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Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Wissenschaftliche Projekte

 
 
 

Pite Saami Documentation Project (PSDP):
Linguistische Dokumentation der bedrohten pitesaamischen Sprache

Ziel des Projektes ist die linguistische Dokumentation des Pitesaamischen, einer bedrohten saamischen Sprache, die noch von ca. 25 meist älteren Saami in Schweden gesprochen wird. Dazu werden Sprachaufnahmen an verschieden Orten im pitesaamischen Gebiet im schwedischen Norrbotten durchgeführt. Die Aufnahmen werden transkribiert und mit Übersetzungen sowie weiteren Annotationen versehen und in Archiven in London, Umeå, Arjeplog und Jokkmokk archiviert. Eine genauere Beschreibung und weitere Informationen finden sich auf der Webseite des Projektes:
http://www2.hu-berlin.de/psdp/

Das Projekt wird durch das Hans Rausing Endangered Languages Project an der School of Oriental and African Studies der University of London finanziell gefördert; diese Förderung umfasst ein Doktorandenstipendium für den Projektkoordinator Joshua Wilbur und die Deckung der Unkosten für Feldforschung. Die Finanzierung für das Projekt läuft Ende Juli 2011 aus.
Um für die Sprachdokumentation als wichtigen Bereich der Linguistik am Nordeuropa-Institut und an der Humboldt-Universität Aufmerksamkeit zu gewinnen, hat Joshua Wilbur im Wintersemester 2009/2010 das Seminar Sprachdokumentation im nordeuropäischen Raum angeboten, an dem neun Studierende teilgenommen haben. Als Teilleistung wurden »Mini-Sprachdokumentationen« des Schwedischen, Isländischen, Finnischen, Norwegischen, Estnischen bzw. eines deutschen Dialekts (Fränkisch) durchgeführt.


Ende Februar 2010 fuhr Joshua Wilbur nach Bodø, Norwegen, um zusammen mit zwei Sprechern und einem Studenten des Pitesaamischen an der zweiwöchigen Winter School for Saami Language Documentation and Revitalization teilzunehmen. Des Weiteren veranstaltete Joshua Wilbur im Rahmen der Winter School ein achttägiges Feldforschungstutorium und hielt eine technische Vorführung des linguistischen Computerprogramms Toolbox ab. An zwei Tagen besuchten alle TeilnehmerInnen das lulesaamische Kulturzentrum Árran in Drag, Norwegen. Nach der Winter School fuhr Joshua Wilbur zum dritten Feldforschungsaufenthalt für fast zwei Monate nach Arjeplog, Schweden, um weitere Video- und Audioaufnahmen zu machen, diese zu übersetzen und zu annotieren. Diese Aufnahmen werden archiviert und bilden eine erweiterte Grundlage für Joshua Wilburs Promotionsvorhaben, welches aus dem annotierten Dokumentationskorpus, einer Grammatikskizze und einer genaueren Analyse von morphophonologischen Phänomenen im Pitesaamischen bestehen wird. Neue Sprachaufnahmen umfassten u. a. den winterlichen Alltag der niedergelassenen Saami, eine Bestandsaufnahme auf Video von pitesaamischen Wörtern für unterschiedliche Rentiere und Elizitati-onen grammatischer Strukturen. Im Mai wurden weitere Aufnahme mit vollständigen Übersetzungen und Annotationen im Endangered Language Archive (ELAR) eingereicht und archiviert. Ende August wurden diese Sprachmaterialien erstmals im Internet für die Öffentlichkeit bereit gestellt unter:
http://elar.soas.ac.uk/deposit/wilbur2009pitesaami


Zusammen mit Kollegen aus Sámi Gielatekno an der Universität Tromsø und dem Kola Saami Documentation Project (KSDP) wurde ein neues Webportal erstellt, um einen zentralen Zugang zu verschieden Archiven, Technologien und Werkzeugen für vor allem bedrohte saamische Sprachen zu schaffen:
http://saami.uni-freiburg.de/


Das Projekt wurde mehrmals und in verschiedenen Formen präsentiert. Mitte August war das Projekt in der Posterpräsentation Documentation of Saami languages at DoBeS and ELAR beim 11. internationalen Kongress der Finno-Ugristik in Piliscsaba, Ungarn, integriert. Vom 9. bis 10. Oktober war Joshua Wilbur eingeladen, an einem Workshop über Rentierlexikographie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig teilzunehmen und auch PSDP vor allem im Bezug auf Rentierterminologie zu präsentieren. Vom 14. bis 15. Oktober wurden an dem jährlichen DoBeS-Workshop (Dokumentation bedrohter Sprachen) in Nijmegen, Niederlande, praktische Ergebnisse aus dem PSDP und dem Partnerprojekt KSDP (eine DVD, eine Animation über Rentiergeweihe, ein computer-basiertes Wörterbuch und das neue Webportal) ausgestellt.
Ende November ist Joshua Wilbur zum vierten Feldforschungsaufenthalt für drei Wochen nach Arjeplog, Schweden, aufgebrochen, um u. a., weitere grammatische Elizitationen und neue Aufnahmen vom jährlichen renskillning zu sammeln, einem wichtigen Ereignis unter saamischen Rentierzüchtern, bei dem die Rentiere für den Winter nach saamischen Familien eingeteilt werden.
Während des dritten Feldforschungsaufenthalts in Arjeplog arbeitete Joshua Wilbur eng mit den Mitgliedern eines Wortlistenprojekts zusammen, das vom örtlichen Saami-Verein durchgeführt wird, um bei der Realisierung einer pitesaamisch-schwedisch-norwegisch-englischen Wortliste weiter voranzukommen.