Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

 

18. Arbeitstagung der deutschsprachigen Skandinavistik (ATDS)
am Nordeuropa-Institut
18.-21. September 2007

 
           
 
Aktuelles Programm Arbeitskreise
Plenarvorträge
Tagungsorte Unterkunft
         
 

Protokolle

Kontakt

Arbeitskreise
Stand: 1.3.2007

AK 10 ¡Rompiendo el hielo! Skandinavisch-iber(oamerikan)ische Kulturkontakte

Fritjhof Strauss/Thomas Seiler (Greifswald/Zürich)

Kontakt:
straussf@uni-greifswald.de
thseiler@bluewin.ch

Die Literatur- und Kulturbeziehungen Skandinaviens zur spanisch- und portugiesischsprachigen Welt sind ein noch wenig anstudiertes Feld in der Skandinavistik. Unser Arbeitskreis möchte in Einzelbetrachtungen versuchen, die Grundzüge dieses Kulturkontaktes nachzuzeichnen. Vom weichen Konstruktivismus unseres Faches wissen wir bereits, daß im Süden die Alterität hinter jeder Ecke lauert, aber ganz so schlimm ist es auf der Pyrenäenhalbinsel nicht, denn die Sprachen dort sind relativ einfach erschließbar und es kursiert viel kulturelles Vor- und Fachwissen über das Iberische.

Ein erster wichtiger Zugang in Skandinavien erfolgte über die Barockästhetik als im 19. Jahrhundert eine Auseinandersetzung mit Werken und Stoffen des Siglo de oro der spanischen Literatur- und Kunstgeschichte einsetzte. Das beschreibende Bereisen Südwest-Europas fand in H.C. Andersen einen prominenten Vertreter, doch symbolistisches Schwelgen semantisierte daraufhin bis in die Kioskliteratur hinein das Land, wo Stierblut die Arenen tränkt. Für eine ganze Reihe skandinavischer Kunst-schaffender trat mit dem spanischen Bürgerkrieg die politische Wirklich-keit in den Vordergrund und forderte fern-ethisches Engagement. Der Exotismus suchte sich dagegen zur selben Zeit entlegenere spanisch-sprachige Gefilde in Lateinamerika, so etwa in Evert Taubes Schlagern. Doch Tortur löste Tango ab: Spätesten in den 1970ern bröckelte auch dieser Exotismus, als viele chilenische Flüchtlinge in Skandinavien eine neue Heimat fanden und das Kulturleben mitgestalteten. Derweil kolli-dierte Chartertourismus mit Franco-Ächtung. Heutzutage spielt Spanisches (abgesehen von Almadóvar, aber auch nur der) und Portugiesisches in der medialen Öffentlichkeit Skandinaviens am ehesten noch in der Belletristik eine Rolle. Südamerikanisches aber wesentlich mehr, zumal zugezogene Latinos den symbolischen Status von Premium-Neuskandinaviern haben.

Der Arbeitskreis möchte das Wie und Was des Bedeutens von I-ber(oamerikan)ischem in Skandinavien historisch und aktuell untersuchen, wobei auch die umkehrte Perspektive – die Rezeption und Seman-tisierung von Skandinavischem in den iber(oamerikan)ischen Kulturen – von Interesse ist. Als erste Vorschläge für Beitragsthemen hier ein paar Namen: Martin Andersen Nexø, Inger Elisabeth Hansen, Klaus Rifbjerg, Henrik Nordbrandt, Ole Sarvig, Kjartan Fløgstad, Lasse Åberg, Nordahl Grieg, Gustaf Munch Petersen, Latin Kings, Mendez, Ib Michael, Katja Cardenal, Guðbergur Bergsson, Henrik Stangerup, Vilhelm Krag y muchos otros más.

zur Übersicht: Arbeitskreise