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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Die kulturelle Konstruktion von Gemeinschaften im Modernisierungsprozeß:
Schweden und Deutschland.
Projektbeschreibung


Vorwort

"Die kulturelle Konstruktion von Gemeinschaften im Modernisierungsprozeß: Schweden und Deutschland", so lautet der Titel unseres Forschungsprojektes, das seit 1996 zunächst für zwei Jahre durch den Jubiläumsfonds der Schwedischen Reichsbank finanziert wird. Diese Broschüre enthält den aktualisierten und umgearbeiteten Projektantragstext, der Vorhaben und geplante Durchführung des Projektes beschreibt. Eine schwedische und eine englische Version dieser Broschüre erscheinen im März 1997.
Der ursprüngliche, schwedischsprachige Antragstext basierte auf den Zuarbeiten der späteren Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter; die Übersetzung der deutschen Beiträge und die Schlußredaktion hatte damals Bo Stråth vorgenommen. Die deutsche (z.T. Rück-) Übersetzung des Antrages stammt von Claudia Beindorf, Ursula Geisler, Heike Igel und Stephan Michael Schröder; die Schlußredaktion lag diesmal bei Stephan Michael Schröder.

Berlin und Florenz, im Januar 1997





Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Zielsetzung 7
Perspektiven und Problemstellung
 1. Hintergründe 9
 2. Theoretische Annahmen 11
 3. Staat und Gesellschaft 14
 4. Gemeinschaft und Gesellschaft 16
 5. Symbole als Konstruktion und Repräsentation 17
 6. Kulturwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft 20
Themenbereiche 22
Organisation der Forschung 41
Literaturverzeichnis 43

Allgemeine Zielsetzung

Die Entwicklung Schwedens und Deutschlands im letzten Jahrhundert hat viele Gemeinsamkeiten in Politik, Wirtschaft und Kultur hervorgebracht. Ins Auge fallen Parallelen in der politischen und gesellschaftlichen Organisation, die nicht zuletzt darauf zurückzuführen sind, daß beide Länder der germanischen Sprach- und Symbolwelt angehören.
In der kultur- und geisteswissenschaftlichen Forschung wurden in bestimmten Perioden die Ähnlichkeiten, in anderen die Unterschiede betont. Entwicklungen in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bewirkten, daß die Unterschiede stärker hervortraten und überdies deutlich markiert wurden, so daß sie die Gemeinsamkeiten nahezu völlig überlagerten. Beispielsweise wurde in der Nachkriegszeit das 'schwedische Modell' nicht selten als Antipode zur deutschen Katastrophe betrachtet. Dementsprechend wurde die frühere politische, ökonomische und kulturelle Orientierung Schwedens auf Deutschland nach 1945 durch eine Ausrichtung auf den angelsächsischen Raum ersetzt; von Deutschland distanzierte man sich.
In Deutschland avancierte zur gleichen Zeit das 'schwedische Modell' nach und nach zu einem nachahmenswerten Vorbild - wenn es auch weiterhin politische Kontroversen provozierte, da es in der politischen Debatte häufig instrumentalisiert wurde. Das wachsende Interesse des Auslands wirkte wiederum auf das schwedische Selbstverständnis zurück: die Erfahrung, daß Schweden als Modell-Land angesehen wurde, verstärkte das Gefühl der eigenen Erwähltheit.
Die übergeordnete Frage des Forschungsprojektes lautet, wie sich die Konstruktion von Gemeinschaften und von politischem Selbstverständnis über Sprache und Symbole sowie über abgrenzende 'Wir versus Die Anderen'-Kategorisierungen in unterschiedlichen historischen Situationen in Schweden (Skandinavien) und Deutschland vollzieht. Denn die Konstruktion von Gemeinschaft bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für das politische Handeln. Sie steuert wichtige Impulse für das Verhalten politischer und wirtschaftlicher Institutionen beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt und, darüber hinaus, für die Organisation der Gesellschaft insgesamt bei.
Die am Projekt Beteiligten repräsentieren nicht nur zwei unterschiedliche Länder, sondern auch verschiedene Disziplinen mit unterschiedlichen Wissenschaftstraditionen. Dies wird insbesondere im Herangehen an den Symbolbegriff deutlich, der für die Bildung von Gemeinschaften konstitutiv ist (s. S. 17ff). So stehen sich in der wissenschaftlichen Debatte zwei prinzipielle Sichtweisen gegenüber: die eine betrachtet das Symbol unter konstruktivistischen Gesichtspunkten, die andere unter repräsentativen. Beide Auffassungen haben im Projekt ihre Fürsprecher. Dies wird als Stärke verstanden, ist es doch eine Aufgabe, das Denken in Dichotomien wie Konstruktion/Repräsentation, Kontinuität/Diskontinuität, Gemeinschaft/Gesellschaft oder auch Staat/Gesellschaft innerhalb des Projektes zu problematisieren und zu überwinden. (Im Kapitel 'Perspektiven und Problemstellungen' (S. 9ff) wird erläutert, inwiefern hier theoretisches Neuland beschritten wird.)
Mittels eines systematischen kulturwissenschaftlichen Vergleichs schwedischer (skandinavischer) und deutscher Modernisierungsmuster und Gesellschaftsorganisationen der letzten zweihundert Jahre soll ein tieferes Verständnis dafür gewonnen werden, wie im Grunde gleichartige Probleme ganz verschieden gelöst werden können. Zu diesem Zweck werden empirische Erkenntnisse mit einem theoretisch und methodisch innovativen Blick auf Modernisierungsprozesse kombiniert. Die Analyse dieser Kombination von Empirie und ihrer neuartigen Auslegung soll perspektivisch von der Sprach- und Symbolwelt ausgehen, die einen Begriff von Kultur als Feld der Konstruktion von Zusammenhang impliziert. Nicht zuletzt ein auf einer kulturwissenschaftlichen Analyse aufbauender Vergleich der diskursiv konstruierten, identitätsstiftenden Komponenten 'Volk' und 'Nation' sollte neue Verständnishorizonte eröffnen.1
Die Einbeziehung eines bestimmten Bildes vom anderen Land in die eigenen Modernisierungsprozesse im Zuge einer kontrastierenden Selbstbetrachtung stellt ein weiteres fruchtbares Untersuchungsfeld dar. Auf welche Art und Weise Vorstellungen über Schweden (bzw. Skandinavien) in der deutschen Debatte entwickelt und für die Konstruktion von Gemeinschaft und Identität genutzt worden sind, soll ebenso analysiert werden wie die politische Instrumentalisierung entsprechender schwedischer Vorstellungen über Deutschland, um die Aufmerksamkeit dafür zu schärfen, wie bei der Konstruktion von Gemeinschaft und Selbstverständnis Prozesse der Heterostereotypisierung verlaufen, d.h. wie das Interesse für andere Kulturen in den eigenen politischen Diskurs einbezogen wird. Gleichzeitig wird die Kultur, die Projektionsfläche dieser Vorstellungen und Visionen ist, durch genau diese Projektionen beeinflußt und verändert. Das Interesse der anderen wird nicht nur festgestellt; vielmehr werden deren heterostereotype Bilder übernommen und in eigene Autostereotypen integriert. Auf diese Weise können von außen herangetragene Bilder das Selbstverständnis der jeweiligen Kultur transformieren.

Das Ziel des Projektes läßt sich in drei Punkten zusammengefassen:

  • Auf der Makroebene soll die Steuerbarkeit moderner Gesellschaften analysiert und dargestellt werden. Historische Methodik wird mit kulturwissenschaftlicher Theoriebildung kombiniert, so daß der interdisziplinäre Ansatz bereits in den Problemstellungen selbst und nicht - wie oft üblich - allein in der Organisation der Forschung zum Ausdruck kommt. Die Distinktion zwischen Gesellschaftswissenschaft und Kulturwissenschaft muß hierbei präzisiert werden.
  • Es ist geplant, die Forschungsergebnisse nicht nur in Wissenschaftskreisen zu publizieren. Vielmehr soll dem Informations- und Kommunikationsbedürfnis einer breiteren Öffentlichkeit auf vielfältige Weise und unter Nutzung anderer Medien entsprochen werden: mit Konferenzen, Ausstellungen, Präsenz im Internet u.ä. Angesichts der Konzentration des Projekts auf komplexe Fragen von Identität und Selbstverständnis erscheint diese Öffnung nach außen umso wichtiger, da auf diese Weise unmittelbar in die gegenwärtige Gesellschaftsdebatte eingegriffen werden kann.
  • Ein dritter Schwerpunkt wird darin gesehen, engere Kontakte zwischen deutschen und schwedischen (skandinavischen) Forschern zu etablieren, um Alternativen zur heute dominierenden angelsächsischen Ausrichtung der Forschung zu erarbeiten und den internationalen Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu fördern.

Perspektiven und Problemstellung

1. Hintergründe

In der ersten Hälfte der neunziger Jahre stellte sich in Schweden die Frage nach dem Verhältnis zu deutschen Modernisierungsparadigmen intensiver als zu irgendeinem Zeitpunkt innerhalb der vergangenen fünfzig Jahre. In diesen fünf, sechs Jahren seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums, den manche als das Ende der Geschichte ansahen, hat sich die osteuropäische Krise in Politik und Wirtschaft auf die westlichen Demokratien ausgeweitet. Fragen nach der Steuerbarkeit moderner Gesellschaften und nach der Fähigkeit der Politiker, Lösungen für die immer tiefer greifenden gesellschaftlichen Probleme zu finden, führten zur kritischen Einschätzung der heutigen Möglichkeiten von Nationalstaaten. Im Gegenzug wuchs aber die Bedeutung der Nation als identitätsstiftendem Faktor und des Nationalismus als Ideologie. In dieser Hinsicht weist die schwedische Europa-Debatte zahlreiche Parallen zur schwächeren deutschen auf.
Auf der Suche nach historischer Kontinuität, um die gegenwärtige politisch-gesellschaftliche Situation verstehen zu können, scheint gerade heute der Vergleich von schwedischen und deutschen Paradigmen von Entwicklung und Modernisierung sinnvoll. Eine Gegenüberstellung von Begriffen wie Staat/stat, Gesellschaft/samhälle, Nation/nation oder Volk/folk aus einer problematisierenden und historischen Perspektive heraus wird neues Analysematerial und zugleich Stoff für die Diskussion über Chancen und Bedrohungen des zukünftigen Europa liefern. Bisherige Forschungen zu Modernisierungsprozessen gingen zumeist von einem angelsächsischen Normalweg aus, der Richtung und Geschwindigkeit der Modernisierung an der Industrieproduktion und dem Wirtschaftswachstum maß. Dieser angelsächsische Maßstab kann in der heutigen transnationalen und postindustriellen Welt immer weniger Orientierungshilfen bieten.
Sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland - die Gefahren, aber auch die Möglichkeiten für die Entwicklung der Gesellschaft - treten deutlich hervor, wenn Krisenzeiten, besonders die neunziger Jahre des letzten und die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts, in einem historischen Vergleich unter die Lupe genommen werden. Durch die Ausweitung auf den gesamten skandinavischen Raum wird der Vergleich noch interessanter. Um diese breitere Dimension realisieren zu können, wird beabsichtigt, das Projekt mit anderen nordischen Wissenschaftsmilieus mit vergleichbaren Ansätzen zu verknüpfen, um so ein Netzwerk zu etablieren.
Einen wichtigen Ausgangspunkt einer solchen nordisch-deutschen Perspektive bildet die Tatsache, daß Demokratisierung und Modernisierung der nordischen Länder vereinfachend als integrative Bewegungen 'von unten' (als Volksbewegungen) betrachtet werden können, während die Stoßrichtung beider Prozesse in Deutschland eher 'von oben' vorgegeben wurde.2 Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang entscheidende Unterschiede zwischen den verschiedenen skandinavischen Ländern (wie im übrigen ja auch zwischen den deutschen Regionen), wenn man z.B. an die jeweilige Bedeutung des Unabhängigkeitskampfes und Sprachenstreites in Norwegen und Finnland denkt oder an den dänischen Grundtvigianismus im Vergleich zu den puritanischeren Volksbewegungen in Norwegen und Schweden. Desweiteren wird man sich mit der Rolle der nordischen Ideologie, dem 'Nordismus' in seinen verschiedenen Spielarten, ebenso auseinanderzusetzen haben wie mit der Frage, inwiefern von einem spezifisch 'nordischen' Gesellschaftsmodell überhaupt gesprochen werden kann. Gibt es z.B. eine spezifisch nordische Variante des Protestantismus, nicht nur im Verhältnis zum Katholizismus, sondern auch zum deutschen (preußischen) Protestantismus? Wie nahe waren sich eigentlich die nordische und deutsche Romantik? Was unterscheidet das Schwedische vom Nordischen? Was unterscheidet das Nordische vom Deutschen?

2. Theoretische Annahmen

Grundlage des Forschungsprojektes ist die These, daß Macht über Sprache und Symbole wichtig für jede gesellschaftliche Organisation ist. Diese Macht äußert sich in Institutionen, d.h. im gesellschaftlichen Normen- und Regelgefüge einschließlich dazugehöriger organisatorischer Ausläufer, sowie in der politischen Kultur. In der Auseinandersetzung um die Definition und Lösung politisch-gesellschaftlicher Probleme etablieren sich Stellvertreterbegriffe und intellektuelle Hegemonien; der Rahmen für die Problembewältigung wird so generell abgesteckt. Hier wird entschieden, welche Fragen gestellt und behandelt werden können und welche verdrängt werden müssen. Sprache und Symbole sind Instrumente: Mit Begriffen, Symbolen und Metaphern werden Identität und Gemeinschaft gestiftet bzw. Interpretationsmuster für den öffentlichen Diskurs bereitgestellt. Andererseits dienen Begriffe, Symbole und Metaphern ebenso der Abgrenzung und Gestaltung von Konflikten.
Die Modernisierung westlicher Industriegesellschaften in den vergangenen zweihundert Jahren kann als Summe verschiedener Prozesse - wie Industrialisierung und technologische Entwicklung, Bürokratisierung, Professionalisierung und Demokratisierung - interpretiert werden. Da diese Teilprozesse oft in unterschiedlichen zeitlichen Rhythmen, d.h. nicht notwendig synchron verlaufen, werden Spannungen zwischen ihnen ausgelöst. Perioden besonderer Problemkonzentration, in denen etablierte Wahrheiten erodieren oder kollabieren, werden als Krisen wahrgenommen. Um diesen entgegenzuwirken, werden Versuche forciert, neue Begriffe und Interpretationsmuster zu schaffen oder aber den alten 'Hüllen' neue Inhalte zu geben.3
In derartigen Krisenzeiten können sehr ähnlich organisierte Gesellschaften in ganz verschiedenen Richtungen nach Lösungen suchen. Innerhalb einer jeden Gesellschaft können sich Orientierungen herausbilden, die die Entwicklung in gänzlich neuen Bahnen verlaufen lassen. Weber bezeichnete diese in seiner berühmten Eisenbahn-Metapher als Weichensteller, da sie eine neue Entwicklung auf den Weg brachten. Neue Visionen, neue Weltbilder spielen in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle, bieten sie doch Orientierungen für das Handeln an.
Als Krisenphasen mit einer besonders hohen Konzentration an Problemen sind bereits im ersten Abschnitt das letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts sowie die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts benannt worden. Einige Teilprojekte unseres Forschungsunternehmens werden sich mit diesen beiden Perioden sowie einer dritten, die etwa ab 1970 datiert,4 beschäftigen, indem sie sie unter dem Blickwinkel Schweden (Skandinavien) und Deutschland systematisch und vergleichend untersuchen. Diese in der historischen und politikwissenschaftlichen Forschung empirisch ermittelten Krisenzeiten bilden den Ausgangspunkt für eine kulturwissenschaftlich orientierte, interdisziplinäre Untersuchung und Präzisierung der betreffenden Krisen, ihrer Bedingungen und ihrer Lösungen (vor allem in den Bereichen Geschichte, Politikwissenschaft, Literaturwissenschaft, Semiotik und Sozialanthropologie). Die empirisch ermittelten Krisenzeiten sind daher nur als heuristische Annahmen zu betrachten, deren Verifizierung oder Relativierung durch konkrete empirische Inhalte noch aussteht.
Mit diesem heuristischen Ausgangspunkt soll vermieden werden, das Schwarz-Weiß-Bild einer katastrophalen deutschen Entwicklung einerseits und einer schwedischen success story andererseits zu zeichnen, welches die Entwicklung als durch spezifische gesellschaftliche Voraussetzungen mehr oder weniger vorprogrammiert suggeriert. Stattdessen begreifen wir Geschichte als offenen Prozeß und die Zukunft jeder Gesellschaft in erster Linie als ungewiß. Anstatt von einem Schwarz-Weiß-Bild auszugehen, werden wir uns an dem bekannten Bild aus der Perzeptionspsychologie orientieren, auf dem - abhängig vom Betrachter - entweder eine Greisin oder eine schöne Frau erkannt wird. Wir werden untersuchen, wie ähnlich sich die Gesellschaftsformen und Symbolwelten Skandinaviens und Deutschlands eigentlich waren und wie und warum sich trotz dieser Gemeinsamkeiten so unterschiedliche Entwicklungen vollzogen haben. Wir wollen aber auch Aufschlüsse darüber gewinnen, in welchem Maße eben diese Gemeinsamkeiten den Keim von Unterschieden bereits in sich bargen.
Auf diese Weise wollen wir zu einer Problematisierung der deutschen gesellschaftswissenschaftlichen Forschung beitragen, die in der 'Sonderweg-Debatte'5 u.a. die Ereignisse ab 1933 als vorprogrammiert interpretiert, weil sie sie z.B. in der feudalen Gesellschaftsstruktur der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts bereits angelegt sieht. Unsere vergleichende Perspektive soll nicht dazu führen, die verschiedenen Entwicklungen mit Hilfe sozio-ökonomischer, sogenannter 'objektiver' Fakten zu erklären, also z.B. die Dominanz der feudalen Strukturen in Deutschland den egalitären bäuerlichen Strukturen in Schweden (Nordeuropa) gegenüber zu stellen, um dann die Entwicklungen als mehr oder weniger von Anfang an determiniert zu interpretieren. Im Gegensatz zur Ursachenforschung im eigentlich naturwissenschaftlichen Sinn werden wir uns eher mit den Konsequenzen beschäftigen.
Das Projekt zielt nicht zuletzt auf die theoretische Entwicklung der sprachlich-kulturellen Perspektive, die mit dem sogenannten linguistic turn immer stärker ins Zentrum der gesellschaftswissenschaftlichen Debatte geriet. Starre Dichotomien wie Staat/Gesellschaft, Struktur/Akteur, Objekt/Subjekt oder Kontinuität/Diskontinuität sollen durch die Erarbeitung neuer Begrifflichkeiten aufgelöst werden. Nicht die statische, sondern die sich ständig wandelnde Gesellschaft, nicht soziale Formationen, sondern gesellschaftliche Transformationen werden im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.6

3. Staat und Gesellschaft

An den Begriffen Staat und Gesellschaft lassen sich die Bewegungen und Umschwünge zur Bildung und Auflösung von Gemeinschaften ausgezeichnet ablesen. Auch etablierte Gemeinschaften sind in ständiger Umwandlung begriffen; die Stiftung neuer Gemeinschaften vollzieht sich unablässig.
Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verwendeten alle politischen Denker Europas den Begriff societas civilis für jene politischen Gemeinschaften, die Regeln und Normen für ihre Mitglieder festlegten, um inneren Frieden zu garantieren. Der Begriff Zivilgesellschaft gliederte sich in eine alte europäische Tradition ein, deren Reihe sich von den klassischen politischen Philosophen - vor allem wäre hier Aristoteles mit seiner Auffassung von einer alle anderen umfassenden Gesellschaft (polis) zu nennen - über Ciceros Gedanken bezüglich einer societas civilis bis zum modernen Naturrecht erstreckt. Nach 1750 wurde dieser vorher unumstrittene Begriff zunehmend lockerer gehandhabt7; er wurde unscharf, mehrdeutig und Gegenstand intensiver Diskussion und zahlreicher Kontroversen. Zwar blieb die Zivilgesellschaft zwischen 1750 und 1850 ein Schlüsselbegriff, doch begann man bereits um 1800, die einst im Begriff der societas civilis miteinander verbundenen bürgerliche oder Zivilgesellschaft einerseits und den Staat andererseits als zwei unterschiedliche Größen zu betrachten. Diese Binnendifferenzierung des klassischen Begriffs begann in Großbritannien und Frankreich. Während societas civilis mit einem konstitutionellen Zentralstaat assoziiert wurde, der über seinen Untertanen steht, entwickelte sich gleichzeitig ein gesellschaftlicher Diskurs, der die Notwendigkeit betonte, sich gegen die autoritären Tendenzen eben dieses Staates schützen zu müssen, und die Bildung unabhängiger Zusammenschlüsse auf freiwilliger Basis innerhalb der Zivilgesellschaft forcierte.
In der zweiten Phase wurde der Begriff stärker mit der Forderung verknüpft, daß den unabhängigen Zusammenschlüssen rechtmäßige Mittel zur Verteidigung gegen Übergriffe seitens des Staates zur Verfügung stehen müßten. Damit war der Begriff des Staates aus dem ehemals umfassenden Begriff ausgesondert worden; Staat und Gesellschaft standen jetzt in Opposition zueinander.
Phase drei verzeichnete einen Umschwung in der Bewertung der Zivilgesellschaft, denn sie wurde als zu anarchistisch erlebt. In Reaktion darauf betonte man die Wichtigkeit von Regeln und gesellschaftlicher Integration durch legale, administrative und politische Kontrolle. Interessanterweise begann diese Verschiebung der Auffassungen in Deutschland. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Rede Lorenz von Steins, mit der er das Konzept einer vom Staat beherrschten Gesellschaft verteidigte.
Eine vierte Phase im 19. Jahrhundert, in der Alexis de Tocqueville eine herausragende Rolle spielte, verzeichnete die abnehmende Vitalität des deutschen Diskurses gegenüber dem britischen und französischen. Hier belebte sich die Furcht, daß die Zivilgesellschaft von neuen Formen regulativer Staatsmacht erstickt werden könnte, aufs Neue. Aus diesen Überlegungen heraus wurde nach einer Formel gesucht, die repräsentative Führung und gesellschaftliche Freiheit vereint.
Die Suche dauert an. Obwohl Staat und Gesellschaft wie zwei Seiten einer Medaille zusammengehören, ist es bis heute nicht gelungen, einen Begriff zu finden, der Staat und Gesellschaft umfaßt und dauerhaft miteinander verbindet. Diesem idealen Verhältnis am nächsten kam das 'schwedische Modell' in seiner Blütezeit, den sechziger Jahren, die von dem Begriff der 'starken Gesellschaft' geprägt waren, der auf eine Symbiose von Staat und Gesellschaft hindeutet. Aber diese Periode war nur von kurzer Dauer.
Staat und Gesellschaft stehen für verschiedene Eigenschaften einer gedachten Gemeinschaft, deren Wertung und Wichtung ständigen Umschwüngen unterliegt. In diesem Auf und Ab scheint sich ein Muster abzuzeichnen: Gegenstand neuer Visionen ist immer das Nichtvorhandene, d.h. eben jene Eigenschaften werden als erstrebenswert angesehen und entsprechend im gesellschaftlichen Diskurs betont, die in der jeweiligen Situation vernachlässigt werden und die man deshalb vermißt. Ihrem symbiotischen Verhältnis angemessener wäre jedoch nicht diese bipolare Betrachtungsweise einander ausschließender Größen, sondern eine dialektische, setzen sie einander doch voraus wie Vorder- und Rückseite einer Medaille.
Ein anderes Begriffspaar, dessen Elemente üblicherweise ähnlich konträr wie Gesellschaft/Staat gedacht werden, ist Freiheit/Gleichheit. Die französische Revolution gebar dieses als Einheit gedachte Paar. Es dauerte jedoch nicht lange, bevor es in seine Einzelteile auseinanderbrach. In der politischen Praxis wurde bald der eine, bald der andere Begriff als wichtiger angesehen und hervorgehoben. Nicht zuletzt der Übergang zu einem neo-liberalen Diskurs zeigt die unterschiedliche Wichtung und Instrumentalisierung der Begriffe, obgleich ihre Zusammenfassung rhetorisch versucht wurde.

4. Gemeinschaft und Gesellschaft

Als der Begriff Gemeinschaft bei der Ausarbeitung der Pariser (1951) und Römischen Verträge (1957) explizit benutzt wurde, geschah dies, um dem Willen für eine organisatorische Einheit, die über den durch den Zweiten Weltkrieg korrumpierten Begriff des Nationalstaates hinausgehen sollte, Nachdruck zu verleihen. Wie bei den oben erläuterten bipolaren Begriffspaaren wurden auch Gemeinschaft und Gesellschaft häufig als einander ausschließende Alternativen betrachtet. Diese Dichotomie geht zurück auf Tönnies, dessen These von einer archaischen Gemeinschaft, die sich mittels Aufklärung zu einer rationalen Gesellschaft auf höherem Entwicklungsniveau heranbilde, deutlich von der Distinktion zwischen Kultur und Zivilisation beeinflußt war. Gemeinschaft war solcherart eine Frage des Bewußtseins, Gesellschaft dagegen ein Ordnungsprinzip. Das Beispiel der Europäischen Gemeinschaft wie auch die Lancierung des Begriffes Volksgemeinschaft durch die Nationalsozialisten in der Weimarer Republik oder die Ideologie der folkhemsgemenskap (Volksheimgemeinschaft) der schwedischen Sozialdemokratie belegen, daß Gemeinschaft und Gesellschaft nicht in einem Zusammenhang dichotomischer linearer Entwicklung gesehen werden können. Es handelt sich dabei vielmehr um einen ständigen Wechsel wie zwischen den beiden Gesichtern des Januskopfes, der vollzogen wird, um den Verfremdungserscheinungen der Modernisierung entgegenzuwirken.
Gesellschaft ist, in diesem Licht besehen, keine übergreifende Ordnung, sondern setzt sich aus vielfältigen Übereinkünften zusammen. Sie umfaßt solcherart durchaus auch offene und der Klärung harrende Konflikte und ist daher als stets neu zu schaffende Abstimmung und Einigung zu charakterisieren, als ständige soziale Tätigkeit also, die eine dauernde Konstruktion von Gemeinschaft überhaupt erst möglich macht. Sie ergibt sich folglich nicht wie von selbst aus den existierenden oder neuzuschaffenden Regeln heraus, und sie kann auch nicht aus den sozialen Positionen der Beteiligten oder bestimmten Konflikttypen hergeleitet werden. Es bedarf vielmehr einer 'gesellschaftlichen Arbeit', um Situationen deuten und die Deutungen einander anpassen zu können, um so schließlich einen gemeinsamen Nenner zu finden. Die dauerhafte Konstruktion von Gemeinschaft impliziert, daß Personen und Gegenstände, die nicht selbstverständlich oder von Natur aus gleich oder gleichwertig sind, gleich gemacht werden.8
Viele Auffassungen von Modernisierung stoßen an eine Grenze, indem sie von der Korrelation zwischen Modernisierung und Nation einerseits und der Betonung von Diskontinuitäten im Modernisierungsprozeß andererseits ausgehen. Dies führt zu Schwierigkeiten in der Bestimmung dessen, was Nationalismus beinhaltet, und zu der problematischen Annahme, daß sich nationalistische Ansprüche auf Kontinuität einzig mit Begriffen wie 'Fiktion' und 'Konstruktion' abtun ließen. Ohne die Rolle, welche die Konstruktion bei der Stiftung von Identitäten spielt, verringern zu wollen, wird das Projekt doch vorrangig gesellschaftliche Prozesse in ihren diskursiv-historischen Kontexten und als wechselseitig wirkende Verflechtung von Kontinuitäten und Diskontinuitäten untersuchen.

5. Symbole als Konstruktion und Repräsentation

In ihrem Blick auf Entwicklung stehen sich Ernst Cassirer respektive die Tartuer Semiotiker nahezu idealtypisch gegenüber. Während Cassirer die Perspektive der symbolischen Konstruktion betont, sprechen die Tartuer Semiotiker von symbolischer Repräsentation. Eine Entscheidung für eine dieser beiden Auffassungen als die einzig wahre werden wir im Projekt jedoch nicht treffen. Stattdessen wollen wir diese Sichtweisen aneinander spiegeln, um über das Denken in Dichotomien hinauszugehen und gerade die Verflechtung zwischen Kontinuitäten und Diskontinuitäten aufzuspüren.
Unter Cassirers semiotischem Blickwinkel wird Wirklichkeit als ein "Ensemble symbolischer Formen" betrachtet, d.h. Wirklichkeit wird in Symbolen konstruiert.9 Eines der wichtigsten Resultate dieser Konstruktion ist Kultur. Verfolgt man diese Auffassung von Kultur weiter, ergeben sich zwei Möglichkeiten der begrifflichen Weiterentwicklung. Auf Grund seines allumfassenden Charakter riskiert er einerseits, die Grenze des analytisch Sinnlosen zu erreichen, andererseits indiziert er aber ein analytisches Potential, das sich auf sein Spannungsverhältnis zur Perspektive der Tartuer Semiotiker gründet, welche die Kontinuität und das Diktat der Struktur betonen. Die historischen Semiotiker in Tartu verstehen Kultur als nicht vererbte Erinnerung einer Gesellschaft ('uninherited memory'), die ihren Ausdruck in einer symbolischen und repräsentativen Ordnung findet.10 Diese Auffassung bildet ein Korrektiv zu zahlreichen Studien, die Gesellschaft als kontinuierlichen Fluß definieren. Veränderungen als störende Elemente in diesem Fluß wird durch Traditionen, Riten und gewohnte Denkweisen begegnet.11 Eine der methodologischen Strategien der Tartuer Semiotiker geht davon aus, daß das Zeichensystem Kultur in seinen funktionalen Wechselwirkungen studiert werden könne. Das Problem dieser analytischen Herangehensweise liegt in der Rekonstruktion intellektueller Hegemonien, die sich durch eine ständige Bewegung zwischen verschiedenen 'Texten' (Literatur, Kunst, politische Pamphlete, soziale Riten, Alltagspraxis) auf der Suche nach derem kleinsten gemeinsamen Nenner vollzieht. Trotz dieser Ausrichtung semiotischen Vorgehens, das eher nach Kontinuitäten und strukturellen Vorgaben als nach Diskontinuitäten sucht, besteht Einigkeit darüber, daß nationale Traditionen nicht nur einfache und unkomplizierte Verwahrorte für kollektive Symbole sind, zu denen die gesamte Bevökerung ein und dasselbe Verhältnis hat. Traditionen bieten sich vielmehr an als Austragungsort für Gegensätzliches sowie für den Streit um Definitionen und Bedeutungen. Die nicht vererbte Erinnerung, das kollektive Gedächtnis wird mystifizierend als Erbe präsentiert, um welches ein ständiger Erbstreit tobt.
Wenngleich der jeweilige Stellenwert der Vergangenheit keineswegs konstant ist, so bildet das kollektive Gedächtnis zumindest auf zwei Arten ein Bollwerk gegen das Chaos, das sich aus dem stetigen Verschieben und Fließen von Wertungen ergeben könnte:

  • Mit Hilfe eines komplexen Selektions- und Interpretationsprozesses in der Herausbildung des kollektiven Gedächtnisses (Mystifizierungen sind darin einbegriffen) wird die gesellschaftliche Identität aufrechterhalten und so der Auflösung entgegenwirkt.
  • Das kollektive Gedächtnis ist aufgeladen mit moralischen Imperativen, die Rechte und Pflichten sowie die Auffassung darüber regeln, was recht und richtig ist.

Konstruktion (nicht zu verwechseln mit Konspiration) muß immer vermittelt werden. Medien beispielsweise konstruieren oder repräsentieren, die Bestimmung ihrer Wirkungsweise geht also über ein Denken in starren Dichotomien wie der zwischen Konstruktion und Repräsentation hinaus, wie es oben beschrieben wurde. Daraus läßt sich ersehen, daß Symbole niemals statisch oder eindeutig sind, vielmehr schaffen und beschreiben sie Wirklichkeiten zur gleichen Zeit. Ihre Einführung und Anwendung ist immer eine Frage des Wechselspiels zwischen neu Geschaffenem und dessen Verknüpfung mit grundlegenden Werten und Wertungsmustern. Aus dieser wechselseitigen Beeinflussung resultiert eine Bedeutungsveränderung der Symbole, die sich via Inkorporation vollzieht. Ein nationales Lied oder ein Lied von Arbeitenden erhält trotz unverändertem Text und gleicher Melodie eine andere Bedeutung, sobald es zu einer Nationalhymne oder einem Arbeiterlied wird.
Aus diesen Überlegungen heraus scheint es angezeigt, an Durkheims deskriptivem Vorgehen festzuhalten, dessen Augenmerk nicht der Struktur, sondern dem Prozeß, nicht den Institutionen, sondern den Gebräuchen gilt. Unser Schwerpunkt auf Gemeinschaft und gemeinsame Repräsentationen wird die kritische Beschäftigung mit einigen anthropologischen Begriffen bedingen, die von Mary Douglas und Victor Turner lanciert wurden.12 In diesem Zusammenhang könnten sich folgende Begriffe als besonders interessant erweisen: Ritus, liminality, Gemeinschaft, Struktur, Karneval, local knowledge, purity und pollution.
Durkheims Perspektive auf Kultur als 'Macht der Gefühle' kann als Korrektiv zu der in den Gesellschaftswissenschaften so dominierenden Tradition der Aufklärung eingesetzt werden, die - trotz so unterschiedlicher Vertreter wie Marx und Parsons - die Macht der Vernunft betont. Aus der letztgenannten Tradition folgt ein einseitiger Fokus auf Strukturen und Institutionen in den Gesellschaftanalysen. Diese Sicht werden wir mit der oben erläuterten Perspektive konfrontieren, die Kultur als eine konservative Kraft begreift, die Menschen an ein mit Traditionen aufgeladenes Vergangenes und an normative Verpflichtungen bindet.
Konfrontieren, dies sei bezüglich unserer Arbeitsweise angemerkt, beinhaltet ausdrücklich aufbrechen und relativieren, jedoch kein Aufstellen oder Dagegensetzen neuer Alternativen. Vielmehr sollen gerade in den Bruchstellen selbst die Verflechtung von Kontinuitäten und Diskontinuitäten sowohl theoretisch als auch empirisch ausgemacht und aufgezeigt werden.

6. Kulturwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft

An zentraler Stelle im gesamten Forschungsprojekt steht der Begriff 'Kulturwissenschaft', der seit nahezu 150 Jahren im deutschen Sprachraum existiert. Entstanden ist er durch Enthistorisierung und Revision des anti-hegelianischen Konzepts von Kulturgeschichte. Ihre begriffliche Prägung erhielt die Kulturwissenschaft vorwiegend durch eine neukantianische Strömung ab der letzten Jahrhundertwende, die diese Bezeichnung aus wissenschaftssystematischen Gründen der 'Geisteswissenschaft' vorzog, war doch der Begriff 'Geist' durch den Siegeszug der sich als Superwissenschaft diskutierten Psychologie zweideutig geworden. In der Bundesrepublik Deutschland erfuhr die Kulturwissenschaft in den siebziger Jahren eine Renaissance, insbesondere innerhalb der sogenannten Xeno-Fächer wie beispielsweise der Auslandsskandinavistik. Diese Renaissance verweist einerseits auf ein aus Statusfragen geborenes innerwissenschaftliches Interesse an einer Veredelung des Begriffes 'Landeskunde', aber gleichzeitig und in Opposition dazu stand und steht 'Kulturwissenschaft' für eine Neuorientierung der Literaturwissenschaften, wo eine häufig semiotisch motivierte Entgrenzung des Textbegriffes zu beobachten war. In der DDR dagegen bezeichnete 'Kulturwissenschaft' ein Fach, das sich stark an den Bedürfnissen von staatlichem Kulturmanagement und Kulturproduktion orientierte.
Seit der Mitte der achtziger Jahre wurde parallel zu diesen unterschiedlichen Auffassungen in Ost und West die Kulturwissenschaft wissenschaftsintern wieder als wissenschaftssystematischer Begriff revitalisiert. Die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften sollen in Kulturwissenschaften umgewandelt werden und so als umfassende Reflexionsgrundlage für die Analyse der zunehmend als problematisch erlebten Prozesse von Modernisierung und technologischer Entwicklung dienen. Hintergrund dieses Postulats waren nicht zuletzt die wachsenden Schwierigkeiten der Gesellschaftswissenschaften, politische Handlungsorientierungen zu erarbeiten. Insofern markiert die Propagierung des Begriffes 'Kulturwisssenschaft' in den achtziger Jahren die Krisenerfahrungen in den Gesellschaftswissenschaften aufgrund wachsender Probleme mit der Begründung politischer Legitimität und der Steuerbarkeit von Gesellschaft.
Diese verschiedenen Konzepte von 'Kulturwissenschaft' wurden in der Vorbereitungsphase unseres Projektes intensiv diskutiert. Mehrere Arbeitstreffen waren der Debatte dieser Problematik gewidmet, u.a. eine Konferenz unter dem Titel "Kulturwissenschaft - zum Fachverständnis der Skandinavistik" vom 17.-19. März 1995 in Petzow (bei Potsdam)13. Drei Tage lang wurde intensiv und durchaus auch kontrovers über die Möglichkeiten von Kulturwissenschaft debattiert. In Vorbereitung auf die Konferenz wurde eine kommentierte Bibliographie erstellt, die eine empfindliche Lücke in der Reihe skandinavistischer Arbeitsmittel schloß und daher auf großes Interesse stieß.14
Während der Konferenz und in den sich daran anschließenden Diskussionen kristallisierte sich eine Konzeption von Kulturwissenschaft heraus, die den Ausgangspunkt für unser Forschungsprojekt bildet, deren Konkretisierung und eventuell Revidierung aber im Verlauf des Projektes noch zu leisten sein wird. Kultur als grundlegende Kategorie bei der Konstruktion von Gemeinschaften ist nicht nur ein kulturelles Phänomen, das sich in Symbolen manifestiert; sie ist vielmehr die software zur Erzeugung kultureller Phänomene, ein Modell für menschliches Verhalten und gleichzeitig ein Mechanismus zur Beobachtung und Bewertung dieser Phänomene. Kultur ist in diesem Sinne ein Selektionsprozeß zur Reduzierung von Komplexität, ein Vorgang, der für die Herstellung von Interpretationsrahmen und die Stiftung von Gemeinschaft zentral ist.
Trotz verschiedener Ansichten und Auffassungen der Konferenzteilnehmer herrschte in den Diskussionen Einigkeit darüber, daß Kultur und Modernisierung, Kontinuität und Diskontinuität sowie symbolische Konstruktion und symbolische Repräsentation in einem gewissen Spannungsverhältnis zueinander stehen. Trotz des komplexen und keineswegs notwendig oppositionellen Spannungsverhältnisses zwischen Kultur und Modernisierung, das nicht zuletzt auf verwirrenden Konkurrenz- und Überlappungsbeziehungen zwischen unterschiedlichen normativen Teilgebieten beruht, zeichnen sich Möglichkeiten ab, die Verfremdungstendenzen des Modernisierungsprozesses zu überwinden.
Gleichzeitig verweist die Geschichte auf die Risiken, die mit einem solchen ideologisierten, gemeinschaftsbezogenen Kulturbegriff verbunden sind. Um diesen Risiken aus dem Wege zu gehen, wird sich die Forschung im Projekt an einer Modernisierungsforschung orientieren, welche die semiotische Analyse der Konstruktion von Gemeinschaft mit einer gesellschaftswissenschaftlichen Analyse der Gesellschaft und ihrer Organisation kombiniert. Diese reziproke Kopplung der Begriffe zielt darauf, den Kulturbegriff ideologisch zu entwerten und ihn als wissenschaftliche Analysekategorie neu zu bestimmen, mit der die dynamische und keinesfalls reibungslose Einheit zwischen konstruierter Gemeinschaft und Gesellschaft im Modernisierungsprozeß begrifflich erfaßt werden kann, ohne daß die Analyse die Form von Kryptopolitik annimmt.15
Es ist die Hoffnung des Projektes, mit diesem Schritt dem Defizit an operativen und operationalisierbaren Präzisierungen des Begriffes 'Kulturwissenschaft' abzuhelfen. Das hier Skizzierte kann jedoch nur tentativ und präliminär sein und bildet, wie oben ausgeführt, nur den Ausgangspunkt für tiefergreifende, präzisierende Untersuchungen innerhalb des Projektes, auf denen dann theoretische und methodologische Neuerungen aufbauen können.


Themenbereiche

Innerhalb der aufgezeigten theoretischen Perspektive werden zahlreiche Sachgebiete systematisch vergleichend untersucht. Folgende Themen (hier in grober chronologischer Abfolge) sollen in der ersten Phase des Projektes bearbeitet werden:

1) Alexandra Bänsch: "Die 'protestantische' Romantik in Skandinavien: Heuristisches Modell zur Analyse spezifischer Tendenzen in der skandinavischen Romantik":
In der Romantik wurden die noch für die Gegenwart relevanten Vorstellungen von Nation und Individuum (weiter-)entwickelt. Die Grundlage romantischen Dichtens und Denkens ist dabei die Bezugsbestimmung von Poesie und Religion gewesen, deren Untersuchung Gegenstand dieses Projektes sein soll: Das aufklärerische Ideal der Glückseligkeit wurde als unzulänglich für die Herstellung von (sozialer) Harmonie betrachtet; man ersetzte es durch das Prinzip der Seligkeit, um eine höhere Einheit zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit, Individuum und Gesellschaft zu stiften.
Bei allen nicht zu leugnenden nationalen Unterschieden zwischen den skandinavischen Ländern fällt auf, daß die Romantik in Skandinavien den Bezug von Religion und Poesie z.T. anders bestimmt als die deutsche Romantik, wobei die 'erzprotestantische' skandinavische Tradition bedeutungsvoll erscheint. In der deutschen (Früh-)Romantik wird ebenso elitär wie esoterisch auf das spekulativ-intuitive und sprachartistische Ausnahmesubjekt in der Person des Dichters vertraut, das durch seine Poesie die Menschheit wie ein Heiland erlöst und die Endlichkeit magisch in der Unendlichkeit aufhebt. Dies erscheint wie eine Übersteigerung der katholischen Lehre vom Menschen als Mitarbeiter an der göttlichen Schöpfung. Typisch für Tendenzen der skandinavischen Romantik ist hingegen ein exoterisches Programm, das Positionsüberschneidungen mit dem lutherischen Protestantismus aufweist: Die Poesie wird nicht über die Religion erhoben, sondern sie wird dazu eingesetzt, jedem einzelnen Leser zu einem persönlichen und selbständigen Bezug zu Gott und der Welt zu verhelfen. Durch die Reformierung des Lesers scheint eine kurzfristige Verbesserung sozialer Realität erreichbar, denn die protestantische Romantik in Skandinavien bleibt politisch pragmatisch und setzt anders als die deutsche Romantik nicht auf das Eintreten eines irdischen Paradieses in nie erreichbarer Zukunft.
Da die allgemeine Erfahrbarkeit des Göttlichen in dieser Ausrichtung der skandinavischen Romantik von zentraler Bedeutung ist, weicht sie in ihren ästhetischen Strategien von der deutschen ab, was zur Verkennung von Eigentümlichkeiten der skandinavischen Romantik geführt hat, die traditionell nach Kriterien der angeblich so einflußreichen deutschen Romantik studiert wird. Die Analyse von exemplarischen Verfasserschaften aus Dänemark, Norwegen und Schweden soll zeigen, wie romantische Texte in Skandinavien anders als in Deutschland keine neuen Evangelien sein wollen, sondern den Leser das panentheistische Buch der Natur und der Geschichte verstehen lassen möchten, auf daß es ihm zugänglich sei wie die heilige Schrift nach dem Willen Luthers. An Oehlenschläger, Wergeland und Almqvist läßt sich verdeutlichen, wie die Sprach- und Symbolwelten Skandinaviens und Deutschlands sich zur Zeit der nationalen Identitätsbestimmung unterscheiden, indem die Vorstellung vom Volk als einer alle Stände transzendierenden Leserschaft zu einem Realidealismus führt, der auf historische Vergangenheit und alltägliche Gegenwart als verbindende Erfahrungswelten zurückgreift, um durch sie nationale und soziale Gemeinschaft unter der Leserschaft zu konstituieren. Daß es sich bei der protestantischen Romantik um kein marginales Phänomen handelt, soll eine Untersuchung von Symbolen und Motiven zeigen, die oben genannte Autoren mit anderen skandinavischen Verfassern gemein haben, die aber so oder gar überhaupt nicht in der deutschen Romantik vorkommen (die Blume, die Insel u.a.).

2) Ursula Geisler: "Die Nationalhymnen Schwedens und Deutschlands im kulturwissenschaftlichen Vergleich":
Das Forschungsvorhaben geht von der Annahme aus, daß der Frage nach einem gemeinschaftskonstituierenden Charakter von schwedischer und deutscher Nationalhymne kulturwissenschaftlich und interdisziplinär nachzugehen ist. Die Beschränkung auf den Bereich der politischen Funktionalisierung ohne Berücksichtigung beispielsweise musikästhetischer und pädagogischer Aspekte ließe die Präsumtion kultureller Komplexität außer Acht, durch die Nationalhymnen ihren Stellenwert erhalten. Eine länderübergreifende Vergleichbarkeit ergibt sich unter anderem aus der Tatsache, daß sowohl durch zeitliche als auch nationssemantische Übereinstimmungen und Abhängigkeiten Nationalhymnen ein gesamteuropäisches und übernationales Phänomen bilden. So reiht sich die Frage nach Adaption, Interpretation und Transformation der schwedischen und deutschen Nationalhymnen auch in den thematischen Komplex der nationalen Konstituierung seit der Französischen Revolution ein, die hinsichtlich der national-musikalischen Symbolik Westeuropas als Initialzündung angesehen werden kann. Die daraus entstandene Idee einer spezifischen Nationalhymne - ergänzend zur bekannten Monarchenhymne - erhielt im Zusammenhang mit der im 19. Jahrhundert einsetzenden verstärkten Selbstbetrachtungs- und Abgrenzungssemantik des Nations-Begriffes auch in Schweden und Deutschland gegen Ende des Jahrhunderts immer stärkere Bedeutung. Die konkrete Umsetzung in Form eines jeweils spezifischen, offiziellen Liedes, gemeint als Ausdruck für die Einheit von Bevölkerung und Nation(s-Idee), wurde in beiden Ländern durch musik- und textästhetische Debatten begleitet, die hinsichtlich ihrer Schwerpunkte viele Gemeinsamkeiten aufweisen. So gehören dazu sowohl vergleichbare Bewertungen von Gesang - vornehmlich sogenannter Volkslieder - für die jeweilige nationale Zukunft und deren Einbeziehung in musikpädagogische Konzepte als auch die Frage nach dem musikalisch 'Schönen' und dem textlich 'Richtigen'. Auch im Bereich der allmählichen Transformation öffentlicher musikalischer Aufführungsmöglichkeiten (Gemeinschaftsmusik in Form von Chorveranstaltungen, Männergesangsvereine, Allsang) lassen sich gemeinsame konstituierende Elemente feststellen, die teilweise auf direkten deutsch-schwedischen Musikkontakt zurückzuführen sind.
Das Forschungsvorhaben begreift Nationalhymnen als eine Form ritualisierter, nationaler Lieder, deren konzeptionelle Basis in der Annahme zu liegen scheint, daß Musik für die Konstituierung von Gemeinschaften prädestiniert ist. So steht die Frage nach den musikpädagogischen, -ästhetischen und rechtlichen Konsequenzen, die sich in Schweden und Deutschland daraus ergeben, im Mittelpunkt der Untersuchung.

3) Nina Witoszek: "Kollektives Gedächtnis und nationale Identität: Schweden, Deutschland und Italien":
Der größere Teil der neueren Forschung zur 'Identitätspolitik' legt seinen Schwerpunkt auf Vorstellungen und Narrationen, welche die Prozesse der Modernisierung und des Nationenbaus begleiten und artikulieren. Weniger Aufmerksamkeit wurde bisher den Kriterien geschenkt, nach denen gemeinsam mächtige Narrationen und Visionen ausgesucht werden, deren Entwicklung und diachroner Verwandlung sowie den Bedingungen ihrer Dauerhaftigkeit und/oder ihres Überlebens. Das Verständnis von Kultur, das diesem Teilprojekt zugrundeliegt, ist eine Entwicklung von Ideen der Tartuer semiotischen Schule, die Kultur definiert hat als das "nicht vererbbare Gedächtnis einer Gesellschaft, das sich als System von Symbolen und Normen ausdrückt". Die Hauptaufgabe des Teilprojektes ist es, drei europäische Modernisierungswege durch Studien von 'Memen' zu vergleichen, lockenden und engagierenden Einheiten eines sozialen Gedächtnisses, die eine gemeinsame Identität oder eine gemeinsame Krise bewahren und durch die Zeit hindurch vermitteln. Meme beinhalten eine Rhetorik und Praktiken, die kulturelle Kosmologien oder Weltbilder schaffen, welche - wenn sie erst einmal geschaffen worden sind - im guten wie im schlechten zu dem 'Zuhause' werden, in dem wir argumentieren und handeln, zu Räumen werden, die unsere spezifischen Schlußfolgerungen oder Handlungen zwar nicht bestimmen, aber doch begrenzen. Es sind 'charismatische' Vorstellungen und Geschichten, welche einerseits die Vergangenheit der Gemeinschaft organisieren und andererseits intellektuelle Werkzeuge bereitstellen, um neue Erfahrungen konzeptualisieren und auf sie antworten zu können. Obgleich Meme das gemeinsame Schicksal nicht determinieren, ermöglichen sie es. Wer auch immer ihre Autoren sind (die Gemeinschaft, 'Schulen', Individuen), so kopieren sie sich jedenfalls selbst über Generationen hinweg und in unterschiedlichen kulturellen Texten, Methoden und Genres, wodurch sie die Illusion einer Geschichte schaffen, die sich 'wiederholt' (obgleich es in Wahrheit die Meme sind, die sich wiederholen, nicht die historischen Ereignisse).
Schweden, Italien und Deutschland stellen drei interessante - und kontrastreiche - Fälle memischer Antwort auf die Modernisierung dar. Schweden ist relativ verschont geblieben von 'sterbenden Memen' jener Art, die Deutschland verwüstet oder Italien desintegriert haben. Auch wenn Schweden und Deutschland über ein gemeinsames kulturelles Erbe verfügen, werden in diesen Ländern doch sehr verschiedene Mythologien und verschiedene Arten mobilisiert, mit sozioökonomischen Abnutzungserscheinungen oder einem Kollaps umzugehen. Ihre kontrastreiche Art, die musterbildende Krise der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts zu bewältigen - was in vergleichenden Studien mitunter ignoriert wird -, ist nur ein Beispiel für diese Unterschiede zwischen den Ländern. Ebenso faszinierend och erstaunlich ist ihre verschiedene Art und Weise, ihre jeweils aktuelle Krise zu definieren und anzugehen.
Welche Mythologien haben in einem Land ein 'wildes ökologisches Theater' in Szene gesetzt, eine 'komische Oper' in einem zweiten und eine eskapistische Sozialdemokratie in einem dritten? Sind es nur die jeweiligen soziopolitischen Strukturen und ökonomischen Zustände, die diese verschiedenen semiotisch-ideologischen Szenarien motivieren? Oder gibt es etwas in der memischen Geschichte dieser drei Länder, das den Weg für verschiedene kollektive Antworten (Gewalt, Anpassung, Eskapismus) auf Kollaps und Trauma bereitet hat? Und schließlich: Welche Erzählungen, Riten, Rollenfiguren und Ikonen fungieren heutzutage als symbolische Funktionsträger nationaler Identität in diesen drei Ländern? Was ist ihre Verbindung zu den Vorstellungen und Praktiken, die während der Krise in den Dreißigern mobilisiert wurden? Wie überzeugend ist Fernàndez-Armestos Standpunkt, daß

der Kommunismus und der Faschismus [zwar] als ausgerottete Dinosaurier zurückgewiesen worden sind, aber sie kommen zurück, einander auf den Straßen kratzend wie wiederbelebte Gespenster aus dem Jurassic Park. Die galaktischen Museumswärter werden den zweiten Weltkrieg als erste Runde einer lang anhaltenden Serie von Zusammenstößen zwischen rivalisierenden 'Endlösungen' klassifizieren.16

Es handelt sich hier um Fragen, die man in einen größeren Problemkomplex übersetzen kann: Was wird erinnert, was wird vergessen und warum? Warum sind manche Meme langlebiger als andere? Wie kann ein Mem rivalisierende Bedeutungen und alternative Weltbilder generieren? Und wer kontrolliert diese Meme?
Der 'memische Zugang' in dieser Teilstudie umfaßt ein Grenzland zwischen Gesellschaftswissenschaften, Psychologie und Ideengeschichte. Die Identifizierung national signifikanter Meme erfordert die Untersuchung und den Vergleich vieler heterogener Texte einer historischen Periode (wie religiöse Zeremonien, Kunst, Literatur, politisches Auftreten, Familienbräuche). In dieser Prozedur ist eine holistische Perspektive auf Kultur impliziert, also nicht die Entdeckung isolierter Phänomene, sondern verschiedener kultureller Praktiken in ihrer funktionalen Wechselwirkung. Die entsprechende Methode ist ein historisches Suchen in verschiedenen Texten nach systematischen Beziehungen zwischen verschiedenen Gebieten.

4) Erik Tängerstad: "Nationenbau und Filmproduktion":
Ausgangspunkt des Teilprojektes ist es, daß wir bei der Geburt keiner bestimmten Nationalität angehören, sondern daß die nationale Identität etwas ist, was wir uns während des Lebens aneignen. Aber wie schafft man sich eine nationale Identität, und wie erhält man sie aufrecht? Wie funktioniert die Identitifizierung? Dieser Problemkomplex liegt der Studie zugrunde, wobei die Grundannahme ist, daß Identitäten durch menschliche Tätigkeit im Lauf der Geschichte geschaffen werden. Keine natürliche oder ideale Identität ist uns von irgendeiner Art Macht außerhalb oder jenseits der Geschichte gegeben; jede Form menschlicher Identität und Identifizierung ist historisch konstituiert. Außerdem gilt, daß keine Identität durch die konkrete Aktivität einer einzelnen Person geschaffen wird, sondern daß Identität das Resultat eines kollektiven menschlichen Produktionsprozesses in der Zeit ist.
Die übergeordnete Frage, die den Ausgangspunkt des Projektes darstellt, lautet, wie die schwedische bzw. deutsche Identität entstand und perpetuiert wurde sowie in welchem Ausmaß die Entwicklung dieser Identitäten in Abhängigkeit voneinander geschah. Konkret soll analysiert werden, wie das Bild der eigenen Geschichte dargestellt wurde. Da Identität im Verlauf der Zeit entwickelt wird, ist die Reflexion über die eigene Geschichte ein zentraler Faktor bei der beständigen Ausformung und Aufrechterhaltung von Identität. Das Verhältnis zur eigenen Geschichte und die Darstellung dieser Geschichte ist daher ein zentrales Moment in jeder Identitätsbildung. Im Gegensatz zu den obigen Annahmen geht man im Identitätsbildungsprozeß meist davon aus, daß die eigene Identität von einer Art natürlicher, idealer und außerhistorischer Kraft gegeben worden ist. Die Darstellung vom Ursprung der eigenen Identität ist daher von zentraler Bedeutung, denn der Ursprung ist dann das mythische Ereignis vom Entstehen der eigenen Identität und Eintreten in die Geschichte. Aus einer solchen mythischen Perspektive wird es im beständig ablaufenden Identitätsbildungsprozeß zu einer zentralen Aufgabe, gegen den Strom der Zeit anzugehen und diesen mythischen Ursprung wieder zu erreichen, weshalb das Verhältnis zur Geschichte von größter Wichtigkeit für die Schaffung und Aufrechterhaltung einer Identität wird.
Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchten starke Kräfte in Europas mehr oder weniger neugebildeten oder rekonsolidierten Nationalstaaten, die Geschichte zu einem nationalen Projekt zu erheben, das die modernen Nationalstaaten legitimieren könnte. Seit dieser Zeit gibt es aber auch internationale Gegenkräfte, die einen globalen Markt sowie die Schaffung kommerziell brauchbarer, moderner Identitätsbildungen verfolgen. Im Modernisierungsprozeß reiben sich diese national und international orientierten Identitäten beständig aneinander.
Diese Reibungen zwischen den Identitäten, ihre Brüche und Divergenzen sollen vor dem Hintergrund des übergeordneten Modernisierungsprozesses durch eine Untersuchung von kommerziellen Stummfilmen der Zwanziger analysiert werden, die dem Genre des 'historischen Realismus' oder des 'Kostümfilms' zuzuordnen sind. Dieser Untersuchungsgegenstand bietet sich an, weil sich die international und kommerziell orientierte Filmindustrie einerseits bemühte, nationale Identitäten zu schaffen, und andererseits diese auf transnationalen Märkten zu exploitieren. Während dieser Zeit existierte sowohl in Schweden wie in Deutschland eine prosperierende Filmindustrie, wobei diese Filmindustrien viel abhängiger vom Weltmarkt als von ihren respektiven nationalen Märkten waren, was zum Großteil auf den Umstand zurückzuführen war, daß der Stummfilm keine Übersetzungsproblematik kannte. Gleichzeitig war diese Filmindustrie kommerziell orientiert und staatlich unabhängig, aber transnational durch mehre internationale kommerzielle Beziehungen. Vor dem Hintergrund dieser internationalistischen Orientierung produzierten sie Filme, die versuchten, die jeweiligen nationalen Identitäten als Thema zu nutzen. Die Analyse, wie diese Nutzung in Schweden bzw. Deutschland vor sich ging, soll mit der Frage verküpft werden, wie die schwedische bzw. deutsche Identität während der zwanziger Jahre konstruiert und perpetuiert wurde. Die zehn bis zwanzig Filme, die in diesem Genre im fraglichen Zeitraum in Schweden bzw. Deutschland produziert wurden, sollen im Hinblick auf drei Aspekte untersucht werden: eine Analyse der Produktionsverhältnisse, eine Inhaltsanalyse sowie eine Analyse der zeitgenössischen Rezeption. Das Ziel der Untersuchung ist ein erweitertes Verständnis der Umstände und Bedingungen, unter denen die Identitäten 'schwedisch' und 'deutsch' geschaffen und perpetuiert wurden.

5) Stephan Michael Schröder: "Literatur und der Stummfilm 1895-1930. Interferenzen zweier Sozial- und Zeichensysteme":
Konfrontiert mit dem Film als prototypischem Ausdruck der Moderne, mußte die Literatur seit Beginn des Jahrhunderts ihre Position neu bestimmen in bezug auf ihre Funktion im gesellschaftlichen System der Sinnproduktion. Das zentrale künstlerische Medium der 'bürgerlichen Öffentlichkeit' des 18. und 19. Jahrhunderts sah sich einem neuen Medium gegenüber, das mal als Konkurrent, mal als Komplement, mal als Synergent auftrat, in jedem Fall aber schon bald den Primat des sinnstiftenden Massenmediums streitig machte.
Untersucht werden sollen die Interferenzen von Literatur und Film zwischen 1896 und 1930, also dem Jahr der ersten Filmvorführung in Skandinavien und dem Durchbruch der Tonfilms. 'Interferenz' bezieht sich ausdrücklich nicht nur auf Medialadaptionen, cinemorphes Schreiben, die Haltung der literarischen Intelligenz zum Film o.ä., sondern umschreibt die Institutionen 'Literatur' und 'Film' als Sozial- und Zeichensysteme. Die Frage lautet, welche Beiträge diese Systeme zur gesellschaftlichen Sinnproduktion im Zuge des Aufbaus einer Massengesellschaft lieferten und wie sich dieser Beitrag über die Jahre unter dem gegenseitigen Einfluß veränderte.
Eine solche Untersuchung muß zugleich eine Reflexion über die eigenen disziplinären Voraussetzungen bedingen, liegt der Schwerpunkt der Literaturwissenschaft, gerade in den kleinen Xenowissenschaften wie der Skandinavistik, doch weiterhin in der 'Gutenberg-Galaxis'. Ziel ist es daher auch, inhaltlich und methodisch ein Modell von Kulturwissenschaft zu entwickeln, das die historisch orientierte Untersuchung der Funktion kultureller Teilsysteme in bezug auf den Sinnhaushalt des gesamtgesellschaftlichen Systems in den Vordergrund stellt.

6) Norbert Götz: "Instrumentalisierung und Kommunikation: Die Konstruktion von nationalsozialistischer Volksgemeinschaft und schwedischem Volksheim durch Arbeitspolitik":
Im Rahmen des Dissertationsvorhabens werden zwei unterschiedliche kulturelle Projekte analysiert, die dasselbe anstrebten: nationale Gemeinschaften zu schaffen und zu befestigen. In Deutschland und Schweden wurde die Vorstellung von der Volksgemeinschaft oder vom Volksheim ('folkhem') ursprünglich von Konservativen propagiert. Sie zielte gegen Klassenkampf, und ihre Essenz war die Utopie einer konsensuellen und klassenlosen Gesellschaft. In den zwanziger Jahren wurde dieses Konzept in Deutschland von den Nationalsozialisten, in Schweden von den Sozialdemokraten übernommen und geprägt. In den dreißiger Jahren wurde es von diesen Parteien in politische Praxis umgesetzt. In der Konzeptualisierung und Implementation dieser beiden Versionen der Idee nationaler Gemeinschaft drücken sich fundamentale Unterschiede aus.
Referenzrahmen der Untersuchung sind Theorien zu Nationalismus und Modernisierungstheorien, wobei diese Themen nicht im traditionellen Verständnis von irrationalem Nationalismus und rationaler Modernisierung diskutiert werden. Vielmehr werden Nationalismus und Modernisierung als miteinander kompatibel und grundsätzlich dialektisch verstanden. Die Grundannahme ist, daß die Anwesenheit oder Abwesenheit zweier unterschiedlicher Vernunftformen für spezifische Projekte der Nationenbildung und Modernität charakteristisch ist. Das sind instrumentelle Vernunft mit dem Leistungsprinzip einerseits und humanistische oder kommunikative Vernunft mit dem Prinzip der Solidarität andererseits.
In dieser Perspektive kann die Volksgemeinschaft der deutschen Nationalsozialisten, die zu einem industrialisierten kollektiven Massenmord und schließlich zur Selbstvernichtung führte, als ein anomisches Projekt mit Elementen rein instrumenteller Vernunft verstanden werden. Das Volksheim der schwedischen Sozialdemokraten, das letztlich in einen modellhaften Wohlfahrtsstaat mündete, kann demgegenüber als eine vergleichsweise erfolgreiche Verbindung von instrumenteller und humanistischer Vernunft betrachtet werden. Ziel dieser Studie ist ein besseres Verständnis dieser beiden unterschiedlichen Pfade, die Deutschland und Schweden in der Transformation von sozialen Beziehungen und kollektiven Identitäten eingeschlagen haben. Der Vergleich eines 'Zusammenbruchs der Modernisierung' mit dem Fall einer eher 'nachhaltigen Entwicklung' ermöglicht, grundlegende Fragen der Moderne zu thematisieren.
Meine Forschungsstrategie liegt in der Kombination von Diskurs- und Policy-Analyse. Genauer beleuchtet wird zum einen die Sozialpolitik, die für die Formierung und Integration von Gemeinschaften auf nationaler Ebene von zentraler Bedeutung ist. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Schaffung nationaler Gemeinschaften durch Arbeitspolitik in Deutschland und Schweden zwischen 1932/33 und 1945. Dem liegt die Annahme zugrunde, daß Arbeitspolitik auf existenzielle Weise Leistungs- und Solidaritätsgesichtspunkte, instrumentelle und zwischenmenschliche Bedingungen spiegelt. Die andere Dimension von Gemeinschaftsbildung ist Distinktion. Dazu wird die Politik gegenüber Arbeitsverweigerern vergleichend analysiert. Dimensionen des Vergleichs sind die Wohlfahrts- und Armenpflege, die Arbeitslosenversicherung, Arbeitsdienst, Arbeitsbeschaffung, Dienstpflicht, Zwangsarbeit und Arbeitserziehungseinrichtungen.

7) Bernd Henningsen: "Der Norden Europas. Die kulturelle Konstruktion nationaler Identitäten":
Die Welle der politisch-gesellschaftlichen Demokratisierungen des letzten Jahrzehnts, die nicht nur die Länder des ehemaligen Ostblocks, sondern auch andere Regionen der Welt betraf und die zugleich von einer Re-Nationalisierung der jeweiligen Gesellschaften begleitet war, tangierte auch den europäischen Norden insofern, als nach den nationalen und politischen Erschütterungen der EG-Beitrittsdebatten um 1972 in Dänemark und Norwegen mit 1989 wieder ein Datum erreicht wurde, das die politischen und nationalen Selbstverständnis-Diskussionen anheizte: Die Europa-zentrierte Auseinandersetzung der sechziger und siebziger Jahre ist seither überlagert von der autostereotypen Frage nach der kulturellen und politischen Lage und Position des Nordens. So ist das zentrale politische Thema in diesen Jahren auch im europäischen Norden das der politischen und der nationalen Identität. Wie sehr auch der Identitätsbegriff selber infrage zu stellen ist, so bestimmt doch die vorherrschende Terminologie des öffentlichen Diskurses Sprache und Begriffe.17
Das Projekt der skandinavischen Zivilgesellschaft, das - mit historischen Wurzeln im 18. und 19. Jahrhundert - während der Zeit des europäischen Bürgerkrieges im 20. Jahrhundert in die politische Wirklichkeit kam und im Bewußtsein der dort lebenden Menschen verankert wurde, spielte nur eine Nebenrolle in den autostereotypen Diskursen der anderen. Hatten gerade hierin die außerskandinavischen 'Modell'-Debatten ihren Grund - nämlich in der vorbildlichen sozialen Aussteuerung liberaler Gesellschaften - so kommen sie allenfalls in den Reformdiskussionen des mittlerweile zu teuer gewordenen Sozialstaates vor.
Die Identifikation mit dem, was 'Dänisch' ist, was 'Schwedisch', 'Norwegisch' oder 'Finnisch', ist heute untrennbar verbunden mit der Neuordnung Europas, mit der Schaffung eines großen einheitlichen europäischen Binnenmarktes und der Herausforderung, sich diesem Binnenmarkt aus ökonomischen Zwängen anschließen zu müssen. Insbesondere Medien und Intellektuelle fühlen sich durch diese 'Europäisierung' bedroht, fühlen die jeweilige nationale Identität infrage gestellt.
Für Norwegen und Dänemark ist die Identitätssuche untrennbar verbunden mit dem Jahr 1972. Der EG-Beitritt Dänemarks, der Nichtbeitritt Norwegens haben den Reflexionsprozeß keineswegs beendet, allenfalls sind die Irrationalismen aus der öffentlichen Debatte verschwunden und kamen erst seit 1992, mit dem erneuten Ersuchen um Mitgliedschaft bei der Europäischen Union, wieder an die Oberfläche. - Finnland nimmt bei der zeitlichen und inhaltlichen Einordnung eine Sonderrolle ein, insofern als eine öffentliche politische Reflexion um die finnische Identität nicht zugelassen, zumindest nur schwer umzusetzen war, solange die monolithische Sowjetunion der ausschlaggebende innenpolitische Faktor war und auch ganz massiv Einfluß auf die Innenpolitik nahm. Erst mit der Implosion der östlichen Großmacht, dem Ende des Ost-West-Gegensatzes und dem Entstehen neuer Republiken in der Ostsee-Region bricht auch in Finnland der öffentliche Sinndiskurs auf. - Die schwedische Erforschung von Mentalität und Identität hatte einen eher nationalen Zusammenhang, insofern als die Frage nach der schwedischen Mentalität verbunden war mit der 'Masseneinwanderung' insbesondere aus den südeuropäischen und asiatischen Ländern in der Blütezeit des Wohlfahrtsstaates. Die Geburt der neueren Identitäts- und Mentalitätssuche fiel zusammen mit der innergesellschaftlichen Konfrontation durch Nicht-Schweden.
Die Suche ist auch Indiz für das sich gegenwärtig wandelnde 'Modell' des nordeuropäischen, sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates, und damit ist ein weiteres Motiv genannt für die Erarbeitung dieser Studie. Denn es ist heute nicht mehr selbstverständlich - wie das noch in den siebziger Jahren war - daß sich die fortentwickelten Dienstleistungsgesellschaften Europas nach dem skandinavischen Paradigma modernisieren werden, Europa sozusagen 'schwedisiert' werden würde. Die staatsfinanzierten und -organisierten sozialen Leistungssysteme werden auf die eher einer früheren sozialtheoretischen wie historischen Stufe zuzurechnenden Modelle kontinentaleuropäischen, deutschen Zuschnitts zurückgefahren - Skandinavien wird 'europäischer'.
Es ist im Identitätsdiskurs ein sinnvolles, ein pragmatisches Wissenschaftsprogramm enthalten. Es umgreift die materielle und die immaterielle Kultur, die Fragen nach Politik sind dabei genauso wichtig wie die nach Literatur und Kunst. Die Wiederkehr der Symbole, Metaphern und Ornamente, teilweise auch der Sprache des frühen 19. Jahrhunderts macht die Entschlüsselung in heutiger Zeit notwendiger, damit das Verstehen und Durcharbeiten dieser Symbole die Wiederholung ihrer politischen Inhalte verhindern hilft. Der Blick 'von draußen' mag dabei seinen besonderen Reiz haben, vielleicht wird daraus auch ein Blick 'nach drinnen'.
Theoretisch und methodisch zentral für die Studie steht der Begriff der 'Konstruktion'. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der außer- und der innerskandinavischen Perspektive: Welchen Norden erfanden/konstruierten sich die Kontinentaleuropäer, die anderen - von Tacitus bis Rosenberg -, welchem Nordenbegriff verschrieben sich die Skandinavier selber - von Rudbeck bis zu den Neogrundtvigianern? Volksheim, Jante-Gesetz, folkelighed, sisu und andere zentrale Begriffe der skandinavischen Zivilgesellschaften werden in ihrem Konstruktionszusammenhang einer Sinnstiftung nationaler/nordischer Kohärenz diskutiert.

8) Claudia Beindorf: "Gemeinschaft und Gesellschaft - Heimatfilm und Landsbygdsfilm der dreißiger bis fünfziger Jahre":
Heimatfilme, die unseren heutigen Vorstellungen des Genres entsprechen, gibt es seit Erfindung des Films. Inhaltliche, z.T. auch dramaturgische Parallelen bestehen zur Malerei der Jahrhundertwende, zur Bauern- und Heimatliteratur (die nicht zuletzt in Abgrenzung zum Naturalismus entstand), zum Märchen, Schwank und Volkslied. In Deutschland besonders in der Tradition von Bauernkomödie und quasi-dokumentarischem Bergfilm (Arnold Fanck und Schüler), in Schweden in der Tradition der großen Filmepen, in denen die Natur handlungsbestimmend ist (Victor Sjöström), bildete die Sprache mit der Entwicklung des Tonfilms die Möglichkeit, die Konflikte zu verbalisieren und damit die Handlung voranzutreiben und ohne explizit filmische Mittel Filmstoffe mit ländlichem Schauplatz mit überwiegend bäuerlichen Protagonisten zu bevölkern und auch weniger avanciert in Szene zu setzen. Trachten, Brauchtum und spezifisch ländliche Freizeitbeschäftigungen wie Wirtshausschlägereien, Festwiesentänze und Bergwandern dekorieren das Tableau und werten die meist schlichte Handlung auf. Der Szenerie haftet zumeist etwas archaisch Gegenwartsfremdes an. Der Heimatfilm ist gekennzeichnet durch die Typisierung seiner Handlungsträger und sonstigen Figuren; deren Persönlichkeiten werden dabei in Physiognomie, Körperbau und -haltung, die Art sich zu kleiden und zu bewegen, widergespiegelt. Mit diesen Personen in der beschriebenen Szenerie übt nun die Dorfgemeinschaft Druck auf die Protagonisten aus, weil diese durch schlechte (städtisch-intellektuelle) Einflüsse vom Weg abzukommen drohen. Im Gegensatz zur fast stets vorhandenen 'abtrünnigen' Neben- oder Außenseiterfigur resp. zum stereotyp auftretenden Fremden gelingt die Reintegration der Protagonisten in die Strukturen des Dorfes nahezu grundsätzlich. Diese Strukturen tragen unverkennbar Züge einer prämodernen Gesellschaftsordnung, in der Entfremdung von der Arbeit oder Orientierungslosigkeit aufgrund verlorengegangener Bezüge zur Umwelt nicht vorkommen oder eben als durch Tradition vermeidbare Entwicklung am Beispiel von städtisch verbildeten/verblendeten Personen exemplarisch vorgeführt werden. Während die Darstellung der Stadt-Land-Problematik oder der von Bildung vs. Bodenständigkeit in deutschen und schwedischen Heimatfilmen sehr ähnlich ausfällt, wird zu untersuchen sein, weshalb Sexualität im positiven Sinne, als Folge und 'Begleiterscheinung' von Liebe, in schwedischen Filmen überhaupt vorhanden ist, in deutschen dagegen immer nur in verdammenswürdigen Formen wie Ehebruch oder Verführung stattfindet.
Daß in Deutschland und Schweden die Heimatfilme sehr unterschiedlich rezipiert wurden, ist neben der so nur in Deutschland erfolgten überhöhenden Aufwertung des Heimatbegriffes möglicherweise dadurch zu erklären, daß auf deutscher Seite eine um nostalgische Verklärung bemühte Geschichtsferne immer in Relation zum gerade überstandenen Nationalsozialismus gesehen werden muß, in Schweden die Landsbygdsfilme jedoch als Zeugnis ungebrochener Traditionen und Nähe zu den natürlichen Ursprüngen interpretiert werden. Dem deutschen Heimatfilm-Publikum, das zu großen Teilen aus den Vertriebenen aus dem Sudetenland, aus Pommern und Ostpreußen bestand, stand ein schwedisches Publikum gegenüber, das aufgrund verstärkter Industrialisierung und zunehmend mechanisierter Landwirtschaft in die Städte gezogen war und sich dort mit einer als identitätsbedrohend wahrgenommenen Heimatlosigkeit konfrontiert sah. Ein genauerer Blick auf die gezeigten gesellschaftlichen wie filmimmanenten Strukturen erscheint daher sinnvoll.

9) David Randolph: "Always Coca Cola? Globalisierung, Amerikanisierung und die kulturelle Konstruktion von Unternehmenskultur in den USA, Schweden und Deutschland":
Coca Cola ist als ein besonders geglücktes Beispiel von Globalisierung bekannt, wobei jedoch dieser Erfolg die Frage aufwirft, warum dieses Unternehmen so erfolgreich war. Außerdem ist Coca Cola interessant als Beispiel für die Expansion US-amerikanischer Kultur in der Nachkriegszeit, eine Expansion, die man wahrhaftig als 'Amerikanisierung' bezeichnen kann. Die Erfolge des Unternehmens haben solche Ausmaße erreicht, daß Coca Cola für viele Menschen in der ganzen Welt synonym mit amerikanischer Kultur ist.
Gleichzeitig muß die so verstandene amerikanische Kultur nationalen Gemeinschaften angepaßt werden. Die deutliche Auflösung des Unterschiedes zwischen 'amerikanisch' und 'global' sowie zwischen globalen Märkten und nationalen Gemeinschaften stellt die Frage nach der Natur der Globalisierung und - innerhalb des vom Globalisierungsprozeß vorgegebenen Rahmens - nach der Konstruktion nationaler Gemeinschaft. Vor dem Hintergrund dieser breiten und übergreifenden Fragen als Untersuchungsrahmen wird in diesem Teilprojekt die Konstruktion von Coca-Cola-Unternehmenskultur in den USA, Schweden und Deutschland untersucht.
Die Coca-Cola-Kultur entwickelte sich ursprünglich in dem spezifischen kulturellen und religiösen Milieu des amerikanischen Südens mit dessen sozialer Erinnerung an die Niederlage im amerikanischen Bürgerkrieg, so daß es eine Spannung zwischen globalen Marktansprüchen einerseits und dieser Unternehmenskultur mit ihrem lokal-historischen Ausgangspunkt andererseits gibt. In dieser Hinsicht hat das Teilprojekt eine gleichartige Problemstellung wie Erik Tängerstads (s. S. 27). Am Ende des zweiten Weltkrieges, als sich die Rolle der USA in der Welt dramatisch veränderte und gleichzeitig multinationale Unternehmen entstanden, unterzog sich auch Coca Cola umwälzenden Veränderungen, indem das Unternehmen seine Globalisierungsstrategie initiierte. Diese verwandelte das Unternehmen von einem regionalen Getränkeproduzenten zu einem der größten und mächtigsten Unternehmen der Welt. Während dieses Prozesses löste die Globalisierungsstrategie des Unternehmens den ersten extensiven und langfristigen Kontakt sowie die erste Konfrontation mit nationalen, identitätsbedingten Reaktionen auf die Amerikanisierung aus. Vor diesem Hintergrund ist zu fragen, wie die Coca-Cola-Kultur sich veränderte bzw. modifiziert wurde, als sie schwedische und deutsche Märkte eroberte. Auch die Rezeption der Coca-Cola-Kultur wird also in der Studie untersucht.
Es gibt, wie erwähnt, Parallelen zu Erik Tängerstads Teilprojekt, aber die Konstruktion nationaler Identität wird in dieser Studie zur Unternehmenskultur nicht in gleicher Weise problematisiert, denn hier richtet sich der Fokus nicht so sehr auf die Divergenz zwischen nationalen Identitäten und internationalen Marktstrategien, sondern auf die Konvergenz und Anpassung, also wie das Amerikanische, Globale 'nationalisiert' wird. Gleichzeitig soll nicht nur die positive Rezeption der Coca-Cola-Kultur, sondern auch der Widerstand gegen diese untersucht werden, da Elemente verschiedener Kulturen, wenn sie aufeinandertreffen, sich anpassen und modifiziert werden. Wichtig wird daher sein, sowohl zu untersuchen, welche Werte und Bedeutungen als Konstruktion der Coca-Cola-Kultur in Schweden und Deutschland im Vergleich zur USA nicht repräsentiert, also ausgeschieden wurden, als auch, wie das Coca-Cola-Symbol ein Teil schwedischer und deutscher Kultur wurde.
Der Fokus der Studie liegt auf der kommerziellen Strategie des Unternehmens in den USA, Schweden und Deutschland, wodurch nicht nur deutlich werden dürfte, wie das Unternehmen sich selbst dargestellt sehen wollte, sondern auch, welche Probleme und Konflikte entstanden, zu denen man sich beim Verkauf des Produktes verhalten mußte. Mit dem Ausgangspunkt in Anzeigen soll untersucht werden, auf welche Symbole und auf welche Sprache man zurückgriff. Weiterhin ist von Interesse, was Coca Cola in Schweden und Deutschland sponsorte. Welche Art von Mythos und secret formula wurden in den verschiedenen nationalen Milieus geschaffen?

10) Bo Stråth: "Der gemeinschaftsstiftende Diskurs über Arbeit":
Arbeit dürfte eines der allerwichtigsten gemeinschaftsstiftenden Elemente sowohl in Schweden wie in Deutschland sein. Die Sichtweise der Arbeit ist nach dem zweiten Weltkrieg sowohl von einer paternalistisch-unternehmensorientierten als auch von einer sozialdemokratisch-egalitären Optik geprägt worden. Die Normen der gesellschaftlichen Ethik in bezug auf Arbeit sind in Problemlösungsprozessen entstanden, d.h. bei sozialen Konflikten und der Suche nach Kompromissen, an der sowohl Unternehmer- als auch Arbeiterseite aktiv mitwirkten. Wie die genaue Mischform als Resultat des Kräftemessens zwischen diesen beiden und anderen Kraftquellen aussehen wird und wie sie historisch entstanden ist, ist vergleichend zu untersuchen.
Als sich während der fünfziger Jahre sowohl Schweden als auch (West-)Deutschland am Gedanken einer Vollbeschäftigung als 'Naturzustand' orientierten, der durch einen Satz gesellschaftswissenschaftlich und nationalökonomisch bestimmter Techniken zu erreichen sei, stand der Begriff der Arbeit im Zentrum. Arbeit ('Vollbeschäftigung') war das Ziel, als die dreißiger Jahre als eine historische Epoche konstruiert wurden, in der Massenarbeitslosigkeit zuletzt auftrat. Aber Arbeit war auch ein Mittel, um die 'gute Gesellschaft' zu erreichen, eine Vision, die immer stärker wurde, je mehr der Schatten des Weltkrieges verblaßte. 'Soziale Marktwirtschaft' und 'Mischwirtschaft' wurden - unter der übergeordneten Kategorie 'Arbeit'/'Vollbeschäftigung' - sowohl in Deutschland als auch in Schweden identitätsschaffende Begriffe mit vielen gleichartigen Zügen, aber auch entscheidenden Unterschieden, was den Schwerpunkt einer gedachten Verbindung zwischen Gesellschaft und Markt betraf. Im beidseitig geteilten Gedanken nationaler Schicksalsgemeinschaften, die auf Arbeit ('Vollbeschäftigung') und wissenschaftlich legitimierten Techniken aufbauen, gab es verschiedene Meinungen im Hinblick auf die Fragen, wie Arbeit geschaffen wird und wie ihre Früchte verteilt werden sollen. Die Meinungsunterschiede wurden durch Verhandlungen in korporativistischen Strukturen gelöst.
Diese Gemeinschaftskonstruktion wurde Ende der sechziger Jahre von zwei Seiten kräftigen Belastungen ausgesetzt:

  1. Die Wachstumsökonomie, die man durch die Anwendung nationalökonomischer Theorien als garantiert angesehen hatte, zeigte zunehmend Schwächen, als das, was im zweiten Weltkrieg zerstört worden war, nicht - wie so häufig behauptet - wiederaufgebaut, sondern neuaufgebaut worden war. Der Kampf um Weltmärkte wurde härter und erodierte von außen her die nationalen Schicksalsgemeinschaften in bezug auf Beschäftigung. Dieser Prozeß wurde später unter dem Begriff der Globalisierung zusammengefaßt. (Der Zusammenhang ist allerdings weit komplexer, da auch die ökologische und die technologische Entwicklung hineinspielen, aber es besteht hier nicht die Absicht, diese Zusammenhänge zu analysieren, sondern es soll von den plötzlichen Problemen der Wachstumsgesellschaft ausgegangen werden.)
  2. Die Radikalisierung der Gesellschaftsdebatte mit 1968 als symbolträchtigem Jahr erodierte die nationalen Schicksalsgemeinschaften durch Kritik von innen her.

Das Ergebnis war, daß die korporativistischen Verhandlungsmodelle ins Schwanken kamen und die Identifikation mit der armen ('dritten') Welt zunahm. Der Gedanke einer globalen ökonomischen Verteilung jenseits von Vorstellungen nationaler Schicksalsgemeinschaften oder globaler Freihandelstheorien erhielt Verstärkung.
Als Versuch, dem Zerfall der gemeinschaftsstiftenden Verhandlungsordnung zu begegnen, lancierte man die Begriffe 'Mitarbeiter'/'medarbetare'. Es ist weitgehend unerforscht, wie dies in einer vergleichenden Perspektive Schweden-Deutschland geschah. Eine solche vergleichende Perspektive ist auch angesichts der Tatsache höchst interessant, daß Sprachen wie das Englische oder Französische entsprechende Begriffe nicht entwickelt haben, weshalb die Bedingungen für diese schwedisch-deutsche Sonderentwicklung diskutiert werden müssen.
Grundlegend für den Mitarbeiter-Diskurs war immer noch der Gedanke, daß Arbeit ein Fundament der gesellschaftlichen Organisation ist. Während jedoch der Mitarbeiter-Begriff seine Stellung stärkte, wurde die Massenarbeitslosigkeit zu einem dauerhaften Phänomen. Massenarbeitslosigkeit wurde in Deutschland in der ersten Hälfte der Siebziger offenkundig (im Widerspruch zum gesellschaftlichen Fundament, das auf dem Gedanken einer Vollbeschäftigung aufbaute), während sie in Schweden unter dem Begriff der 'Frühverrentung' bis in die neunziger Jahre hinein versteckt wurde.
Mit der Massenarbeitslosigkeit als immer dauerhafterem Zustand verloren Vollbeschäftigung und Arbeit ihre sinnstiftenden Funktionen. Stattdessen erschien der Begriff der 'Arbeitslosigkeit' auf der politischen Tagesordnung, zusammen mit den heilenden Begriffen 'Flexibilität' und 'Markt'. Es wird eine der Hauptfragen dieses Teilprojektes sein, wie diese diskursive Transformation auf die Gemeinschaftsbildung in den beiden Gesellschaften rückgewirkt hat.
Die diskursiven Analysen sollen in vergleichender Perspektive geschehen und von Debatten in den Parlamenten und Enquetekommissionen sowie den Protokollen, Diskussionsbeiträgen und Rechenschaftsberichten der zentralen Arbeitsmarktorganisationen ausgehen.

11) Heike Graf: "Die 'schwedische Fernsehgemeinschaft': Die Institutionalisierung des Fernsehens und seine Auswirkungen auf die Alltagskultur":
Dreißig Jahre nach der Einführung des TV in die schwedische Gesellschaft ist das Fernsehgerät in den Rang einer Lebensnotwendigkeit aufgerückt und darf im Falle der Zahlungsunfähigkeit nicht gepfändet werden. TV hat wie kaum ein anderes Kommunikationsmedium zuvor die Wahrnehmungswelt, den Alltag und die gesellschaftliche Kommunikation verändert. Es soll hier nicht als ein neutrales Medium verstanden werden, das lediglich Informationen überträgt, verbreitet und verteilt, sondern als Sozial- und Zeichensystem, das nach seinen internen Strukturen Wirklichkeitsentwürfe anbietet und zum Nutzen auffordert. Daß es über Jahrzehnte oft im Hintergrund bleiben konnte, zeigt seine enorme Strukturierungsleistung. Mediales Dabei-Sein gewann schließlich denselben Status wie körperliche Partizipation.
Die Hauptfrage des Projekts lautet: Wie wurde mit welchen Akteuren der Fernsehfunk in Schweden in den fünfziger Jahren eingeführt und welchen Beitrag leistete und leistet er als Sozial- und Zeichensystem im Modernisierungsprozeß der schwedischen Gesellschaft? Die Untersuchungen konzentrieren sich auf die fünfziger und sechziger Jahre, weil gerade eine historische Beschreibung der Genese neuer Kommunikationsformen die Umbrüche in der Alltagskultur konturieren kann.
Der Einzug des Fernsehapparates in die schwedischen Haushalte fand im Vergleich zum europäischen Standard18 verspätet - erst im September 1956 - statt. Der Verdienst der ersten Fernsehversuche gebührt weniger staatlicher Förderungspolitik, sondern den zahlreichen privaten Fernsehenthusiasten, die öffentliche Vorführungen veranstalteten und für die Akzeptanz des neuen Mediums warben. Der gesellschaftliche Diskurs in dieser Frage wurde von der herrschenden sozialdemokratischen Partei (SAP) dominiert, die die Entscheidung über die Einführung des TV auf die lange Bank zu schieben versuchte.19 Die SAP hatte mehrere Gründe, den TV-Start zu verzögern. Jedoch erboten sich bei positiver Beschäftigung neue Möglichkeiten für die Instrumentalisierung des neuen Mediums im Volksheim. Die Ankunft des Apparates in den schwedischen Wohnstuben wurde in der Obhut des Staates mit einer stark familienideologischen Komponente, d.h. mit einer Rückwendung in die Intimität der familiären sozialen Beziehungen, versehen. Der Fernsehfunk als Kulturträger "im Dienste der Gesellschaft sowie der Haushalte"20 sollte die Integration der Familienmitglieder untereinander stärken, d.h. als eine Art Kitt den Auflösungstendenzen entgegenwirken, sowie die Nation über die kulturelle Homogenisierung zusammenschweißen. Was einst die Petroleumlampe war, die die Familie um den Tisch herum versammelte, sollte nun das Fernsehgerät werden, ein Ort der "inneren Sammlung".21
Die schwedische Bevölkerung schien auf das neue Medium gewartet zu haben, denn die Anmeldung von Fernsehapparaten nahm schneller zu als erwartet, und die Lizenz-Kurve suchte ihresgleichen in Europa.22 Der schnelle Durchbruch des Fernsehens23 hatte auch zur Folge, daß der Fernsehfunk früher als geplant finanziell auf eigenen Beinen stand und etwaige Kommerzialisierungsgedanken, die die dominierende Rolle des Staates hätten schwächen können, in den Hintergrund drängte. Zu Beginn der sechziger Jahre hatte sich das Fernsehen im Alltag voll etabliert.
Die Erlebnisse und Sorgen von medialen Familien wurden zu Erfahrungen von Millionen Schweden. Der Fernseher erklomm den Rang eines neuen Mitgliedes der Gemeinschaft. Cecelia Tichi schreibt über die Anfänge des amerikanischen Fernsehens, daß "the new cathode tube hearth brings the family together in a scene of harmony and affection".24


Organisation der Forschung

Das Projekt ist mit einer Laufzeit von vier Jahren konzipiert. Für die wissenschaftliche Leitung zeichnen Bo Stråth, Professor am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, und Bernd Henningsen, Professor für Skandinavistik/Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, verantwortlich.

  • Forschungsresultate werden in mindestens fünf Monographien, fünf Konferenzberichten nebst einer Vielzahl wissenschaftlicher Aufsätze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sowohl in wissenschaftlichen Zeitschriften und Sammelpublikationen als auch in der eigenen Schriftenreihe Arbeitspapiere "Gemeinschaften". Während die Aufsätze die verschiedenen Stadien der Projektarbeit begleiten und dokumentieren werden, sollen die Monographien eher den Charakter von Abschlußberichten der jeweiligen Teilprojekte erhalten. Nach Beendigung des Projektes werden Bernd Henningsen und Bo Stråth dann in einer gemeinsam zu verfassenden Monographie die zentralen Ergebnisse darlegen und sie mittels theoretischer Reflexion einordnen in die untersuchten Fragestellungen der Konstruktion von Gemeinschaft, der Steuerbarkeit moderner Gesellschaften, politischer Legitimität und, last but not least, der Unterschiede und Gemeinsamkeiten, kurz: der Berührungspunkte zwischen repräsentativer Demokratie und Populismus.
  • Um den Blick vor allem auf die anderen nordischen, aber auch auf die anderen europäischen Länder und damit die komparative Basis auszuweiten, sind insgesamt fünf große internationale Konferenzen mit ca. dreißig bis vierzig Teilnehmern geplant. Neben den Forschenden des Projektes werden auch Wissenschaftler eines schon etablierten nordischen Netzwerkes Beiträge liefern. Eine erste, vorbereitende Konferenz fand im September 1995 mit Symposienmitteln statt, die Riksbankens Jubileumsfond bewilligt hatte. Die Konferenz diente der Problematisierung der vergleichenden Perspektive Skandinavien - Deutschland. Ihre Resultate werden in einer Monographie mit ca. zehn Artikeln veröffentlicht, die unter dem Titel The Cultural Construction of Norden im Universitätsverlag Oslo von Bo Stråth und Øystein Sørensen herausgegeben wird. In der Monographie wird u.a. diskutiert, inwiefern ein spezifisch nordisches Gesellschaftsmodell existiert, was dieses implizieren würde und welche Unterschiede und Ähnlichkeiten der Gesellschaftsstrukturen sich innerhalb und außerhalb Skandinaviens finden. Dem Vergleich mit Deutschland wird hierbei besonderes Gewicht zukommen. Die Monographie kreist um Fragen der politischen Kultur, Institutionen, Symbole sowie Traditionen der Problemlösung; die Entwicklung der Modernisierungsmuster der nordischen Länder sowie deren Gesellschaftsstrukturen im 19. und 20. Jahrhundert werden erläutert.
    Die erste 'reguläre' internationale Tagung des Projektes fand im September 1996 auf Schloß Snogeholm (Sjöbo/Schweden) zu dem Thema "Contemporary Approaches to History and Society in Human and Social Sciences" statt. Ein Tagungsband, herausgegeben von Bo Stråth und Nina Witoszek, ist in Vorbereitung.
  • Die Berichte von den Konferenzen sollen das Voranschreiten im Projekt begleiten. Sie werden durch lebhafte interne Diskussionen, die sich aus den Konferenzvorbereitungen sowie dem Redigieren und der Herausgabe der Berichte ergeben werden, das Rückgrat des Projektes bilden. Um die Kontinuität und eine umfassende theoretische wie empirische Basis der internen Diskussion sicherzustellen, werden diese Berichte jedoch nicht ausreichen. Durch die Aufteilung auf ein schwedisch-italienisches sowie ein deutsches Residuum der Forschung sind vier bis fünf zweitägige Arbeitskonferenzen pro Jahr erforderlich, an denen prinzipiell alle festen Projektmitarbeiter und gegebenenfalls geladene Gäste teilnehmen. Dieses Forum dient der Vorstellung und Diskussion vorläufiger Ergebnisse und Arbeitspapiere.
  • Darüber hinaus wird zur internen Kommunikation wie zur externen Repräsentation eine umfangreiche WorldWideWeb-Seite unter der Adresse http://www2.rz.hu-berlin.de/inside/skan/gemenskap/ aufgebaut.

Fußnoten

1

: Als ein Beispiel, wie fruchtbar ein derartiger Blickwinkel sein kann, kann folgender Aufsatz Lars Trägårdhs dienen: "Varieties of Volkish Ideology. Sweden and Germany 1848-1933." In: Bo Stråth (Hg.): Language and the Construction of Class Identities. The Struggle for Discursive Power in Social Organisation: Scandinavia and Germany after 1800. Göteborg: Gothenburg University 1990, 25-54.
2: Bo Stråth: "Continuity and Discontinuity in Passing Front I and II. Swedish 19th Century Civil Society: Culture, Social Formations and Political Change". In: Bo Stråth (Hg.): Democratisation in Scandinavia in Comparison. Report from the DISCO Conference on Continuity and Discontinuity in the Scandinavian Democratisation Process in Comparison in Kungälv 27-28 August, 1987. Göteborg: Göteborgs universitet 1988, 21-42.
3: Bo Stråth: Folkhemmet mot Europa. Ett historiskt perspektiv på 90-talet. Stockholm: Tiden, 1993, Kap. 2: "Mot en ny samhällsorganisation: De transnationella företagens fred" (52-107).
4: Vgl. Rolf Torstendahl: Bureaucratism in Northwestern Europe, 1880-1985. Domination and Governance. London: Routledge, 1991; sowie Bo Stråth: Organisation of Labour Markets. Modernity, Culture and Governance in Germany, Sweden, Britain and Japan. London: Routledge, 1996, Kap. 1 (1-46).
5: Eine erste deutsche, eher geistesgeschichtlich orientierte 'Sonderweg-Debatte' begann in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg; Holborn z.B. betonte den 'Sonderweg' der deutschen Philosophie im 19. Jahrhundert (Hajo Holborn: "Der deutsche Idealismus in sozialgeschichtlicher Beleuchtung". In: Historische Zeitschrift 174 (1952), 359-384). Eine zweite 'Sonderweg-Debatte' begann unter Historikern um 1970 und ging zunächst mehr oder weniger implizit von einem (angloamerikanischen) Modernisierungsstandard aus, von dem die deutsche Entwicklung mit katastrophalen Folgen abwich, wobei sich die Debatte mit den Gründen der Abweichung beschäftigte. Vor allem als Folge des großen internationalen und komparatistischen 'Bürgertums'-Projekt, das 1986-1987 an der Universität Bielefeld von Jürgen Kocka geleitet wurde, wurde eine Perspektive entwickelt, wonach jede Gesellschaftsentwicklung, nicht nur die deutsche, einzigartig und ihr eigener Sonderweg sei. Ein 'Normalweg' existiere höchstens als idealtypische Vorstellung (Jürgen Kocka (Hg.): Bürgertum im 19. Jahrhundert. Deutschland im europäischen Vergleich. 3 Bde. München: DTV, 1988). Im Kontext der 'Sonderweg-Debatte' s. unbedingt auch: Historikerstreit. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. 9. Aufl. Piper: München, 1995 (= Serie Piper; 816). Das Problem der Sonderwegdebatte ist nicht zuletzt, daß sie nur in der Kritik gebündelt ist (hier grundlegend: David Blackbourn u. Geoff Eley: The Pecularities of German History: Bourgeois Society and Politics in 19th Century Germany. Oxford: University Press, 1980), während der Ansatz selber als Paradigma eher diffus formuliert wurde.
6: Die Grundlage der hier skizzierten theoretischen Perspektive einer skandinavisch-deutschen Vergleichsanalyse wurde in dem vom Jubiläumsfonds der schwedischen Reichsbank finanzierten CONDIS-Projekt (Continuity and Discontinuity in the Democratisation of Scandinavia in Comparison) an der Universität Göteborg geschaffen. In diesem Projekt wurde die skandinavische Gesellschaftsentwicklung vor allem an der deutschen gespiegelt. CONDIS begründete auch die kritische Haltung gegenüber vorgefaßten Betrachtungsweisen der deutsch-skandinavischen Entwicklung, die üblicherweise sozio-ökonomische Strukturen als kausale Erklärung heranziehen (vgl. den Konferenzbericht, Stråth 1990; s. auch den ersten Bericht des CONDIS-Projekts, herausgegeben von Bo Stråth: Democratisation of Scandinavia in Comparison. Gothenburg: Gothenburg University 1988, bes. für eine Diskussion des Begriffs der Integration 'von unten' bzw. 'von oben').
7: John Keane: Despotismus und Demokratie. Über die Unterscheidung zwischen bürgerlicher Gesellschaft und Staat 1750-1850. In: Kocka (Hg.) (1988), Bd. 1, 13f.
8: Peter Wagner: "Die Soziologie der Genese sozialer Institutionen - Theoretische Perspektive der 'neuen Sozialwissenschaften' in Frankreich". In: Zeitschrift für Soziologie 22 (1993:6), 464-476.
9: Ernst Cassirer: Philosophie der symbolischen Formen. 4 Bde. 10., unveränd. Aufl. (reprographischer Nachdruck der 2. Aufl. 1953). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1994.
10: Jurij Lotman: Universe of the Mind. A Semiotic Theory of Culture. London: Tauris & Co Ltd., 1990; ders.: Stat´i po tipologii kultury. Tartu[: Universität Tartu], 1970 [dt. Übersetzung des Titels: Beiträge zur Typologie der Kultur]; ders.: "The Sign Mechanism of Culture". In: Semiotica 12 (1974:4) 301-351; ders. u. Boris A. Uspensky: The Semiotics of Russian Culture. Ann Arbour: University of Michigan, Slavic Centre, 1985.
11: Die Auffassung von Geschichte als Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses ist nicht neu. Sie erlebt gegenwärtig eine Renaissance als Korrektiv zu Modebegriffen wie imagined/ invented community. Maurice Halbwachs, ein Schüler Émile Durkheims, unterstrich in seiner La memoire collective (Paris: Presses Universitaires de France, 1950 (= Bibliothèque de sociologie contemporaire)) genau diese Bedeutung des kollektiven Gedächtnisses. Er definiert es als durch soziale Kommunikation vermittelte Übereinkunft über das Vergangene. Insofern ist es ein Verhandlungsinstrument, das sich ständig zwischen zugänglichen historischen Daten und aktuellen sozialen und politischen Fragen bewegt.
12: Mary Douglas: "Environments at Risk". In: Dies.: Implicit Meanings. Essays in Anthropology. London: Routledge, 1993, 230-248; sowie Victor Turner: The Ritual Process. London: Penguin, 1974.
13: Ein Teil der Vorträge auf dieser Konferenz geht ein in: Bernd Henningsen u. Stephan Michael Schröder (Hg.): Vom Ende der Humboldt-Kosmen. Konturen von Kulturwissenschaft. Baden-Baden: Nomos, 1997.
14: Claudia Beindorf, Izabela Dahl u. Stephan Michael Schröder: Kulturwissenschaft und Landeskunde. Kommentierte Auswahlbibliographien. Berlin: Humboldt-Universität, 1995 (Kleine Schriften des Nordeuropa-Institutes; 2).
15: Wolfgang Frühwald u.a.: Geisteswissenschaften heute. Eine Denkschrift. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Taschenbuch, 1991 (= suhrkamp taschenbuch wissenschaft; 973).
16: Felipe Fernàndez-Armesto: Millenium. London: Bantam Press, 1995.
17: Einige ausgewählte Literaturhinweise: Anders Linde-Laursen u. Jan Olof Nilsson (Hg.): Nationella identiteter i Norden - ett fullbordat projekt? O.O.: Nordiska rådet, 1991 (= Nord 1991:26); Svenolof Karlsson (Hg.): En okänd själ - på jakt efter det nordiske. O.O.: Nordiska rådet, 1991 (= Nord 1991:25); Ole Feldbæk (Hg.): Dansk identitetshistorie. 4 Bde. Kbh: Reitzel, 1991-1992; Thorkild Borup Jensen (Hg.): Danskernes identitetshistorie. Antologi til belysning af danskernes selvforståelse. Kbh: Reitzel, 1993; Flemming Lundgreen-Nielsen (Hg.): På sporet af dansk identitet. Kbh: Spektrum, 1992; Uffe Østergaard (Hg.): Dansk identitet? Århus: Aarhus Universitetsforlag, 1992 (= Kulturstudier; 19); Bernd Henningsen: "Mentalität, Identität, Nationalität. Die Skandinavier auf der Suche nach dem, was sie sind". In: Hans Schottmann (Hg.): Arbeiten zur Skandinavistik. 11. Arbeitstagung der deutschsprachigen Skandinavistik. Münster: Eigendruck, 1994, 400-416; Stephan Michael Schröder: "Arbeitskreis Kulturwissenschaft" u. "Auf Jagd nach Schnarks. Einleitende Bemerkungen zur (skandinavischen) Identitätsforschung". In: Walter Baumgartner u. Hans Fix (Hg.): Arbeiten zur Skandinavistik. 12. Arbeitstagung der deutschsprachigen Skandinavistik. Wien: Fassbaender, 1996 (= Studia Medievalia Septentrionalia; 2), 467-470 u. 576-586.
18: In Deutschland (Ost und West) gab es seit 1952 regelmäßige Fernsehsendungen; Dänemark begann 1954.
19: Auf dem 19. Parteitag der SAP 1952, als schon erste Fernsehversuche die Aufmerksamkeit der Bevölkerung erregten, fand die TV-Frage in der Erklärung zur Kultur des Landes keine relevante Erwähnung (nur in einem Nebensatz zum Radio), ebenso wenig wie auf dem 20. Parteitag 1956.
20: Television i Sverige (SOU 1954:32), 64.
21: Knut Hickethier: "'Fließband des Vergnügens' oder Ort 'innerer Sammlung'?". In: Ders. (Hg.): Der Zauberspiegel - Das Fenster zur Welt. Untersuchungen zum Fernsehprogramm der fünfziger Jahre. Siegen: Gesamthochschule, 1990, 4-32.
22: Man rechnete 1959 mit einer Zahl von 72.000 Gebührenzahlern, in Wirklichkeit wurden es 400.000. Eine Million (bei 7 Mio. Einwohnern) wurde Ende der sechziger Jahre erreicht. Zu den ersten Fernsehfamilien gehörten solche mit mehreren Kindern. In den ersten Jahren wurden zwei bis drei Stunden am Abend ausgestrahlt. Ein Abend pro Woche war fernsehfrei als Antwort auf die abrupt vernachlässigte Vereinstätigkeit. In den sechziger Jahren lag das Programmvolumen schon bei sieben Stunden pro Tag.
23: Er kam endgültig mit der Fernsehübertragung der Fußballweltmeisterschaften in Schweden 1958.
24: Cecilia Tichi: Electronic Hearth. Creating American Television Culture. New York: Oxford University Press, 1991, 47.

Literaturverzeichnis

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