Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Humboldt-Universität zu Berlin | Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät | Nordeuropa-Institut | STUDIUM | KVV | ws9697 | Nordeuropa-Institut: Mediävistische Lehrveranstaltungen im WS 1996/97

Mediävistische Lehrveranstaltungen im WS 1996/97

In der Beschreibung der angebotenen Lehrveranstaltungen werden folgende Abkürzungen verwendet:
  • CO - Kolloquium
  • HS - Hauptseminar
  • UE - Übung
  • EX - Exkursion
  • PS - Proseminar
  • VG - Vorlesung mit Gesprächsanteil
  • GK - Grundkurs
  • SP - Sprachkurs
  • VL - Vorlesung

Die Einordnung und Anerkennung der einzelnen Lehrveranstaltungen im Rahmen der jeweiligen Studienordnung von Freier Universität bzw. Humboldt-Universität ist mit den Lehrenden rechtzeitig abzusprechen.


Das Studium der skandinavistischen Mediävistik / Hartmut Röhn
VL 07 241 / Mi 14-16 / MOS 101

Die Vorlesung wird eine systematisch gegliederte Einführung in das Studium des Fachgebietes Skandinavistische Mediävistik/Ältere Skandinavistik geben. Ihr Hauptteil wird zentrale Gegenstände, Methoden, Arbeitsweisen und Arbeitsmittel des Fachteils, aber auch Grundzüge seiner Geschichte und heutigen Orientierung behandeln. Dies schließt die Einführung in Arbeitstechniken wie Bibliographieren, Materialsuche und -auswertung, Anfertigung von schriftlichen Arbeiten u. a. m. ein. Die Vorlesung wendet sich damit primär, aber nicht ausschließlich, an Studierende des Grundstudiums. Wer immer Interesse am Gegenstand hat, ist willkommen; es wird voraussichtlich auch ausreichend Zeit und Gelegenheit für Fragen und Antworten zu den Themen der Vorlesung geben.

Für eine kurze einführende Information vorab eignen sich: Fréderic Durand: Nordistik. Einführung in die skandinavischen Studien. München 1978. Sowie: Gerd Wolfgang Weber: Ältere Skandinavistik - ein verwehender Traum? In: Bernd Henningsen und Rainer Pelka (Hrsg.): Die Skandinavistik zwischen gestern und morgen. Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven eines 'kleinen Faches'. Schleswig 1984 (= Schriftenreihe der Akademie Sankelmark, N. F., H. 59), S. 25-38. [Beide Titel sind in der Fachbibliothek vorhanden.]

Lektüre altnordischer Texte: Orkneyinga saga / Susanne Kries
SP 07 242 / Mo 10-12 / MOS101

Die Orkneyinga saga, auch unter dem älteren Namen Jarla sögur bekannt, wurde zum Ende des 12. oder beginnenden 13. Jahrhunderts kompiliert. Der Autor ist uns, wie in vielen Fällen, namentlich nicht bekannt, es gibt aber Gründe anzunehmen, daß er aus dem Kreise der Oddaverjar stammt, die gute Beziehungen zu den Orkaden hatten. Interessanterweise hat die Saga ungefähr 1230 eine Neubearbeitung erfahren, zu deren Veränderungen eine mythisch-genealogische Einleitung (sog. Fundinn Nóregr) sowie ebenso die Einbettung eines Abschnitts über die Mirakel des Heiligen Magnús zählt. Andere Zusätze behandeln die Beziehungen der Orkaden zum schottischen Festland (Caithness).

Die Beschäftigung mit dieser Saga, die dem Bereich der Konungasögur zugeordnet werden kann, ermöglicht einen Einblick in die Geschichte dieser Inseln über einen Zeitraum von etwa 350 Jahren (vom 9. bis zum beginnenden 13. Jahrhundert) im historischen Kontext und den politischen und kulturellen Beziehungen, sowohl zu Schottland als auch zum norwegischen Mutterland. In ihrer ursprünglichen Fassung hat die Saga wohl bereits mit dem Tode von Sveinn Ásleifarson (ca. 1171) geendet. Der Großteil der Orkneyinga saga beschreibt die Raubzüge der Jarle sowie ihre internen Streitigkeiten und Machtkämpfe. Zu den bekanntesten Skalden, die in der Saga zitiert werden, gehören Arnórr Þórðarson jarlaskáld (11. Jahrhundert) und Rögnvaldr Kali (12. Jahrhundert), der in den Jahren 1151/53 eine Pilgerfahrt in das Heilige Land unternahm.

Teilnahmevoraussetzungen bzw. -hinweise: Erfolgreicher Abschluß des SP Einführung in die altisländische Sprache.

Volkssprachliche Literatur Islands und Norwegens im Mittelalter I / Hartmut Röhn
PS 07 243 / Di 16-18 / MOS 101

Der Kurs wird über die Lektüre und Interpretation ausgewählter repräsentativer Texte (in Übersetzungen) eine Einführung in die wichtigsten Gattungen der mittelalterlichen norwegischen und isländischen Literatur bieten und auch einen kursorischen Überblick über die Geschichte dieser Literatur vermitteln. Im Mittelpunkt wird die gemeinsame Erarbeitung eines angemessenen Textverständnisses stehen, wobei wir auch auf die Klärung und Bestimmung der wichtigsten Gattungsmerkmale, der Entstehungs- und Überlieferungsbedingungen und das historisch-soziale Umfeld der Texte eingehen.

Teilnahmevoraussetzungen bzw. -hinweise: Kenntnisse der altisländischen Sprache werden nicht vorausgesetzt.

Nach FU-Studienordnung ist der Kurs für Haupt- und Nebenfachstudierende der Älteren Fachrichtung sowie für Hauptfachstudierende der Neueren Skandinavistik obligatorischer Bestandteil des Grundstudiums; nach HU-Studienordnung gilt er als Proseminar Mediävistik.

Leistungsnachweis: Aktive Teilnahme, Referat/Hausarbeit.

Literatur: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, die folgenden drei Reclam-Bändchen anzuschaffen: Edda: Götterlieder (RUB 781) - Edda: Heldenlieder (RUB 7746) - Die Saga von Gisli Sursson (RUB 9836). Die grundlegende Literatur zum Themenbereich ist - mit erläuternden Kommentaren - zu finden in: St. Gippert - B. Laursen - H. Röhn: Studienbibliographie zur Älteren Skandinavistik, Leverkusen 1991 (= Berliner Beiträge zur Skandinavistik; 1).


Skaldische Fürstenpreisdichtung / Hartmut Röhn
HS 07 244 / Mi 10-12 / MOS 101

Behandelt werden soll eine Reihe wichtiger und für die Gattung repräsentativer Fürstenpreislieder. Die Erarbeitung einer möglichst textnahen Übersetzung, eines grammatisch-philologischen Kommentars und die Erörterung von überlieferungsgeschichtlichen, gattungsbezogenen und metrischen Fragen werden dabei im Vordergrund stehen. Teilnahmehinweis: Wer bereits vor Beginn des Semesters mit der Arbeit beginnen möchte (sehr zu empfehlen!), kann sich mit mir in einer meiner Feriensprechstunden in Verbindung setzen. Eine Liste mit Vorschlägen für die Textauswahl und Hinweisen auf die zu behandelnden Aspekte wird ab etwa Mitte September ausgehängt.

Leistungsnachweis: Aktive Teilnahme, Referat/Hausarbeit.

Zur Einführung eignen sich: Klaus von See: Skaldendichtung. Eine Einführung. München und Zürich 1980. - Bjarne Fidjestøl: Det norrøne fyrstediktet. Øvre Ervik 1982.


Narrative Götterlieder der Edda unter Bezug auf ihre Mythologie bei Snorri / Anne Heinrichs
CO 07 245 / Do 10-12 / MOS 104

In seinem Aufsatz Types of Eddic Mythological Poetry (In: Robert J. Glendinning und Haraldur Bessason (Hrsg.): Edda - A Collection of Essays. University of Manitoba Press 1983) unterscheidet Heinz Klingenberg zwei Gruppen von eddischen Götterliedern: die "aufzählenden" und die "narrativen". Unser erstes Beispiel ist Skírnis för, das - vorwiegend narrativ - eine Mischform aus beiden Gruppen darstellt. Es folgen Þrymsquiða und die sogenannten Odinsbeispiele aus Hávamál. Diese Dichtungen bilden den Zugang zu den Mythologien dreier wichtiger Götter: Thor, Odin und Freyr. Die vielfältigen neueren Ansätze der Mytheninterpretation (u. a. Klingenberg, Weber, Clunies-Ross und Lindow) werden zur Diskussion herangezogen. Zur praktischen Bearbeitung der Texte werden jeweils Kopien bereitgestellt.


Examenscolloquium / Hartmut Röhn
CO 07 246 / Di 18-20 / MOS 106

Das Colloquium wird hauptsächlich Fragen der Examensvorbereitung (Prüfungsordnungen und Formalia, Themenwahl und -abgrenzung, Material-/Literaturbeschaffung, Arbeitsweise, Methodik und dgl.) gewidmet sein. Daneben können auch aktuelle Examensarbeiten und Planungen/Konzepte für solche vorgestellt und diskutiert werden. Die Veranstaltung wendet sich nicht nur an bereits im Examen stehende Studierende, sondern möchte ausdrücklich auch Studierende des Hauptstudiums rechtzeitig an die Examensphase heranführen.

Nach einigen vorbereitenden Sitzungen in den ersten Wochen des Semesters, die v. a. der Erörterung und Klärung organisatorischer und vorbereitender Schritte der Examensplanung dienen, wird die Hauptarbeit an einem Wochenendtermin gegen Ende des Semesters stattfinden. Diese Arbeitsform hat sich in voraufgehenden Colloquien mit ähnlicher Zielsetzung bewährt.


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