Humboldt-Universität zu Berlin - Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät - Nordeuropa-Institut

Disputationen

 
 
 

Robert Ernecker: Europäische Nachbarschaftspolitik (7. Juni)

Dissertation: Estland, Lettland und Litauen auf dem Sprung in die Europäische Union

Durch den Fall der Berliner Mauer im November 1989 und der sich daran an-schließenden wirtschaftlichen und politischen Transformation der Mittel- und Osteuropäischen Staaten sahen sich die Länder der EG in der Verantwortung und in der Pflicht, den Prozess in den jungen Demokratien zu unterstützen. Die moralische Verpflichtung und die historische Verantwortung gegenüber den nunmehr freien Staaten führten zu einer Annäherung, an deren Ende die EU-Mitgliedschaft stehen sollte. Mit Estland, Lettland und Litauen sind im Jahr 2004 erstmals drei ehemalige sowjetische Republiken der Europäischen Union beigetreten. Am Beispiel dieser drei Staaten wird die Haltung der EU zum Beitrittsprozess dargestellt und anhand der in den IB stattgefundenen Debatte zwischen Rationalismus und Konstruktivismus analysiert.

 


Jochen Hille: Der Norden – Teil oder Alternative zu Europa? (13. Juli)

Dissertation: Gute Nation oder Europa? Euroskeptizismus in Norwegen und in der deutschsprachigen Schweiz

Norwegen und die Schweiz sind keine EU-Mitgliedstaaten, weil die Bevölkerungen die Integration mehrheitlich in Referenden ablehnte. Die enorme Mobilisierung und Emotionalisierung in den nationalen Integrationsdebatten kann weder durch ökonomische noch durch politische Umstände hinreichend erklärt werden. Die Hauptmobilisierungsressource von Euroskeptikern liegt darin, tief verwurzelte nationale Selbst- und Fremdbilder zu reaktivieren. Diese Diskursanalyse beschreibt vergleichend, auf welche Art und Weise die größten euroskeptischen Akteure der Schweiz und Norwegens den Rückgriff auf das Nationale in Integrationsdebatten herstellen. Gefragt wird, wie die Aktion für eine Unabhängige und Neutrale Schweiz (AUNS) und die eng mit ihr verbundene Schweizerische Volkspartei (SVP) einerseits, und die norwegische Bewegung Nein zur EU (norwegisch: Nei til EU) andererseits, ihren Integrationswiderstand mittels nationaler Narrationen und Bildersprachen als sinnvoll darstellen. Hierzu werden umfangreiche euroskeptische Bild- und Textquellen referiert und gedeutet. Damit wird ein Beitrag zur Forschung über das Selbstverständnis, die Denkweise, die Rhetorik und das Tugendsystem anti-integratorischer Bewegungen geleistet.

 


Carsten Schymik: Europäisierung der inneren Sicherheit (7. Juni)

Dissertation: Europäische Anti-Föderalisten. Volksbewegungen gegen die Europäische Union in Skandinavien

Die politikwissenschaftliche Dissertation bietet eine theoretische, historische und empirisch-vergleichende Untersuchung zum Thema politischer Widerstand gegen die europäische Integration. Am Beispiel der Nein zur EU-Bewegungen in Norwegen, Schweden und Dänemark wird gefragt, wer die sogenannten „Euroskeptiker“ sind und worin ihre „Euroskepsis“ besteht. Im Ergebnis zeigt die Studie, daß der skandinavische EU-Widerstand insgesamt weder als nationalistisch noch protektionistisch charakterisiert werden kann, sondern zutreffender als anti-föderalistisch und damit in historischer Analogie zur Opposition gegen die amerikanische Verfassungsgebung von 1787/88 interpretiert werden sollte.

 


Patrick Vonderau: Erlebnisraum Norden: Skandinavien in der Unterhaltungskultur der Jahrhundertwende (14. Februar)

Dissertation: Bilder vom Norden. Schwedisch-deutsche Filmbeziehungen 1914–1939

Der skandinavische Norden bildete in der Zwischenkriegszeit einen wichtigen Orientierungspunkt filmkultureller und filmwirtschaftlicher Projekte. Das Interesse der Studie gilt den „Vorstellungstatsachen“, die diese Projekte motivierten, teilweise auch der Logik einer ökonomischen und filmpolitischen Ratio zum Trotz. Im Zusammenhang mit Deutschlands Isolierung nach dem Ersten Weltkrieg, der drohenden Übermacht Hollywoods und der nationalsozialistischen Diktatur ließen sich mit solchen Vorstellungen Produktions- und Vertriebsfirmen gründen, Filme gestalten und Propagandamaßnahmen legitimieren. Die Dissertation skizziert eine Motivgeschichte des Nordens in den audiovisuellen Medien seit der Jahrhundertwende, sie arbeitet die filmwirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern in den 20er und 30er Jahren auf, und sie stellt einen einmaligen Quellenfund vor, der das mysteriöse Scheitern von Greta Garbos erstem und einzigem deutschem Großfilmprojekt Die Odaliske von Smolny erhellt.

 

 

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