaft, der Zusammengeh\u00f6rigkeit infolge des gemeinsamen Fernsehschauens bef\u00f6rdert,\nobwohl es eigentlich nur ein \u00e4u\u00dferliches r\u00e4umliches Beisammensein ohne wirkliche\ngemeinsame aktive Handlung ist. Aussagen aus der damaligen Zeit best\u00e4rken diese Annahme,\nda\u00df das Fernsehen die Option gegen aktive Handlungsm\u00f6glichkeiten erleichterte. Auf die\nFrage, wie sich die t\u00e4glichen Gewohnheiten ver\u00e4ndert haben, antwortet der Familienvater,\nda\u00df sie fr\u00fcher \u00f6fter ins Kino gingen und weg waren, aber heute mehr zu Hause seien.\n\"Die Kinder bleiben auch zu Hause, und das hat unseren Familienzusammenhalt\ngest\u00e4rkt. Sie bringen ihre Freunde mit, anstatt drau\u00dfen herumzustreunen.\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_111_\"><sup>(111)</sup></a></font> Haupts\u00e4chlich erf\u00fcllen\nUnterhaltungs- und Sportprogramme diesen Zweck, da sie einen breiten Geschmack bedienen\nund damit auf allgemeine Akzeptanz der Anwesenden sto\u00dfen. Die angestrebte Gleichheit, die\nim Schwedischen oft mit dem Wort der \"Gemeinschaft\" umschrieben wird, kann -\nsagen die Erfahrungen der Fernsehabende - nicht nur im engen Familienkreis, sondern auch\nmit Bekannten, gar Fremden auf der Basis gemeinsamen Fernsehschauens erlebt werden.\nFolgerichtig stieg die Popularit\u00e4t solcher Abende gewaltig an, und im Gegensatz dazu\nnahmen die Kinobesuche ab. </p>\n<p>Jedoch fielen die festgelegten Verhaltensmuster f\u00fcr diese Abende nicht jedem leicht.\nIn der R\u00fcckschau beklagen viele die fehlende Interaktion zwischen den Anwesenden. Hier\nkollidierten die Besuchserwartungen mit den damaligen Regeln des kollektiven Fernsehens,\ndenn das Fernsehen verlangte nun einmal ungeteilte Aufmerksamkeit und entwickelte sich\nerst sp\u00e4ter zunehmend zum Hintergrundmedium. Bei laufendem Fernsehger\u00e4t verlor der Gast\nseine Rolle als Mittelpunkt und trat sie dem neuen Medium ab.</p>\n<blockquote>\n<p><small>Die erste Bekanntschaft mit dem TV war bei einem Verwandten, der uns einlud. Als\n wir ins Haus kamen, wurden wir kaum begr\u00fc\u00dft, sondern aufgefordert uns zu beeilen, da das\n Programm gleich anfing. Wir mu\u00dften vor dem Apparat Platz nehmen und sa\u00dfen dort den\n ganzen Abend. Eine Unterhaltung entstand nicht, wir konnten kaum Kaffee trinken.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_112_\"><sup>(112)</sup></a></font><small> Wir waren bei Bekannten\n eingeladen, die uns das neue Medium zeigen wollten. Wir mu\u00dften gucken, egal ob es das\n Programm wert war oder nicht. [.\u00a0.\u00a0.] Wenn man zu Besuch war, kam es oft vor,\n da\u00df kaum ein Wort gewechselt wurde.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_113_\"><sup>(113)</sup></a></font><small>\n Der Umgang wurde ver\u00e4ndert, da alle nur noch fernsehen wollten, auch wenn man bei seinen\n Freunden war. F\u00fcr Gespr\u00e4che war keine Zeit<strong>.</strong></small><font size=\"1\"><a href=\"#N_114_\"><sup>(114)</sup></a></font><small> Bei den Besuchen waren nun nicht mehr\n die Tagesereignisse eines jeden Gespr\u00e4chsstoff, sondern das Fernsehen nahm einen v\u00f6llig\n gefangen.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_115_\"><sup>(115)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Mit zunehmender \"Selbstversorgung\" nahmen die h\u00e4ufigen Fernsehabende bei und\nmit Freunden und Bekannten ab. Fast jede Familie hatte nun ihren eigenen Fernseher gekauft\nund ihr eigenes Gebrauchsritual entwickelt. Es nahmen auch die Anl\u00e4sse ab, von Bekannten\neingeladen zu werden sowie selbst einzuladen. </p>\n<p>Wie bereits in den einleitenden theoretischen Bemerkungen betont, wirken Medien\nkontextabh\u00e4ngig. Wie stark sie auf die Sozialisationsprozesse einwirken, h\u00e4ngt davon ab,\nwieviel Macht ihnen in den famili\u00e4ren Beziehungen einger\u00e4umt wird. Das hei\u00dft\neinerseits, da\u00df \"l\u00e4ngst bevor Medienbotschaften und Medienformen 'wirken' k\u00f6nnen,\n[.\u00a0.\u00a0.] das soziale Umfeld die Art und die St\u00e4rke der m\u00f6glichen Wirkungen im\nProze\u00df der Sozialisation [bestimmt].\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_116_\"><sup>(116)</sup></a></font>\nAndererseits darf im Sinne von Marshall McLuhan nicht vergessen werden, da\u00df das Fernsehen\nauch seinerseits famili\u00e4re Situationen pr\u00e4gt und den sozialen Alltag beeinflu\u00dft. Das\ngelingt dadurch, indem Fernsehprogramme offeriert werden, die geradezu pr\u00e4destiniert f\u00fcr\ndie unterschiedlichen Situationen im Familienalltag sind. So wie beispielsweise in\nDeutschland die \"Tagesschau\" zum allabendlichen Ritual wurde und es gegen den\nguten Ton verstie\u00df, w\u00e4hrend der Sendung z.B. durch Anrufe zu st\u00f6ren, strukturierte und\nzum Teil habitualisierte in vielen schwedischen Familien das Fernsehprogramm (zun\u00e4chst\nnur) den Abend:</p>\n<blockquote>\n<p><small>Ein normaler Abend sah jetzt so aus: Wir a\u00dfen Abendbrot vor 18 Uhr, dann\n guckten wir fern bis ca. 21 Uhr. Die Nachrichten um 18 Uhr und 19.30 Uhr sind das\n Wichtigste.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_117_\"><sup>(117)</sup></a></font><small>\n Unser Tagesablauf: Wir a\u00dfen ein warmes Abendbrot, wenn mein Mann halb sechs nach Hause\n kam und um acht tranken wir Kaffee, denn da hatte das Programm begonnen und wir deckten im\n Wohnzimmer. Ich habe fr\u00fcher beim Radioh\u00f6ren immer Handarbeiten gemacht, aber nun war es\n dunkel und nicht mehr m\u00f6glich.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_118_\"><sup>(118)</sup></a></font><small>\n Es haben sich die Familienroutinen ver\u00e4ndert. Mit dem Abendbrot mu\u00dfte man bis zum Beginn\n des Abendprogrammes fertig sein.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_119_\"><sup>(119)</sup></a></font><small>\n</small></p>\n</blockquote>\n<p>In der Befragung lassen sich auch Beispiele finden, die von famili\u00e4ren Umst\u00e4nden\ninsbesondere auf dem Lande berichten, die eine abendliche Dominanz des Fernsehers nicht\nzulie\u00dfen. Zum Beispiel konnte sich eine Mutter, die neben ihren drei Kindern noch die\nLandwirtschaft mit zahlreichen Tieren versorgte, kaum ein besch\u00e4ftigungsloses Sitzen vor\nder \"Kiste\" leisten.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_120_\"><sup>(120)</sup></a></font>\nDamit fehlte ihr \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit, vor dem Apparat zu entspannen. Im\nAllgemeinen waren es auch weniger Frauen, die am Abend schauten, da mit zunehmender\nBerufst\u00e4tigkeit die Hausarbeiten auf den Abend verlegt werden mu\u00dften. Medienkritische\nFamilien, die weiterhin Wert auf die Interaktion untereinander legten, r\u00e4umten dem\nFernsehschauen von vornherein weniger Platz im Alltag ein.</p>\n<blockquote>\n<p><small>Am fernsehfreien Tag spielten wir Karten, und es war wie fr\u00fcher. An manch\n anderen Abenden bestimmten wir, nicht TV zu schauen, meistens zu unseren Samstagsfesten.\n Aber es brauchte blo\u00df einer schauen zu wollen, schon sa\u00dfen alle davor.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_121_\"><sup>(121)</sup></a></font><small> </small></p>\n</blockquote>\n<p>Eine andere Familie ging dagegen konsequenter vor und quartierte das Ger\u00e4t schlechtweg\num:</p>\n<blockquote>\n<p><small>1960 hatten wir unseren ersten Fernseher. Er stand zun\u00e4chst im Wohnzimmer, aber\n bald schafften wir ihn ins Obergescho\u00df in unseren Lese- und Arbeitsraum. Es gab n\u00e4mlich\n G\u00e4ste, die rein verr\u00fcckt nach dem Ding waren und mit denen man keinen normalen Umgang\n mehr pflegen konnte. Au\u00dferdem schauten auch die Kinder gern, so da\u00df sie bei Besuch oben\n sa\u00dfen und gucken durften. Manchmal gesellte sich jedoch ein Erwachsener dazu<strong>.</strong></small><font size=\"1\"><a href=\"#N_122_\"><sup>(122)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Die Macht, die der Apparat in den ersten Jahren aus\u00fcbte, hing vom sozialen\nBeziehungsgef\u00fcge in der Familie, im Dorf sowie der Gemeinde ab. Es mu\u00df aber auch\nber\u00fccksichtigt werden, da\u00df es als neues, noch wenige Jahre altes Medium eine besondere\nAufmerksamkeit geno\u00df und in der Regel alles geschaut wurde, was auch \u00fcber den \u00c4ther\nkam. Bei einer Zunahme des Programmangebotes und sich vergr\u00f6\u00dfernder Auswahl an\nMedienangeboten, die in Schweden 1969 ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt mit dem zweiten\nFernsehprogramm erreichte, erh\u00f6hten sich auch die Wahlm\u00f6glichkeiten. Das kann zur Folge\nhaben, da\u00df zum einen flexibler mit der Fernsehzeit, zumindest mit der im Alltag\nnicht-ritualisierten Fernsehzeit, umgegangen wird. Mit anderen Worten: Es wird der\nFernseher bei Besuch in der Regel \u00f6fter ausgeschalten sein, denn die Chancen zu anderen\nZeitpunkten zu schauen sind ungleich gr\u00f6\u00dfer. Andererseits kann sich aber auch die\nAbh\u00e4ngigkeit erh\u00f6hen, je nachdem wie der Einzelne dazu bereit und in der Lage ist.\nMedienwirkung setzt also auch immer Bereitschaft voraus. Mit der Akzeleration der\nFernsehangebote durch Kabel und Satellit wird der Fernsehkonsum weniger vom Inhalt\nabh\u00e4ngig werden, denn es gibt immer irgendetwas Interessantes zu finden, sondern vom\nkulturellen Umgang mit dem Ger\u00e4t. Insofern werden die Wirkungen durch den Fernsehkonsum\nimmer mehr vom <em>Kontext</em> als vom <em>Text</em> entschieden.<font size=\"-2\"><a href=\"#N_123_\"><sup>(123)</sup></a></font> </p>\n<p>Jedoch existiert auch der Apparat nicht unbh\u00e4ngig vom Kontext, sondern geh\u00f6rt zu ihm\nund pr\u00e4gt ihn. Die fr\u00fchen in den Befragungen geschilderten Fernseherfahrungen zeigen\nerste Anf\u00e4nge einer sich neu konstruierenden Sozialwelt. Nach den Auswirkungen auf den\ndamaligen gesellschaftlichen Umgang befragt, ergeben sich fast gleichlaute Antworten:</p>\n<blockquote>\n<p><small>Die fr\u00fcher mehrfach vorkommenden Besuche bei Nachbarn verringerten sich,\n ebenfalls die Kinobesuche, jedoch nicht so die Tanzabende bei Jugendlichen, aber daf\u00fcr\n das B\u00fccherlesen, die Studienzirkel sowie das Vereinsleben.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_124_\"><sup>(124)</sup></a></font><small> Man besuchte die Leute nicht mehr\n spontan, sondern blieb zu Hause und sah seine Lieblingsprogramme.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_125_\"><sup>(125)</sup></a></font><small> Anfang der 60er Jahre diskutierten wir\n das Fernsehen auch in den Vereinen. Es gab viele F\u00fcrsprecher und gerade die Vereine\n sollten Fernseher kaufen, um den Mitgliedern die Programme zu zeigen, so als Bestandteil\n der Treffen. Das tat auch meine Vereinigung in Virserum. Aber die Rechnung ging nicht auf.\n Die Mitglieder kauften sich bald selbst einen und blieben den Treffen fern. Ein Teil kam\n und man sa\u00df nur da, um fernzusehen.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_126_\"><sup>(126)</sup></a></font><small>\n Mit dem Fernseher ver\u00e4nderten sich unsere Kontakte, sie froren ein und auch unser Umgang\n in der Familie ver\u00e4nderte sich. Alle mu\u00dften still sein, nur der Vater durfte\n kommentieren. Den Kindern wurde aufgetragen bei Nachfragen zu sagen, da\u00df der Vater nicht\n zu Hause sei, wenn er schaute, denn er durfte beim Fernsehen nicht gest\u00f6rt werden\n [.\u00a0.\u00a0.] 1974 wurde eine neuer Apparat gekauft. 1975 war die Scheidung.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_127_\"><sup>(127)</sup></a></font><small> Ich glaube, da\u00df viele im\n Inneren \u00e4rmer wurden.</small><font size=\"1\"><a href=\"#N_128_\"><sup>(128)</sup></a></font></p>\n</blockquote>\n<p>Die aus der Retrospektive scheinbar unkomplizierte Institutionalisierung des Fernsehens\nim Alltag darf nicht dazu f\u00fchren, da\u00df dessen komplexe Wirkung \u00fcbersehen wird. Zum einen\nmu\u00dfte das Fernsehen erst \"seinen eigenen 'kommunikativen Ort' finden\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_129_\"><sup>(129)</sup></a></font> Zum anderen dr\u00e4ngte das neue\nMedium zur Abl\u00f6sung vertrauter Umgangsformen, was zun\u00e4chst als fremd erfahren wurde. In\nder Regel \u00e4u\u00dferten sich diejenigen, die damals als Kinder das neue Medium erlebten,\nweniger befremdet dar\u00fcber, ja nahmen neue fernsehbeeinflu\u00dfte Rituale in der Regel nicht\nwahr, sondern wuchsen in sie hinein. </p>\n<p>Die Zeit vor dem Fernseher nahm stetig zu, und dagegen nahmen die m\u00f6glichen eigenen\nPrim\u00e4rerfahrung und die gemeinsamen Prim\u00e4rerlebnisse in der sonst sehr \u00fcblichen regen\nVereinst\u00e4tigkeit der Schweden ab. Die einsetzende Neu-Habitualisierung war einerseits die\nKonsequenz des Medienkonsums und andererseits setzte sie auch die Bereitschaft der\n\"Konsumenten\" voraus. Verst\u00e4rkend wirkt der Vereinsamungseffekt in den\n\"Sechziger-Jahre-Vororten\", in denen das soziale Netzwerk fehlte und der Apparat\nmangelnde Interaktion ersetzte. Es war einfacher, mediale Fernsehfamilien in das\nWohnzimmer zu lassen und ihnen eine emotionale Bindung entgegenzubringen, als wirkliche\nNachbarn in einem Hochhaus zum Kaffee einzuladen. Der Fernseher bildete nicht nur die\neinst erw\u00e4hnte Petroleumlampe, die die Familie in Harmonie zu gemeinsamen Aktivit\u00e4ten um\nsich herum versammelt, sondern entwickelte sich auch zum \"gemeinsamen Fluchtpunkt der\nFamilie\"<font size=\"-2\"><a href=\"#N_130_\"><sup>(130)</sup></a></font>. Aber hier ist\nwieder der Kontext entscheidend, denn von der Art der sozialen Beziehungen h\u00e4ngt der\nGebrauch des Mediums ab. Das Fernsehen kann einerseits zur Kollektivierung und\nandererseits zur Individualisierung seiner Nutzung f\u00fchren.</p>\n<p>Auf der Makroebene, davon ist Orvar L\u00f6fgren in seinem Aufsatz \"Medierna i\nnationsbygget. Hur press, radio och TV gjort Sverige svenskt?\" [Medien bei der\nNationenbildung. Wie haben Presse, Radio und TV Schweden schwedisch gemacht?] \u00fcberzeugt,\nzeigt sich, da\u00df die Medien und allen voran das Fernsehen infolge ihrer staatstragenden\nFunktion zur homogenisierenden Kraft in der schwedischen Kultur wurden. Das Fernsehen\nlieferte - wie einst das Radio, aber ungleich wirkungsvoller - den gemeinsamen kulturellen\nReferenzrahmen. Es versorgte die Menschen mit Gespr\u00e4chsthemen, informierte \u00fcber Teile\ndes eigenen Landes, die bis dato den B\u00fcrgern nicht bekannt waren und lie\u00df die Bewohner\n\u00fcber den Tellerand ihres Dorfes blicken. Jedoch waren dem Fernsehfunk infolge seiner\nInstrumentalisierung die Themen vorgeschrieben, nicht in Form einer Zensur, sondern als\nkonsensuale Politik verstanden, und alternative \u00d6ffentlichkeiten fanden keine bzw. nur\nbegrenzte mediale Pr\u00e4senz. Nach L\u00f6fgren gab es offiziell in Schweden eine gro\u00dfe Angst\nvor jeder Art der Segregation -- \"die soziale Segregation der Medien, basierend auf\nAlter, Klasse, Geschlecht oder regionaler Zugeh\u00f6rigkeit\".<font size=\"-2\"><a href=\"#N_131_\"><sup>(131)</sup></a></font> In Zeiten des Monopols konnte H\u00f6r- und\nFernsehfunk noch gemeinsame mediale Erfahrungen vermitteln und homogenisierend wirken,\naber der Abschied von der homogenen Kulturgemeinschaft lie\u00df nicht mehr lange auf sich\nwarten.</p>\n<hr noshade=\"\"/>\n<h3 align=\"center\">Literaturverzeichnis</h3>\n<p>Ang, Ien: <em>Desperately seeking the audience.</em> London, New York: Routledge, 1992.</p>\n<p>Arvidsson, H\u00e5kan/Lennart Berntson/Lars Dencik: <em>Modernisering och v\u00e4lf\u00e4rd. </em>Stockholm:\nCity University Press, 1994.</p>\n<p><em>Barn och film</em>. Stockholm 1952 (= Statens offentliga utredningar; SOU:1952:51).</p>\n<p>Billing, Peter/Mikael Stigendal: <em>Hegemonins decennier. 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Jahrgang].</p>\n<p>Henningsen, Bernd: <em>Der Wohlfahrtsstaat Schweden.</em> Baden-Baden: Nomos, 1986 (=\nNordeurop\u00e4ische Studien; 2).</p>\n<p>Hickethier, Knut: \"'Flie\u00dfband des Vergn\u00fcgens' oder Ort 'innerer\nSammlung'?\". In: Ders. (Hg.): <em>Der Zauberspiegel - Das Fenster zur Welt.\nUntersuchungen zum Fernsehprogramm der f\u00fcnfziger Jahre</em>. Siegen:\nUniversit\u00e4t-GH-Siegen, 1990, 4-32.</p>\n<p>Himmelweit, Hilde\u00a0T./A.\u00a0N. Oppenheimer/Pamela Vince: <em>Television and the\nchild. An empirical study of the effects of television on the young.</em> London: Oxford\nUniversity Press, 1958.</p>\n<p>Hult\u00e9n, Olof: \"Rundradions organisering i Sverige 1922-1924. Argument f\u00f6r och\nemot monopolet\". In: <em>Statsvetenskaplig Tidskrift.</em> 1980:2, 121-134.</p>\n<p>Hurrelmann, Bettina: \"Kinder und Medien\". In: Merten, Klaus/Siegfried\u00a0J.\nSchmidt/Siegfried Weischenberg (Hg): <em>Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einf\u00fchrung in\ndie Kommunikationswissenschaft.</em> Opladen: Westdeutscher Verlag, 1994, 377-407.</p>\n<p>Innis, Harold: <em>The bias of communication</em>. Toronto: Press Porc\u00e9pic, 1951.</p>\n<p>Jonsson, Conny: \"Tr\u00e4ff med TV-familj\". In: <em>R\u00f6ster i Radio</em>.\n1956:52, 17. </p>\n<p>Kleberg, Madeleine: \"The History of Swedish television. Three stages\". In:\nFrancesco Bono/Ib Bondebjerg (Hg.): <em>Nordic television. History, Politics and\nAesthetics</em>. Copenhagen: University of Copenhagen, 1994, 187-218.</p>\n<p>Lazarsfeld, Paul\u00a0F.: \"Bemerkungen \u00fcber administrative und kritische\nKommunikationsforschung\". In: Prokop, Dieter (Hg.): <em>Kritische\nKommunikationsforschung.</em> <em>Aufs\u00e4tze aus der Zeitschrift f\u00fcr Sozialforschung.</em>\nMit einer Einleitung von Oskar Negt, Carl Hanser, 1973, 7-27 (= Hanser; 141).</p>\n<p>L\u00f6fgren, Orvar: \"Medierna i nationsbygget: Hur press, radio och TV gjort Sverige\nsvenskt\". In: Ulf Hannerz (Hg.): <em>Medier och kulturer</em>. Stockholm: Carlsson,\n1990, 85-120.</p>\n<p>-------: \"Die Nationalisierung des Alltagslebens: Konstruktion einer nationalen\n\u00c4sthetik\". In: Wolfgang Kaschuba (Hg.): <em>Kulturen-Identit\u00e4ten-Diskurse.\nPerspektiven Europ\u00e4ischer Ethnologie</em>. Berlin: Akademie Verlag, 1995, 114-134 (=\nZeithorizonte: Studien zu Theorien und Perspektiven Europ\u00e4ischer Ethnologie; 1).</p>\n<p>Luhmann, Niklas: <em>Beobachtungen der Moderne</em>. Opladen: Westdeutscher Verlag,\n1992.</p>\n<p>Martinson, Harry: \"Hemmet - personlokal\". In: <em>R\u00f6ster om TV</em>.\nStockholm, 1955, 25-26 (= Aktuellt fr\u00e5n TU; 2).</p>\n<p>McLuhan, Marshall: <em>Die magischen Kan\u00e4le</em> [= <em>Understanding media</em>].\nD\u00fcsseldorf: Econ, 1968.</p>\n<p>Merten, Klaus: \"Wirkungen von Kommunikation\". In: Klaus Merten,\n/Siegfried\u00a0J. Schmidt/Siegfried Weischenberg (Hg.): <em>Die Wirklichkeit der Medien.\nEine Einf\u00fchrung in die Kommunikationswissenschaft.</em> Opladen: Westdeutscher Verlag,\n1994, 291-328.</p>\n<p>Meyrowitz, Joshua: <em>Die Fernsehgesellschaft. Wirklichkeit und Identit\u00e4t im\nMedienzeitalter</em> [= <em>No sense of place</em>]. Weinheim, Basel: Beltz, 1987.</p>\n<p>Moberg, Vilhelm: \"Medborgaren och monopolradion\". In: <em>Morgon-Bladet </em>vom\n23.2.1957.</p>\n<p>Morley, David: \"Medienpublika aus der Sicht der Cultural Studies\". In: Uwe\nHasebrink/Friedrich Krotz (Hg.): <em>Die Zuschauer als Fernsehregisseure? Zum Verst\u00e4ndnis\nindividueller Nutzungs- und Rezeptionsmuster.</em> Baden-Baden, Hamburg: Nomos, 1996,\n37-51 (= Symposien des Hans-Bredow-Instituts; 14).</p>\n<p>Noble, Grant: <em>Children in front of the small screen.</em> London: Constable, 1975.</p>\n<p>Parsons, Talcott: <em>Politics and social structure.</em> New York, London: The Free\nPress, Collier Macmillan Limited, 1969.</p>\n<p>Postman, Neil: <em>Das Verschwinden der Kindheit</em> [= <em>Disappearance of childhood</em>].\nFrankfurt\u00a0a.M.: Fischer, 1983.</p>\n<p>-------: <em>Amusing ourselves to death. Public discourse in the age of showbusiness</em>\n[= <em>Wir am\u00fcsieren uns zu Tode</em>]. New York: Viking, 1985.</p>\n<p>Rojas, Mauricio: <em>Efter folkhemmet. En agenda f\u00f6r Sveriges f\u00f6rnyelse</em>.\nStockholm: Timbro, 1996.</p>\n<p>Rosengren, Karl Erik/Sven Windahl: <em>Media Matter. TV use in childhood and\nadolescence.</em> Norwood: Ablex Publishing Corporation, 1989.</p>\n<p><em>Rundradion i Sverige. Dess aktuella behov och riktlinjer f\u00f6r dess framtida\nverksamhet.</em> Stockholm, 1946 (= Statens offentliga utredningar, SOU:1946:1).</p>\n<p>Sanfridsson, Arne: <em>Min svenska TV-historia.</em> Stockholm, 1981.</p>\n<p><em>SAP Protokoll</em>, <em>19:de kongress.</em> 2.-7. Juni 1952, Stockholm, 1952.</p>\n<p>Schmidt, Siegfried\u00a0J.: \"Medien, Kultur, Medienkultur\". In: Faulstich,\nWerner (Hg.): <em>Medien und Kultur</em>. <em>Beitr\u00e4ge zu einem interdisziplin\u00e4ren\nSymposium der Universit\u00e4t L\u00fcneburg.</em> G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 1991,\n30-50.</p>\n<p>-------: \"Die Wirklichkeit des Beobachters\". In: Merten,\nKlaus/Siegfried\u00a0J. Schmidt/Siegfried Weischenberg (Hg.): <em>Die Wirklichkeit der\nMedien. Eine Einf\u00fchrung in die Kommunikationswissenschaft</em>. Opladen: Westdeutscher\nVerlag, 1994, 3-19.</p>\n<font size=\"-1\">\n<p>-------: \"Konstruktivismus in der Medienforschung: Konzepte, Kritiken,\nKonsequenzen\". In: Merten, Klaus/Siegfried J. Schmidt/Siegfried Weischenberg (Hg.): <em>Die\nWirklichkeit der Medien. Eine Einf\u00fchrung in die Kommunikationswissenschaft.</em> Opladen:\nWestdeutscher Verlag, 1994, 592-623.</p>\n<p>-------: \"Medien-Kultur-Gesellschaft. Medienforschung braucht\nSystemorientierung\". In: <em>Medien Journal</em> 4, Salzburg, 1995, 28-35.</p>\n<p>-------: <em>Kognitive Autonomie und soziale Orientierung. Konstruktivistische\nBemerkungen zum Zusammenhang von Kognition, Kommunikation, Medien und Kultur.</em>\nFrankfurt\u00a0a.M.: Suhrkamp, 1996 (= suhrkamp taschenbuch wissenschaft; 1128).</p>\n<p>-------: <em>Die Welten der Medien. Grundlagen und Perspektiven der Medienbeobachtung</em>.\nBraunschweig, Wiesbaden: Vieweg, 1996.</p>\n<p>Schramm, Wilbur/Jack Lyle/Edwin\u00a0B. Parker: <em>Television in the lives of our\nchildren.</em> Stanford: Stanford University Press, 1961.</p>\n<p>Siepman, Charles\u00a0A.: <em>Radio, television and society.</em> New York: Oxford\nUniversity Press, 1950.</p>\n<p>Sj\u00f6d\u00e9n, Rune: <em>Etermediernas publik. En analys av Sveriges Radio.</em> Stockholm:\nSveriges Radio, 1967.</p>\n<p>Spigel, Lynn: <em>Make room for TV. Television and the family ideal in postwar America.</em>\nChicago, London: The University of Chicago Press, 1992.</p>\n<p><em>Televisionen i Sverige</em>. Stockholm, 1954 (= Statens offentliga utredningar;\nSOU:1954:32).</p>\n<p>Tichi, Cecelia: <em>Electronic hearth. Creating American television culture.</em> New\nYork: Oxford University Press, 1991.</p>\n<p><em>Ungdomen och n\u00f6jeslivet. Ungdomsv\u00e5rskommitt\u00e9ns bet\u00e4nkande Del III</em>.\nStockholm, 1945, (= Statens offentliga utredningar; SOU:1945:22).</p>\n<p>Wir\u00e9n, Karl-Hugo: <em>Kampen om TV. Svensk TV-politik 1946-66.</em> Malm\u00f6: Gidlunds,\n1986.</p>\n<p>-------: \"Kampen om TV 2 i Sverige\". In: <em>Pressens \u00c5rbog</em>.\nKopenhagen, 1987, 86-90.</p>\n<p>Wirmark, David: \"Tingsten och radions frihet\". In: <em>Morgon-Bladet</em> vom\n8.3. 1957.</p>\n<hr noshade=\"\"/>\n<h3 align=\"center\">Fu\u00dfnoten</h3>\n<p><small><a name=\"N_1_\">1.</a> Fernsehen wird in der Literatur sowohl f\u00fcr die T\u00e4tigkeit\nals auch f\u00fcr die Institution verwendet. Um hier klar zu unterscheiden, benutze ich - in\nAnlehnung an Winterhoff-Spurk - f\u00fcr die Institution \"TV\" oder auch\n\"Fernsehfunk\", f\u00fcr die T\u00e4tigkeit \"Fernsehen\" und f\u00fcr den Apparat\n\"Fernsehger\u00e4t\" oder \"Fernseher\". </small></p>\n<p><small><a name=\"N_2_\">2.</a> Elsner, Monika/Hans Ulrich Gumbrecht/Thomas\nM\u00fcller/Peter\u00a0M. Spangenberg: \"Zur Kulturgeschichte der Medien\". In:\nMerten, Klaus/Siegfried\u00a0J.\u00a0Schmidt/Siegfried Weischen-berg: <em>Die Wirklichkeit\nder Medien</em>. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1994, 186. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_3_\">3.</a> Zit. nach: Lazarsfeld, Paul\u00a0F.: \"Bemerkungen\n\u00fcber administrative und kritische Kommunikationsforschung\". In: Prokop, Dieter\n(Hg.): <em>Kritische Kommunikationsforschung</em>. Aufs\u00e4tze aus der Zeitschrift f\u00fcr\nSozialforschung. Mit einer Einleitung von Oskar Negt. M\u00fcnchen: Carl Hanser, 1973, 15. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_4_\">4.</a> Rundfunk meint immer H\u00f6r- und Fernsehfunk. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_5_\">5.</a> Faulstich, Werner: <em>Medientheorien. Einf\u00fchrung und\n\u00dcberblick.</em> G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 1991, 153f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_6_\">6.</a> Giddens, Anthony: <em>Die Konstitution der Gesellschaft.\nGrundz\u00fcge einer Theorie der Strukturierung</em> [=<em>The Constitution of Society.\nOutline of the Theory of Structuration</em>]. Frankfurt a.M., New York: Campus Verlag,\n1988, 224 (=Theorie und Gesellschaft; 1, hg.v. Hans Joas und Claus Offe). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_7_\">7.</a> Ibid., 223. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_8_\">8.</a> Ibid., 224. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_9_\">9.</a> Seine Untersuchungen fu\u00dfen auf den kanadischen \u00d6konomen\nHarold Adams Innis (1894-1952), der als Begr\u00fcnder einer technikbasierten Analyse von\nMedien gilt. Er verweist darauf, da\u00df jede Medientechnik \u00fcber einen \"Bias\"\nunabh\u00e4ngig von den Medieninhalten verf\u00fcgt (Vgl. Innis 1951). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_10_\">10.</a> McLuhan, Marshall: <em>Die magischen Kan\u00e4le</em> [=<em>Understanding\nmedia</em>]. D\u00fcsseldorf: Econ, 1968, 14. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_11_\">11.</a> Lazarsfeld, 16. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_12_\">12.</a> Postman beschreibt in seinem Buch <em>Das Verschwinden\nder Kindheit</em>, da\u00df sich die Institution der Kindheit mit dem Buchdruck entfaltete.\nDie Buchkultur schr\u00e4nkte Kinder auf das B\u00fccherwissen ein und grenzte sie aus der Welt\ndes Alltags aus. Schlie\u00dflich wurden die kulturellen Kenntnisse ein Merkmal der\nErwachsenenwelt, aus der man die Kinder bis zu einem gewissen Alter heraushielt. Schritt\nf\u00fcr Schritt wurden sie in die Geheimnisse der Erwachsenen eingeweiht bis zur sexuellen\nAufkl\u00e4rung. (Postman 1983, 61). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_13_\">13.</a> Meyrowitz, Joshua: <em>Die Fernsehgesellschaft.\nWirklichkeit und Identit\u00e4t im Medienzeitalter </em>[= <em>No sense of place</em>].\nWeinheim, Basel: Beltz, 1987, 208f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_14_\">14.</a> Ibid., 18. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_15_\">15.</a> Ibid., 158. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_16_\">16.</a> Schmidt, Siegfried\u00a0J.: <em>Kognitive Autonomie und\nsoziale Orientierung. Konstruktivistische Bemerkungen zum Zusammenhang von Kognition,\nKommunikation, Medien und Kultur.</em> Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1996, 302 (=wissenschaft;\n1128). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_17_\">17.</a> Schmidt, Siegfried\u00a0J.: \"Medien, Kultur,\nMedienkultur\". In: Faulstich, Werner (Hg.): <em>Medien und Kultur. Beitr\u00e4ge zu einem\ninterdisziplin\u00e4ren Symposium der Universit\u00e4t L\u00fcneburg</em>. G\u00f6ttingen: Vandenhoeck\n&amp; Ruprecht, 1991, 42. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_18_\">18.</a> Schmidt, Siegfried\u00a0J.:\n\"Medien-Kultur-Gesellschaft. Medienforschung braucht Systemorientierung\". In: <em>Medien\nJournal</em>. Salzburg: 1995:4, 34. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_19_\">19.</a> Schmidt, Siegfried\u00a0J.: \"Die Wirklichkeit des\nBeobachters\". In: Merten, Klaus/Siegfried\u00a0J. Schmidt/Siegfried Weischenberg\n(Hg.): <em>Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einf\u00fchrung in die\nKommunikationswissenschaft.</em> Opladen: Westdeutscher Verlag, 1994, 17. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_20_\">20.</a> Schmidt, Siegfried\u00a0J.: \"Konstruktivismus in\nder Medienforschung: Konzepte, Kritiken, Konsequenzen\". In: Merten,\nKlaus/Siegfried\u00a0J. Schmidt/Siegfried Weischenberg (Hg.), 601. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_21_\">21.</a> Schmidt, Siegfried\u00a0J.: <em>Kognitive Autonomie und\nsoziale Orientierung,</em> 14. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_22_\">22.</a> Ibid., 275. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_23_\">23.</a> Zit. nach: Morley, David: \"Medienpublika aus der\nSicht der Cultural Studies\". In: Hasebrink, Uwe/Friedrich Krotz (Hg.): <em>Die\nZuschauer als Fernsehregisseure? Zum Verst\u00e4ndnis individueller Nutzungs- und\nRezeptionsmuster.</em> Baden-Baden, Hamburg: Nomos, 1996, 37 (= Symposien des\nHans-Bredow-Instituts; 14). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_24_\">24.</a> Ibid., 42. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_25_\">25.</a> Schmidt, Siegfried J.: <em>Kognitive Autonomie und\nsoziale Orientierung, </em>43. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_26_\">26.</a> Ibid., 111. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_27_\">27.</a> Fiske, John/John Hartley: <em>Reading television.</em>\nLondon: Methuen, 1978, 17. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_28_\">28.</a> In Westdeutschland gab es seit 1952 regelm\u00e4\u00dfige\nFernsehsendungen. Ostdeutschland begann 1952 mit dem Abstrahlen regelm\u00e4\u00dfiger\nNachrichtensendungen und er\u00f6ffnete offiziell 1956 das erste Fernsehprogramm. D\u00e4nemark\nhat seit 1954 regul\u00e4ren Fernsehfunk. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_29_\">29.</a> Sanfridsson, Arne: <em>Min svenska TV-historia.</em>\nStockholm: o. V, 1981, 9. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_30_\">30.</a> <em>Rundradion i Sverige. Dess aktuella behov och\nriktlinjer f\u00f6r dess framtida verksamhet</em>. Stockholm, 1946 (= Statens offentliga\nutredningar, SOU:1946:1). Alle nachfolgenden \u00dcbersetzungen aus dem Schwedischen sind von\nmir. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_31_\">31.</a> Ibid., 116. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_32_\">32.</a> Ibid. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_33_\">33.</a> <em>Televisionen i Sverige</em>. Stockholm: 1954, 33 (=\nStatens offentliga utredningar; SOU:1954:32). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_34_\">34.</a> Sanfridsson, 56. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_35_\">35.</a> Erlander, Tage Zit. in: <em>R\u00f6ster i Radio</em>. Heft\n35, vom 26.7.-1.8.1956, 7. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_36_\">36.</a> Foucault, Michel: <em>Arch\u00e4ologie des Wissens</em> [= <em>L'arch\u00e9ologie\ndu savoir</em>]. Frankfurt a.M.: Suhrkamp: 1992, 171.(= suhrkamp taschenbuch wissenschaft;\n356). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_37_\">37.</a> Foucault, Michel: <em>Die Ordnung des Diskurses</em> [= <em>L'ordre\ndu discours</em>]. Mit einem Essay von Ralf Konersmann, Frankfurt a.M.: Fischer\nTaschenbuch Verlag, 1996, 11 (= Fischer Wissenschaft). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_38_\">38.</a> Ibid., 28. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_39_\">39.</a> Wir\u00e9n, Karl-Hugo: <em>Kampen om TV. Svensk TV-politik\n1946-66.</em> Malm\u00f6: Gidlunds, 1986, 62f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_40_\">40.</a> Moberg, Vilhelm: \"Medborgaren och\nmonopolradion\". In: <em>Morgon-Bladet </em>vom 23.2.1957. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_41_\">41.</a> Henningsen, Bernd/Bo Str\u00e5th: \"Die Transformation\ndes schwedischen Wohlfahrtsstaates. Ende des 'Modells'?\". In: Link, Werner/Eberhard\nSch\u00fctt-Wetschky/Gesine Schwan (Hg.): <em>Jahrbuch f\u00fcr Politik. </em>Baden-Baden: Nomos,\n1995, 226f (= Halbband 2; 5. Jahrgang). Siehe auch: Henningsen, Bernd: <em>Der\nWohlfahrtsstaat Schweden.</em> Baden-Baden: Nomos, 1986, 367ff (= Nordeurop\u00e4ische\nStudien; 2). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_42_\">42.</a> <em>Ungdomen och n\u00f6jeslivet. Ungdomsv\u00e5rskommitt\u00e9ns\nbet\u00e4nkande Del III</em>. Stockholm: 1945, 19f (= Statens offentliga utredningar;\nSOU:1945:22). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_43_\">43.</a> Ibid., 31. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_44_\">44.</a> Ibid., 266f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_45_\">45.</a> <em>Barn och film</em>. Stockholm, 1952, 21f (= Statens\noffentliga utredningar; SOU:1952:51). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_46_\">46.</a> Zit. nach: L\u00f6fgren, Orvar: \"Medierna i\nnationsbygget: Hur press, radio och TV gjort Sverige svenskt\". In: Hannerz, Ulf\n(Hg.): <em>Medier och kulturer.</em> Stockholm: Carlsson, 1990, 105f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_47_\">47.</a> Martinson, Harry: \"Hemmet - 'personlokal'\".\nIn: <em>R\u00f6ster om TV.</em> Stockholm: 1955, 25 (= Aktuellt fr\u00e5n TU; 2). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_48_\">48.</a> Bj\u00f6rkquist, Manfred: \"TV \u00f6kar hemlivets\noro\". In: <em>R\u00f6ster om TV.</em> 18. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_49_\">49.</a> <em>SAP-Protokoll, 19:de kongress</em>, 2.-7. Juni 1952,\nStockholm, 56. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_50_\">50.</a> L\u00f6fgren, Orvar: \"Medierna i nationsbygget: Hur\npress, radio och TV gjort Sverige svenskt\", 99. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_51_\">51.</a> Ibid., 100. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_52_\">52.</a> SAP, 63. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_53_\">53.</a> Martinson, 25. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_54_\">54.</a> Aus dem Revyprogramm von Martin Ljung von 1960,\nabgedruckt in: <em>Folket i Bild - Tidningen som var en folkr\u00f6relse Del II</em>,\n1950-1962. Stockholm: Tiden, 1984, 196. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_55_\">55.</a> Wir\u00e9n, Karl-Hugo: <em>Kampen om TV,</em> 42. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_56_\">56.</a> Ibid. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_57_\">57.</a> Wir\u00e9n, Karl-Hugo: \"Kampen om TV 2 i Sverige\".\nIn: <em>Pressens \u00c5rbog</em>. Nordisk forum. Kopenhagen: 1987, 86. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_58_\">58.</a> <em>Televisionen i Sverige</em>, 35. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_59_\">59.</a> Wir\u00e9n, Karl-Hugo: \"Kampen om TV 2 i Sverige\",\n87. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_60_\">60.</a> Arvidsson, H\u00e5kan/Lennart Berntson/Lars Dencik: <em>Modernisering\noch v\u00e4lf\u00e4rd</em>. Stockholm: City University Press, 1994, 159. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_61_\">61.</a> Schmidt, Siegfried\u00a0J.: <em>Die Welten der Medien.\nGrundlagen und Perspektiven der Medienbeobachtung.</em> Braunschweig, Wiesbaden: Vieweg,\n1996, 54. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_62_\">62.</a> Elsner, Monika/Thomas M\u00fcller: \"Der angewachsene\nFernseher\". In: Hans\u00a0Ulrich Gumbrecht/Karl\u00a0Ludwig Pfeiffer (Hg.): <em>Materialit\u00e4t\nder Kommunikation</em>. Frankfurt a.M., 1988, 393. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_63_\">63.</a> LUF M 20614, Lund: Folklivsarkivet, 1989, 4. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_64_\">64.</a> LUF M 20650, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_65_\">65.</a> Elsner, Monika/Thomas M\u00fcller: \"Der angewachsene\nFernseher\", 195. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_66_\">66.</a> Ausf\u00fchrlich auseinandergesetzt in: Broddason,\nThorbj\u00f6rn: <em>The image of television. The development of three research perspectives</em>.\nLund 1995 (= Lund research papers in media and communication studies; 14). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_67_\">67.</a> Schramm, Wilbur/Jack Lyle/Edwin\u00a0B. Parker: <em>Television\nin the lives of our children.</em> Stanford: Stanford University Press, 1961, 12. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_68_\">68.</a> Noble, Grant: <em>Children in front of the small scree.</em>\nLondon: Constable, 1975. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_69_\">69.</a> Rosengren, Karl Erik/Sven Windahl: <em>Media Matter. TV\nuse in childhood and adolescence</em>. Norwood: Ablex Publishing Corporation, 1989, 190. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_70_\">70.</a> Man rechnete 1959 mit einer Zahl von 72.000\nGeb\u00fchrenzahlern, in Wirklichkeit wurden es 400.000. Eine Million (bei 7 Mio Einwohnern)\nwurde Ende der sechziger Jahre erreicht. Zu den ersten Fernsehfamilien geh\u00f6rten solche\nmit mehreren Kindern. In den ersten Jahren wurde zwei bis drei Stunden am Abend\nausgestrahlt. Ein Abend (donnerstags) pro Woche war fernsehfrei als Antwort auf die abrupt\nvernachl\u00e4ssigte Vereinst\u00e4tigkeit. In den sechziger Jahren lag das Programmvolumen schon\nbei sieben Stunden pro Tag (Kleberg 1994, 194f.). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_71_\">71.</a> Zit. in: <em>Popul\u00e4r Radio</em>. Stockholm, 1951:10,\n15. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_72_\">72.</a> Sj\u00f6d\u00e9n, Rune: <em>Etermediernas publik. En analys av\nSveriges Radio</em>, Stockholm: Sveriges Radio, 1967, 93. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_73_\">73.</a> Rojas, Mauricio: <em>Efter folkhemmet. En agenda f\u00f6r\nSveriges f\u00f6rnyelse</em>. Stockholm: Timbro, 1996, 55. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_74_\">74.</a> Gaunt, David: <em>Familjeliv i Norden</em>. Malm\u00f6:\nGidlunds, 1983, 287f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_75_\">75.</a> Rojas, 35. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_76_\">76.</a> L\u00f6fgren, Orvar: \"Die Nationalisierung des\nAlltagslebens: Konstruktion einer nationalen \u00c4sthetik\". In: Kaschuba, Wolfgang\n(Hg.): <em>Kulturen-Identit\u00e4ten-Diskurse. Perspektiven Europ\u00e4ischer Ethnologie.</em>\nBerlin: Akademie Verlag, 1995, 117 (= Zeithorizonte: Studien zu Theorien und Perspektiven\nEurop\u00e4ischer Ethnologie; 1). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_77_\">77.</a> LUF M 20617, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_78_\">78.</a> <em>Televisionen i Sverige</em>, 64. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_79_\">79.</a> Ibid., 52. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_80_\">80.</a> Ibid. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_81_\">81.</a> Hickethier, Knut: \"'Flie\u00dfband des Vergn\u00fcgens'\noder Ort 'innerer Sammlung'?\". In: Ders. (Hg.): <em>Der Zauberspiegel - Das Fenster\nzur Welt. Untersuchungen zum Fernsehprogramm der f\u00fcnfziger Jahre</em>. Siegen:\nUniversit\u00e4t-GH-Siegen, 1990, 4. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_82_\">82.</a> Reimers, Gerd: \"Var skall sk\u00e5pet st\u00e5?\". In:\nSvenska Radioaktiebolaget (Hg.): <em>Information om radio och tv</em>. Stockholm, 1962,\n17. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_83_\">83.</a> Spigel, Lynn: <em>Make room for TV. Television and the\nfamily ideal in postwar America.</em> Chicago, London: The University of Chicago Press,\n1992, 37. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_84_\">84.</a> Tichi, Cecelia: <em>Electronic hearth. Creating American\ntelevision culture.</em> New York: Oxford University Press, 1991, 47. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_85_\">85.</a> Bodin, Bertil/Olle Svensson: <em>Svensk Television</em>.\nStockholm: Tiden, 1955, 89. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_86_\">86.</a> Ibid., 102f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_87_\">87.</a> Die \u00fcbergeordnete Rolle der Volksbildung spiegelt sich\nsowohl in der Personalpolitik als auch im Programm wider. Der ehemalige\nVolkshochschullehrer, Yngve Hugo, war zun\u00e4chst Abteilungsleiter bei Radiotj\u00e4nst und\nschlie\u00dflich Generalintendant. Die Zahl der gehaltenen Vortr\u00e4ge im Radioprogramm hatte\nEuroparekord; im ersten Jahr (1925) waren 260 Vortr\u00e4ge zu h\u00f6ren, 1930 schon 607 (Elgemyr\n1986, 111). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_88_\">88.</a> Elgemyr, G\u00f6ran: \"Etermedierna som\nfolkbildare\". In: <em>Pressens \u00c5rbog</em>. Odense, 1986, 105f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_89_\">89.</a> <em>Folkbildningsarbete och ungdomsverksamhet</em>.\n\u00d6verv\u00e4gande och f\u00f6rslag av 1960 \u00e5rs folkbildningsutredning. Stockholm, 1961, 139 (=\nStatens offentliga utredningar; SOU:1961:44). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_90_\">90.</a> Ibid. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_91_\">91.</a> Ibid., 9. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_92_\">92.</a> Hult\u00e9n, Olof: \"Rundradions organisering i Sverige\n1922-1924. Argument f\u00f6r och emot monopolet\". In: <em>Statsvetenskaplig Tidskrift</em>.\nHeft 2, Stockholm, 1980, 131. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_93_\">93.</a> Nach: Wirmark, David: \"Tingsten och radions\nfrihet\". In: <em>Morgon-Bladet</em> v. 8.3.1957. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_94_\">94.</a> Hansson, Per Albin: \"Folkhemmet,\nmedborgarhemmet\". In: <em>Fr\u00e5n fram till folkhemmet.</em> Stockholm: Metodica Press,\n1982, 227f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_95_\">95.</a> L\u00f6fgren, Orvar: \"Die Nationalisierung des\nAlltagslebens: Konstruktion einer nationalen \u00c4sthetik\", 117. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_96_\">96.</a> Henningsen/Str\u00e5th. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_97_\">97.</a> Billing, Peter/Mikael Stigendal: <em>Hegemonins\ndecennier. L\u00e4rdomar fr\u00e5n Malm\u00f6 om den svenska modellen</em>. Malm\u00f6: M\u00f6llev\u00e5ngens\nSamh\u00e4llsanalys, 1994, 281. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_98_\">98.</a> Zit. nach: Briggs, Asa: <em>The BBC. The first fifty\nyears.</em> Oxford: University Press, 1985, 55. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_99_\">99.</a> Im Gegensatz zu Deutschland besch\u00e4ftigte sich die\nProgrammsparte \"Haus und Familie\" bereits zu dieser Zeit mit Themen von Frauen\nim Arbeitsproze\u00df, wie \"Gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit\", \"Frauen im\nArbeitsproze\u00df\", \"Mutter ohne Ring\", \"\u00dcber die Arbeitsbedingungen von\nKrankenschwestern\" (Kleberg 1994, 199). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_100_\">100.</a> LUF M 20637, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_101_\">101.</a> LUF M 20640, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_102_\">102.</a> LUF M 20614, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_103_\">103.</a> Jonsson, Conny: \"Tr\u00e4ff med TV-familj\". In: <em>R\u00f6ster\ni Radio</em>. Stockholm, 1956:52, 17. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_104_\">104.</a> LUF M 20655, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_105_\">105.</a> LUF M 20670, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_106_\">106.</a> LUF M 20621, 1f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_107_\">107.</a> Daun, \u00c5ke: <em>Svensk mentalitet. En j\u00e4mf\u00f6rande\nperspektiv</em>. Stockholm: Rab\u00e9n Prisma 1994, 55ff (2. \u00fcberarbeitete Auflage). </small></p>\n<p><small><a name=\"N_108_\">108.</a> LUF M 20625, 3. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_109_\">109.</a> LUF M 20622, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_110_\">110.</a> Daun, 125. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_111_\">111.</a> Jonsson. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_112_\">112.</a> LUF M 20625, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_113_\">113.</a> LUF M 20646, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_114_\">114.</a> LUF M 20630, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_115_\">115.</a> LUF M 20668, 2. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_116_\">116.</a> Hurrelmann, Bettina: \"Kinder und Medien\".\nIn: Klaus Merten/Siegfried\u00a0J.\u00a0Schmidt/ Siegfried Weischenberg (Hg.), 399. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_117_\">117.</a> LUF M 20630, 2f. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_118_\">118.</a> LUF M 20647, 2. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_119_\">119.</a> LUF M 20656, 2. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_120_\">120.</a> LUF M 20648, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_121_\">121.</a> LUF M 20644, 5. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_122_\">122.</a> LUF M 20635, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_123_\">123.</a> Merten, Klaus: \"Wirkungen von\nKommunikation\". In: Klaus Merten/Siegfried\u00a0J. Schmidt/Siegfried Weischenberg\n(Hg.), 327. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_124_\">124.</a> LUF M 20615, 2. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_125_\">125.</a> LUF M 20624, 2. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_126_\">126.</a> LUF M 20646, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_127_\">127.</a> LUF M 20616, 6. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_128_\">128.</a> LUF M 20630, 1. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_129_\">129.</a> Elsner, Monika/Thomas M\u00fcller: \"Der angewachsene\nFernseher\", 403. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_130_\">130.</a> Eurich, Carl/Gerd W\u00fcrzberg: <em>30 Jahre\nFernsehalltag. Wie das Fernsehen unser Leben ver\u00e4ndert hat</em>. Reinbek: Rowohlt, 1980,\n41. </small></p>\n<p><small><a name=\"N_131_\">131.</a> L\u00f6fgren, Orvar: \"Medierna i nationsbygget: Hur\npress, radio och TV gjort Sverige svenskt\", 117. </small></p></font></font></div>", 
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