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Humboldt-Universität zu Berlin - Philosophische Fakultät II - Nordeuropa-Institut

HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN • NORDEUROPA-INSTITUT

»Einführung in die skandinavistische Kulturwissenschaft.«

GK im WS 1999/2000 • Stephan Michael Schröder

11.11.1999 Referent: Jan Stampehl


 SPRACHE UND WIRKLICHKEIT -

DER ›LINGUISTIC TURN‹

 

 

GLIEDERUNG.

  1. Zur Einleitung
  2. Ursprünge des ›linguistic turn‹ in der Sprachphilosophie
  3. Zum Stichwort ›Postmoderne‹
  4. Umsetzung des ›linguistic turn‹ und Bedeutung für die Geisteswissenschaften
  5. Literatur
  6. Folien zum Referat

 

ZUR EINLEITUNG.

»Der kulturelle Aufbruch ist wesentlich auch ein sprachlicher. Ein rascher und kumulativer Wandel in den Traditionen setzt eine neue Qualität in der Informationsmenge voraus, die sich auf gesellschaftlichem Weg erwerben, speichern, verfügbar machen und mit anderen teilen läßt. Die menschliche Sprache ist das Medium, kraft dessen Erinnerungen, Individuen und Generationen überleben. Aber sie ist nicht einfach ein geduldiger Palimpsest, ein im passiven Sinne vielbeschriebenes Blatt. Sie ist auch eine aktive, tatkräftige Macht bei der Gestaltung des zunehmend komplexeren gesellschaftlichen Seins, das dem Alltagsleben durch die kulturelle Entwicklung aufgebürdet wird.« (Hansen, S. 49)

 Der ›linguistic turn‹ ist einer der Schlüsselbegriffe in der geisteswissenschaftlichen Debatte der Postmoderne, vor allem in der Sozial-, Kultur- und Geschichtswissenschaft. Er ist ein vielzitierte, aber selten erklärte Konstante der wissenschaftlichen Diskussion.

 

URSPRÜNGE DES ›LINGUISTIC TURN‹ IN DER SPRACHPHILOSOPHIE.

Wichtigste Grundlagen sind die sprachphilosophischen Überlegungen von Ludwig Wittgenstein [1889-1951] und John Longshaw Austin [1911-1960] zu Beginn des Jahrhunderts. Die ›linguistische Wendung‹ kam aber nicht aus dem Nichts, sondern griff eine durch Wilhelm von Humboldt [1767-1835] über Johann Gottfried Herder [1744-1803] und Ernst von Cassirer [1872-1945] verfolgte Linie der Sprachphilosophie auf.

Kurz gesagt ist das wichtigste Merkmal des ›linguistic turn‹ die Fokussierung der Philosophie, später unter ihrem Einfluß der anderen Geisteswissenschaften, auf die Sprache als wirklichkeitstragend und zugleich wirklichkeitsproduzierend. Oder auch: Wahrnehmung von Wirklichkeit produzierend.

 

ZUM STICHWORT ›POSTMODERNE‹.

 ›Epochenbezeichnung‹ für die Zeit nach der Moderne

 Anfang des Jahrhunderts aufgekommen, spätestens seit den 70er Jahren voll im Gebrauch.

 »Das Ende der ›Meta-Erzählungen‹.« (Lyotard)

 Das Ende der Utopien.

 Es gibt nur noch partielle, subjektive und individuelle Wahrheiten.

 Religionen, metaphysische Systeme oder Ideologien erhalten kein allgemeines Vertrauen mehr.

 Der Glaube an das ›moderne Projekt‹ - die Befreiung des Menschen durch Fortschritt in Wissenschaft, Technik und Rationalität - ist verlorengegangen.

 Statt dessen Orientierung auf begrenztere und persönliche Projekte.


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UMSETZUNG DES ›LINGUISTIC TURN‹ UND BEDEUTUNG FÜR DIE GEISTESWISSENSCHAFTEN.

Ganz im Zeichen der postmodernen Diskussion (weswegen der ›linguistic turn‹ auch einer ihrer Hauptbestandteile ist) geht es bei der Aufstellung eines neuen Wissenschaftsparadigmas um die Absage an allgemeine Wahrheiten. Wenn jedes Wort immer auch etwas Anderes bedeuten, anders gedacht, gedeutet und verstanden werden kann, kann es in den Geisteswissenschaften auch nicht mehr um die Findung eindeutiger Antworten gehen. Alles ist hinterfragbar geworden, bis hin zur angeblichen »Objektivität« der Wissenschaft.

 

LITERATUR.

Hansen, Klaus P., Kultur und Kulturwissenschaft. Eine Einführung, Tübingen 1995.
(v.a. Kapitel ›Sprache‹, S. 49-71.)

Hornscheidt, Antje, Der ›linguistic turn‹ aus der Sicht der Linguistik, in: Bernd Henningsen/Stephan Michael Schröder (Hg.), Vom Ende der Humboldt-Kosmen. Konturen von Kulturwissenschaft, Baden-Baden 1997, S. 175-206.

Lorenz, Chris, Konstruktion der Vergangenheit. Eine Einführung in die Geschichtstheorie (Beiträge zur Geschichtskultur 13), Köln/Weimar/Wien 1997.

White, Hayden, Der historische Text als literarisches Kunstwerk, in: Christoph Conrad/Martina Kessel (Hg.), Geschichte schreiben in der Postmoderne. Beiträge zur aktuellen Diskussion (Reclam Universal-Bibliothek 9318), Stuttgart 1994.

 

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