Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Dissertationen/Disputationen 2010

 
 

Arne Segelke:
Dissertation: Der Erste Weltkrieg in der Bildberichterstattung der dänischen Presse 1914–1918 (Ralph Tuchtenhagen)
 

Inken Dose: Regionalisierung in Europas Norden: Die EU-Ostseestrategie (Disputation am 8. Februar)

Dissertation: Nationale Minderheiten im Ostseeraum. Geschichte und Gegenwart, Identität und territoriale Anbindung (Bernd Henningsen, Sten Berglund/Universität Örebro)

Die Ostsee verbindet Staaten, Menschen und Kulturen im Norden Europas, einer Region, die von Konflikt und Kooperation geprägt wurde. Kriege, Migrationen und Volksabstimmungen veränderten die ethnische Bevölkerungszusammensetzung in den einzelnen Ländern. Die Situation der Minderheitenangehörigen unterscheidet sich von der Mehrheitsbevölkerung ihres Wohnstaates, aber auch zwischen den verschiedenen nationalen Minderheiten bestehen Unterschiede im Hinblick auf ihre Entstehung, ihre Definition und ihre Situation in Abhängigkeit von der jeweiligen Minderheitenpolitik ihrer Wohnstaaten. Darüber hinaus leben die Minderheitenangehörigen in der Regel im Spannungsfeld zweier Nationalitäten, Kulturen und Sprachen. Wie sind die nationalen Minderheiten in der Ostseeregion entstanden, wie sieht ihre Lage heute, nach dem Ende des Kalten Krieges bzw. nach dem EU-Beitritt ihrer Wohnstaaten aus? Wem fühlen sie sich verbunden, was macht ihre Identität aus? Um diesen und anderen Fragen nachzugehen, werden in der vorliegenden Studie die größten nationalen Minderheitengruppen in fünf Ostseestaaten untersucht: in Dänemark, Schweden, Finnland, Estland und Lettland.
 

Lill-Ann Körber: Ostseepiraten und andere Männer am Meer. Badende in skandinavischer Literatur, Fotografie und Malerei um 1910 (Disputation am 11. Februar)

Dissertation: Badende Männer. Nacktheit, Begehren und Künstlerschaft in skandinavischer Malerei und Fotografie 1900–1920 (Stefanie von Schnurbein, Antje Wischmann)

Im Zentrum der Dissertation stehen Bilder badender Männer von Edvard Munch (1863–1944), Eugène Jansson (1862–1915), J.A.G. Acke (1859–1924) und Jens Ferdinand Willumsen (1863–1958), zu denen ich neben Ölgemälden auch Skizzen und vor allem Fotografien zähle. Mit einem Höhepunkt um die Jahre von ca. 1907 bis 1911 wird mit den Badebildern in konzentrierter Form das bis dato in Skandinavien kaum gebräuchliche Aktgenre etabliert und diskutiert. Die Bilder stellen sich als komplexe Knotenpunkte in sozialen, kulturellen und medialen Diskursen dar. Damit seither verbundene Vorstellungen von Natürlichkeit und Vitalität sind bis heute wirkmächtig in »nordische Identität« betreffenden Zuschreibungen und Selbstvermarktungsstrategien. Den Werkgruppen der vier skandinavischen Künstler ist gemeinsam, dass sie zum ungefähr gleichen Zeitpunkt entstehen, dass sie von den Künstlern und ihren Rezipienten als Bruch in Leben und Werk konzeptualisiert werden und dass die Fotografie – darunter bei allen Künstlern fotografische Selbstporträts als Badende – im Vergleich zum restlichen Werk der Künstler und zu dem von Zeitgenossen eine herausragende Rolle spielt. Mit den vier Künstlern präsentiere ich die prominentesten skandinavischen Vertreter des zu Anfang des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten Bademotivs und untersuche exemplarisch mit den Badebildern diskursiv und lebenspraktisch verknüpfte Themenkomplexe: von Gesundheit und Sport über Geschlecht, (Homo-)Sexualität und Begehren, die mediale Repräsentation von Körpern, Inter- und Remedialisierungsprozesse zwischen Fotografie und Malerei bis hin zur sozialen Funktion und Bedeutung von Kunst und Künstlerschaft.

Im Umkreis der Bilder badender nackter Männer entfaltet sich ein Konnex zwischen Nacktheit, Natürlichkeit, Reinheit, heterosexueller Männlichkeit und Gesundheit, den ich allerdings nicht als Ausgangspunkt der sogenannten vitalistischen Malerei, sondern als deren Effekt lese. Der nackte Körper erscheint als Ort, an dem eine allerorten proklamierte Kulturkrise der Moderne um die Jahrhundertwende 1900 ausagiert und bearbeitet wird. Sowohl krisenhafte als auch als stark, gesund oder gar martialisch inszenierte Männlichkeiten können als Strategien der Krisenbewältigung verstanden werden. Homosexualität stellt sich in meinem Material als Irritationsmoment dar, auch weil sie im Zusammenhang mit den Badebildern nicht als verweiblicht, sondern als hypermännlich daherkommt und damit Dichotomien von Weiblichkeit und Männlichkeit wie auch von Gesundheit und Krankheit verunklärt. Bis heute scheint das »lustvolle Schauen«, sofern es den männlichen Akt betrifft, problematisiert oder legitimiert werden zu müssen. Das Gesundheits-/Krankheitsparadigma mit seiner Zentrierung um Vorstellungen von Natürlichkeit löst im von mir untersuchten Zeitraum andere Legitimierungsstrategien für Akt und Nacktheit ab und nimmt einen hohen Stellenwert in der Verhandlung von Künstlerschaft und damit in Selbstinszenierungen und biografischen Narrativen ein. Beide letztere, und damit Inszenierungen und Reflexionen des Verhältnisses von Leben und Werk, stehen im Fokus meiner Untersuchung. Der Körper des Künstlers und dessen Medialisierungen nehmen in den von mir analysierten Werkgruppen wie auch im Schreiben darüber eine zentrale Rolle ein und verbinden Leben und Werk zu einem Narrativ. Weder Biografie noch Bilder lösen allerdings die Erwartungen an einen Aufschluss über authentisch Erlebtes oder Erfahrenes ein, sondern beide stehen in einem komplexen intertextuellen Verhältnis zueinander. Die Fotografie trägt meiner Lesart nach in Verzahnung mit anderen Medien zu den sowohl autobiografischen als auch biografischen Projekten und damit zur Fiktionalisierung von Biografie bei, gleichzeitig aber auch zu einem Realitätseffekt, der die von mir untersuchten Cluster von Bildern und Texten kennzeichnet.


Katarina Löbel: Hochschulbildung am Prüfstand – Akkreditierung in skandinavischen Hochschulsystemen seit 2007 (Disputation am 6. Juli)

Dissertation: Doing higher education quality. A discourse analysis approach to the meaning construction of higher education quality in Sweden between 1992 and 2007 (Antje Hornscheidt, Thorsten Nybom/Universität Örebro)